Wo sind eigentlich die Linken geblieben?

Was ich mich gerade frage, wo sind eigentlich die Linken in unserem Land geblieben? Dass die SPD zum neoliberalen Flügel gehört, geschenkt. Ebenso SPD-Vorsitzender Fremdarbeiter Oscar Lafontaine. Dass die Union dort fischt, wo früher Schönhuber zu Hause war, okay. Dass die FDP mit Guido immer noch nicht erwachsen ist, meinetwegen auch das. Und dass sich die Grünen mit Joschka und Cohn-Bandit auch ihre Vorzeige-Neoliberale gönnen, an das alles hat man sich mit Schrecken gewöhnt. Doch wo sind sie, die Intellektuellen unseres Landes? Günter Gras, Uwe Wesel, Jürgen Flimm haben die Reformen unseres Landes sogar per — in der Geschichte unseres Landes einmaligen — Unterschriftenaktion unterstützt, gefordert — im Oktober 2004 als so langsam klar wurde, dass die neoliberale Idiologie gescheitert ist, den Montagsdemos war abrupt der Wind aus den Segeln genommen, mit dem perversen Motto Auch wir sind das Volk.

Wo ist sie gelieben, die linke, spitze Feder, vor der jede Regierung das Knieschlottern bekommt? Gibt es sie heute noch — ausserhalb des Internets auf den NachDenkSeiten oder bei freitag.de (auch als normale Zeitung erhältlich)? Oder ist es vielmehr so, dass die Unterschriftenaktion 2004 der ultimative Sieg der neoliberalen Idiologie über die Linke war? Wo ist die Arbeiterbewegung in Deutschland? Sind die Gewerkschaften in unserem Land schon so schwach und erpressbar geworden, dass aktuell VW unverhohlen 20% Lohnkürzung fordern kann? Was ist das mittlerweile für eine berliner Welt, wenn ein schwuler, deutscher Abgeordneter in Russland auf einer Demonstration krankenhausreif geschlagen wird, und ein Kollege kann ungestraft (heißt: ihm wird Applaus zuteil) sagen, selbst schuld? Was ist das für eine Linke, die sich einen Populisten als Vorsitzenden holt, der am rechten Rand fischt, eine Linke, die sich nie von ihrer Vorgängerpartei distanziert hat — was ist das für eine Linke, für die — mittlerweile von der Gesellschaft akzeptiert — mind. 6 ehemalige IM’s im Bundestag sitzen?

Links bedeutet für mich in erster Linie soziale Gerechtigkeit. Wo sind die Reaktionären, die Intellektuellen, die die soziale Gerechtigkeit nicht aus den Augen verloren haben, wie SPIEGEL, ZEIT und wie sie alle heißen. Wo ist der Linke, der Interlektuelle, einfach der Mensch, der in den letzten Monaten Partei für die Schwachen unserer Gesellschaft ergriffen hat? Für eine funktionierende Demokratie kann doch nur soziale Gerechtigkeit Voraussetzung sein — wo ist sie geblieben, wo sind die Stimmen, die den Verlust der Demokratie beklagen?

Wenn ich mir diese Fragen stelle, kann ich nur zu dem erschreckenden Fazit kommen, dass unsere Demokratie verloren ist, ebenso wie die Linke unseres Landes. Das macht mir Angst. Wann ist dieses Land so sehr nach rechts gedriftet?

Ich bin müde, Kommentare geschlossen, Zeitstempel bearbeitet, dass das gute Stück nach unten verschwindet.

3 Antworten zu “Wo sind eigentlich die Linken geblieben?”

  1. Oli sagt:

    «Links bedeutet für mich in erster Linie soziale Gerechtigkeit.»

    Warum? Weil es die SPD derartig schon immer postulierte und nicht müde wurde gleichzeitig den Anwalt des kleinen Mannes zu mimen und auf der anderen Seite um die Gunst der Industriellen zu buhlen?
    Da brauch ich nicht unbedingt auf Schröder und Co zu schauen, da gehen wir zurück bis in die Weimarer Republik bzw. davor und zerstören die Mär von der armen gebeutelten SPD die da für den kleinen Mann kämpft.
    Ähnlich wie bei der Kirche waren es immer einzelne, kleine Vertreter die sich aufopferten und die letzten Endes nur für das Gesamtbild der jeweiligen Organisation mißbraucht wurden.

    Ja ich weiß warum man es derartig tituliert, man grenzt sich von konservativ bis rechts ab. Nur ehrlich gesagt die SPD ordnete ich schon immer bei die Konservativen mit «sozialer Attitüde» ein.
    So wirklich kompromisslos links waren die nie und Leute wie Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg entfernten sich daraufhin schnell. Weil diese beiden sich wirklich einsetzten wurden sie auch von der deutschen Obrigkeit ermordet.

  2. Chris sagt:

    Was soll ich darauf jetzt antworten? Den ersten Absatz hättest Du Dir einfach sparen können. Ich schrieb ich, nicht SPD, mir ist nicht bewusst, dass für die SPD links = soziale Gerechtigkeit bedeutet, dann würde ich auch laut loslachen. Naja, wieder was gelernt. Das nächste Mal lasse ich dann auch solche Artikel.

  3. Oli sagt:

    Och jetzt spiel hier nicht die beleidigte Leberwurst, die SPD wird halt nun mal in Deutschland mit Links gleichgesetzt. Sprichst du von Links kommt man mit der SPD, kritisierst du sie aktuell, redet man von jeder großartigen Partei anno tobak.
    Wenn du Links sagst, woher kommt die Haltung? Angeboren? Wohl kaum, ähnlich wie es keinen Urglauben gibt, sondern nur die Gehirnwäsche von Kindesbeinen an, gibts auch hierzulande kein Links ohne die SPD.
    Der «linke Gedanke» formte sich nun mal durch gewisse «Genossen», die darauffolgende SPD, die Kommunisten etc.

    Insofern rede ich auch lieber von gesundem Menschenverstand ohne irgendwelche Richtungen zu nutzen. Den Begriff den du nutzt, ich verstehe es schon — schrieb ich auch, ist eben belegt und das Gros der Leute denkt dann halt schon immer an SPD und wenns extrem wird an die Kommunisten.

    «Was ich mich gerade frage, wo sind eigentlich die Linken in unserem Land geblieben? »

    Ja bitte sehr wo waren sie denn zuvor und welchen politischen Richtungen hingen diese an? Das ging von SPD bis Kommunismus, losgelöste Leute findest du bei den Philosophen und jene gehen nicht unbedingt immer den Weg, den man als sozial bezeichnet.

RSS-Feed abonnieren