Zwei Filme…

… die mit jedem Mal schauen an erschreckender Realität zunehmen, sind Staatsfeind Nr. 1 und Ausnahmezustand. 3 Jahre vor 9/11 schuf Regisseur Edward Zwick mit Denzel Washington und Bruce Willis in den Hauptrollen einen Film, die letzten Jahre *real* Revue passieren lässt. In New York werden mehrere Terroranschläge verübt. Arabische Extremisten, eine Terrorzelle — alles, was 1998 zu einem beklemmendem Film gereichte, wurde 2001 brutale Realität. Ebenso die Reaktionen der Behörden.

New York wird vom folternden und mordenden General William Devereaux in den Ausnahmezustand versetzt — selbstverständlich alles zur Sicherheit der Bevölkerung und um die Attentäter zu finden. Muslime werden ins New Yorker Stadion gepfercht — verdächtig ist schon, wer nur anders aussieht. Um an Informationen zu kommen, wird ein Unschuldiger gefoltert und schließlich erschossen. Um die Bevölkerung vermeintlich zu schützen, wird das abgeschafft, was es wert wäre zu schützen, die Freiheit der Bürger. Es ist das Ende des Anstandes und der Demokratie. Ein Film, damals fern jeglicher Vorstellungskraft, heute aktueller denn je. Man denke an Guantanamo oder auch an Murat Kurnaz — es gibt unzählige Beispiele.

Der Staatsfeind Nr. 1 wird heute noch als *der* Lieblingsfilm der Paraoiker bezeichnet. Will Smith als Anwalt Robert Dean gerät in den Fokus der NSA — was diese auffährt, um Dean zu überwachen, glaubte man damals nicht wirklich. Auch Staatsfeind Nr. 1 stammt aus dem Jahr 1998. Während ein Hubble-Teleskop die Weiten des Alls absucht, sind über 100 Spionagesatelliten auf uns gerichtet. Die Behörden kontrollieren alles — private Überwachungskameras, die Konten der Bürger. Alles, was wir irgendwo hinterlassen, wo wir waren, kann von den Behörden überwacht, überprüft werden und gegen uns eingesetzt werden. Was damals zur (gesunden) Paranoia führte, ist heute ebenso erschreckende Realität wie schon der Ausnahmezustand. Das Bankgeheimnis ist gefallen, die Unverletzlichkeit der Wohnung ist das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht — während in Geheimsitzungen über unsere Zukunft entschieden wird, darf der Bürger sich gegenüber dem Staat entblättern.

Ausnahmezustand, Staatsfeind Nr. 1 oder auch Orwell selbst. Das alles sind keine Zukunftsvarianten mehr, die sich paranoische Geeks und Nerds anschauen oder ausgedacht haben — das Leben, widergespiegelt in diesen Werken, ist traurige Realität geworden und wird teilweise noch übertroffen. Diverse Kreise haben aus der Vergangenheit und des Untergangs mancher gesellschaftlicher Modelle gelernt. Sie machen es heute besser — steter Tropfen höhlt den Stein, eine Gesellschaft der Angst und schon lässt diese sich in jede Richtung steuern. Schon irgendwie pfiffig.

3 Antworten zu “Zwei Filme…”

  1. Benni sagt:

    Habe die beiden Filme auf DVD schon länger in meiner Sammlung. Schon erschreckend, dass sogar Hochglanz-Hollywood mehr Weitsicht als die meisten Politiker beweist…

  2. phoibos sagt:

    es ist doch normal, dass fiktion die realität vorwegnimmt. attentate mit flugzeugen sind auch nichts unbekanntes mehr, ich denke da an tom clancy (ehrenschuld / befehl von oben) oder tom harris (schwarzer sonntag). orwell und huxley waren auch mal fiktion…

    ciao
    phoibos

  3. JumpingJakk sagt:

    und nun ist vieles von der ehemaligen Fiktion traurige und bittere Realität …

    leider

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