Wird der arbeitslose, ungewaschene und unrasierte Henrico zum Kronzeugen gegen die ASozialdemokraten?

Grandios hat sie gearbeitet, die PR-Abteilung der SPD. Nach dem asozialen, nicht zu entschuldigenden Ausrutscher, der das wahre Gesicht des Kurt Beck zeigte, lief alles in geordneten Bahnen. Die Presse schrieb vom grandiosen Angebot des Kurt Beck, einen neuen Job für den jungen Mann zu finden, sowie davon, dass dieser sich gewaschen und rasiert hatte. Dann verkündete die Staatskanzlei, man hätte mehrere Stellenangebote für Henrico — die Sache scheint abgeschlossen. Die Sache sollte abgeschlossen sein, Dank großartiger PR nach dem Motto mehr Schein als Sein — wie es in den letzten Jahr(zehnt)en usus bei den ASozialdemokraten war.

Wie so oft, sind es die Kleinigkeiten, die ein Fass zum Überlaufen bringen. Übermütig veröffentlichte die Staatskanzlei, man habe Stellenangebote für Henrico, ein Treffen für Dienstag jedoch sagte der Arbeitslose nun ab, da die SPD in ihrem Übermut zuerst die Presse informierte, Henrico wusste laut eigenen Aussagen von nichts.

Übermut tut selten gut — und genau das könnte nun zum Bummerang für die SPD werden: Henrico der Kronzeuge für jahrelange asoziale Politik. Verschiedene Arbeitslosen-Initiativen haben sich nun an Henrico gewandt — der anonyme Sozialschmarotzer von der Haltestelle gegenüber könnte nun ein Gesicht bekommen. Die erste Aktion ist für den 02. Januar geplant — vor der Staatskanzlei sollen sich 400 Arbeitslose unter freiem Himmel waschen und rasieren. Henrico — immer noch arbeitslos, und laut SPD-Drehbuch Kurt Beck zu weihnachtlichem Dank verpflichtet — hat mittlerweile eine eigene PR-Abteilung, die quer durch die Republik Presseerklärungen verschickt.

Heute Nachmittag gab es dann gleich die erste Pressekonferenz, eine Pressekonferenz, in der Henrico kein Wort sagte, sondern seinen Beratern die Bühne überließ. Brigitte Vallenthin von der Wiesbadener Hartz-IV-Plattform führte das Wort und erklärte süffisant, das Treffen mit SPD-Chef Beck sei abgesagt worden, weil zur gleichen Zeit ein Treffen mit der evangelischen und katholischen Kirche anberaumt war. Auf die Frage, ob Henrico denn nicht arbeiten wolle und deshalb den Termin abgesagt habe, wurde geantwortet, dass Kurt Beck mit der gesamten Hartz IV-Plattform sprechen solle, nicht nur mit Henrico alleine. Doch dies lehne die Staatskanzlei ab.

Zwei Szenarien sind zur Zeit denkbar. Zum ersten wird Henrico zum politischen Spielball von denen, die vorgeben, für ihn und seine Leidensgenossen da zu sein. Zum anderen könnte, mit ein wenig medialer Unterstützung, Henrico zum Kronzeugen einer gesamten Unterschicht gegen die ASPD werden. Jedes Jahr zu Weihnachten läuft Die Geister die ich rief im deutschen TV — Henrico könnte für Kurt Beck zum Geist der zukünftigen Weihnacht werden — und die Ironie an der Geschichte: Henrico steht genau für den Arbeitslosen, den die ASozialen dieses Landes immer als Entschuldigung für das eigene Handeln hervorholen. Pöbelnd, alkoholisiert, jahrlanger Arbeitslosigkeit, unter anderem wegen «Rückenprobleme», Unterstützer der APPD mit dem Slogan Arbeit ist Scheiße. Wollen wir hoffen, dass Kurt Beck den Geist, den er rief, nie wieder loswerden wird.

9 Antworten zu “Wird der arbeitslose, ungewaschene und unrasierte Henrico zum Kronzeugen gegen die ASozialdemokraten?”

  1. Grainger sagt:

    Sollte ich mal arbeitslos werden (ein Schicksal, das heute fast jedem blühen kann) lasse ich mich auch mal öffentlich von einem SPD-Politiker beleidigen und schon habe ich einen neuen Job.

    Muss mich noch nicht mal selbst darum kümmern, denn scheinbar hat die Staatskanzlei nicht genug zu tun und steigt nun in die Arbeitsvermittlung ein.

    Dolle Sache.

    Natürlich gönne ich Henrico einen neuen Job (und auch seine — vermutlich kurzlebige — Popularität).

    Man kann aber nur hoffen das er sich nicht instrumentalisieren läßt und am Ende (wenn alle ihren Nutzen aus ihm gezogen haben) wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wird.

    Falls sein heutiges Erscheinungsbild im TV aber wirklich typisch für ihn sein sollte (und nicht schon Teil einer gewissen Instrumentalisierung bzw. Öffentlichkeitsarbeit) muss ich zugeben das er bei einem Vorstellungsgespräch auch bei mir auf — vorsichtig formuliert — Vorbehalte gestoßen wäre.

    Was die Äußerungen von Beck aber in keinster Weise rechtfertigt oder entschuldigt.

  2. kobalt sagt:

    @ Grainger
    «das er bei einem Vorstellungsgespräch auch bei mir»

    Bist du denn Arbeitgeber? Ich suche nämlich Arbeit.

  3. Grainger sagt:

    Nein, ich bin kein Arbeitgeber, aber ich arbeite in einer Personalabteilung.

    Von daher nehme ich natürlich ab und zu an Vorstellungsgesprächen teil, meistens allerdings wenn es um Personal für die Verwaltung im weiteren Sinne geht.

    Bei anderen Berufsgruppen fehlt mir oft ohnehin der fachliche Hintergrund um ein sinnvolles Vorstellungsgespräch führen zu können (wie soll ich denn die fachliche Kompetenz eines Technikers, Gärtners, Laboranten, usw. beurteilen können, von den diversen Akademikern mal ganz zu schweigen?).

    In solchen Fällen werde ich meistens erst nach den Vorstellungsgesprächen eingeschaltet, wenn sich die Auswahl auf einige wenige Bewerber konzentriert hat und konkrete (auf den Einzelfall bezogene) arbeits– und tariflichvertragliche Fragen zu beantworten sind.

    Bei meinem Arbeitgeber nimmt auch fast immer der Betriebsrat an den Vorstellungsgesprächen teil. «Fast» deswegen weil der Betriebsrat zwar das Recht, aber nicht die Pflicht, zur Teilnahme hat.

    Eingeladen wird er immer, auf die Teilnahme verzichtet er in seltenen Fällen.

  4. kobalt sagt:

    Schade. Trotzdem Dank für Deine Antwort.

  5. Falk sagt:

    Na zumindest hat es unser Enrico heute auf die Titelseite der Bild geschafft. Die Headline könnt ihr Euch sicher denken und ich las gestern Nacht schon einige (Tendenz neoliberale) Kommentare, die genau ins gleiche Horn stiessen. Grundtenor: Faules Pack.

  6. RASIERTE ALLER LÄNDER VEREINIGT EUCH!

  7. […] Aber der aufrechte Deutsche, dem seine Denkweise unter anderen vom rechten Hetzblatt BILD vorgegeben wird, den stört das alles nicht, im Gegenteil, hat man beim Stammtisch doch wieder einen Menschen, über den man herfallen kann. Kritik ist das eine, die neuerliche Hatz auf die Arbeitslosen — nach Florida-Rolf — eine andere. Ich frage mich dann bei sowas immer, wie man in heutigen, scheinbar aufgeklärten medialen Zeiten, auf sowas wie die BILD reinfallen kann und z. B. mit einem Weblog das Niveau des Springer-Blattes noch unterbieten kann.Kurz zurück zum Vorgänger von Henrico — Florida-Rolf. Schon der Fall war eine journalistische Meisterleistung. Die Bundeszentrale für politische Bildung: Das beste Beispiel dafür ist die Story von dem Sozialhilfeempfänger, der seine Stütze in Miami verzehrte. “Bild” besuchte den Mann und machte ihn als “Florida-Rolf” bundesweit bekannt. Andere Medien sprangen auf. Die Bundesregierung sah Handlungsbedarf und brachte in Rekordzeit eine Gesetzesnovellierung auf den Weg. Zwar leben keine 1000 Sozialhilfeempfänger im Ausland. Doch bis auf wenige Ausnahmen müssen sie nun nach Deutschland zurückkehren. Für den Steuerzahler wird das ein teures Vergnügen. Er darf nicht nur für den Rücktransport der von ihm alimentierten Auslandsdeutschen aufkommen, sondern muss ihnen voraussichtlich auch einen erhöhten Sozialhilfesatz zahlen. Die meisten Sozialhilfeempfänger haben sich nämlich in Ländern ? wie etwa Polen ? niedergelassen, in denen das Leben billiger als in Deutschland ist. Da die Höhe der Sozialhilfe sich nach den Lebenshaltungskosten richtet, beziehen sie in der Regel in der Heimat mehr Stütze als in der Fremde. So kann es gehen, wenn man mit “Bild” regieren will. […]

  8. […] Herr Frank, haben Sie den Job bei MTV noch? Einmal vortreten […]

  9. […] Verfassungsrechtliche Bedenken gibt es zwar noch, aber wenn man bedenkt, wie selbst der Ministerpräsident Kurt Beck mit Hartz IV-Empfängern umgeht, wird es wohl bis zur Einführung nicht mehr lange dauern. […]

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