Zitat des Tages — Unappetitliches zu Anne Will

Ich überlege nun seit Sonntag, ob ich etwas zur Sendung von Anne Will schreiben soll. Doch habe ich es mir verkniffen, etwas zu diesem von Anne Will geförderten, nicht geforderten elitär-faschistischem Hetztiraden zu schreiben, die dort meiner Meinung nach verbreitet wurden. Das gäbe evtl. Ärger mit den Rechtsanwälten. Also greift hier eine Selbstzensur. Jegliche Tutti Frutti-Sendung auf RTL — jegliche Call In-Show auf 9Live hat(te) mehr Niveau als diese sogenannte Sendung am Sonntagabend. Man kann nur hoffen, dass die ARD-Intendanten endlich die Reißleine ziehen und Anne Will von der Mattscheibe verbannen — verglichen mit dieser Sendung war Sabine Christiansen das Wort zum Sonntag. Doch wie das so ist, wenn man selbst das Thema nicht behandelt, gibt es anderweitig gute bis sehr gute Artikel zum Thema. Ordentlich reingehauen schreibt schon fast diplomatisch, was mir auch alles durch den Kopf gegangen ist: Muss ganz schön hoch hergehen in Wills Gesprächen mit den Vorgesetzten, wenn sie mittlerweile so weit heruntergekommen ist, mit sowas Programm zu machen. Und selbst die Readers Edition lässt sich nach dieser Sendung mal wieder verlinken: Die Stimmung gegenüber Arbeitslosen und Hartz IV Empfängern war von Pauschalisierung und Polarisierung gekennzeichnet. Fast schon brav diese Kritik.

Das Zitat des Tages kommt dann auch aus der Readers Edition. Es steht exemplarisch für große Teile dieser Gesellschaft, für den Niedergang des Miteinanders, für die Spaltung der Gesellschaft. Der Kommentar von Hufeisennase zeigt eindringlich, wie ein neuer Krieg geführt wird — von oben nach unten. Dass man, während man auf Schwache hetzt, gleichzeitig eigene Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz postuliert — geschenkt. Es ist nur eine kleine Randnotiz. Andere sind eben gleicher als andere. Man nimmt anderen eine Arbeitsstelle weg, blockiert diese zumindest — und tritt sie somit gleichzeitig in den Staub. Diese sind selbst schuld. Deutschland wird dabei gerne als Ellenbogengesellschaft beschrieben — doch ist das noch viel zu harmlos ausgedrückt. Dieses Land hat — nicht nur politisch gewollt — die Menschlichkeit abgelegt. Es gibt sie (wieder), Menschen erster und zweiter Klasse. Und während sich erstere alles erlauben dürfen, in den Medien ob ihrer Schläue gefeiert werden, sind ihre Opfer am hungern und dahinvegitieren. Schöne neue Welt. Würde ich nun das zitieren, was ich Oliver vorhin zu diesem Land in einer eMail geschrieben habe, würde man mir Antidepressiva schicken — oder mich gleich ausweisen.

Vorsicht, nun wird es unmenschlich — vor dem Lesen wird gewarnt:

mir und meinen (70-Stunden-pro-Woche-arbeitenden) Kollegen ging es genau wie Ihnen beim Verfolgen der Sendung.

Ich kann kaum glauben, dass irgendwer den Schmonz der Herren Geissler & Co. noch ertragen kann. In jeder zweiten Sendung darf er seinen unqualifizierten Beitrag abgeben. Ähnlich unnötig, wie Gysi oder Lafontaine jedes Mal eingeladen werden.

Ich bin seit fast 20 Jahren Leistungsträger und Steuerzahler, werde als “Besserverdienende” regelrecht beschimpft und habe keine Lust mehr solchen Menschen, wie im Beitrag von Frau Knobel-Ulrich dargestellt, etwas abgeben zu MÜSSEN (ganz zu schweigen davon, Abgeordneten-Diäten zu bezahlen).

Es ist zudem absolut korrekt & wünschenswert, dass sich Menschen die “Drittmittel” beziehen, regelmässig bei der auszahlenden Stelle melden müssen. Welch furchtbare Zumutung das in den Augen der Linksaussen zu sein scheint.

Bloße Wahlkampfpolemik — wenn es an die eigene Tasche gehen würde, wären die Stimmen wohl leiser. Geld anderer zu verteilen, fällt Menschen im Allgemeinen immer leichter.

Ich muss mich jeden verdammten Morgen bei meinem Chef “melden”, um am Monatsende meinen Scheck zu erhalten. Und ich glaube, bei den meisten arbeitenden Menschen geht es über das blosse Melden hinaus.

Zynisch betrachtet, glaube ich auch nicht, dass man 2300 kcal braucht, wenn man ansonsten den ganzen Tag vor der Glotze herumhängt…. bei den meisten reicht es, wenn man den Körperumfang betrachtet, wohl dennoch für die dreifache Menge.

Niemand will alle Hartz IV Empfänger über einen Kamm scheren, was man Westerwelle & Knobel-Ulrich in den Mund legen wollte.

Aber warum soll man es nicht aussprechen und zeigen — es gibt darunter eben auch genug Schmarotzer, ich persönlich musste mehrfach Äusserungen von Personen ertragen, nach denen ich am liebsten meine Arbeit niedergelegt hätte, um so etwas nicht mitfinanzieren zu müssen. Es ist unerträglich wie viele Menschen es gibt, die sich auf den Schultern anderer ausruhen wollen.

Aber ich arbeite weiter, bilde mich weiter & muss bei aller Aus– und Weiterbildung dennoch flexibel genug bleiben, mich anderweitig zu orientieren, wenn meine Qualifikationen nicht mehr in dem Maße gebraucht würden. Und wenn ich krank werde etc. dann kann ich meine selbstgetroffene Vorsorge in Anspruch nehmen.

JEDER ist für sich selbst verantwortlich.

Zudem sind unsere Strukturen einfach falsch, sonst gäbe es grdunsätzlich mehr finanziellen Spielraum aufgrund der extrem hohen Steuereinnahmen. Diese wären dann aber gar nicht mehr notwendig, wenn man endlich aufhören würde, unsere sauer verdienten Steuergelder zu verschwenden.

Vielleicht würden dann auch mal ein paar Leistungsträger im Land bleiben und nicht in die Schweiz auswandern !

Rechtschreibung dieses sogenannten Leistungsträgers wie im Original. Bei Adolf war nicht alles schlecht und niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten. Leider kein Einzelfall, der nette Herr Hufeisennase. Nicht nur die Äusserungen der Herren Ludewig und Mißfelder zeugen von dieser Mentalität — auch die Mitgliedschaften in entlarvenden StudiVZ-Gruppen scheinen zum politischen Repertoire der Rechtsaußenpolitik zu gehören. Doch diese Politik ist nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Deutschland kann das sehr gut, eine Aufarbeitung der eigenen Geschichte hat nie stattgefunden. Mir ist bewusst, dass ich mich mit diesen angedeuteten Vergleichen auf Glatteis begebe. Ich darf das. Unser Blog, unsere Regeln. Wem es nicht gefällt, vorne rechts ist die Tür. So ganz unrecht habe ich jedenfalls nicht — das zeigen mehrere Studien. Der neue Rassismus der sogenannten aufgeklärten westlichen Welt zeigt sich nicht nur gegen den Islam, sondern auch gegen die Schwächsten der Gesellschaft, die einen sind per se Terroristen, die anderen Sozialschmarotzer. Und so heißt es Jeder gegen Jeden. Ein perfektes Schauspiel.

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9 Antworten zu “Zitat des Tages — Unappetitliches zu Anne Will”

  1. Oliver sagt:

    Na ja was will man zu solchen platten Kommentaren sagen? Die sterben halt nie aus, die Kommentare. Dieser ultra-darwinistische Habitus, ich bezweifle stark das diejenigen etwas mit diesem Begriff anfangen können, ist dort stark vertreten — der Frust das andere anders leben, das da jemand existiert der sich nicht fortwährend in der Selbstkasteiung übt. Interessant auch das man die Zeit findet bei 70h dem Netz zu folgen und auch noch zu antworten, ich hoffe das geschieht nicht während der Arbeitszeit. Aber schwamm drüber, ich neide weder diesen Leuten etwas, noch neide ich etwas dem Hartzler weil er ein paar Almosen vom Staat erhält. Die Milchmädchenrechnung ändert sich ebenso nie, ich bin das extreme Arbeitstier und der Rest macht mir das Leben schwer, weil er nichts macht. Ich habe gar Mitleid mit Leuten die tatsächlich 70h+ arbeiten und deren Maxime im Leben nur noch Arbeit ist. Der Frust jener ist gigantisch, denn da ist einfach nichts mehr — gar nichts. Aber Mitleid wollen diese Leute auch gar nicht, sie sind stolz so leben zu dürfen, denn es war ihre eigene Entscheidung.

  2. Bogus sagt:

    WAs mich sehr wundert, das man Eva Herman verteufelt fpr eine Aussage, die ok nicht grade gut gewählt war. Aber vielleicht keiner mitbekommen hätte. Bei Anne Will wohl anders gerechnet. Leider habe ich die Sendung nicht sehen können oder vielleicht besser so.

    Aber wenn man einen Westerwelle einlädt und da gegenüber den Geissler stellt, dann braucht man sich nicht wundern, das so eine Sendung rauskommt. Geissler ist sehr liberal eingestellt.

    Ich bin sehr gespannt auf den Wahlkampf nächstes Jahr, obwohl wir wohl schon mittendrin sind ..

  3. Oliver sagt:

    Es geht nicht nur um Wahlkampf, sondern auch um Machtkampf in den Sendern, gerade die ÖR sind dafür berüchtigt. Insofern wäre Hermans ohnehin gegangen worden und die Will will man noch eine Weile.

  4. Bogus sagt:

    Mag sein, aber ich dachte immer das die ARD sich nicht auf einer Stufe von RTL etc. stellen will. Weil solche Sendungen bzw. Beiträge in der Richtung ist man von denen eher gewohnt.

    Und soviele gute Talkshows in der Richtung gibts ja nicht mehr. Mir fallen keiner mehr ein. Früher gabs noch Talk in Turm. Aber den Moderartor hat man rausgeekelt, stattdessen lassen sie einen Nils Ruf nun ran. Aber der ist eher für das Komische zuständig und nicht für das Politische im Sender.

  5. Oliver sagt:

    >Mag sein, aber ich dachte immer das die ARD sich nicht auf einer Stufe von RTL etc. stellen will.

    Es geht um die Quote und wenn sich der komplette Werbeverbot bis 2013 durchsetzt, dann wird auch die Qualität wieder steigen.

  6. fenrir sagt:

    Es geht wieder in eine neue Diffamierungsrunde in Sachen Erwerbslose. Das schlimme, die arbeitslosen nehmen es auch noch an.
    Wohin das führen mag? Zu nicht hgutem fürchte ich.

    Sehr guter Artikel übrigens, lese gern hier.

  7. […] hat, springen natürlich auch die so genannten Leitmedien mit auf den Zug. Das ganze muss bei Anne Will wohl mal wieder widerlichste und peinlichste Züge angenommen haben mit dem üblichen […]

  8. Klar tust du da jetzt gegen Ende ein bisschen viel in einen Topf. Aber wenn ich mir den Leistungsträger so ansehe — oh weia. Die 70Stundenwoche hab ich auch bisweilen und natürlich finde ich jedesmal zum Monatsende, dass mir viiiieel zuviel abgezwackt wird. Trotzdem muss ich nicht dauernd die Schnauze aufreissen und jammern, wie mies ich als «Leistungsträger» von diesem Land behandelt werde. Wer das nicht abkann, der soll doch einfach die Silberlöffelchen einpacken und abhauen. Aber dann bittesehr GANZ still sein, wenn er auf der Schweizer Autobahn seinen 5er-Kombi nicht mehr ausfahren darf.

  9. Grainger sagt:

    Wenn man mit seinen 70-Stunden/Woche herumprahlt (und eine Form von Prahlerei ist es, diese selbsternannten Leistungsträger sind scheinbar alle ganz stolz darauf 70 Stunden/Woche malochen zu dürfen) sollte man das aber anonym tun und seinen Arbeitgeber nicht nennen.

    Denn der verstößt ganz offensichtlich gegen das Arbeitszeitgesetz.

    Auch wenn das mal wieder eines der Gesetze ist, gegen die man in Deutschland als Arbeitgeber folgenlos verstoßen darf. Andererseits: wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter und manche Arbeitnehmer empfinden lange Arbeitszeiten offensichtlich als Privileg.

    Ich kann das Geschwafel der Leistungsträger nur noch schwer ertragen, gewisse Berufsgruppen betonen das derart häufig und penetrant, das es schon fast peinlich ist.

    Aber wer sich ständig öffentlich auf die eigene Schulter klopfen muss, der wird es schon nötig haben. 😉

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