Yahoo, Shi Tao und die PR vor dem Kongress der USA

Kennt wer noch Shi Tao — oder ist er mittlerweile für ein paar Herrschaften vergessen, nachdem der Scheck von Yahoo eingetrudelt ist? Wir erinnern uns: Shi Tao ist in China zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt worden nachdem Yahoo seine Daten an das Mörderregime in Peking weitergegeben hatte, er so gefasst wurde. In Deutschland wurde über den Fall selbstverständlich gesprochen — besonders aber in den USA.

Dort kam es sogar für Yahoo zu einer Kongress-Anhörung im Fall Shi Tao. Die USA mögen manch falsches Spiel spielen, kommt aber raus, dass ein Unternehmen willentlich bei der Verfolgung einer freiheitlich gesinnten Opposition mitarbeitet, dann ist das strafbar — insbesondere die Öffentlichkeit treibt dann die Strafverfolgungsbehörden und die Politik solange vor sich her, bis diese reagieren. Der damalige General Counsel Yahoos, Michael Callahan, sagte vor dem amerikanischen Volk:

When Yahoo! China in Beijing was required to provide information about the user, who we later learned was Shi Tao, we had no information about the nature of the investigation.

Sprich, wir wussten von nichts. Die kpl. Anhörung kann hier als PDF-File angeschaut und runtergeladen werden. Nun gibt es nicht nur die Reporter ohne Grenzen oder Amnesty International — auch andere Organisationen stehen für Menschenrechte und gegen das Unrecht dieser Welt ein. Auch die Dui Hua Foundation ist so eine Organisation:

The Dui Hua Foundation (“dui hua” means “dialogue” in Chinese), incorporated in April 1999, is a non-profit organization dedicated to improving human rights by means of a well-informed dialogue conducted between the United States and China.

Die Dui Hua Foundation hat ein eigenes Blog — und dort ist ein interessanter Artikel erschienen: Police Document Sheds Additional Light on Shi Tao Case. Plötzlich erscheint alles in einem anderen Licht: Es sind neue Dokumente aufgetaucht, die die Aussagen von Yahoo widerlegen. Die Behörden in Beijing hatten einen Brief an Yahoo verfasst — wie sich später herausstellen sollte, ging es um Shi Tao. Die Behörden schrieben damals an Yahoo:

According to investigation, your office is in possession of the following items relating to a case of suspecting illegal provision of state secrets to foreign entities that is currently under investigation by our bureau. In accordance with Article 45 of the Criminal Procedure Law of the PRC, [these items] may be collected.

Yahoo wusste also sehr wohl, dass es um profane Daten ging, nicht um einen Kinderschänder, Mörder oder Terroristen. So wie sich die Sache entwickelt hat, hat Michael Callahan das Volk, den Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika belogen. Yahoo hat allen Anschein nach wegen monetärer Interessen mal eben das Leben eines Menschen ruiniert. Jetzt die große Preisfrage: Wenn Yahoo schon bei einem Mörderregime bereit ist, soweit zu gehen, zu was sind sie dann erst in demokratischen Staaten bereit — wie zum Beispiel bei dem Datenfetischismus unserer feinen Bundesregierung?

Zum Abschluß noch ein Zitat aus dem Blogeintrag der Dui Hua Foundation:

“We must remember,” Rosenzweig adds, “that before Shi Tao there were three other Chinese dissidents about whom Chinese police obtained user information from Yahoo! in Beijing.

Immer daran denken: Shi Tao ist nicht der einzige. Er hat vielleicht traurige Berühmtheit erlangt und ist bekannt geworden, aber es gibt mehrere Dissidenten, die von Yahoo an das Mörderregime ausgeliefert wurden. Aber ich halte ja schon den Mund, ich möchte da niemanden beim Geldzählen nerven… (via)

5 Antworten zu “Yahoo, Shi Tao und die PR vor dem Kongress der USA”

  1. Oliver sagt:

    Seit 2002 kennt man derlei Fälle schon. Wenn schon ein Regime nicht vor der Datenfreigabe, was sollen wir erst hier in einer Demokratie erwarten? Ein omnipotenten Persilschein für die Behörden?

  2. […] sollte man sich da noch mit dem Inhalt der Kollegen auseinandersetzen. Der war eh nicht gegeben. Ich verweise mal auf meinen Artikel, der vor dem SpOn-Artikel erschien. Im Regelfall, wie auch bei Shi Toa, ist es der Geheimnisverrat. Und Geheimnisverrat ist in China […]

  3. […] die von dem dortigen Staatsterror berichten, z.B. Shi Tao, werden mundtot gemacht, in Gefängnisse oder wie He Weihua wiederholt in psychatrische […]

  4. […] ja von nichts gewusst, die gängige Ausrede, auch immer in unserem Land gerne genutzt. Dass diese Version mittlerweile als urban legend gelten kann, wird geflissentlich verschwiegen. Ich zitiere nochmals Heise, weil der Artikel einfach grandios ist, bis auf den letzten Absatz, […]

  5. […] schwärmt, dass er die Welt verbessern möchte — aber auf der anderen Seite für die Unterstützer des mörderischen Terrorregimes in Peking Werbung macht. Das kann ich mir alles überhaupt […]

RSS-Feed abonnieren