WordPress Deutschland zeigt sich weiterhin uneinsichtig, stellt sich gegen die User — mit der Rechtskeule wird nun auch argumentiert

WP-LogoWir hatten bereits über WordPress gesprochen, dieses unsägliche Linklift-Plugin und auch die Datenschutzfarce. Vom Chef von WordPress Deutschland (WPD) gibt es nun ein Statement zu den Diskussionen der letzten Tage. Es offenbart, wie wenig auf die Übersetzer, die Macher von WPD auf die User eingehen, es zeigt eine völlige Uneinsichtigkeit — noch viel erschreckender: Es wird völlig neben der Kritik argumentiert, damit kein eigener Fehler zugegeben werden muss, es wird auf die Tränendrüse gedrückt und im Laufe der Diskussion wird sogar die Rechtskeule rausgeholt, ganz zu schweigen von weiteren Statements der WPD-Mitarbeitern während der Diskussion. Wenn man den Thread liest, bekommt man den Eindruck, als wäre in den letzten Tagen nichts geschrieben und gesagt worden.

Olaf, Chef von WPD argumentiert, dass das Linklift-Plugin ja inaktiv sei, man es erst aktivieren müsse, überhaupt zeigt das Verhalten der WPD-Jungs nicht im Ansatz, dass die Kritik verstanden wurde. Es ist meiner Meinung nach fast zu vermuten, dass hier bewusst nicht auf die Kritiker eingegangen wird.

  1. Die Art und Weise wie das Plugin beigelegt wurde, ist kritisiert worden. Und auch wenn es nur ein Plugin ist, so ist es offizieller Bestandteil der deutschen WordPress-Version. Keinerlei Tranzparenz, keine Offenheit, ein Satz im Blog, wie mit den Usern umgegangen wurde, genau das ist der vorangige Kritikpunkt.
  2. Die rechtlichen Folgen, die entstehen können, wurden angesprochen. Wenn ein offizielles Produkt wie WordPress auf einmal durch so ein Plugin aus einem Privatblog eine kommerzielle Veranstaltung macht, kann das extreme Folgen für den User haben. Natürlich ist der User in erster Linie selbst dafür verantwortlich, doch, ich schrieb es bereits: Hier hat WPD auch eine Verantwortung gegenüber dem User — und genau dieser Verantwortung wird man im Moment nicht gerecht.
  3. Und auch mit Google kann es Probleme geben — Google hat gekaufte Links nicht so gerne, das kann ein erhebliches Abrutschen im Index bedeuten. Auch diese Gefahr muss den Leuten klipp und klar gesagt werden, diese Möglichkeit muss offen kommuniziert werden.

Diese drei Punkte waren die Hauptkritik an dem Linklift-Plugin, zusätzlich natürlich die Art und Weise, wie die Kritiker daraufhin angegangen wurden. Inwieweit hier für Offenheit und Transparenz gegenüber den Usern gezeigt wird, inwieweit die User ernstgenommen werden, zeigt der WPD-Mitarbeiter Arno Simon. Eine Diskussion, ob diese Verteilungsform SPAM ist, wird nicht stattfinden, Punkt, aus — völlig unabhängig davon, dass Arne Simon wohl diese Form nicht gewählt hätte, wird hier eine beeindruckende Diskussionsbereitschaft gegenüber den Usern gezeigt. Ich muss meine Trackbacks von den unzähligen Viagra-Verkäufern und meine eMails von den ganzen Pokerfreunden auch nicht aktivieren — und trotzdem sind und bleiben sie SPAM.

Eine kleine Anmerkung noch zum WPD-Mitarbeiter jottlieb, den wir hier auch schon kennengelernt haben: Dieser ist doch glatt der Meinung, eine GbR wäre gewissermaßen einem eingetragenen Verein gleichzusetzen und das BILDblog, welches nach meinen Informationen 1,5 Mitarbeitern mittlerweile den Lebensunterhalt finanziert, würde nicht gewinnmaximiert arbeiten. Lieber jottlieb — selbstverständlich arbeitet das BILDblog mittlerweile gewinnmaximiert. Es scheint so, als wollten sich die Herrschaften rund um WPD als karitative Einrichtung hinstellen — das ist wirklich mal witzig. Ich schlage Oliver demnächst auch für den Friedensnobelpreis vor — Oliver hat seit Jahren viel für das BSD-Projekt getan. Ich sage es mal in aller Deutlichkeit: In anderen Ländern würde es dieses Verhalten nicht geben — Oliver selbst schrieb es hier: Die deutsche Krankheit hingegen, das alles irgendwie “lohnend” sein muß, widerspricht jedoch vollends dem Opensource/Community Gedanken. Natürlich habt Ihr den Dank unzähliger User, Ihr macht einen verdammt guten Job mit den Übersetzungen — doch das rechtfertigt nicht jegliches Verhalten, welches Ihr in letzter Zeit an den Tag gelegt habt.

Es wird in der folgenden Diskussion immer wieder darauf hingewiesen, dass ein Projekt wie WPD Geld kostet — das ist unbestritten. So ein Projekt will finanziert werden, klar. Doch wenn man mal raus in die weite Welt schaut, gibt es im Opensource-Bereich nicht nur WordPress, auch andere Projekte wollen finanziert werden Und oh Wunder, es funktioniert, okay, meist mehr schlecht als recht. Doch da muss man nicht auf solche Machenschaften, wie die Auslieferung von SPAM, und ja, ich bezeichne es weiterhin als SPAM, und zwar die Art und Weise, zurückgreifen — womit wir auch schon (fast) zum letzten Punkt kommen: Olaf, Chef von WPD holt schon mal vorsorglich die Rechtskeule raus, vielleicht will er so die Kritiker zum Schweigen bringen. Ich zitiere lieber, bevor ich Anwaltspost bekomme:

Mittlerweile setzten einige Leute Linklift mit Spam gleich, das ist an den Haaren herbeigezogen und zumindest rechtlich bedenklich. Das hat nie jemand gesagt oder geschrieben. Linklift selbst ist ein ganz normaler Werbepartner, den man in Hinblick auf Google oder halt in Hinblick auf die rechtliche Situation mit Bedacht einsetzen sollte. Euer Handeln erst hat das Plugin in den Augen vieler User zum SPAM werden lassen. Es ist mehr als befremdlich, dass der Chef von WPD auf einmal mit rechtlichen Bedenken argumentiert — gegen die eigenen User. Als ich das gelesen hatte, musste ich schlucken und zweimal lesen, ob die Zeilen dort wirklich stehen. Vielleicht spreche ich ja chinesisch, und die Argumente werden wieder nicht verstanden — es gibt da draußen mittlerweile viele Artikel, die sich mit Euch, Eurem Verhalten auseinandersetzen. Einfach mal in Ruhe lesen, nicht nur im eigenen Forum und vielleicht dort den einen oder anderen verlinkten Artikel — einfach mal Technorati oder Blogato anschmeißen.

Zum Abschluß ein paar Lesetipps — ich bin ja ausnahmsweise mal nicht alleine auf der dunklen Seite der Macht, may the force be with you. 😀

WordPress Deutsche Edition und das Spam Plugin

WordPress Deutschland im Kampf gegen die Anwender

Nur ein paar Gedanken zu WordPress

Das waren jetzt wahllos herausgegriffene Artikel — einfach auch mal den Trackbacks hier auf F!XMBR folgen, dann bekommt man schon die Stimmung da draußen mit. WPD kann wirklich froh sein, dass die Leute da draußen seit kurzer Zeit wissen, was Myanmar ist — so läuft diese Diskussion neben der aufgesetzten Aufregung, dem Top-Thema, eher am Rande. 😉

Nachtrag: Vielleicht besteht doch Hoffnung. Olaf schreibt: Wir werden klar kennzeichnen, dass es sich bei dem LL-Plugin um ein gesposortes Plugin handelt. Wir werden deutlich kennzeichnen was die offizielle Version ist und was die DE-Edition ist. Es ist deutlich bei uns angekommen, dass es so nicht geht. Ein erster, wenn auch sehr kleiner, Schritt — zumindest eine Kennzeichnung kommt. Mich würde in diesem Zusammenhang ja mal interessieren, was passiert und die Leute sagen, wenn zum Beispiel Openoffice mit einer Symbolleiste von Microsoft ausgeliefert wird — natürlich als Werbung gekennzeichnet. Es gibt nunmal absolute No-Go’s — und in meinen Augen ist diese Gesamtsituation, diese Kooperation, dieses ganz spezielle Konstrukt, und wenn man ehrlich ist, legt es Linklift ja wohl genau darauf an, genau so ein No-Go. 😉

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6 Antworten zu “WordPress Deutschland zeigt sich weiterhin uneinsichtig, stellt sich gegen die User — mit der Rechtskeule wird nun auch argumentiert”

  1. soeren onez sagt:

    Auch wenn du mich vielleicht nicht mehr lesen willst, ich lese hier weiterhin und dieser Artikel hat mir sehr gut gefallen. Deine Argumentation ist schlüssig und direkt. Das gefällt mir nicht nur, sondern überzeugt mich. Sogar als Werbeblogger! Das Problem sehe ich vor allem in der Kommuikation mit der Community. Wäre diese Diskussion vorher gestartet, aufgrund transparanter Informationen seitens der WPD dann hätte viel Schaden abgewand worden. Nicht, dass dann alle zufrieden gewesen wären, aber solch weitgehende Schritte sollten erst besprochen werden und dann ausgeführt. WPD hätte viel dabei lernen können und vielleicht lernen sie es auch jetzt mit der Brechstangenmethode, aber wir werden sehen.

    Lernen sollten sie vielleicht, dass der User ernst genommer werden sollte, so toll auch der Support ist, Vertrauen wächst oder fällt über solche Sachen.

  2. Oliver sagt:

    >Sogar als Werbeblogger!

    man heul doch anderswo herum

  3. soeren onez sagt:

    Entschuldige, dass ich mich für einen guten Artikel bedanken wollte, wird nicht wieder vorkommen!

  4. dub dub dub sagt:

    WordPress 2.3 ist da…

    Etwas erschütternd finde ich allerdings weiterhin die Diskussion darüber, ob gekaufte Links das Selbe sind wie GoogleAds (ich vermute jottlieb meint hier Adwords/Adsense). Offenbar wird der Unterschied im WPD-Team tatsächlich nicht verstanden. Nochm…

  5. […] Kritiken der letzten Tage haben zu einem Umdenken bei WordPress Deutschland geführt. Wie auf dem […]

  6. […] recent thing in the German WordPress community where the people translating wordpress into German added a spam plugin (link in German) [seems to be fixed now by not adding the spam plugin […]

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