Zitat des Tages: Micropayment

Stellvertretend für all die Marktschreier, die immer wieder diese Wundertüte Micropayment auspacken und als Rettungsanker für die Medien im Internet sehen, ein Satz von meedia.de:

Paid Content kann funktionieren als Bestandteil einer Flatrate, die Medien-Anbieter und –Distributoren gemeinsam aushandeln müssen. Telefon-Gesellschaften, Internet-Provider, Kabelnetz-Betreiber, alle die Medien vertreiben, müssen mit ins Boot geholt werden und Medien-Produzenten an den Kosten für die Erstellung der Inhalte anteilig bezahlen.

Ist diesen Web-2.0-Seelenverkäufern eigentlich bewusst, was sie dort fordern? Es kann in meinen Augen kaum etwas Schlimmeres geben, wie obigen Satz. Es tut mir ja leid, dass bis auf ein paar Werbebanner das Geschäftsmodell Internet kaum funktioniert — na gut, es tut mir nicht wirklich leid — aber deswegen gleich unser Wirtschaftssystem, ein stückweit unsere Demokratie abbauen zu wollen, geht dann doch viel zu weit. Wenn Ihr im Internet kein Geld verdient, liebe Marktschreier, sei es nun mit oder ohne Irokesenschnitt, dann macht es so wie alle anderen auch, oder lasst es ganz, sprich: Ihr könnt gehen. Obige Forderung, wie sie neuerdungs von vielen Web-2.0-Clowns erhoben wird, ist nichts anderes als die Forderung nach einem Kartell inkl. Preisabsprachen. Man stelle sich Döpfner und Hombach als Führer dieses Kartells vor. Gegenbeispiel: Die Energieriesen treffen sich wöchentlich, weil die Gewinne nicht mehr sprudeln, um Absprachen zu treffen. Na, klingelts? Liebe Seelenverkäufer, ich kann neben Euch herleben, wenn Ihr aber, weil Euer Geschäftsmodell nicht funktioniert, am Raubbau unserer Demokratie beteiligen wollte, dann gibt es ein klein wenig Kontra — und wie ich viele Kollegen da draußen kennengelernt habe, nicht nur von F!XMBR. Und das ganze sogar kostenlos. :)

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9 Antworten zu “Zitat des Tages: Micropayment”

  1. […] Internet funktioniert einfach nicht. Was machen wir da nur?« – und finden auch gleich ganz tolle Ideen… […]

  2. PZK sagt:

    Ich weiß nicht wie du jetzt den Begriff Micropayment mit dem Zitat in Verbindung bringst, denn das Micropayment ist doch eigentlich per se kein Bestandteil einer Flatrate.
    Micropayment wäre imho, wenn wir oben beschriebene Flatrate hätten, die aber nur eine gewisse Artikelbasis (um bei digitalen Zeitungen zu bleiben) abgedeckt und sollten wir noch andere Artikel lesen wollen, kämen Minimalbeträge bei Bedarf dazu.
    Vergleichend halt zu Computernspielen wo man uns Micropayment als Feature verkaufen will. Man ist der Meinung man hätte ein vollständiges Rennspiel gekauft, müßte ja aber andere Autos nicht freispielen sondern freikaufen, über Minimalbeträge zum Spiel dazu.

  3. Chris sagt:

    Der Link da oben ist nicht nur zur Zierde gedacht…

  4. markus sagt:

    mhh erinnert mich irgendwie an das modell kulturflatrate, oder (achtung hasswort) die GEZ, wo man für dinge zahlen soll, die man vlt gar nicht nutzt*. die mit diesem geld erstellten inhalte werden zwar als «wichtig» angesehen, aber der markt würde sie nicht freiwillig bereitstellen.
    prinzipiell vieleicht keine schlechte lösung, um zb kreativen menschen ( ich zähle journalisten oder blogger im allgemeinen jetzt einfach mal dazu) ein einkommen zu ermöglichen, das sich unmittelbar aus ihrer kreativen arbeit generiert.
    das problem sehe ich vorallendingen in der gerechten verteilung ( ok wo ist es das nicht). soll man die klickraten als grundlage nutzen ? da endet das ganze schnell in der boulevardisierung, kilometerlangen klickstrecken usw … ob das jetzt der weißheit letzter schluss ist ? regt heute schon genug leute auf. gerade bei einer breiten gruppe von leuten die von staatlichen leistungen profitieren würden, wäre auch unmittelbarer betrug an der tagesordnung. staatliche entscheidungn über das, was förderungswürdig ist gingen auf keinen fall, kartellbildung wie im link angeregt sind genauso bullshit.

    vlt doch lieber contentunabhängiges bürgergeld, dann kann jeder ohne wirtschaftlichen druck entscheiden, ob er kreativ sein möchte und welche art von content er da abliefert **.

    *nein ich bin kein feind des gebührenfinanzierten tvs, aber der bürokratenwasserkopf gez muss weg, lieber ein modell ala bbc mit steuerfinanziertem budget und natürlich alle erzeugnisse für umme ins netz, .

    ** umum ja ick wees, thema bürgergeld is noch nicht abschließend durchgekaut, aber von zwei luftschlössern, wäre mir dieses doch lieber als die kulturflatrate oder sonstirgendwelche contentbezogenen vergütungsmodelle. soll hier auch keine grundsatzdiskussion zu dem thema anstoßen.

  5. Oliver sagt:

    >nein ich bin kein feind des gebührenfinanzierten tvs

    Ich schon, da ich nicht einsehe eine Minderheit zu finanzieren. Wobei man dies nicht mit sozialen Leistungen verwechseln sollte, da würde ich gar «drei» Mann supporten.

  6. markus sagt:

    @ oliver … ich beseitze selbst auch kein tv gerät, schon seit ca. 10 jahren nicht mehr, aber manche inhalte (besonders die von ÖR-Spartenkanälen) würde ich doch ganz gerne auch einmal nutzen. manchmal bekommt man sie in einschlägigen quellen.
    daher mein hinweis auf ein einstellen der mit «meinem» geld finanzierten inhalte ins weltnetz, am besten unter ner freien lizenz.
    die überwiegend miese quali des deutschen ÖR stellt aber das konzept des ÖR nicht grundsätzlich in Frage. Das Beispiel BBC zeigt, dass man sowohl im Bereich Unterhaltung als auch Bildung ne Menge reißen kann. Über die Gründe für die qualitativen Unterschiede kann ich aber nur raten, dafür kenne ich die Struktur beider Systeme zu wenig.

  7. Oliver sagt:

    >Das Beispiel BBC zeigt, dass man sowohl im Bereich Unterhaltung als auch Bildung ne Menge reißen kann.

    Das ist schön, Bücher reißen definitiv mehr. Und wenn ich einen Film benötige: DVD, Kino. Der Untergang des Abendlandes steht nicht bevor, nur weil einige TV-Verweigerer kein Kopfgeld löhnen möchten. Dann kodiert man einfach den schon seit mitunter zwei Jahrzehnten verlorengegangenen Bildungsauftrag und bittet getrennt zur Kasse. Nur ich glaube eher, da käme doch recht wenig zusammen und genau das ist eben der springende Punkt.

    Das Beispiel BBC in allen Ehren, bessere Qualität auf jeden Fall, Notwendigkeit aber definitiv nicht. Und daher sollte solche zusätzlichen Medien auch nie innerhalb zwangsverpflichtend sein — hat so etwas von Willkür, mit fragwürdigen Kulturdebatten.

  8. markus sagt:

    naja jedes medium hat da seine beschränkungen und manchmal weiß ich das bewegte bild + ton durchaus zu schätzen, da kommen auch bunte bücher nicht mit. guten content im bereich unterhaltung oder bildung konnte ich in der privat finanzierten tv landschaft europas bisher nicht finden. zumindest nichts was es dann in englischer /deutscher / polnischer sprache gibt.
    mit dem nutz ich nicht argument könnte man an dieser stelle auch staatliche theater– und künstlerförderung in frage stellen, damit wären wir dann aber idt bei der auch von mir nicht angestrebten grundsatzdiskussion über staatliche eingriffe in den kulturmarkt.

    die starke förderung bewegter bilder oder des radios durch den staat ist aber wirklich etwas willkürlich, da muss ich dir recht geben

  9. Oliver sagt:

    >damit wären wir dann aber idt bei der auch von mir nicht angestrebten grundsatzdiskussion über staatliche eingriffe in den kulturmarkt.

    Ganz und gar nicht, denn das eine ist beispielsweise Kunst (Theater, Künstler, …) — ob sie mir gefällt oder auch nicht — das andere ist bestenfalls Verwertung dergleichen. In tatsächliche Kultur — ich habe mit diesem Feld zu tun — werden meist nur Peanuts investiert, in den Bereich der oberflächlichen Kulturverwertung(!) aka TV, wird im Verhältnis dazu ein Maximum investiert, zudem noch mittels Zwangsabgaben. Ich wäre vorsichtig mit sogenannten Grundsatzdiskussionen bezüglich Kultur, da tatsächlich gewirkte Kultur im Verhältnis zu pseudo-kulturellen Verwertern wie den ÖR, in diesem Lande äußerst selten wirklich gefördert wird. Dazu kann man Zahlen und Fakten liefern, nicht nur subjektive Eindrücke bezüglich irgendeiner Sendung die zwar recht bunt daherkommt (beispielsweise Knoppsche historische Unbildung) aber vom Gehalt her nicht einmal an den Klappentext eine populärwissenschaftlichen Werkes heranreicht.

    Ich gönne jedem seine Art von Zerstreuung, aber primären Verwerten gestehe ich nicht mehr Einfluß zu auf die Kultur, als diversen Arten von Werbung und das ist schon sehr viel. Wer was darin sieht, ist für mich belanglos, solange nicht die Allgemeinheit mittels kulturellem Neusprech für oberflächlich verwertete Inhalte bluten muß.

    Reden wir also von kultureller Förderung führe ich erst einmal die zahllosen Mißstände auf in puncto primärer Kulturförderung und schaue mir danach unter ferner liefen die Verwerter derselbigen an, die einzig einen Iota dieser Kultur zu einem Fragment der Bürger kommunizieren und im Moment noch von der Allgemeinheit großzügig gegenfinanziert werden.

    >in der privat finanzierten tv landschaft europas bisher nicht finden.

    Das stimmt auch, tut aber auch nichts zur Sache — allenfalls der Umstand ist interessant, daß man zu Zeiten fehlenden Privat-TVs hierzulande, noch nicht eine derart sinnbefreite Nachahmerqualität der ÖR zu Gesicht bekam. In dieser Zeit also, fand man noch einen Hauch Qualität vor. Zeiten in denen noch Kultur, ob verwertet oder selbstproduziert, in einem höheren Maße zum Publikum hin kommuniziert wurde.

    Wir schmieden diesbezüglich heute also noch Legenden, die ihren Ursprung und Höhepunkt in den 50er-70ern feierten und in den 80ern — meiner hauptsächlichen Zeit — ihren Niedergang erlebten.

    Also belassen wir besser den Begriff Kultur dort wo er auch hingehört, fernab der hierzulande massiv wirkenden Kulturbanausen.

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