Worte des Tages von Günter Wallraff

WallraffDass ich Günter Wallraff schätze, habe ich schon des Öfteren erwähnt. Er ist nicht nur einer der besten Journalisten des Landes, er ist auch Mensch, Humanist, hat das Herz am rechten Fleck und setzt sich für die ein, die sich nicht wehren können, für die ganz Schwachen dieser Gesellschaft. Er kämpft für eine bessere Welt. Auch wenn das manchen neoliberalen Vertreter, der sich Journalist nennt, nicht gefällt und es zulässt, dass Günter Wallraff in den Kommentaren mit dem rechten Gesocks auf eine Stufe gestellt wird. Sei es dem Herrn vom Handelsblatt verziehen, den Neoliberalen bricht gerade die ganze eigene, verquerte Ideologie zusammen – da beißt man schon mal ohne zu überlegen um sich. Es muss erschreckend sein, wenn man sein gesamtes Leben lang einer falschen Ideologie gefolgt ist und langsam erkennen muss, dass diese Elend und Armut über die Menschen gebracht hat und nun zusammenbricht. Doch zurück zu Günter Wallraff. Er hat derStandard.at ein Interview gegeben, welches eindrucksvoll belegt, warum Wallraff Wallraff ist, die SPD die SPD und warum es in Deutschland kaum noch kritische Journalisten gibt.

Zum Thema Leiharbeit und Langzeitarbeitslosen gibt er zu Protokoll:

Bei meiner letzten Recherche in der Brotfabrik, sagten Kollegen zu mir: Hoffentlich werden wir bald entlassen. Ich fragte: Warum kündigst ihr denn nicht? Dann kriegen wir eine Sperre vom Arbeitsamt. Das ist wie Zwangsarbeit. Beim Callcenter werden die Leute hin verpflichtet, obwohl sie zu Betrügern ausgebildet werden. Aber sie können nicht ablehnen, sonst kriegen sie die Sperre. Mit Langzeitarbeitslosen kann man machen was man will. […] Da herrscht völlige Rechtlosigkeit. Menschen, die wie Ware angemietet werden, als Lückenbüßer, Manövriermasse. Die sind die ersten, die jetzt auf der Strecke bleiben.

Dazu muss man nicht viel sagen. Wenn ein Mitarbeiter heute selbst kündigt, bekommt er vom Arbeitsamt eine 3-monatige Sperre. Sprich: Wer kein Geld auf der hohen Kante hat, ist auf Gedeih und Verderben dem Arbeitgeber ausgeliefert. Dass viele Unternehmen dies natürlich ausnutzen, ist klar – schließlich wird es der Markt richten. 60 Jahre Menschenrechte wurde gerade gefeiert. Und auch wenn ich Deutschland nicht mit anderen totalitären Regimen gleichsetzen will, muss man festhalten, dass viele Menschen in Deutschland ihre Grund– und Menschenrechte am Firmentor abgeben – politisch gedeckt und gewollt.

Zur SPD findet Günter Wallraff auch ein paar treffende Worte:

Wir hatten einen Wirtschaftsminister Clement, der schamlos der Leiharbeiterbranche alle Gesetze nach ihren Wünschen zugeschnitten hat. Jetzt wurde er von diesem Verband in den Dienst genommen, und er kassiert ein unverschämtes Salär. Ich bin Wechselwähler, den Grünen nahestehend; aber zwischendurch war ich auch der SPD zugetan. Für mich hat diese Partei mit Schröder ihre sozialen Wurzeln gekappt und ihre Seele verkauft.

Man kann zu dieser Partei kaum noch etwas schreiben. Die SPD ist am Ende. Menschlich, aber auch politisch. Sie wurde vom rechten Parteiflügel in den Abgrund getrieben – die Basis ist bereitwillig gefolgt. Zumindest wenn man den Bereich Bürgerrechte sieht, ist die FDP mittlerweile eine Alternative zu den Damen und Herren Sozialdemokraten geworden. Viel tiefer kann man nicht sinken.

Eine grandiose Sache plant er für den journalistischen Nachwuchs:

Ich hatte den lange nicht, deshalb bin ich dabei, eine Stiftung zu gründen, wo jüngere Journalisten freigestellt werden, die sich auf solche Themen einlassen. Wenn das eine Bewegung wird, kann das auch eine gesellschaftsverändernde Wirkung haben. Davon bin ich überzeugt.

Das könnte sich zu einer sehr guten Idee entwickeln und würde jegliche Unterstützung verdienen. Wenn ein Journalist verdeckt ermittelt, über ein paar Monate keine Einkünfte hat, evtl. von einer solchen Stiftung aufgefangen wird, ist das grandios. Da kann man nur hoffen, dass aus der Idee und einer Planung eine reelle Chance für den Nachwuchs wird.

Auch seine Worte zu den Medien und dem Journalismus in Deutschland kann man nur unterstreichen. Das Interview zeigt mal wieder, dass Günter Wallraff nicht nur verdeckt recherchierender Journalist ist, sondern ein hochintelligenter Mann, der sich um viel mehr Gedanken macht, als seine aktuelle Recherche. Günter Wallraff äußert kluge Gedanken zu unserer Gesellschaft, unserem Land, den Menschen und den Mächtigen.

Linktipps auf F!XMBR:

Leiharbeit undercover
Wahre Worte von Günter Wallraff
Julia Friedrichs — Gestatten: Elite

Zum Abschluss noch einmal meinen absoluten Lieblings-Podcast. Günter Wallraff zu Gast bei Fragen an den Autor, die Sendung wurde im Jahre 1970 aufgezeichnet. Schon damals funktionierte unser System wie es heute funktioniert. Dieser Podcast ist viel mehr als ein selbiger, er ist ein zeitgenössisches Dokument, ein geschichtliches Dokument unserer Republik. Lehnt Euch zurück und nehmt Euch eine Stunde Zeit.

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Bild: Wikipedia

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