Zitat des Tages und die Mär von der Unzufriedenheit

Deutschland ist stark. Es gibt Vertrauen in die, die politisch handeln, in Gewerkschaften und die Arbeitgeberverbände.

Franz Müntefering(SPD)

Die Deutschen sind nicht wirklich unzufrieden, dieses Murren ist das täglich Brot in dieser biedermeierschen Lethargie — man hat sich daran gewöhnt, die da oben und die da unten in ihrem Sing-Sang. Tendentiell mag dieses Murren derzeit an Stimmgewalt zunehmen, über viele Jahre betrachtet wäre ein jeder Konzern jedoch mit einem derart gleichmäßigen Verlauf zumindest in krisengebeutelten Zeiten mehr als zufrieden. Das nun eine kleine Minderheit, teils im Netz und teils da draußen, tatsächlich den real existierenden Aufstand probt — zumindest auf dem Papier — mag für die werten Mitmenschen mitunter etwas besonderes darstellen — zumindest für jene im unmittelbaren Dunstkreis dieser lauten Minderheit. Allgemein jedoch gab es in der Geschichte dieser Republik weitaus höhere Ausschläge auf der Unzufriedenheitsskala.

Was also bleibt ist der here Traum einiger Aktiven — diverse Generationen träumten ihn schon und vermochten mehr zu bewegen und erlagen dennoch dem allgemeinen Versagen. Andererseits vielleicht liegt Müntefering gar nicht so falsch, würde es denn dem Deutschen tatsächlich schlecht gehen, wären diese herablassenden, beschwichtigenden Worte wahrscheinlich schon Anstoß genug mehr zu wagen als ein Haufen gedrechselter Worte, wie die meinen.

Träumen wir also weiterhin den heren Traum von Demokratie und Freiheit — lassen wir uns also weiterhin beherrschen, dirigieren, manipulieren. Carpe diem … andererseits, morgen ist auch noch ein Tag …

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8 Antworten zu “Zitat des Tages und die Mär von der Unzufriedenheit”

  1. Jochen Hoff sagt:

    Ich glaube und hoffe dass du dich irrst Oliver. Zumindest hier in Berlin brennt die Luft schon gewaltig. Selbst die einstigen Gewinner des neoliberalen Unverstandes, die Single mit hohem Einkommen und schicker Eigentumswohnung stellen fest, dass es eng wird. Die Einkommen schrumpfen, sind vielfach schon ganz weg und vor der Einkommenswohnung hockt schon lange ein kleines graues Bankenmännchen und schüttelt wegen der Hypothek sorgenvoll mit dem Kopf.

    Die Zwangsversteigerung und der Absturz ist im Grunewald angekommen und in Zehlendorf schon zuhause. Es gibt hier schon Revierkämpfe zwischen Flaschensammlern und feste Zeitabsprachen für Verkäufer von Obachlosenzeitungen vor den Supermärkten.

    «Hasse mal nen Euro für mich», hört man übrigens nicht öfter, weil die meisten lernen das es sich nicht lohnt. Die Menschen haben eigene Sorgen und geben kaum noch was.

    Ja sie sorgen sich und selbst Lieschen Müller fragt sich, was sie falsch gemacht haben könnte. Noch sind nicht alle bei der richtigen Erkenntnis angekommen, dass sie gemacht wurden und gar nichts machen konnten. Aber wenn sie da sind wird es ernst.

    Unsere Junta ist übrigen schon mitten bei den Vorbereitungen:

    Fallschirmjäger üben im Saarland den Bürgerkrieg

    Man übt übrigens im Saarland keinen Wüsteneinsatz und es geht auch nicht um unterschiedliche Ethnien. Es geht darum das eigen Volk zu bekämpfen und Aufruhr niederzuschlagen. Die Feiglinge aus unserer Junta kennen die Zahlen und haben die Hosen voll. Es könnte diesmal gelingen. Nur sind wir immer noch miserabel aufgestellt. Es fehlt ein Plan und ein Übergangsmodell.

  2. Oliver sagt:

    >Zumindest hier in Berlin brennt die Luft schon gewaltig.

    Brannte doch einst schon einmal und konnte mit ein wenig Sozial-blabla beschwichtigt werden, damals in einer demokratielosen Zeit. Über Berlin kam das alles aber auch nicht wirklich hinaus.

    Schau dich in Frankreich um, Prasis brennt wortwörtlich desöfteren — aber es greift nicht in Frankreich um sich, auch dort fehlt die durchgehende Solidarität mit jenen denen es richtig dreckig geht. Und wenn es dort kaum zu erwarten ist, warum hier in diesem Land?

    Apropos Saarland, hier gibt es ganze Regionen die verarmt sind — ohne jegliche Hoffnung auf Arbeit. Brennt es deswegen? Keineswegs, ist ein anderer Menschenschlag hier. Berlin ist eben nicht Deutschland — manchmal ist es schade drum.

  3. Thaniell sagt:

    Find ich ehrlich gesagt erstmal gar nicht so schlecht. Außer dem Geruch von verbranntem Fleisch bringen Häuserbrände meist nichts ein.

    Konstruktive Veränderung ist da meines Erachtens zu bevorzugen. Radikale Aufstände führen meist zu radikalen Widerständen, polarisierten Positionen und einer Spirale bzw. Schiffschaukel der Extreme, die sich dann irgendwann in eine Richtung überschlägt und die Hälfte der Insassen — von beiden Seiten — raus gen Friedhof wirft.

    Man mag sagen, dann merken die da oben auch endlich mal dass was faul ist. Problem dabei ist, bei Brandgeruch bekommen sie Angst. Was machen sie, wenn sie Angst bekommen? Sie führen Feuerwehrübungen durch, lassen Streichhölzer verbieten. Was bedeutet, dass sich die Zündler mit Flammenwerfern bewaffnen…woraufhin der Einsatz von Napalm im Inland zur Feuerbekämpfung überdacht wird…usw.
    Das ist imho der letzte Weg den man sich wünschen sollte.

    Was wir andererseits bräuchten wäre mal wieder eine frische Brise Politiker, die den Job eigentlich gar nicht machen wollen — oder ihn zumindest nicht des Jobs wegen machen sondern wegen der Menschen und offen um ihre wahren Positionen kämpfen. Umgekehrt bräuchten wir Bürger die sich die Zeit nehmen (können) ihren Volksvertretern wirklich auf die Finger zu schauen und sich nicht nur mit ein bisschen Allgemeinblabla zum Wahlkampf abgeben und dann anstatt mit den Politikern zu reden beim Stammtisch sich in halbgaren Verfluchungen derselben üben.

    Wie man das erreicht, fragt mich was leichteres. Die Griechen hatten da die nette Methode die Leute vom Markt direkt in die Bürgerversammlung zu schieben.

    Was Gegenden außerhalb Berlins angeht, da lässt sich immer noch halbwegs brauchbar überleben für den Durchschnitts — Heinz Becker, zumal auf dem Land im Zweifel die Familie noch etwas näher wohnt — sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinn. Was nicht heißen soll, dass nicht vieles Scheiße wäre und es nicht genug Leuten dreckig ginge. Zudem findet sich imho wesentlich schwerer ein Grüppchen Gleichgesinnter abseits festgetretener Bahnen zusammen und einzeln wird Amok gelaufen aber keine Revolution geplant, einzig das Netz zerrt langsam an diesen Strukturen.

  4. Oliver sagt:

    Einem radikalen Gedanken muß kein radikaler Aufstand folgen, aber vielleicht einfach nur Aktion per se im großen Stil? Solidarität innerhalb der Bevölkerung … Peanuts sicherlich, aber Aktion genug um zu zeigen wer Herr im demokratischen Haus ist, oder?

  5. Thaniell sagt:

    Schau dich in Frankreich um, Paris brennt wortwörtlich desöfteren — aber es greift nicht in Frankreich um sich, auch dort fehlt…
    Ich hatte hauptsächlich das hier und historische Manifestationen von gestiegener Unzufiredenheit hier und in Frankreich im Kopf, ein bundesweites Banlieue-Paris hätte ich eher ungern. Obwohl wäre ein super Konjukturpake für die Autoindustrie…

    , aber vielleicht einfach nur Aktion per se im großen Stil? Solidarität innerhalb der Bevölkerung
    Generell ja gerne.
    Ich denke nur da fehlt im Moment auch eine brauchbare Organisationsplatform/vorhandene Kommunikationsstrukturen, einerseits um herauszufinden worauf man sich einigt, was man eigentlich will und auch zum Absprechen konkreter Aktionen.
    Die Gewerkschaften verlieren an Einfluß und sind z.t. ja auch Teil des Systems, während ‘die Jungen’ sich im Netz verlieren in einzelnen oft Nicht-lokalen Fraktionen. Generell erscheint mir, wir sind noch nicht wirklich beim delokalisierten Vernetzen angekommen, aber haben uns schon von den alten Strukturen losgesagt, was ein gemeinsames Handeln erschwert. Und das ist jetzt nur der technologische/kommunikationsstrukturelle Aspekt.

    Kurzgesagt, generelle Zustimmung, aber praktisch sehe ich Probleme den Traum aus der Traumwelt zu holen und sich auf einen konkreten Traum zu einigen.

  6. Sebastian sagt:

    Ich fand es immer schade, dass ich mich nie wirklich für Politik interessierte. In letzter Zeit kam das Interesse (nicht zuletzt dank F!XMBR, danke dafür) — und wie! Wenn man mal alles mitbekommt, was hier schief läuft, wünscht man sich zu den Zeiten zurück, als man sich nicht für Politik interessiert hat.

  7. Niklas sagt:

    Für eine Revolution muss ein Volk schon sehr gepeinigt werden und ums nackte Überleben kämpfen. Bis jetzt hält sich die Armut und Hoffnungslosigkeit in Deutschland in Grenzen verglichen mit der Weltbevölkerung, wo doch alle von der Wirtschaftskrise betroffen sind.

  8. Oliver sagt:

    Nun wenn alle Revolutionäre weltweit in der Geschichte der Menschheit jeweils auf einen gemeinsamen Nenner gewartet hätten, wäre wohl nie irgendetwas passiert. Verglichen mit Teilen der Weltbevölkerung dürften wir also nicht einmal aufbegehren ob eines Diktators. Diese befremdliche Denkweise liegt in der Natur der Deutschen begründet und läßt sie in willfähriger Stasis zurück. Irgendwie ist das auch ganz genehm, besitzt man doch so eine hochmoralische Ausrede generell jegliche Aktion missen zu lassen. Nicht einmal das dritte Reich konnte die Deutschen zur Aktion bewegen — arg böse dieses Stochern in der Volksseele, nicht wahr? … vice versa befand sich hier jedoch ein Extrem der Zurückgezogenheit ins Private: Biedermeier.

    Das Volk gemeinsam Nein sagt und dies in gewaltigen Massen friedlich in Berlin wäre auch ein Signal, ein Signal mehr als nur kreuzewirkendes Wahlvieh zu geben.

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