Zahlenspiele mit Existenzen

Alle 10 Jahre mal ist die FDP doch noch für etwas gut. Und wenn sie nur im Bundestag eine kleine Anfrage an die Große Koalition stellt. Ein offizieller Bericht auf der Webseite des Bundestagesnichts neues für F!XMBR-Leser. Die Große Koalition, die SPD, insbesondere die SPD-Rechten feiern die Arbeitslosenstatistik. Doch dass diese geschönt ist, wurde schon oftmals dargestellt — nun auch vom Bundestag bestätigt. Offiziell gibt es in Deutschland nun 6,348 ALG I– und ALG II-Bezieher. Davon sind immerhin 49%, 3,135 Millionen, nicht in der Arbeitslosenstatistik geführt. Neben den offiziellen Zahlen gibt es in unserem Land derzeit:

  • 524.000 sogenannte Aufstocker, die arbeiten, mehr als 400 Euro verdienen, zusätzlich aber auf Transferleistungen angewiesen sind
  • 418.000 Ein-Euro-Jobber oder andere Personen, die an sogenannten Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen
  • 484.000 arbeitslose Mitbürger unter 20 Jahren
  • 312.000 arbeitslose Mitbürger über 58 Jahren

Diese Personenkreise werden nicht in der Arbeitslosenstatistik geführt. Zusätzlich gibt es in unserem Land 686.000 Arbeitslose, die keine Transferleistungen vom Staat bekommen. Voraussetzungen, um in der Statistik geführt zu werden sind: Arbeitslosmeldung, die Beschäftigungslosigkeit und die Verfügbarkeit. Das heißt also auch, chronisch Kranke, Süchtige, etc. pp werden nicht geführt wie sicherlich ein nicht unerheblicher Personenkreis aus weiteren Gründen. Und ich mag gar nicht an die unteren Lohngruppen denken, an die Menschen, die von morgens bis abends arbeiten, wahrscheinlich noch im Schichtdienst, diese Anspruch auf zusätzliches ALG II hätten, dies aber aus Stolz oder Unwissenheit nicht in Anspruch nehmen. Aber gut — man kann mir nun entgegenhalten, dass diese Menschen keine Arbeitslosen sind. Sie gehören aber zum Teil der Wirklichkeit, der Wahrheit. Es ist de facto so, dass immer weniger Menschen in unserem Land, wenn sie denn überhaupt eine Beschäftigung haben, davon leben können. Der sogenannte Erfolg der Arbeitslosenstatistik wurde von dieser Gesellschaft wahrlich teuer erkauft — ich denke mit Grauen an die Zeit, wenn uns die Rechnung vorgelegt wird.

Das alles ist wahrlich nichts Neues — und wenn die aufrechten Agenda 2010-Verfechter in Union und SPD demnächst wieder feiern, sollte man vielleicht mal die Zahlen hinterfragen. Denn: Wenn so schon die offiziellen Zahlen des deutschen Bundestages aussehen, wie mag dann erst die Wirklichkeit ausschauen? 😉

Disclaimer: Selbstverständlich freue ich mich für jeden Arbeitslosen, der einen neuen Job gefunden hat. Die gibt es — keine Frage. Jedoch sind diese neuen Jobs der florierenden Weltwirtschaft geschuldet, die nun schon wieder dank des Bankendominos und anderer Begebenheiten in die entgegengesetzte Richtung steuert. Diese Menschen haben trotz und nicht wegen der Arbeitsmarktpolitik in unserem Land einen Job gefunden.

5 Antworten zu “Zahlenspiele mit Existenzen”

  1. Hans-Günter Glaser sagt:

    Keine Partei, auch nicht DIE LINKE, werden die Arbeitslosigkeit spürbar verringern können. Aber was möglich wäre ist eine mutige Politik, die die Arbeitslosigkeit menschenwürdiger und gerechter finanziert. Das heißt: Nicht die Sozialleistungen kürzen, sondern die Steuergeschenke an die Reichsten wieder zurückzunehmen. Keine Partei, nur DIE LINKE, wäre dazu im Stande. Nur wenn diejenigen die trotz Gewinne Arbeitsplätze vernichten an der Finanzierung der Arbeitslosen massiv beteiligt werden, wird eventuell ein Umdenken statfinden.

  2. Oliver sagt:

    >Aber was möglich wäre ist eine mutige Politik, die die Arbeitslosigkeit menschenwürdiger und gerechter finanziert.

    Nichts als Plattitüden, denn was Volk möchte ist einen gerechten Herrscher, der sie zur Glückseligkeit führt. Erst jedoch muß Volk umdenken, erst müssen sich die gesellschaftlichen Strukturen ändern, damit jeder noch so noble Wortschwall seine etwaige nachhaltige Wirkung erst entfalten kann! Die Gesetze stammen von Einzelnen, die gesellschaftliche Ächtung jedoch, das willige Gewähren lassen wird vom Volk kommuniziert und gelebt. Solange dort Neid und Mißgunst vorherrschen, Randgruppen jedweder Couleur verachtet werden, solange kann auch keine Partei wirken und wird es auch nie wirklich tun.

    Es heißt also nicht Kürzen oder auch nicht eine Neiddebatte nach oben anstoßen, nein es heißt wirklich und tatsächlich umdenken bzw. Menschen mittels Logik zum Umdenken zu bewegen, an deren Vernunft zu appellieren. Kurzum weg vom Egotrip hin zur sozialen Gemeinschaft. Und dieser Egotrip beginnt schon ganz unten, dieser ist keineswegs ein Phänomen der Oberschicht. Wenn das geschieht, dann ändert sich auch die Politik, ansonsten kann man zwar seinen Sermon beisteuern und damit Bände füllen die eine gute Mauer abgeben, jedoch kein Pfeiler für eine gesunde Gesellschaft.

  3. corax sagt:

    2007 fielen ca 3.000.000.000 Überstunden an, auch wenn es etwas blauäugig ist, das 1:1 umzurechnen wären das bei entsprechenden Arbeitsschutzgesetzen und effektiver Kontrolle ca 1,7 Millionen Vollzeitarbeitsplätze.
    Also lass das mal 1 Millionen sein, die man mit einfachen Gesetzen schaffen könnte. Ich selbst komm aus der Baubranche, da ist es gesetzlich geregelt Stundenkonten zu führen in die sommers eingezahlt wird und winters ausgezahlt. (früheres Schlechtwetter). Das lässt sich problemlos auf fast alle Branchen übertragen.
    „Brennt“ tatsächlich mal die Hütte, dürfen Überstunden gemacht werden, diese sind aber konsequent durch unbezahlte Freizeit wieder auszugleichen.
    Am Anfang wird das Gekeife groß sein: „Das geht nicht, qualifiziertes Personal fehlt, dann bleibt Arbeit liegen, jemand anders kriegt dann den Auftrag, dann wirds schwarz gemacht, blablabla“ ich kenn die Sprüche. Aber letztlich bauen sich Häuser nicht von selbst, wenn jemand eine Mauer hochgezogen haben will, wird er früher oder später einen Maurer dafür einstellen müssen, und wenn es keine Maurer gibt, muss man halt welche ausbilden.
    Das ist natürlich keine Patentlösung, aber schonmal ein Anfang.
    Dummerweise weiß ich aber ganz genau, wer sich am heftigsten dagegen sperren würde, das SPD und Gewerkschaftsklientel. Denn die glauben sie sind nur für die da, die (noch) Arbeit haben.
    Das beschreibt gleichzeitig wie weit diese Herrschaften denken können.

    Glück auf!

  4. blu_frisbee sagt:

    Jeder aufgeklärte Zyniker weiß doch, daß die Geschichte der Arbeitslosenstatistik seit je eine der fortgesetzten Fälschung ist. Wir können sie nicht zwingen, die Wahrheit zu sagen, sondern nur immer unverschämter zu lügen.

  5. […] Der Kölner Stadtanzeiger darf sich meiner Meinung nach menschenverachtend über knapp 6,4 Mio. ALG II-Bezieher lustig machen, zynisch für die eigene Webseite werben — ich darf leider nur durch die Blume […]

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