Kinderarbeit in Ghana: Wo unser Computermüll landet

Clap-Chef-Fotograf Alexander von Spreti ist gerade für eine Fotoreportage nach Ghana gereist. Er hat dort beeindruckende, – bedrückende — Bilder gesammelt. Computermüll landet in unserer Wegwerfgesellschaft in der Regel auf dem Sondermüll. Alexander von Spreti zeichnet nun am Beispiel Ghana den Weg nach, was mit unseren Alt-Rechnern geschieht. Die Rechner werden allesamt ausgeschlachtet, das wertvolle und begehrte Kupfer gesammelt und anschließend zusammen mit Autoreifen verbrannt, damit das Kupfer von der Plastikummantelung getrennt werden kann.

Die Arbeit wird dabei ausschließlich von Kindern und Jugendlichen verrichtet, die Gesundheit ruiniert, von den Folgen für die Natur und somit den Menschen, die nicht mittelbar vom Ausschlachten des Computermülls leben, ganz zu schweigen.

Die Kinder arbeiten in Dreier-Teams. Ein Team verdient pro Tag 4 Cedi, eine Mahlzeit für drei kostet 1,5 Cedi. Monatlich landen 500 Tonnen Computermüll in Ghana. Ist das Kupfer extrahiert, wird es an Händler verkauft, die das Metall ihrerseits wieder teuer an Europa verkaufen. Das nennt man in unseren Breitengraden erfolgreiches Recycling. Mit dem Abbrennen der Kabel gelangt Blei und Cadmium in dem Boden. Natürlich atmen die Kinder die Dämpfe ein. Jedes Kind hustet hier. Die Lungen möchte ich nicht sehen. Da der Crap Yard an dem Odaw River liegt, der wiederum ins nahegelegene Meer fließt, gelangt die Blei-Cadmium-Mischung ins Meer. Die Fischer haben den Fischfang zum größten Teil aufgegeben, da es keine Fische in der Lagune mehr gibt.

Der gelbe Punkt perfektioniert – aber es ist ja weit weg… 😉

Alexander von Spreti, Accra, Ghana

Kinder im Altern 5 Jahren sortieren Altmetall, Agbogbloshie Crap Yard, Accra, Ghana.

Alexander von Spreti, Accra, Ghana

Demfi, 1 Jahr, mit ihrer Mutter in ihrem Geburtsort Agbogbloshie Crap Yard, Accra, Ghana.

Alexander von Spreti, Accra, Ghana

Gafaru, 22 Jahre sammelt seit 9 Jahren Altmetall auf dem Agbogbloshie Crap Yard, Accra, Ghana.

Alexander von Spreti, Accra, Ghana

Ausgemusterter Computer Monitor der Gemeinde Newham im Nordosten Londons landet als Muell in Accra, Ghana.

Alexander von Spreti, Accra, Ghana

Mit Hilfe von Autoreifen werden die Feuer angezuendet, Accra, Ghana.

Alexander von Spreti, Accra, Ghana

Vor dem Abbrennen der Computerkabel werden sie zu Knaeulen verschnuert, Accra, Ghana

Alexander von Spreti, Accra, Ghana

Abbrennen der Plastikummantelung von Kupferkabel, Accra, Ghana.

Claportage — Medialer Wohlstandsmüll!

Fotos: Alexander von Spreti, mit ganz großem Dank und Gruß nach Ghana. :)

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13 Antworten zu “Kinderarbeit in Ghana: Wo unser Computermüll landet”

  1. markus sagt:

    ja das geht wohl mit vielen alten e-geräten so. die «rückgewinnung» erstreckt sich aber nicht nur auf kupfer, auch andere edelmetalle stehen auf der liste. dazu werden dann auch die epoxy pcbs verkokelt — wohl bekomms.

    eine schnelle überschlagsrechnung hat ergeben, dass die jungs da ca. 1kg (bei deutschen schrottpreisen) reines kupfer pro tag sammeln müssen um über die runden zu kommen. vermutlich wird es aber mehr sein.

    ich frage mich nur was man tun kann, um solchen auswüchsen nicht auch noch nahrung zu geben? man kann zwar versuchen, seine rechenrflotte lange am leben zu erhalten, aber älter als 10 Jahre ist wohl keiner meiner rechenknechte. denke, das die meisten rechner nur mit mühe ihr 5. lebensjahr packen. bisher konnte man noch unvernetzte familienmitglieder mit alten rechnern aufrüsten, der «markt» ist jedoch auch irgendwann gesättigt, dann muss man wegwerfen und ab dem zeitpunkt hat man keine kontrolle mehr über die Verwertungskette.

    die geringe Zahl von Applebüchsen überrascht wenig, die dinger sind oft so teuer und beliebt, dass sie besonders lange in den genuss lebensverlängernder maßnahmen kommen. ob das auch für die aktuelle Lötakkufraktion gilt wird sich wohl erst noch rausstellen.

  2. Chris sagt:

    Artikel fast kpl. neu geschrieben und Bilder eingefügt, die uns gerade von Alexander von Spreti zugeschick wurden.

  3. Seraphyn sagt:

    Ja, leider durfte ich auch schon vor einem Jahr davon erfahren:(
    Ich gehe davon aus, dass dies nicht Linux4Afrika ist und vor allem macht es mich stinkesauer. Angesprochen habe ich den Resthof hier in meiner Gegend damals. Aber auch der werte Herr wusste leider nicht was damit geschieht. Ich stelle mir halt die Frage, ob dies die Rücknahmeaktion der großen Computerhhardwarehersteller ist?
    Man sollte dieses Thema mehr pushen
    Gruss Chris

  4. Grainger sagt:

    Zumindest in Deutschland zahlt doch bereits der Verbraucher für eine ordnungs– und sachgemäße Entsorgung der Geräte (eigentlich zahlen wir für die Entsorgung unseres gesamten Mülls, von der Aktion Grüner Punkt bis hin zu diversen Entsorgungsabgaben, die bereits beim Neugerätekauf erhoben werden).

    Die anschließende Verbringung unseres Wohlstandsschrottes in Länder der Dritten Welt und die dortige Wiedergewinnung der Rohstoffe unter primitivsten technischen und menschenunwürdigen Bedingungen stellt eigentlich auch einen Betrug des hiesigen Endverbrauchers dar.

    Man mag das beschönigend Recycling nennen, aber ich persönlich sehe das so:
    ich werde ich für eine Leistung zur Kasse gebeten, die ich anschließend nicht in der zugesagten Form erhalte.

    Ich hätte grundsätzlich kein Problem damit, bestimmte Recycling-Tätigkeiten in Ländern der Dritten Welt durchführen zu lassen, wenn dies unter zumutbaren Bedingungen geschieht und die dortigen Arbeitnehmer dafür einen nach dortigen Maßstäben fairen Lohn erhalten.

    Nur rechnet sich das dann für die hiesigen Ausbeuter wahrscheinlich nicht mehr.

  5. markus sagt:

    @ grainger …

    ist vlt das gleiche wie mit dem Atomstrom. wenn man wirklich alle kosten einpreisen würde, müsste so manch einer schwer schlucken.

  6. […] Kinderarbeit in Ghana: Wo unser Computermüll landet Sollte nachdenklich stimmen, wie überall günstige Preise und wirtschaftliche Interessen sind an […]

  7. andre sagt:

    es ist erschreckend dies zu sehen und zu lesen… aber da sieht man leider das selbst so etwas gut gemeintes wie rückgewinnung von rohstoffen mit genug habgier wieder einmal total den sinn verliert. es geht leider alles nur noch ums geld, was geht mich denn die dritte welt an wenn ich hier mein loft mit 80 zoll lcd an der wand hab? traurig so was wirklich…

  8. Daniel S. sagt:

    Auch Quarks&Co hat darüber berichtet: Mehr findet man hier:
    Homepage von Quarks und Co

  9. […] Kinderarbeit in Ghana: Wo unser Computermüll landet Clap-Chef-Fotograf Alexander von Speti ist gerade für eine Fotoreportage nach Ghana gereist. Er hat dort beeindruckende, – bedrückende – Bilder gesammelt. Computermüll landet in unserer Wegwerfgesellschaft in der Regel auf dem Sondermüll. Alexander von Spreti zeichnet nun am Beispiel Ghana den Weg nach, was mit unseren Alt-Rechnern geschieht. Die Rechner werden allesamt ausgeschlachtet, das wertvolle und begehrte Kupfer gesammelt und anschließend zusammen mit Autoreifen verbrannt, damit das Kupfer von der Plastikummantelung getrennt werden kann. Die Arbeit wird dabei ausschließlich von Kindern und Jugendlichen verrichtet, die Gesundheit ruiniert, von den Folgen für die Natur und somit den Menschen, die nicht mittelbar vom Ausschlachten des Computermülls leben, ganz zu schweigen. Quelle: F!XMBR […]

  10. rofl sagt:

    @ Garinger
    «eigentlich zahlen wir für die Entsorgung unseres gesamten Mülls, von der Aktion Grüner Punkt bis hin zu diversen Entsorgungsabgaben, die bereits beim Neugerätekauf erhoben werden»

    Genau beim Recycling liegt auch die Krux. Durch den grünen Punkt wird Müll zum Rohstoff umdeklariert. Und wenn man Rohstoffe in die dritte Welt liefert, fällt das schon mal eher unter Entwicklungshilfe. Wir sind halt immer ganz dolle hilfbereit wenns um solche Sachen geht.

  11. […] der dann weiterverarbeitet wird. Selbst Kinderarbeit ist dort an der Tagesordnung, wie auf fixmbr.de nachzulesen. Wie schlimm die Lage in Ghana ist, konnte man auf Arte am 15.2.11 sehen. Dort lief ein […]


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