wird Open Source von hinten aufgerollt?

Lange Zeit war es ja so das Linux die Revolution anführte, vielerorts hörte man auch in den glorreichen Gründerzeiten die rede von freier Software, die bald von dem omnipotenten und firmengerechten Begriff Open Source abgelöst wurde. Open Source ist frei, offen, aber auch irgendwie frei von Dogmatik, sieht man mal von Open per se ab, was nicht wirklich ein negatives Attribut darstellt. Lange Zeit ging es gut, mehr und mehr mußten sich die Hersteller properitärer Software auf Gegenwind einstellen, allen voran Microsoft, aber auch Firmen wie IBM, Apple, Novell und natürlich Sun. Die einen sahen plötzlich den Betriebssystemmarkt im Consumer-Bereich bedroht, die anderen im Server-Bereich, plötzlich kamen auch Kleinstgeräte dazu, Mobiltelefone etc. dazu Software die kommerziellen Vertretern der Branche Konkurrenz machte bzw. macht.

Schön sah die Welt aus, Open Source setzte sich langsam aber sicher durch. Anfängliche Attacken die Open Source Kommunismus bescheinigten seitens Microsoft verpufften recht schnell. Apple hingegen erwähnte Open Source nie mit einer Silbe, nutzt es aber zum Großteil in ihren Produkten und Novell, IBM und Sun schwangen sich plötzlich gar zu Mitstreitern von Open Source auf. Mehr oder weniger entspricht dies halt dem offenen Charakter von Open Source, jeder kann es nutzen und gibt wieder zurück, ob nun in Form monetärer Hilfen oder mittels Quellcode, ob laut tönernd in den Medien oder still wie eben Apple.

Zunehmend fällt jedoch der starke Support der Firmen auf, Support den man teils schon als Aufkauf bezeichnen kann oder der per se sogar als Aufkauf getätigt wird. Microsoft machte da den unrühmlichen Anfang, indem man diverse Partnerschaften mit großen Linux-Firmen einging, andere kaufen schlichte bekannte Produkte auf um diese zu supporten. Sun möchte nun MySQL kaufen, gut MySQL ist selbst eine Firma die ihre Datenbank duallizensiert feil bietet, aber insgesamt ist hier ein Schema zu erkennen das nicht wirklich Mut auf die Zukunft macht. Open Source entwickelt sich mehr und mehr zu einem Geschäft, einer Option, um andere Marktanteile zu erschließen, welche zuvor brach lagen und als Konkurrenz galten.

Die einstige Revolution von Linux und freier Software, mußte der Konterrevolution von Open Source weichen, sowie dem massiven Eintritt der Großkonzerne. Letztere leben nicht diese Offenheit, es ist nur ein temporärer Markt. Solange alles gut geht macht man mit, ansonsten gibt man Fersengeld. Mehr sollte man sich bei der Unterstützung nicht einbilden, immerhin zählen heute teils ärgste Feinde von Open Source zu willigen Mitstreitern und Supportern. Uneigennütziger Support, wie oft als Credo von Open Source postuliert, ist dort definitiv nicht die Triebfeder …

Sicherlich sehe ich das immer ein wenig arg pessimistisch, aber rückblickend betrachtet hat Open Source oder diese Revolution doch gewaltig an Momentum eingebüßt und hat mehr und mehr nur noch den biederen Stallgeruch eines Geschäfts. Ich tadele dies gewiss nicht alles pauschal, aber die eingeschlagene Richtung ist imho ein wenig bedenkenswert …

heise

9 Antworten zu “wird Open Source von hinten aufgerollt?”

  1. Yoshi sagt:

    Die Revolution hat eher Momentum gewonnen. Denn OpenSource ist nicht ohne das «Gift» freie Software zu bekommen.

  2. Oliver sagt:

    Natürlich, Apple z.B. setzt per Definition unfreie Software ein :)

  3. Steht die Open Source «Bewegung» zum Verkauf?…

    Oliver schreibt auf Fixbmr im Zuge von Sun’s kauf von MySQL über die Gefahr, dass Open Source von hinten aufgerollt wird. Seine Bedenken sind nicht unbegründet und deuten auf ein schon länger bekanntes Problem hin.

    MySQL ist ein unter mehreren (…

  4. Joern sagt:

    Und? An X11 oder Mambo erinnert sich heutzutage kaum jemand und da meinte auch jemand eine komische Tour fahren zu müssen. Man kann von OSS halten was man will, aber gegen soetwas ist es ein wunderbarer Schutz, denn es ist unmöglich die Software einfach verschwinden zu lassen, so wie es im proprietären Umfeld gang und gäbe ist.

  5. Oliver sagt:

    Dieses Verschwinden kann auch Momentum erlangen ohne Ersatz. Ich sehe das bei großen Projekten nicht als Universalrezept, sondern eher als puren Zufall an. Ich erinnere mich auch an kleinere Forks die ob Eigentümlichkeiten geforkt wurden und dem Original immer noch qualitativ hinterher rennen — cdrecord wäre da ein Beispiel. Aber das ist auch nicht der Punkt, es nimmt mit der Zeit Überhand und tante hat es bei sich auf dem Blog recht gut weiter ausgeführt aus einem anderen Blickwinkel.

    http://the-gay-bar.com/in.….auf.html

  6. Solarix sagt:

    Was man persönlich auch immer davon halten will, dass Sun Mysql gekauft hat. Das Kind Open Source ist erwachsen geworden und wildert im Markt der proprietären Anbieter und Produkte. Es ist ja auch nicht wirklich neu, das Vereine wie Apple, Juniper und Nokia, um nur ein paar zu nennen, sich schon seit Ewigkeiten aus dem Open Source Fundus bedienen.

    Ich denke das man sich keine großen Sorgen machen muss. Die Entwicklung wird weiter gehen. :-) Sicher der revolutionäre Lack ist ab. Aber man sollte sich die Frage stellen, was besser ist, von Grosskonzernen akzeptierte Open Source Software, die jedem zur Verfügung steht oder proprietärer Closed Source Mist der nicht erschwinglich ist. Ich persönlich halte nicht besonders viel davon das Sun Mysql gekauft hat. Aber wen interessiert das schon.

  7. Oliver sagt:

    Ja ich weiß Juniper nutzt z.B. auch FreeBSD und hat erst vor einiger Zeit deren MIPS Port dem FreeBSD Projekt übergeben. Aber es ging auch mehr um diesen Ausverkauf, denn die reine Nutzung oder nur den profanen Support.

  8. Solarix sagt:

    Man kann sich jetzt die Frage stellen was ist Ausverkauf? Yahoo nutzt auch Free BSD auf seinen Webservern und das schon seit Jahren. Nokia benutzt OpenBSD. Mysql AB war auch keine Veranstaltung der Caritas, die wollten Geld verdienen, ist ihnen zwar nicht wirklich gelungen, also wird man eben gefressen. Der Preis der bezahlt wurde für die Übernahme ist natürlich jenseits von gut und böse.

    Ich glaube Sun wollte einfach mal Kumpel Larry ärgern und das Open Source Portfolio weiter ausbauen. Auch Firmen wie Redhat oder Novell sind profit orientiert. Freie Projekte wie Debian, Open und Free BSD haben diesen Druck natürlich nicht, aber diese Projekte profitieren auch von dem was Firmen in Opensource investieren. Aber die Firmen investieren auch nur in OpenSource weil sie sich davon Profit versprechen, wenn man allein denkt was die IBM über die Jahre an Geldern in den Markt gekippt hat, wird einem schon übel. Auch bezahlte Developer aus Firmen die in Opensource Projekten arbeiten werden natürlich eher die Ansicht ihres Arbeitgebers vertreten und die jeweiligen Projekte versuchen zu beeinflussen, was nicht mal böser Wille sein muss.Nur am Ende des Tages wird abgerechnet und solange ein freies Projekt in irgend einer Weise Profit für den Investor bringt werden sie auch Geld und Manpower einkippen. Wie gesagt man kan dies alles bedauern, oder eben begrüßen es kommt auf die Sichtweise an. Es ist immer noch besser, wenn Firmen Geld in Projekte investieren, die ihnen dann nicht alleine gehören. Das proprietäre wird verhindert.

  9. Oliver sagt:

    >Yahoo nutzt auch Free BSD auf seinen Webservern und das schon seit Jahren.

    Ohne jetzt eine Wertung abzugeben, aber diese nutzen es und stellen Server zu Verfügung, das wars.

    >Auch bezahlte Developer aus Firmen die in Opensource Projekten arbeiten werden natürlich eher die Ansicht ihres Arbeitgebers vertreten

    Das geht mit dem «Ausverkauf» Hand in Hand.

    >Freie Projekte wie Debian, Open und Free BSD haben diesen Druck natürlich nicht, aber diese Projekte profitieren auch von dem was Firmen in Opensource investieren.

    Man kann es auch mal anders herum ausdrücken. Im Prinzip profitieren initial Firmen von diesen freien Betriebssystemen, da sie immens Kosten sparen. Sekundär versuchen diese Fuß zu fassen, Einfluß zu gewinnen, um das jeweilige OS gemäß den eigenen Vorstellungen zurecht zu biegen. Mit bezahlten Developern oder gekauften Firmen geht das weitaus besser als mittels «hier habt ihr die Spenden und ihr baut mal einfach weiter an eurem Betriebssystem wie bisher». Das eine ist mi Kasa es su kasa, das andere ist Ausverkauf.

    >Mysql AB war auch keine Veranstaltung der Caritas

    Natürlich nicht, aber ohne die Massen von Freiwilligen rund um den Globus, wäre MySQL auch heute nicht der Rede wert.

    >Das proprietäre wird verhindert.

    Es ist imho nach meiner Vorstellung nicht das ideal, aber Yahoo, Juniper und Apple nutzen beispielsweise auch FreeBSD oder zuvor schon BSD/i und halten Entwicklungen geschlossen. Schlecht gemäß dem reinen Glauben, dennoch praktikabel in Form von Spenden, Servern und ab und an manchmal einzelnen Technologien (Apple oder kürzlich Juniper mit dem MIPS Ports). Viele Wege führen nach Rom, imho ist die massive Einflußnahme wie zuvor erwähnt der steinigste.

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