wir haben etwas zu verbergen

Wir haben etwas zu verbergen. Was denn genau? Nun unsere Privatsphäre, diese ist uns heilig. Kurzum wir möchten nicht, daß der Staat oder auch irgendein multinationaler Konzern1 lustig munter Daten über uns sammelt.

Der Punkt, der viele Zeitgenossen zum Zucken der Schulter animiert: die vermeintliche Belanglosigkeit. Dem ist aber nicht so, grundlegend ist und bleibt in jedem Fall die Rasterfahndung. Dieses Mittel findet in der offensichtlichen Form oder Variationen zu genüge Anwendung beim Staat und in der Industrie — Daten sind heutzutage ein unschätzbares Gut.

Wie kann man sich das nun vorstellen? Grundprinzip der Rasterfahndung ist Paranoia: man weiß nichts, aber dem «Bauchgefühl» nach wirkt irgendein Zeitgenosse nicht wirklich koscher. Ergo vermeint man durch eine genügend große Ansammlung von Daten Muster ausmachen zu können, welche u.U. den «Verdacht» bestätigen. Wenn man diese nur lange genug aus allen möglichen Blickwinkeln betrachtet, wird man sicherlich auch «etwas» erkennen können. Also wird stetig fleißig gesammelt, es könnte ja von Belang sein, heute oder morgen oder auch übermorgen. Dies ist auch korrekt, ebenso wird z.B. in der Vor– u. Frühgeschichte verfahren, nur dort sind es einzig längst Verstorbene, die ob einer Fehlinterpretation nicht wirklich Schaden nehmen.

Nehmen wir z.B. Ötzi, die bekannte Gletschermumie, als Einzelfall recht belanglos für die Archäologie, es interessiert mehr die Masse, diese nur ist statistisch relevant, um Gemeinsamkeiten ausmachen zu können. Daß sich nun einige Wissenschaftler, um diese Mumie herum profilieren und ihre waghalsigen Vermutungen zum Besten geben, mag interessant wirken, ist aber für die Erschließung der Kultur dahinter relativ belanglos. Es fehlt die Verbindung im Puzzle, sprich ein Puzzle-Teil ergibt längst noch kein Bild.

Was wäre aber nun, fände man auf diversen anderen Gipfeln in dieser Gegend noch ein bis zwei andere Gletschermumien, ähnlicher Natur aus der gleichen Epoche? Nun das wäre in der Tat zwar kein großes Muster, dennoch bemerkenswert, könnte man doch hier schon von Anhaltspunkten sprechen, welche man mittels der Erschließung weiterer Daten ergründen könnte. Als Beispiel: Wachposten wären eine Möglichkeit, quasi eine Art Frühwarnsystem für die Bewohner des Tals. Last not least wäre es immer noch eine Vermutung, wenn auch eine stichhaltiger Natur.

Gleichermaßen nun geschieht dies bei der Rasterfahndung und des damit einhergehenden Dataminigs. Mit Hilfe statistischer Verfahren werden Muster in genügend hohen Datenaufkommen analysiert, die letztendliche Schlüsse daraus obliegen sogenannten «Experten» — die Interpretation der Daten ist letztendlich erst das Haar in der Suppe. Archäologen z.B. beschäftigen sich schon lange mit derartigen Methoden, bevor die moderne Kriminalistik überhaupt ihre Geburtsstunde feierte, dennoch sind Archäologen weitaus vorsichtiger mit absoluten Aussagen. Anders jedoch die Experten im Bereich der Rasterfahndung, dort langen relative Aussagen völlig, unter völliger Mißachtung der initialen Unschuldsvermutung werden die Leute quasi aufgrund des eingangs erwähnten «Bauchgefühls» hin observiert. Spuckt der Computer also eine Gemeinsamkeit aus, die theoretisch x-fach vorkommen kann, die innerhalb des vorgegeben Rasters liegt, markiert diejenige Person in Zukunft ein Marker: «den müssen wir mal näher beobachten». Auch hier liegen Fehlinterpretationen im Bereich des Möglichen, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sogar, dies weiß jeder Archäologe oder andere professionale Datensammler.

Stochert man also irgendwo herum, sucht, sammelt, interpretiert, so ist dies die übliche Vorgehensweise von Archäologen. Aber, wir reden hier von lebenden Menschen, das demokratische System, welches es angeblich zu verteidigen gilt, wird hier Schritt für Schritt im Namen der Sicherheit demontiert. Und man kann es eben nicht oft genug wiederholen, Freiheit und Demokratie müssen stetig verteidigt werden, aber nicht indem man immer größere Kompromisse eingeht und letztendlich eine Parodie eben dieser Freiheit und Demokratie forciert.

Im Moment bewegen wir uns mit Siebenmeilenstiefeln auf die Grundprinzipien eines totalitären Systems zu. Kurzum, hat man nichts zu verbergen, dann fehlt einem schlicht die Fantasie bestimmte Vorgänge zu erfassen. Das hat überhaupts nichts mit Verschwörungstheorien oder krankhafter Paranoia zu tun, sondern schlicht mit gesundem Menschenverstand.

Ein Teil eines Puzzles läßt keine Rückschlüsse auf das Gesamtbild zu, ein Viertel des Gesamtbilds kann helfen das Gesamtbild zu erkennen, aber man befindet sich eventuell in einem schlecht erkenntlichen Bereich des Gesamtbilds, letztendlich aber nur alle Teile vermögen das ganze Bild korrekt darzustellen!

Ich hoffe diese grobe, mit Beispielen durchpflügte Darstellung war recht eingängig und macht das Ausmaß der Datensammelwut gewahr im Kopf der Leser. Gleichermaßen läßt sich das alles auch umsetzen auf Google, Yahoo, Microsoft usw., sprich all jene, die omnipotenten Zugriff auf große systemübergreifende Datenbestände besitzen. Und mal ehrlich, mit den heutigen «sozialen Diensten«2, liefert man Daten und Verknüpfungen frei Haus. Da braucht es noch nicht einmal einen richterlichen Beschluß, man schaut einfach hin und erstellt ein Mashup. Die vordergründig «belanglosen» Daten stehen dort, Ermittler oder besser der Computer braucht diese nur noch statistisch auszuwerten, sprich systemübergreifend in Relation mit Daten aus anderen Quellen zu stellen.

Erschreckend und zugleich erschreckend einfach. Dennoch erhält man nur ein Schulterzucken als Antwort und den allseits bekannten Spruch «ja du, aber so wirklich wichtige Dinge mache ich da nicht». Nun dem kann man dann nur noch entgegnen, daß Ignoranz eben kein Argument ist. Gewonnene Verhaltensmuster triggern eventuell eine Aktion, welche letztendlich zu Interpretationen führt, die keinesfalls korrekt sein müssen und mitunter einen massiven Kolateralschaden nach sich ziehen.

Nach dieser ganzen Litanei, von Ursache und Wirkung, warum Bürger Demokratie und Freiheit für sich persönlich selbst verteidigen muß, hier auch ein paar Vorschläge.

Man kann mit Web 2.x natürlich beliebig herumspielen, sollte sich aber darüber im klaren sein, daß die Erkennung von Verhaltensmustern meist jenseits des eigenen Horizonts liegen kann, sprich man erfaßt überhaupt nicht das gesamte Ausmaß. Gesunde Paranoia hilft und man arbeitet mit Bedacht innerhalb dieser Systeme oder läßt sie größtenteils gänzlich außen vor.

Darüber hinaus hinterläßt man im Netz stets seinen «digitalen Fingerabdruck«3, die Spur ist leicht nachvollziehbar für diejenigen, die einen omnipotenten Zugriff auf Daten besitzen, bewegt man sich innerhalb diverser Dienste eines der Suchmachinenimperien dürfte die Logik verständlich werden, auch gewisse propertiäre Betriebssysteme4 nehmen es da nicht so genau. Erste Regel, einer Firma die Daten sammelt steht man immer skeptisch gegenüber5, man kann es nicht nachvollziehen, ergo sind Beteuerungen bezüglich des Datenschutzes erst einmal Schall und Rauch und wie man wiederholt sieht in diversen Staaten, inklusive dem unsrigen, nicht wirklich von Belang.

Die Entwicklung des Internets führt dabei parallel zu einer Zunahme von Überlegungen und Begehrlichkeiten auf Seiten derer, die politische Kontrolle ausüben, das Internet und alle anderen Kommunikationswege zu kontrollieren und zu zensieren, da dass Internet als Bedrohung staatlicher Autorität und politischer Machtausübung verstanden wird.
Sowohl im politischen als auch wirtschaftlichen Sektor erhöhen sich die Anstrengungen, über das Internet und neben dem Internet detaillierteste Daten über dessen Nutzer zu sammeln und zu verwerten oder die durch Überwachung gewonnenen Daten von Unternehmen anderer Länder zur Vorteilsnahme für die Unternehmen im eigenen Land zu missbrauchen. […]

… weiter auf Kai Ravens Homepage

Proxy-Filter, wie Proxomitron, BFilter oder auch Privoxy6 helfen z.B. nicht nur Werbung zu blocken, sondern teils auch Bereiche dieses Trackings zu filtern. Dies ist beileibe nicht alles und stellt nur den Anfang dar, keineswegs sollte man sich jetzt irgendwie sicherer fühlen, aber es ist ein erster Schritt.

Tor, The Onion Router, wäre ein weiteres Mittel, um ein Plus an Anonymität, respektive Sicherheit zu erlangen. Man verschleiert mit diesem gekonnt die eigene IP Adresse, die immer als «digitale Marke» auf jedem Server, einer «angesurften» Webadresse hinerlassen wird. Pferdefuß, der hier nicht verschwiegen werden soll, man tauscht Sicherheit gegen einen Verlust an Komfort ein, sprich ein gehöriges Maß an Geschwindigkeit geht verloren. Aber anders als die staatlichen Kompromisse, gibt man hier nicht Grundrechte auf, sondern nur ein wenig Performance.

Tor an sich sollte hier jedoch nur kurz erwähnt werden, dem werde ich ein eigenes Thema widmen. Ein Hinweis noch: Sicherheitsmaßnahmen zu Verschleierung der IP plus die Nutzung von Javascript im Browser korrespondiert nicht. Javascript ist nicht nur ein Performance– und Sicherheitsproblem im Browser, sondern auch eine Datenschleuder par excellence, insofern sollte man diese Technik auch bewußt nutzen auf vertrauenswürdigen Seiten oder generell ganz abschalten.

Last not least im großen Block, dazwischen existieren noch viele kleine Details, wären noch Mail und Instantmessenger zu erwähnen. Vorweg, Google Mail, Yahoo Mail, Windows Live und wie sie alle heißen, sollte man meiden wie der Teufel das Weihwasser. Diese gehören zu den zuvor erwähnten Datensammlern, vertrauliche Dinge bzw. Privates darüber abzuwickeln ist der größte Sicherheits–GAU per se. Man kann sie jedoch geflissentlich für SPAM einsetzen, da braucht man nicht einen richtigen Mailer zu belasten. Ein reguläres Mailkonto bekommt man darüberhinaus inkl. Webspace für oft 2–5€ im Monat, es lohnt sich, abgesehen davon. daß der Komfort weitaus größer ist, inkl. der Zuverlässigkeit.

Letztendes verschlüsselt man Mails, immer und überall. Das ist recht «simpel» und schützt vor neugiergen Blicken. Einmal eingerichtet, läufts in der Regel alles vollautomatisch. Apropos «vollautomatisch», da größte Gezeter vernimmt man oft aus dem Lager der Windows-User. Gerade dort aber ist man meist nur zwei Klicks vom weitreichenden Datenschutz entfernt, die Einrichtung von Tor oder GPG sei da beispielhaft genannt, die Verneinung beruht also auf Faulheit, «mal eben» zu klicken, «mal eben» eine «Hürde» mehr zu nehmen.

Verschlüsselt wird mit PGP/GPG. Grundlegend funktioniert dies derart: man besitzt einen geheimen7 und einen öffentlichen Schlüssel8, letzteren gibt man an die Leute mit denen man gesichert kommunizieren möchte. Schickt man also jemandem eine Mail der ebenfalls zu der Kategorie mündiger Bürger gehört, so braucht man dessen öffentlichen Schlüssel. Mit diesem verschlüsselt man die abzusendende Mail und nur der Empfänger, in Besitz von geheimen und öffentlichen Schlüssel, kann diese Mail im Klartext lesen9, vice versa funktioniert dies natürlich ebenso.

Die zuvor erwähnten InstantMessenger sind recht einfach zu verarzten, man verneint einfach die Nutzung der üblichen Dienste wie AOL IM, Windows Live/MSN, GoogleTalk, YahooMessenger und nutzt freie Clienten wie Gaim, Kopete, Miranda, mcabber was-auch-immer sonst.

Jabber als offenes Protokoll, ist hier das Maß der Dinge. Die Klienten sind in der Regel offen, Server kann jeder betreiben, die Verbindung geht über SSL, zudem kann man via OTR oder GPG zünftig verschlüsseln. Auch hier gilt, einmal eingerichtet bemerkt man keinen Unterschied. Einziges Manko «das Gegenüber» muß dabei mitspielen, sonst wird es nichts mit der sicheren Kommunikation. Ein Wort noch zu GoogleTalk, dieser Dienst nutzt das Jabber Protokoll, da es jedoch freie Server en masse gibt, sollte man auch diese benutzen und nicht den Teufel mit Belzebub austreiben.

Dies hier war ein kurzer Ausblick auf Ursache und Wirkung, sprich das Warum zum bewußten Umgang mit seinen Daten. Bequemlichkeit ist aller Laster anfang, sprich ein wenig Zeit muß man investieren, aber es lohnt sich.

Natürlich werden, wie schon oben erwähnt, hier auch noch Anleitungen im Laufe der Zeit folgen, einmal zu GPG, zum anderen zu Tor. All dies hier wäre nur allzu schnell zur unübersichtlichen Bleiwüste verkommen mit ausführlichen Anleitungen anbei. Der Text schneidet natürlich nur grob einen gewaltigen Themenkomplex und soll Denkanstöße liefern, keine absoluten Wahrheiten irgendwelcher Natur, bevor man Dinge leichtfertig mit Begriffen wie Paranoia oder Verschwörungstheorie abwatscht. Wissen ist Macht und das gilt beileibe nicht nur für das erworbene Wissen mittels Büchern.

Sicherheit und infolge dessen Anonymität ist kein Produkt, welches man käuflich erwerben kann. Sicherheit ist ein Konzept welches mittels Wissen und steter Wachsamkeit ein höchstmögliches Maß dieser gewährleisten kann.

Bild: «Echelon», Wikimedia Commons

  1. Google, Microsoft, Yahoo, etc. []
  2. aka Web 2.x []
  3. IP, Cookie, Referer, eventuell Mail oder weitreichendere Informationen in Suchdiensten usw. []
  4. Apple Mac OS, Microsoft Windows, iOS, Google Android []
  5. siehe z.B. Datenkrake Google Video []
  6. deutsche Anleitung []
  7. private/secure key []
  8. public key []
  9. decodiert mittels seines geheimen Schlüssels []

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29 Antworten zu “wir haben etwas zu verbergen”

  1. steffi sagt:

    Nur weil Deutschland das Wort ‘Demokratie’ als Aushängeschild hat, ist nicht automatisch alles in Ordnung. Die Weimarer Republik war auch eine Demokratie. Diese wurde aber schneller als man sich versah in ein Regime umgewandelt. Auf ganz legalen Weg, durch ein paar ganz legale Gesetzesänderungen, die natürlich nur zum Wohle und zum Schutz der Bürger waren. Wie war das noch mit dem Reichstagbrand und der geschürten Furcht vor weiteren Anschlägen …

  2. Euro sagt:

    @steffi: «legale Gesetzesänderung» habe ich in meine Tautologiesammlung aufgenommen.

    Wer die Gesetze macht, hat sie und damit das Recht — das liegt in der Natur der Sache — immer auf seiner Seite. Oder glaubst du, Schräuble würde einem Gesetz zustimmen, dass ihn hinter Gitter bringt?
    Von Gerechtigkeit ist da nirgendwo die Rede!

  3. Missi sagt:

    Oh, das passt. Ich wollt heut auch noch was dazu schreiben. :)

  4. Daniel sagt:

    Hi, schöner Artikel, wie es jetzt schon kommen kann, ist hier zu lesen:

    MellowBox — Überwachungsarena Fußball

    oder hier:

    MellowBox — Die Terrorgesellschaft

    Falls noch nicht geschehen, mach dochmal werbung für die CryptoCD, die Raven-Manuals sind zwar Top aber Dau-untauglich:

    MellowBox — Crypto CD — Verschlüsselung für Jedermann

    Weil einfach einfach einfach ist.

    Gruss

  5. Grainger sagt:

    Ich habe eigentlich auch nicht allzu viel zu verbergen, mache das aber aus Prinzip.

    Denn meine Privatsphäre ist auch mir heilig und mich stören selbst scheinbar banale Datensammlungen.

    Mir sind Leute und Institutionen, die diese geradezu zwanghafte Neugierde über alles und jeden an den Tag legen zutiefst suspekt, wenn ich will das jemand weiß welche Joghurtsorte ich bevorzuge erzähle ich ihm das schon selber.

    Und wenn ich der Ansicht bin das ihn das nichts angeht kann ich es auch nicht tolerieren, das er sich mit allen möglichen Mitteln Zugang zu dieser Information verschafft (wie gesagt: egal wie banal diese Information auch sein mag).

    Und falls diese Person oder Institution über Mittel verfügt ihre Informationsbeschaffungsgelüste zu legalisieren (schlimmstenfalls sogar nachträglich) macht das die Sache nur um so schlimmer.

  6. […] Eine sehr gute zusammenfassung warum Datenschutz, gerade auch im Web, wichtig ist findet man heute bei fixmbr.de. Passend dazu die Springerpresse zum Datenschutz und zum Terror. […]

  7. Missi sagt:

    So, nu kam ich endlich dazu, das alles mal in Ruhe zu lesen. :)
    Ein hybsches Schlußwort, btw. Hast du dir je meine Blogdescription genauer angeguggt? :)

    So, trotzdem noch was hinterher:

    Ein Wort noch zu GoogleTalk, dieser Dienst nutzt das Jabber Protokoll, da es jedoch freie Server en masse gibt, sollte man auch diese benutzen und nicht den Teufel mit Belzebub austreiben.

    Was die wenigsten «nicht– google-user» wissen: Google bietet die Möglichkeit, imo sogar in der Standardeinstellung, Chatlogs im Google Mailkonto/Postfach zu speichern. Bisher schrob ich aus Prinzip schon an keine unverschlüsselte Google Mailadresse zurück, nun antworte ich auch keinen Jabberusern auf gtalk, wenn es sich irgendwie vermeiden läßt.
    Schade eigentlich, dass man selbst bei Jabber jetzt schon differenzieren muss.

    Zu den Windowsusern, wir hattens Thema ja schon: Ich persönlich bin noch immer der (naiven) Meinung, dass die nicht alle faul sind, sondern ganz einfach überfordert.
    Ich merks immer wieder, wenn ich hier wen am supporten hab:
    Erster Satz — «Ich verstehs nicht, das ist mir alles zu kompliziert, blaschnuffel…«
    Letzter Satz — «Wie? Das wars schon?«
    «Ja, das wars schon.…»

    Die meisten Computernutzer sind heutzutage ein «*klick* *assistent* *geht*» gewohnt und gerade in den ganzen Verschlüsselungsgeschichte kommt da eine Latte neuer Sachen, wunderbar erklärt… für uns Frickels… Für den Homeuser steht da irgendwas chinesisches, was wie höhere Mathematik aussieht. Da noch ein Diagramm, da irgendwelche kryptischen Zahlen/Buchstabenreihen, da noch ne Konsole und den Befehl da, den müssen se auch noch eingeben.

    Dazu kommt noch, das die ganzen Sachen GUI– Technisch wirklich noch nicht im Klickbuntstatus sind und die meisten es auch nie sein werden.
    Dazu muss man in etwa wissen, wie freie Software und kommerzielle Software entsteht.
    Gut erklärt, warum freie Software meist nicht aussieht wie irgendwas aus dem Laden oder Emule, ist hier erklärt.

    Es geht, ums zusammenzufassen, bei der freien Software in erster Linie ersteinmal darum, das sie funktioniert. Das Aussehen kommt später und nicht jeder Programmierer ist ein GUI– Designer. Der muss ersteinmal gefunden werden. Auch ist nicht jeder GUI– Designer ein Multilinguist, es braucht wen, der sich hinsetzt und die Software dann in eine andere Sprache portiert, etc, blabla… Das sind Sachen, wo jeder einzelne helfen kann, dass der Kram benutzerfreundlich werden kann. Helfen kann da jeder, da braucht man noch nicht mal programmieren können.
    Von daher zählt für dieses «Das ist alles zu benutzerunfreundlich» nicht.
    «Keine Zeit» auch nicht, da ist manchmal, insbesondere in der Übersetzungsecke Zeux drin, das hab ich in 5 fertig und abgeschickt.
    Wer nicht übersetzen kann, screenshottet halt ne Installation, wer das nicht kann, meldet Bugs…

    Das sind Sachen, die hat man als Softwarefrickler irgendwo verinnerlicht hat. Und das will ich irgendwo in den Windowsköpfen ankommen sehen. Das ist mitunter auch ein Grund, warum ich denjenigen, denen ich da gerade bei $installationdeinerwahl direkt ein «Schreib doch bitte selbst ne kurze Anleitung, wie du es gemacht hast und veröffentliche diese» oder ein «Der nächste, der fragt, den schick ich dann zu dir» mit auf den Weg gebe.
    Das hat den Vorteil, das sich a) das Wissen verteilt und b) «der neue» das Wissen nochmal verinnerlicht. Ausserdem gibts nen Egokick, man kann durchaus stolz auf sich sein, wenn man was neues hinter sich gebracht hat.
    Schreibt drüber. 😉

    Ein weiteres Problem, was ich noch beobachten durfte: Das klingt jetzt vielleicht doof, aber die haben teilweise echt Angst vor uns.

    Da stehen Leute, die scheinbar den völligen Durchblick haben und davor dann der Anfänger, der sich einfach nicht traut zu fragen, weil er sich blöd vorkommt, Angst hat, ne blöde Antwort zu kassieren, whatever…

    Ich kenns selber, ich hatte hier einige Sachen, wo ich selbst beim 100sten Mal lesen, blutige Finger vom googeln,… davor stand wie ein Hamster vor dem Mixer. Da jemanden zu fragen… OMG… never… Und wenn ich dann doch endlich dazu durchringen konnte zu fragen, dann hab ich in den meisten Fällen eigentlich immer ne feine Erklärung bekommen.

    Klar, für ein simples «Geht nicht» bekommt auch jeder von mir was auf den Deckel, ich hab da keine Lust, jemanden sein Problem aus der Nase zu ziehen, wenn er *mich* um Hilfe bittet. Wenn ich allerdings merke, da steht wer echt auf dem Schlauch, dann helf ich da sogar gerne, wenn ich die Zeit dazu hab.

    So aus eigener Erfahrung: Die wirklich arroganten Antworten like stupides «geh googeln» «wie dumm bist du eigentlich, du troll…» kommen eh von den Windowsern.
    Ich persönlich frag lieber irgendsoeinen Softwarefrickler wie shellbefehl xy heißt als nen Windowsuser nach der Erstellung einer richtigen Exceltabelle. (Excel hab ich bis heute nicht gerafft. :D)

    Um das da mal zusammenzufassen:

    An die *nixuser: Die sind meist nicht faul sondern überfordert. (Den fehlt der Spieltrieb, sonst wären se bei *nix) :o)

    An die Windowser: Fragt uns einfach, wenns was zu fragen gibt. Und sagt, wo man was besser machen kann. 😉

    (Und ausserdem ist das Kommentartippselfeld hier zu klein, und Blocksatz saugt … ich prangere das an! 😀 )

    mv missi /bett 😉

  8. Oli sagt:

    Blutige Anfänger bediene ich auch nicht (mehr). Nennen wir es Arroganz, ich wende mich an die Leute die technisch versiert sind und dennoch Windows nutzen und sich rein aus Bequemlichkeit gegen gewisse Dinge wehren.

    Die sind meist nicht faul sondern überfordert.

    Das ist doch im Prinzip nur eine nette Umschreibung desselben Zustands, oder? 😀

    Bei mir oder auch hier, erfolgt alles nach dem Misereor Prinzip, Hilfe zur Selbsthilfe … Händchen halten war gestern, wer heute permanent die Patschehändchen aufhält, bekommt etwas auf dieselbigen 😀
    Anders sehe ich das noch bei den Leuten die komplett auf Linux/BSD migrieren, denen helfe ich bei jedem Futzelchen von Denkarbeit, damit die Nutzung auch langfristig Freude macht :)

  9. Missi sagt:

    Anders sehe ich das noch bei den Leuten die komplett auf Linux/BSD migrieren, denen helfe ich bei jedem Futzelchen von Denkarbeit,

    … verlass dich drauf, darauf komm ich irgendwann demnächst nochmal zurück. 😀

  10. […] Missi: Anders sehe ich das noch bei den Leuten die komplett auf… […]

  11. Grainger sagt:

    Ich betrachte mich zwar durchaus als fortgeschrittenen User, aber natürlich hat auch mein Wissen Lücken.

    Tatsächlich habe ich mich immer noch nicht dazu überwinden können auf Linux umzusteigen (oder auch nur einzusteigen), mein erster Versuch war noch zu Suse 4.2 Zeiten (ist lange her) und war dermaßen frustierend das ich für lange Zeit genug davon hatte.

    Eigentlich wollte ich in diesem Jahr einen erneuten Vorstoß machen (dank Olis Empfehlungen habe ich mir auch schon eine bestimmte Linux-Distributionen über BitTorrent besorgt), habe aber bisher weder die Zeit noch die Muse dazu gefunden.

    Meine Wohnungsrenovierung hat doch viel länger gedauert als geplant (als Nichthandwerker war ich bei der Schätzung des Zeitbedarfs doch wesentlich zu optimistisch und außerdem hat mich schnell die Arbeitslust verlassen :D).

    Aber es kommen ja auch wieder kalte Wintertage an denen ich Langeweile habe.

    Was bei aller Liebe zur Frickelei und Bastelei aber auch nicht vergessen werden darf:

    die Zeiten, in denen ich bereit war seitenlange INI-Dateien mit kryptischen und kaum erklärten Eintragungen manuell zu editieren sind auch schon lange vorbei, ebenso wie stundenlange Anpassungen von Treibern für Standard-Hardware.

    Ein Betriebssystem ist genau das: ein Betriebssystem und darf für mich nicht zum Selbstzweck verkommen (irgendwelche Ideologien verbinde ich ohnehin nicht damit, ich bin weder Windows-Fanboy noch Linux-Hasser).

    Das die diversen Windowsversionen da auch alle ihre Probleme haben ist mir klar, die Lösung kann aber nicht sein zu Linux zu wechseln und die alten Probleme gegen neue einzutauschen, da habe ich als User unterm Strich keinen Mehrnutzen davon.

  12. […] F!XMBR: Ich habe nichts zu verbergen […]

  13. Oli sagt:

    Ein Betriebssystem ist genau das: ein Betriebssystem und darf für mich nicht zum Selbstzweck verkommen (irgendwelche Ideologien verbinde ich ohnehin nicht damit, ich bin weder Windows-Fanboy noch Linux-Hasser).

    Drücken wir es noch anders aus, begann man früher mal mit DOS, arbeitete dann parallel an Windows und diversen Unices weiter, so ist das kaum Frickelei.
    Mitunter ist die sogn. Frickelei nur abhandengekommenes Wissen, weil diese Mausschubsersysteme jemanden auf gewisse Art und Weise verblöden.

    als Nichthandwerker war ich bei der Schätzung des Zeitbedarfs doch wesentlich zu optimistisch und außerdem hat mich schnell die Arbeitslust verlassen

    Nicht Frickelei, sondern fehlendes Wissen bzw. Erfahrung. Wenn Fahranfänger zum fröhlichen Bockspringen mittels der Familienkutsche einladen, steht der langerprobte Autofahrer auch nur grinsend daneben — da gibt jedoch auch keiner auf, ob der Frickelei, sondern lernt zügig weiter, weil er sich des Nutzens bewußt ist 😉
    Den letzteren Punkt kann man natürlich selten jemandem beibringen, gerade bei derart komplexen Gebilden wie Internet und Computer, die Auto & Co beiweitem überschreiten, möchte Nutzer doch am liebsten gar nichts lernen. Einfach nutzen, einfach genutzt sind auch die Haushaltsgeräte, deshalb haben wir auch jährlich immer noch eine gigantisch hohe Anzahl an Haushaltunfällen, viele enden tödlich.
    Der Mensch ist faul, aber erinnere dich an deinen ersten Computer zurück. Da Handbuch, hier Computer, eingeschaltet blinkender Cursor. Fertig 😀 Klar haben wir heute 2006, aber damals war es auch «nur» 8Bit, heute 64Bit — ich glaube du verstehst was ich meine.
    Und die Tatsache das viele immense Angst vor der Konsole besitzem liegt einfach darin begründet, das Microsoft leistungsfähige Unix-Konsolen profan parodierte und das schlechteste anbot, was in Konsolen überhaupt möglich ist.
    Komfort wurde auch schon immer in Unices groß geschrieben, schon in den 80ern 😉

  14. Olli sagt:

    Ich möchte noch ergänzen, dass es für Windows 2 wundervolle Jabberclienten gibt — der eine heißt Exodus http://exodus.jabberstudi.….o.org/ und der andere PSI http://psi-im.org. Diese sind besser als Multiprotokollclienten da sie sich nur um Jabber scheren müssen und nicht um die ganzen anderen Protokolle was ein Gewinn an Sicherheit bedeutet da die Codebasis kleiner ist und somit weniger Fehler produzier werden.

  15. Missi sagt:

    Ach, Exodus… das erinnert mich, wir ham doch mal… *such* ..

    Wir hatten mal mit der deutschen Übersetzung angefangen, aber irgendwie lags brach zur Zeit und verstaubt in einem Unterordner. :\

    Was bisher da ist, kann man ja trotzdem verteilen, vielleicht find sich wer zum verbessern. :) Da isses.

  16. Sammy sagt:

    Wie funktioniert das Übersetzen, bzw. was macht man mit den Dateien in der .zip?

  17. Missi sagt:

    Die .mo kommt nach x:\Pfad zu deinem \Exodus\locale\de

    Danach kannst du dann in den Optionen auf deutsch umstellen. :)

    Die .mo ist das Komplilat der .po, welche du im Texteditor bearbeiten kannst. Sehr fein für solche Sachen macht sich poedit, damit kannst dann auch gleich die .mo erstellen.

  18. […] Das also das Mitschneiden usus ist, dürfte somit einleuchten. Sollte man nicht mögen, eben deswegen. ICQ gehört AOL und AOL macht solche Dinge … aber das dürfte inzwischen die Runde gemacht haben, oder? […]

  19. […] Was das alles mit Deutschland zu tun hat? Nun, wir schauen immer lachend, meckernd auf andere Länder, um gar nicht zu merken, wie sehr der deutsche Staat in vielen Gebieten Vorreiter ist — das Beispiel der Rasterfahndung hat Oli u. a. hier eindrucksvoll beschrieben. Deutschland wir seit Jahrzehnten regiert — regiert unter der Prämisse Angst unter der Bevölkerung zu schüren, um letztenendes den totalitäen Staat geschaffen zu haben. Früher war es der Osten, der klate Krieg, die RAF wird vielen auch noch als reale Bedrohung in Erinnerung sein, in den 90′er Jahren erfand man den kriminellen Ausländer, bis — für die Politiker unseres Landes — 2001 endlich Al Kaida die Bühne betrat. Anstatt die Ursachen im Nahen Osten zu bekampfen oder dort die Bedingungen zu verbessern, werden hier Menschenwürde und Grundrechte eingeschränkt, die initiale Unschuldsvermutung gilt nicht mehr — der Bürger ist die Bedrohung vor dem das Land geschützt werden muss [sic!]. Und die Bürger — die sehen es genauso. […]

  20. […] Wir haben alle nichts zu verbergen — doch verdammt nochmal, jede Menge sogar. Dinge, die andere einfach nichts angehen, und seien sie noch so nichtig. Probiert es einfach aus, es ist ein kleiner 10 MB-Download, entpacken, starten und Ihr seid anonym online. Leichter kann es einem nicht gemacht werden. Haut rein. […]

  21. […] Da gerade Wochenende ist und ich dementsprechend faul bin, habe ich mal die Suchmaschinen nach hilfreichen Artikeln zum Thema Verschlüsselung befragt. Einen ganz netten Artikel zur Thematik habe ich bei F!XMBR gefunden: Ich habe nichts zu verbergen. Des weiteren gibt es hier eine sehr gut geschriebene Anleitung zur Verwendung von GnuPG in fast allen Bereichen: Deutsche GnuPG Anleitung […]

  22. […] Ich habe nichts zu verbergen Wieso habe ich bei so vielen Blogs *heutzutage* ein Dájà-Vu… […]

  23. […] Schnittstelle für unsere Freunde in grün einrichten muss. Juchheissa, wer jetzt ruft, er habe ja nix zu verbergen — ja, aufgeklärte Masse, solche Leute gibt’s — poste doch bitte in die Kommentare die […]

  24. […] kümmerts mich… hab doch nichts zu verbergen, oder wie war das noch gleich? Leider eben kümmerts nur wenige und wer geht schon für seine […]

  25. […] per Plugin das kpl. Update deaktiviert, nur damit man sicher ist — zumindest in diesem einen Punkt. Ich entscheide, wohin ich wann welche Daten übertrage — diese Entscheidung hat mir nicht Wordpr… . Ein weiterer Punkt, der mir ganz sauer aufgestoßen ist: Als ich mir die neue […]

  26. […] den Diskussionen zu neuen Sicherheitsgesetzen deutlich. Denn schließlich haben wir ja alle nichts zu verbergen ! Zu 3. «Welche Tools verwende ich im Einzelnen? (Kurzerklärung und Nutzungsumfangs)» […]

  27. […] Einsatz, sie haben die Privatsphäre der Teilnehmer in einem Sack gesammelt, schließlich hatten wir alle nichts zu verbergen.  Die Stimmung war trotz der Hitze sehr gut — es wurde gelacht, gequatscht und die Leute […]

  28. babouk sagt:

    Wow!
    Vielen Dank für den Artikel!
    Mir gehen oft in Gesprächen über Datenschutz, Überwachungskameras usw. die Worte aus wenn ich erklären soll, warum ich bei Aussagen wie
    «Ich hab doch nichts zu verbergen» ein komisches Gefühl zwischen den Schulterblättern habe.
    Der Artikel macht mir sehr klar wie nötig es ist, auch die unscheinbaren alltäglichen kleinen Verhaltensweisen als Privatsphäre absolut zu respektieren und immer aufs Neue ernst zu nehmen -
    bei anderen und bei mir selbst!

    Ich lese schon länger immer wieder diesen Blog …
    Vielen Dank
    Babouk

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