You lost, Facebook!

zuckerberg_google

Cem gerade auf Google+: You lost, Facebook. Within a week. And you won’t come back again. That’s it. Ist das wirklich so? Ich denke, es ist noch viel zu früh, um eine Prognose abzugeben. Sicher, Google hat mit Google+ einen Traumstart hingelegt — noch nie habe ich es erlebt, dass ein neues Projekt, ein neuer Web-2.0-Dienst von allen Seiten diese positive Resonanz und Kritik eingeheimst hat. Es scheint so, als wäre Google+ das Netzwerk, auf das viele gewartet haben. Noch vor zwei Wochen war Facebook unantastbar, für den Börsengang sollte eine Bewertung von 100 Mrd. Dollar angestrebt werden. Heute befindet sich der Platzhirsch in der Defensive, der Videochat in Kooperation mit Skype wirkt, wie eine panische Reaktion auf Google+ und die Hangouts, obwohl Facebook sicherlich schon lange vor Google+ an der Entwicklung gearbeitet hat. In Diskussionen rund um das Internet wird häufig zwischen Onliner und Offliner unterschieden — tun wir das auch hier.

Die Onliner hat Google+ für sich gewonnen, ohne Frage. Doch muss man auch konstatieren, dass wir Onliner und gegenüber den Offliner — und bitte, ich bewerte weder die eine noch die andere Gruppe, wie es andere à la Avantgarde & Co. tun — weit in der Unterzahl befinden. In Zahlen ausgedrückt: Facebook hat laut eigenen Angaben rund 750 Mio. Nutzer, Google+ nach externen Schätzungen derzeit rund 5 Mio. Selbstverständlich wird Google+, sobald die Türen geöffnet werden, noch mehr Zulauf bekommen. Reicht das? Viel Nutzer von Facebook werden auch dort bleiben: Ihre Familie ist dort, Ihre Freund sind es, man hat sich bereits ein Netzwerk aufgebaut, FarmVille und Mafia Wars wollen gepflegt werden. im Gegensatz zu uns begeisterten Onlinern, hat das Gros der Nutzer gar nicht die Lust und Zeit, sich auf Google+ neu einzufinden und sich dort ein eigenes Netzwerk neu aufzubauen. Womit wir gerade mit aller Freude spielen, warum sollten das unsere Familien und Arbeitskollegen auch tun?

Über das Wohl und Weh von Google+ werden also nicht wir Onliner entscheiden, sondern unsere Familien, unsere Arbeitskollegen und unsere Nachbarn, die uns derzeit auf Facebook mit Glückskeksen beglücken. Facebook hat die kritische Masse schon lange überschritten, für Facebook geht es nicht mehr darum, neue Nutzer zu bekommen, sondern was man mit ihnen anstellt, wie es Mark Zuckerberg bei der Videochat-Präsentation ausdrückte.

Ich fürchte, Google kommt mit Google+ zu spät, vielleicht um ein, zwei Jahre — auch wenn ich mir persönlich Anderes wünschen würde. Zudem, und diese Meinung rauscht mir auf Twitter und Facebook durchaus durch die Timeline, wird Google durch die Diskussionen der letzten Jahre durchaus als evil angesehen, obwohl man offensichtlich gelernt hat und weitaus nutzerfreundliche Datenschutzbestimmungen aufgestellt hat als Facebook.

Google wird natürlich Alles tun, um Offliner für Google+ zu begeistern, ebenso werden Unternehmen durch +1-Verknüpfungen an Google+ herangeführt. Games, Apps, all diese Dinge, die uns schon auf Facebook nerven, werden ebenso auf Google+ Einzug finden. Verlierer, so oder so, werden wir Onliner sein. Entweder wir bleiben unter uns, und es wird schnell langweilig, oder Google+ wächst und wir müssen bald mit den Nervereien à la Facebook leben.

Ich glaube, dass Google auf die Onliner keine Rücksicht nehmen kann. Wir sind eine kleine Minderheit. Zielgruppe von Google+ werden die Offliner sein, die keine Adblocker kennen, die Webseiten über das Suchfeld im Firefox öffnen und begeistert jedes neue Spiel testen, was auf ihrem Social Network angeboten wird. Google+ ist großartig. Ich fürchte aber, es wird nicht so bleiben.

We will see

Disclosure: Nun reite bitte keiner auf die Off– und Onliner herum, ich denke, es ist klar, was ich ausdrücken möchte. Mir ist auch bewusst, dass sich die Begrifflichkeiten Offliner und Facebook-Nutzer im Prinzip beißen. Vielleicht hat ja Jemand zwei andere Begriffe, um die Unterschiede treffend zu charakterisieren.

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16 Antworten zu “You lost, Facebook!”

  1. Marius sagt:

    Ich weiß gar nicht, warum in Bezug auf Facebook in jedem zweiten Artikel negativ von «Nervereien» und Glücksnüssen gesprochen wird.
    Letztlich ist es doch jedem selbst überlassen, welche Personen den Einzug in den eigenen Facebook Freundeskreis finden. Außerdem kann man bei Facebook doch sehr viele Arten von Pinnwand Einträgen vollständig ausblenden lassen, wenn sie einem nicht gefallen.

    Die Eigenschaften eines organisch gewachsenen Biotops wie Facebook sind es, die ich derzeit auf G+ etwas vermisse. Denn wenn G+ so steril bleibt wie bisher, dann wird es eine Art Business Facebook Twitter Klon werden und dann werden sich dort die allseits bekannten Social Media Menschen ausbreiten. Und das wäre für meine Begriffe wesentlich langweiliger, als wenn sich die oft zitierten 0815 Facebook Nutzer (die es eigentlich gar nicht gibt) dort ausbreiten werden.
    Aber wie auch immer, wir können es sowieso nicht ändern.

  2. phoibos sagt:

    bisher hielten mich meine freunde für einen nerdigen netizen, doch nach dieser lektüre muss ich mich den (fast)offlinern zuordnen.

    diese zunehmende durchdringung verschiedener märkte und die damit verbundene nutzerinformationsanhäufung durch google macht mir angst. wirklich. mittlerweile freue ich mich schon, wenn ms sich gegenüber google mal durchsetzt (letzt bei irgendeiner uni als maildienstleister).

  3. @phoibos: Hab Dir mal eine Einladung zu Google+ geschickt… :p

    @Marius: In meinen Augen war und ist Facebook Mist. Ich habe bisher nicht den Aus-Knopf gefunden, weil dort halt noch viele liebe Menschen sind, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Man lebt in unterschiedlichen Städten, usw. Und ja, ich blocke da mittlerweile so gut wie alles. 😉

  4. Marius sagt:

    Ich mochte Facebook auch noch nie wirklich, aber ich würde es trotzdem nicht als Mist bezeichnen, weil es mir über eine gewisse Zeit gute Dienste geleistet hat. Mittlerweile nutze ich dort fast nur noch die Veranstaltungseinladungen, an keiner anderen Stelle habe ich einen besseren Überblick über bevorstehende Konzerte oder andere Veranstaltungen in meiner Stadt.
    Aber wenn du dort mittlerweile fast alles blockst, dann gibt es doch nicht mehr vieles, was dich dort nerven könnte.

    Oder was nervt dich an Facebook trotz des Blockens von nicht erwünschten Inhalten?

  5. Die Datenschutzbestimmungen zum Beispiel. Ich bin mit dem ganzen «Laden» nie warm geworden…

  6. Facebook ist schwerfällig, das Interface ist schlicht grausam, Privacy ein einziges Elend. Darüber hinaus reagiert Facebook wirklich nur auf massiven Druck, sprich wenn das Kind längst in den Brunnen gefallen ist. Die Verfehlungen seitens FB sind Legion.

    Google ist meiner Meinung nach die omnipotente Gefahr für das virtuelle Leben, welche Microsoft zwar oft zugeschrieben wurde, ohne daß diese jedoch jemals tatsächlich dieses Gefahrenpotential erlangten. In diesem Business existieren keine Freunde, keine Geschenke, keine Empathie … einzig die Gewinnmaximierung bestimmt den nächsten Tag. Sorry, wenn ich jetzt den Ponyhof einiger Web2.0-Maniacs mal eben hochbombe — aber das ist schlichtweg die Realität.

    Wo liegen nun die Vorteile bei Google+? Ein schlankes Interface, usus bei Google, darüber hinaus ein Plus an Annehmlichkeiten in puncto Offenheit und Datenschutz. Der Gigant kann sich dies leisten, ohne das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren. Aber auch hier trügt der Schein, Google muß man ebenso mit steter Wachsamkeit begegnen, wie jeder anderen Firma.

    Noli turbare circulos meos — störe meine Kreise nicht. Berühmte letzte Worte von Archimedes. Und was sagt uns dies? Ich gebe einen Dreck auf diese Kreise, der einzige wirksame Filter nennt sich vernunft und befindet sich in meinem Kopf. Googles Kreise sind nett, jedoch nur bedingt tauglich im Alltag und im Umgang mit vielen Beteiligten. Bei wenigen Beteiligten hingegen … nun, die Vernunft ist um einiges gefälliger.

    Kurzum, 140 Zeichen bei Twitter sind mir zu wenig, Facebook war und ist für mich nur lästiger Ballast. Google+ bietet mir die Vorteile beider, ohne mich jedoch einzuschränken … es geht mir, wie üblich bei Google-Produkten, einfach aus dem Weg. Ansonsten halte ich es wie mit allen Web20-Diensten: essentielle Dinge findet man von mir nur auf dem eigenen Webspace/Server — dort kann nur ein technisches Fehlen den Exitus meiner Daten bedeuten, nicht aber Top oder Flop im Angesicht der alljährlichen Bilanz eines Unternehmens. Auch hier sind die Beispiele Legion, insbesondere Google ist nicht gefeit dagegen. Klar man kann im Moment schon den eigenen Schrieb herunterladen, aber die Verlinkung ist dahin, Verweise führen ins digitale Nirwarna. Web 2.0 is for smalltalk.

  7. Christian sagt:

    Ich bin einmal gespannt auf Google+; mit Facebook konnte ich nie wirklich etwas anfangen, hatte nur mal einen Testaccount zum herumspielen. Irgendwie alles zu suspect, die Datenschutzrichtlinien seltsam, immer ein blöder Beigeschmack.
    Ob Google das besser hinbekommt? Ich hoffe es; das was ich bisher gelesen und gesehen habe, klingt extrem interessant, auch wenn man als Normalsterblicher wohl keinen Invite bekommt.

    Ich hoffe ja immer noch darauf, dass irgendwann auch die sozialen Netze verstehen, dass man sich untereinander austauschen muss. Vielleicht macht Google ja den Anfang, und integriert ein Interface, um auch mit Leuten zu interagieren, die auf Facebook oder sonstwo angemeldet sind. Das wäre für mich eine Killerfunktion.

  8. >Ich hoffe ja immer noch darauf, dass irgendwann auch die sozialen Netze verstehen, dass man sich untereinander austauschen muss.

    Das widerspricht der Gewinnorientierung und bei dieser steht man im Wettbewerb zu anderen Konzernen. Darüber hinaus kann die Netz-Welt recht gut ohne diese unerträgliche Redundanz leben. Wer Twitter/FB verbreiten möchte, der soll dies doch einfach auf den jeweiligen Plattformen tun und den Rest der Welt nicht nerven.

  9. Christian sagt:

    Ich glaube nicht, dass ein Austausch und die Gewinnmaximierung im Widerspruch stehen. Google+ braucht Mitglieder, und nicht Onliner wird seiner Oma erklären können, dass man auch bei einem zweiten Netzwerk mit den gleichen Daten noch einmal Mitglied werden muss. Warum also nicht auf Facebook zugehen und ein offenes Interface anbieten? Google macht Geld mit Werbung und dafür braucht man vor allem eines: Öffentlichkeit. Und die hat Google jetzt schon bekommen, nun muss man den Hype konsequent hochhalten, und da würde sich Offenheit gut machen denke ich.

  10. Basti sagt:

    Ich hoffe das ist nicht er erste Vorbote zu einer Kooperation der beiden Giganten. Wenn Facebook Google wirklich nichts entgegenzusetzten hat, wird es früher oder später zu einem Großen Fressen kommen, ich hoffe nur, dass es bis dahin eine passendes Endlager für die Facebook-Datenbanken gibt.

    Google hat einen großen Vorteil gegenüber Facebook, die Bequemlichkeit der Menschen, das tägliche, nein ständige Wechseln zwischen F und G wird den Leuten irgendwann auf die Nerven gehen. Google hat jetzt lange genug Zeit gehabt um aus Fs Fehlern zu lernen. Wenn die Menschen irgendwann den Komfort-Vorteil sehen, dann auch noch glauben, dass Google sicherer sei, dann wird der Massenumzug stattfinden.
    Google macht es den Leuten auch nicht schwer, nachdem sich Facebook „quasi“ in Google+ nutzen lässt.
    Und das Ganze hat ja gerade erst angefangen. Ich bin mal auf die nächsten Monate geschweige denn Jahre gespannt.

  11. Basti sagt:

    Ach verdammt, jetzt hab ich noch was wichtiges vergessen: Geiles Bild 😉

  12. >Ich glaube nicht, dass ein Austausch und die Gewinnmaximierung im Widerspruch stehen.

    Ich glaube auch nichts, ich spekuliere nur, da ich Googles Bilanzen nicht kenne. Das Gros jedoch glaubt gerne, weils dem eigenen Empfinden genehmer wäre.

  13. Paolo Pinkel sagt:

    Bisher sehe ich nur ein Nerdbook, daß google+ sich in der breiten Masse durchsetzt, wird, wenn überhaupt, noch lange dauern.

  14. Ganz Allgemein komme ich sehr gut ohne eine einzige fb-Freundschaft aus.

    Auch kann ich keinen wirklichen Nutzen für den _Einzelnen_ erkennen, der sich durch die Verwendung von fb ergibt.

    Weitaus größer empfinde ich die Nachteile, ganz im Speziellen aus den Perspektiven Datenschutz und Zeitaufwand, die manche in fb investieren.

    Und was mich besonders erstaunt ist der Umstand, wie hungrig der Markt nach Neuerungen wie G+ ist.

  15. Karin Sebelin sagt:

    Hallo Christian,

    muss ich Dir beipflichten…mit FB wurde ich auch nie richtig «warm»!

    Ich hatte da auch mal große Sicherheitsprobleme, auf die mich ein Bekannter hinwies.
    Mein Profil war öffentlich zu bearbeiten!!!! Wenn man sich das vorstellt:-( Hätte sich locker jemand reinhacken können!
    Das kann dann ganz schön Aufregung verursachen!!!

    Ein Bekannter auf G+ hatte neulich das gleiche Problem.…siehste wohl:-)

    Seitdem bin ich gezeichnet von FB…sorry:-)

    LG

    Presse-Service
    Karin Sebelin

  16. Lars Dickhoff sagt:

    Der Hype ist groß, der Hype ist groß, der Hype ist groß.

    Interessant doch hauptsächlich für Menschen, die Kontakte halten müssen, zu denen sie keine persönliche Beziehung haben, richtig oder falsch?

    In «meine Kreise» finden nur persönliche Bekannte und Freunde, und dieser Kreis definiert sich durch die hier schon genannte Vernunft und äußert sich in der Ablehnung einer Facebook-Freundschaftsanfrage.

    Wenn Menschen nicht einmal genügend Rückgrat haben, dem Chef zu sagen, dass er kein Freund ist, den Kollegen, dass sie nur Kollegen sind, und dass eben beide nichts in (m)einer social Community wie Facebook zu suchen haben, weil sie keine «Freunde» sind, wie laufen dann die üblichen Gehaltsverhandlungen ab?

    Ich glaube, meine Kollegen und auch mein Chef kann gut damit leben, dass ich ihnen auch ihre Privatsphäre lasse. Dafür muss ich keinen Kreis definieren und den Menschen etwas vormachen.

    Ich mag sie, ehrlich, als Kollegen und Chef, aber ich muss mit ihnen keinen Smalltalk über mein letztes Konzert führen. Natürlich können wir das gerne tun, während der Arbeitszeit. Aber nicht außerhalb.

    Noch erfreut sich G+ an den 10 Millionen Anmeldungen, wurden schon einmal Umfragen gestartet, wieviele von diesen 10 Millionen parallel noch ihren Facebook Account haben und nicht in Erwägung ziehen, diesen den Rücken zu kehren? Das wäre doch eine aussagekräftigere Information als die bloße Anmeldung von 10 Millionen internetinteressierten Menschen.

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