Zitat des Tages zum Verkauf der eigenen Ideale*

Man stelle sich mal vor, das eigene Blog ist bei Technorati auf Rang 16 gelistet, die Authority liegt bei 8.904 — zum Vergleich: Deutschlands Top-Blog liegt bei 2.159. Was könnte man nicht alles mit einen Blog dieser Größe, mit dieser Aufmerksamkeit, erreichen — gesellschaftlich finanziell wären kaum Grenzen gesetzt. Feuchte Träume und beschmutzte Tastaturen der Werbehörigen, der adical-Teilnehmer, der Trigami-Lemminge — von 95% der sogenannten deutschen Top-Blogs. Dass es auch anders geht, beweist Seth Godin mit seinem Blog, er wird auf Rang 16 bei Technorati gelistet und hat in den letzten 6 Monaten knapp 9.000 eingehende Links von verschiedenen Domains zu verzeichnen:

The other day, someone pointed out to me that my blog is read by more people than 95% of all the magazines published in the US. She wanted to know why I don’t try to monetize it. «Run ads,» she said. «Or find a sponsor, or maybe even charge for it!» That’s a lot of nickels, after all.

I tried to sum it up like this: Not only can’t I imagine charging for my blog, I’m practically in debt to the people who read it. I ought to pay them, not the other way around.

Every time you read something I write here, you’re giving me a gift… attention. It’s getting more precious all the time, you have more choices every day, and it’s harder and harder to find the time. I know. I’m grateful. I’m doing my best to make your attention worth it.

So, have a great Thanksgiving. And thanks.

Um es mit den Worten von Cem zu sagen: You’ve got style, Seth. With all my resprect, best wishes from Germany. I take my hat off to you.

*Werbelemminge würden natürlich zur Stärkung der Unabhängigkeit sagen. :)

17 Antworten zu “Zitat des Tages zum Verkauf der eigenen Ideale*”

  1. Cem sagt:

    Diese Haltung von Seth Godin ist schon erstaunlich. Ich lese ihn auch schon seit Jahren. Erst jetzt ist mir wirklich aufgefallen, dass er tatsächlich keine Werbung im Blog hat. Ich halte ihn, nicht nur für den besten und intelligentesten Marketingmenschen, sondern auch für den reifsten und schlauesten :-)

  2. Cem sagt:

    Dieter, mag sein. Nur, der entscheidende Punkt ist für mich hier, dass sein grundsätzliches Geschäftsmodell nicht über Werbung finanziert wird. Das scheint ja nun zu funktionieren. Jedenfall bezogen auf seine Rolle als Blogger. Er verdient sein Geld als Berater, Unternehmer und Autor. Das Blog ist nur seine Visitenkarte für ihn und seine Arbeit. Nobel. Und sehe das ähnlich für viele vergleichbare. Übrigens, für mich ist Bloggen reiner Spass zur Zeit. Ein Freiraum für mein Gehirn.

    Das einzige, was ich bedauere ist, dass man ganz un-w-zwonull-like bei Seth Godin nicht kommentieren kann. Das ist aber wahrscheinlich sein Selbstschutz, um nicht in Comments, Trackbacks etc zu versinken. Das sei ihm auch gegönnt.

  3. Enno Aljets sagt:

    Ich denke da liegt ihr beide falsch. Die Frage: «Warum macht er keine Werbung auf seinem Blog?» stellt sich doch eigentlich nicht. Denn er macht doch massig Werbung und zwar für sich selbst, seine Produkte und Dienstleistungen. Da wären doch weitere Einblendungen nur hinderlich. Hier gleich mit Idealen zu kommen ist nicht angebracht. Vielmehr muss man von gezielter und scheinbar erfolgreicher Selbstvermarktung und –werbung sprechen. Und das ist letztlich nichts anderes als Werbung zu schalten…

  4. Krischan sagt:

    «Er verdient sein Geld als Berater, Unternehmer und Autor. Das Blog ist nur seine Visitenkarte für ihn und seine Arbeit.»

    Mit anderen Worten die gesamte Webseite ist Werbung! Naja da kann ich wenig nobeles dran finden, wenn in die Werbung nicht auch noch andere Werbung eingebaut wird.

  5. Krischan sagt:

    Nachtrag: Früher war es suspekt wenn jemand etwas «umsonst» anbot, insbesondere wenn das ganze ne Stange Geld kostet (was da an Traffickosten anfällt kann ich nur vermuten).
    Und jetzt auf einmal ist das prinzipientreu und nobel?

  6. Chris sagt:

    Ähm, ich gebe einfach mal zu bedenken, dass ähnlich frequentierte Projekte sechsstellige Geldbeträge im Monat einnehmen.

    Darauf kann man natürlich locker verzichten…

    Traffickosten fallen nicht an — das hätte man aber mit einem Klick, ja sogar mit einem Blick auf die URL gesehen. Das allein beweist schon, dass sich hier kaum einer mit den Begebenheiten auseinandergesetzt hat.

    Man sollte wissen wovon man redet, das ist hier bei einigen nicht der Fall.

  7. Krischan sagt:

    Typepad.com war mir jetzt auf anhieb kein Begriff, aber stimmt schon ausführlich hab ich mich mit dem Blog nicht auseinander gesetzt.

    Es geht auch mehr um die grundsätzliche Idee, und das der Autor des Blogs so mal eben einen sechsstelligen Betrag im Monat ausschlägt ist nun wirklich nicht grade etwas das die ganze Sache weniger suspekt macht.

  8. Chris sagt:

    Leute — wenn Ihr auf einem Blog kommentiert, schaut Ihr dann auch mal, wo Ihr kommentiert. Folgt Ihr den angegebenen Links? Nein? Hab ich mir gedacht.

    ist nun wirklich nicht grade etwas das die ganze Sache weniger suspekt macht

    Nur weil Ihr dem Gott des Geldes fröhnt, muss das nicht auf alle Menschen zutreffen. Es gibt für andere durchaus wichtigere Dinge in Leben. Und damit ist die «Diskussion» über irgendwelche Unterstellungen in Richtung Seth Godin hiermit beendet. Weitere Kommentare in diese Richtung werden gelöscht.

  9. Cem sagt:

    @Krishan, Typepad.com ist eine der bekanntesten Blogplattformen. So wie WordPress.com oder Blogg.de. Typepad.com ist nicht das Blog von Seth. Einfach nur der ordnunghalber.

  10. Chris sagt:

    @Dieter: Nö, oder siehst Du hier Werbung oder ähnliches Gedöns? Als ich das letzte Mal auf mein Konto geschaut habe, waren da nicht wirklich Millionen drauf. Deine Einlassungen sind pure Ausreden — man belügt sich ja gerne selbst, nicht wahr…

  11. Chris sagt:

    Du liest hier noch nicht lange genug. Hier wird durchaus differenziert. Aber schon richtig, im Regelfall korrumpiert Geld — wenn ich sehe, was die ach so unabhängigen Blogs da draußen veranstalten, stehen sie auf der gleichen Stufe wie die gekauften Medien. Wie sollte es auch anderes sein. adical/yahoo, Trigami/diverse Kunden, GOA und andere Beispiele.

    Du magst argumentieren, dass Du nur das schreibst, was Dir gefällt. Blödsinn. In dem Moment, an dem Du Geld für Deine Bloggerei annimmst, bist Du abhängig. Alles andere ist gelogen.

    Ich habe Bloggen immer als eine Herzensangelegenheit betrachtet, vielleicht etwas bewegen zu wollen, den Spaß an der Sache haben, vielleicht den «Großen» ein stückweit zeigen, wie es geht. Heute weiß ich, in der Blogosphäre ist es nicht anders, im Gegenteil. Da der Gesetzgeber bei SpOn & Co. eher ein Auge drauf hat, sind Großteile der deutschen Blogs noch ein viel größeres schwarzes Loch. Schlimme Sache das.

  12. Oliver sagt:

    Und wir wissen ja auch was mit Hamlet gen Schluss geschieht, sein selbstgerechtes Spiel ist auch letztendlich fuer ihn der Untergang.

  13. Hmmm, ich verstehe Deine Position nicht ganz. Er macht doch Werbung auf seinem Blog — und zwar recht massiv. OK — es sind seine eigenen Produkte, Dienstleistungen und Bücher. Aber warum sollte er diese teuer auf anderen Seiten bewerben lassen, wenn er selbst über eine optimale Werbeplattform verfügt?

    Ich sehe nicht wirklich einen Unterschied in einer Anzeige für ein Buch, das ich meinen Lesern empfehle, und einer Anzeige für mein eigenes Buch. Aber vielleicht bin ich (was Blogger angeht) zu naiv, um das Problem zu sehen 😉

  14. Chris sagt:

    Der Logik zufolge wäre der from Hades-Banner rechts auch Werbung. Es geht auch nicht wirklich um meine Einstellung, die ist in unzähligen Artikeln belegt — Zitat des Tages, ne — sprich, es geht um die Worte von Seth. Und wenn die Worte, Werbung = Dreck, mittlerweile so einen Pawlow’schen Reflex bei so vielen Leuten auslösen, werden meine Worte vom Moloch Internet nur untermauert. 😉

  15. @Chris

    Das würde ich nicht so sehen, da das «Hades-Banner» ja auf einen nicht-kommerziellen Inhalt hinweist.

    Das ist idT ein sehr komplexes Thema. In wie weit übt Werbung bzw. eine, wie auch immer strukturierte, Kommerzialisierung einen Einfluss auf den Inhalt des Blogs aus?

    Selbst wenn der Werbende keinen direkten Einfluss auf den Inhalt nehmen sollte (das ist eh tabu), so besteht doch immer die Gefahr, dass die Schere im Kopf kritische Artikel gegen die Intension des Werbenden abschleift oder gar verhindert. Nur wenn man dies zu 100% für sich selbst (nicht nach außen, das ist banal) ausschließen kann, habe ich keine Vorbehalte gegen maßvolle Werbung — so der Werbende denn ein Unternehmen ist, dass sich mit den Grundprinzipien des Blogs auch verträgt.

    Aber wie sieht es mit der Schere im Kopf aus, wenn man seine eigenen Dienstleistungen vermarkten will. Ist das nicht wesentlich kritischer? Klar, ein Sachbuchautor aus dem Politikbereich hat es da einfacher (siehe Müllers Nachdenkseiten.de), da Inhalt und Werbeträger meist zu vereinbaren sind, aber wie sieht dies bei technischen Dienstleistern aus, die von Aufträgen abhängen, oder bei freien Journalisten, deren Artikel gekauft werden müssen? Es macht schon einen Unterschied, ob diese Gruppen «incognito» bloggen oder auf ihrem Blog Eigenwerbung betreiben.

    Das hat jetzt alles mehr etwas grundsätzliches, und ist keinesfalls als Kritik an Seth gedacht — da kann ich mir kein Urteil anmaßen, da ich seinen Blog zu wenig kenne.

  16. Chris sagt:

    Das ist idT ein sehr komplexes Thema. In wie weit übt Werbung bzw. eine, wie auch immer strukturierte, Kommerzialisierung einen Einfluss auf den Inhalt des Blogs aus?
    Selbst wenn der Werbende keinen direkten Einfluss auf den Inhalt nehmen sollte (das ist eh tabu), so besteht doch immer die Gefahr, dass die Schere im Kopf kritische Artikel gegen die Intension des Werbenden abschleift oder gar verhindert.

    Da sind wir d’accord — für mich als Leser dieser Publikationen sehe ich nicht nur eine Gefahr. Solche Leute sind für mich schlicht und ergreifend unglaubwürdig, als Beispiel nehme ich die bekannte Yahoo-Werbung und gleichezeitige Kritik an China. Man kann sich auch vollends lächerlich machen.

    Nur wenn man dies zu 100% für sich selbst (nicht nach außen, das ist banal) ausschließen kann, habe ich keine Vorbehalte gegen maßvolle Werbung — so der Werbende denn ein Unternehmen ist, dass sich mit den Grundprinzipien des Blogs auch verträgt.

    Man belügt sich selbst…

    Aber wie sieht es mit der Schere im Kopf aus, wenn man seine eigenen Dienstleistungen vermarkten will. Ist das nicht wesentlich kritischer? Klar, ein Sachbuchautor aus dem Politikbereich hat es da einfacher (siehe Müllers Nachdenkseiten.de), da Inhalt und Werbeträger meist zu vereinbaren sind, aber wie sieht dies bei technischen Dienstleistern aus, die von Aufträgen abhängen, oder bei freien Journalisten, deren Artikel gekauft werden müssen? Es macht schon einen Unterschied, ob diese Gruppen “incognito” bloggen oder auf ihrem Blog Eigenwerbung betreiben.

    Die NachDenkSeiten lassen sich da wunderbar mit Seth vergleichen, auch wenn es völlig unterschiedliche Themen sind. Authentisch, Buch und Webseite gehen ineinander über.

    Der Begriff «Freier Journalist» ist ein Paradoxon — es gibt schlicht und ergreifend keinen freien Journalisten. Er ist abhängig von seinem Auftraggeber, wenn er eine kommerzielle Webseite betreibt, von seiner Werbung, den Unternehmen, die bei ihm werben, etc. pp. Nun könnte man mir den «normalen» Arbeitnehmer entgegenhalten — stimmt. Der stellt sich aber nicht öffentlich hin und meint, er wäre die Vierte Gewalt in diesem Lande…

    Schau Dir SpOn, den Stern, Springer oder die Deutsche Blogosphäre an — da wollst doch nicht wirklich von Vierter Gewalt sprechen, oder? 😉

    Und ja, es gibt auch Ausnahmen. Das Problem ist, dass sich das Verhältnis von Ausnahmen zu unglaubwürdigen Journalismus gedreht hat. Früher waren die schwarzen Schafe die Ausnahmen, heute ist es genau andersrum. Die Blogs. da wenn bekannt, häufig von Journalisten oder PR’lern betrieben. schließen da nahtlos an.

    Wenn man sich selbst vermarkten will, wird man den Einzelfall anschauen müssen. Für mich als Leser stellt sich dann nur die Frage, glaubwürdig oder nicht, interessiert mich die Seite oder nicht.

  17. @Chris

    Man belügt sich selbst…

    Das sehe ich nicht so absolut. Nehmen wir meine «Lesetipps» als Beispiel. Sicher bekomme ich ein paar Euro pro verkauftem Buch, aber die Bücher wähle ich aus, sie sind echte Empfehlungen, die die Gedanken vertreten, die ich auch vertrete und daher kann ich die Sache mit meinem Gewissen vereinbaren.

    Ich sehe das nicht als Betrug an mir selbst.

    Dem Rest kann ich (zähneknirschend) zustimmen, nur die freien Journalisten würde ich nicht so kritisch betrachten. Leider haben die Verlage ihnen die Freiheit weitestgehend genommen, dennoch finden sich unter ihnen noch viele Idealisten.

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