Zur Person: Rudi Dutschke

Rudi Dutschke im Gespräch in Günter Gaus Sendung Zur Person, in fünf Teilen (von oben nach unten). Die Sendung wurde am 03.12.1967 gesendet. Ein Transcript der Sendung kann hier eingesehen werden.

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13 Antworten zu “Zur Person: Rudi Dutschke”

  1. Stefan sagt:

    Lief kürzlich auf dem … MDR, glaube ich. Nachts. Ich konnte nicht ausschalten, obwohl ich dringend Schlaf benötigt hätte.

    Dieses Gespräch ist wirklich unglaublich gut, schon alleine die Tatsache, daß hier «unverhohlen» über eine neue Revolution gesprochen, deren Ziele diskutiert und sie mit anderen verglichen wird, wäre heute kaum mehr vorstellbar.
    Vermutlich würde sofort (wahlweise) das BKA, der Verfassungsschutz, ein SEK, etc. den «Revolutionsführer» präventiv internieren|liquidieren.

    Faszinierend ist dabei auch die Form des Gesprächs. Beide gehen aufeinander ein, tauschen — zwar auch emotional (nicht zuletzt Dutschke) — sachlich Argumente aus und bedienen sich einer qualitativ hochwertigen Sprache.
    Es ist einfach schön, sich das anzusehen/-hören, auch wenn man manche (oder viele) Ansichten nicht teilt.

    Rudi Dutschke war nicht zuletzt ein charismatischer, unglaublich überzeugter Mensch, der wirklich etwas verändern wollte — und das auf eine menschliche Weise. Nicht zuletzt seine Reaktionen auf die extremen Angriffe auf seine Person — inklusive des Attentats — zeugen von einem starken Charakter.

    Wie gesagt, man kann über Inhalte und Meinungen diskutieren und verschiedene Ansichten haben, aber alleine schon die Form und der Stil, die man u. a. in diesem Gespräch zu sehen bekommt, sind faszinierend und stehen in Kontrast zu den heute vielfachen rein oberflächlichen Marktschreieraussagen und pauschalen Werbesprüchen.

  2. paul sagt:

    «Rudi Dutschke war nicht zuletzt ein charismatischer, unglaublich überzeugter Mensch, der wirklich etwas verändern wollte — und das auf eine menschliche Weise.«
    nun ja. er hatte auch ziemlich unverholen gewalt gegen das system propagiert. und meinte damit keine friedlichen straßenblockaden sondern steine schmeißen und kaufhäuser anzünden. trotzdem, eine charismatische perönlichkeit war er ohne zweifel.

  3. Oliver sagt:

    >er hatte auch ziemlich unverholen gewalt gegen das system propagiert. und meinte damit keine friedlichen straßenblockaden sondern steine schmeißen und kaufhäuser anzünden.

    Er stand keineswegs für Gewalt oder Umsturzgedanken, man hätte ihn wohl ob dieser recht einfach aus dem Verkehr ziehen können. Auf die Frage hin oder er zu Gewalt bereit sei antwortete Dutschke, Nein, aber die Höhe unserer Gegengewalt bestimmt sich durch das Maß der repressiven Gewalt der Herrschenden.

    Ebenso argumentierte auch der damalige von den Studenten verehrte Philosoph Theodor Adorno. Aber letztendlich sind die Gedanken frei und diejenigen die dementsprechend handelten die wahren Übeltäter. Andererseits fällt es mir auch heute in einem weitaus liberaleren Kontext schwer hier den Standpunkt eines Moralapostels einzunehmen. Die Position war und ist korrekt, über Fehler im Detail kann man natürlich diskutieren. Alles jedoch unter der Prämisse, daß man nicht dem mitte-rechts Lager der Gesellschaft angehört.

  4. paul sagt:

    mit einer revolution verbinden sich ja schon gewisse umsturzgedanken. aber klar, dutschke war kein terrorist oder irgendwas dergleichen. und sein einfluss auf die studentenbewegung hat dieser sicher nicht geschadet. trotzdem hatte er manchmal schon einen etwas harten ton drauf. möglich, das dadurch ein paar andere in der ausführung dummer taten bestärkt wurden. aber wie du schon sagst, seine position war korrekt, über fehler im detail kann man diskutieren. zum glück.

  5. Oliver sagt:

    Natürlich hatte er einen harten Ton drauf, aber wer hat das nicht? Zumindest wenn man etwas zu sagen hat? Mir sind Menschen, die sich direkt äußern, lieber als jene die sich arg schwammig geben.

  6. paul sagt:

    naja. bisschen schwache argumentation: hat was zu sagen, deshalb rauer ton. gibt auch genung leute die was zu sagen haben und trotzdem «nett und freundlich» sind. mit welchen menschen man persönlich besser zu recht kommt hat mit dutschke nix mehr zu tun. rudi dutschke war wie er war, und das war schon gut so.

  7. Oliver sagt:

    >naja. bisschen schwache argumentation:

    Das obige ist ein rauer Ton? Ich glaube du hast noch nie einen echten Diskurs erlebt. Dann hättest du mal die Reden von Adorno hören sollen, ein Philosoph, «nett» etc. … alles nur Oberflächlichkeiten, auf den Inhalt kommt es an. Aber heute wohl kaum noch. Streitkultur ist ebenso eine Kunst und nur wenige sind dafür geschaffen.

  8. paul sagt:

    es gibt einige situationen in denen dutschke einen rauen ton anschlägt, das gaus-gespräch gehört sicherlich nicht dazu (obwohl er auch hier sagt, dass er auf jeden fall eine waffe in die hand nehmen würde, wenn er in südamerika leben würde). ist auch ein unterschied, ob jemand im fernsehen auftritt oder eine demo anführt. ich dachte das wäre deutlich gewesen.

  9. Oliver sagt:

    >es gibt einige situationen in denen dutschke einen rauen ton anschlägt

    Ich kenne diverse Transcripte von Reden, je nach Publikum, bzw. gar Aufzeichnungen. Es ist teils ein schärferer Ton herauszuhören und eine Entwicklung ersichtlich im Laufe der Zeit, aber nichts was nicht unzählige Male mittels diverser Politiker getoppt wurde. Letztendlich spricht es Bände wie er zu Tode kam bzw. Benno Ohnesorg, wie damals die Sicherheitskräfte des Schah (die berüchtigten «Jubelperser») auf Demonstranten einprügelten unbehelligt von der deutschen Exekutive. Verhältnismäßigkeit? Ich denke auch es wäre klar gewesen, daß jene Freiheit die wir heute genießen damals in der Form überhaupt nicht vorhanden war. Ist auch nicht schlimm, das heutige Bildungssystem leistete vortreffliche Arbeit, um derartige freiheitliche Gedanken als nonsense zu deklarieren und wenn man dabei auch Geschichtsverfälschung begeht, indem man teils Infos außen vor läßt.

  10. paul sagt:

    die deutsche exetkutive ist den «jubelpersen» ja sogar noch zur seite gestanden, insofern geb ich dir da voll recht, vor allem auf die frage nach der verhältnismäßigkeit, von der damals wie auch heute häufig nicht gesprochen werden kann.
    allerdings würde ich mit dem begriff geschichtsverfälschung vorsichtig sein. geschichte wird immer von den siegern geschrieben, und bei ereignissen, die noch nicht mal ein halbes jahrhundert zurück liegen, ist eine historisierung zusätzlich ziemlich schwer. es haben einfach noch zu viele leute ihre ideologischen scheuklappen aufgesetzt.

  11. Oliver sagt:

    >allerdings würde ich mit dem begriff geschichtsverfälschung vorsichtig sein

    Warum? Ich sah es selbst in zahllosen Veranstaltungen, in denen nicht offensichtlich «gefälscht» wurde, jedoch mittels willentlicher Ausparung diverser Themen oder nur einseitiger Betrachtung ebenso dieser Weg beschritten wurde. Und heute sind viele Infos der Bevölkerung einfach nicht bewußt, man möchte es auch nicht. Schau dir heute die Unis an, da bietet sich ein ähnliches Bild an wie z.B. in den 50ern. Eine relativ anonyme Masse, die vom Ego getrieben ist. Gefördert u.a. auch mittels Studiengebühren etc., denn welcher Student engagiert sich da noch freiwillig? Bachelor & Co tun ihr übriges dazu.

  12. paul sagt:

    >Warum? Ich sah es selbst in zahllosen Veranstaltungen, in denen nicht offensichtlich “gefälscht” wurde, jedoch mittels willentlicher Ausparung diverser Themen oder nur einseitiger Betrachtung ebenso dieser Weg beschritten wurde.

    das hat tradition, auch in der geschichtsschreibung. spannend ist dazu bspw. von hans-jürgen goertz «unsichere geschichte. zur theorie historischer referentialität» (stuttgart 2001), gibt einen relativ guten überblick über die konstruktion von geschichte sowie zur theorie des linguistic turns.

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