Wir haben bezahlt — Verkauf der eigenen Ideale zu Werbezwecken?

Hier hatte ich bereits über den «netten» Sampler von wirhabenbezahlt.de geschrieben. Heute dann hat gulli die Katze aus dem Sack gelassen — wirhabenbezahlt.de ist wohl nur noch Werbeplattform für sein Warez–Imperium. Die hohen Ideale, die man hatte, waren wohl nur vorgeschoben, um die User anzulocken. Aber schauen wir mal ein wenig zurück.

Vor ein paar Wochen fiel dieser Artikel von Johnny in mein Blickfeld. Er kritisierte dort Angebote, wie dieses hier: Mp3Flat.com. Laut eigener Aussage funktioniert Mp3Flat.com wie folgt:

Nutze jetzt Mp3flat.com und zeichne mit unserem «Radio-Recorder» bis zu 30.000 neue Songs im Monat auf! Wir speichern deine Aufnahmen solange du möchtest und du kannst diese dann jederzeit abrufen!

Da werden also Songs aus Webradios aufgezeichnet — Johnny schreibt dazu:

Ja, es braucht den digitalen Medien angepasste Novellierungen der Urheberrechtesgesetze, ja, es braucht kreative Ideen. Aber juristische Lücken, bauernschlau gefüllt mit technischen Lösungen und Wikipedia-Inhalten, braucht es nicht. Denn sie werden zu noch mehr Kontrolle, noch mehr DRM und zu Gesetzesnovellierungen in von Netzbewohnern unerwünschte Richtungen führen. Garantiert.

In den Kommentaren wurde dann auch auf Flatster.com hingewiesen. Flatster.com — da hatte ich doch kurze Zeit vorher erst gerade von gelesen — Korrupt schrieb damals in den gulli:news:

Flatster lauscht bei einer großen Anzahl von Webradios gleichzeitig, der beim User installierte Client findet für vorab gewünschte Tracks schnell passende Sender und zeichnet zeitnah auf — abhängig davon, wie oft sie auf der Vielzahl der Stationen gespielt werden.

Flatster.com ist also ein ähnliches Angebot wie Mp3Flat.com. Heute dann der Start von Flatster.com — begleitet von einer Werbekapelle der gulliasten. Hinzu kommt, dass ebenso wirhabenbezahlt.de — wie oben bereits erwähnt — als Werbeplattform genutzt wurde.

Den Worten von Johnny ist kaum etwas hinzuzufügen, solche Angebote wie oben beschrieben werden, wenn sie denn ein FINANZIELLER Erfolg werden, der Musikkultur erheblich schaden. Sie werden zwangsläufig eine Reaktion der Politik nach sich ziehen. Sie werden meiner Meinung nach genau das Gegenteil von dem bewirken, was wirhabenbezahlt.de vorzugeben scheint.

Ein letzter Punkt: Ende 2004 fragte ich in einem Forum, ob im April 2005 alle Webradios offline gehen, nachdem die neue Gebührenordnung ausgerufen wurde. Es gingen nicht alle offline, einige schon, andere Betreiber mussten schwer schluckend die erhöhten Kosten in Kauf nehmen. Wenn sich nun die o. g. Angebote durchsetzen, kommen mit Sicherheit neue Restriktionen auf die Webradiobetreiber zu — bis es vielleicht nur noch kommerzielle Angebote gibt. Nicht zu vergessen verschärfte Maßnahmen für uns alle, vielleicht schon in der gerade heiß diskutierten Urheberrechtsnovelle.

Nachtrag:

In der gulli:diskussion zeichet sich auch eher ein negativer Trend ab, stellvertretend Greg:

Warum soll ich die bezahlen? Nur für die Software? Ich denke nicht, dass die Künstler davon etwas bekommen, da das Aufnehmen von Songs aus dem Radio ja kostenlos ist. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass durch solche Dienste die GEMA-Gebühren für Online-Radios noch mehr steigen. Also müssten die Radiobetreiber mehr bezahlen, damit ich günstig Musik bekomme, dafür aber wiederrum Flatster bezahle, das nur die Bandbreite der Radios ausnutzt.

Sollte das wirklich so sein, würde ich das nicht als Schritt in die richtige Richtung deuten — eher als 2 in die falsche.

24 Antworten zu “Wir haben bezahlt — Verkauf der eigenen Ideale zu Werbezwecken?”

  1. gnokii sagt:

    da muss ich ertmal drüber schlafen eh ich das raff

  2. Falk sagt:

    Bitterböse aber leider zu wahr. Ich sag zwar immer «Abwarten und Tee trinken» — aber das geschickte Ausnutzen solcherlei «Lücken» im Überwachungssystem der Musikindustrie geht *immer* zu Lasten der vermeintlich Kleinen und damit der Vielfalt. Egal ob junge Künstler oder Webradios. Hier wird wiedermal nicht gefördert, sondern ausgenutzt. Ich seh schon die nächste Diskussion um unsinnige Kopierschutzmaßnahmen, um eine «Sendelizenz» zu bekommen oder aber die Gebühren werden *nochmal* deutlich nach oben korrgiert. Scheiss auf die Top100 die hör man eh überall.

  3. pascal sagt:

    mp3flat ist schon deshalb zu verachten weil sie nicht verraten, von welchen sendern sie die musik eigentlich holen. ich hab sogar per mail nachgefragt:
    ich so: «Um welche ’10 Radiosender’ handelt es sich denn?«
    er der Geschäftsführer persönlich so: «Die Sender veröffentlichen wir derzeit nicht.»

    Edit by Chris: Noch gilt die Unschuldsvermutung, sprich
    nicht sie müssen die Unschuld beweisen, der Staat muss
    die Schuld beweisen. Also bitte keine Unterstellungen.

  4. pascal sagt:

    ey was ist denn das — hier in der vorschau sehe ich mein <s /> noch in aktion, wenn ich es aber abschicke ist es weg…

  5. Oli sagt:

    Erwartete jemand mehr von *gulli*? Ich bitte euch …

  6. Chris sagt:

    @pascal: Er mag den HTML-Befehl nicht.

  7. matze sagt:

    Ich finde es schon ganz schön happig, etwa 10? dafür zu verlangen, dass man die Top100 der Charts analog aufnehmen kann. Da kann ich auch einen beliebigen Webradio Ripper benutzen und 1 Woche lang irgendwelche Mainstream Stationen mitschneiden, dann hab ich das gleiche für lau.

  8. pascal sagt:

    Zensur! 😀
    Gut, dann «nehme ich mal an» der Herr hätte einen Grund nicht zu verraten, von welchen Radiosendern das Material stammt. Und das nehme ich so lange an, bis der Herr mir die Sendernamen mitteilt.
    Besser? Allerdings fühle ich mich nicht an den Pressekodex gebunden und fühle mich durchaus berechtigt dem Herrn etwas zu unterstellen :)

  9. matze sagt:

    Naja, wenn er verraten würde, von welchen Sendern er aufzeichnet, dann könnte das ja auch jeder selber tun und bräuchte den Dienst nicht mehr… das würde ich an seiner Stelle auch nicht verraten.

  10. Prospero sagt:

    Notiz an mich: Banner entfernen aus dem Blog. Aber flott. 😉
    Ad Astra

  11. […] Das Banner auf eine bis dato nett anzusehende, durchaus von hehren Idealen erfüllte Webseite ist von meinem Blog verschwunden. Warum? Darum! […]

  12. Grainger sagt:

    Da mich rund 99% der Chartmucke ohnehin nicht interessiert sind auch solche Dienste für mich uninteressant.

    Und bezahlen würde ich dafür ohnehin nichts, die paar CDs die übers Jahr verteilt erscheinen und die mich interessieren kaufe ich ohnehin (z.B. kürzlich aufgrund Olis Beitrag die neue von Iron Maiden), aber um mal ehrlich zu sein:

    mehr als maximal 5–6 CDs im Jahr sind das ohnehin nicht mehr.

    Auf meiner Einkaufsliste stehen momentan noch die neue CD von Evanescence (ist zwar auch ziemlicher Mainstream, gefällt mir aber aus unerfindlichen Gründen ausgesprochen gut) sowie alle vier bisher erschienen CDs von Jorane, damit habe ich mein «Pensum» für dieses Jahr schon fast erfüllt.

  13. Falk sagt:

    Auf meiner Einkaufsliste stehen momentan noch die neue CD von Evanescence…

    Da darfst dich auch drauf freuen, wenn das Album hält, was die Singel verspricht 😉

  14. Grainger sagt:

    Habe sie mir bei Amazon bestellt, soll ja am Freitag erscheinen, vielleicht habe ich sie ja am Samstag schon im Briefkasten. 😀

    Die Single gefällt mir auch, wenn das Album sich auf diesem Niveau (und dem von Fallen) bewegt bin ich zufrieden, ich erwarte von einer Band nicht das sie sich mit jedem Album vollkommen neu definiert, andererseits soll es auch nicht immer das Gleiche sein.

    Schwer zu definieren: musikalische Veränderung und Weiterentwicklung ja, aber in Maßen.

  15. Greg sagt:

    Ich denke eh nicht, dass Flatster und ähnliche Dienste lange überleben. Wem es egal ist, ob die Musik «illegal» ist oder nicht, wird wohl weiter bei Tauschbörsen etc. bleiben. Wem es nicht egal ist, der wird die Musik so kaufen, dass die Künstler, Labels, etc. auch dafür entlohnt werden. Wir werden sehen…

    Immerhin ist der Flatster-Link auf der «Wir Haben Bezahlt»-Seite RefID-frei und die Kampagne muss vorläufig noch nicht in «Wir Werden Bezahlt» umbenannt werden 😉

  16. Falk sagt:

    Wem es egal ist, ob die Musik «illegal» ist oder nicht, wird wohl weiter bei Tauschbörsen etc. bleiben.

    Jetzt mal ne Frage — wie hoch wird denn der Anteil an der Gesamtteil der «Musiknutzer» eigentlich sein? 5% schätz ich mal so grob. Der Rest der Kaufverweigerer «rekrutiert» sich imho nicht aus den Vollpfosten, die alles für umsonst haben wollen.

  17. Grainger sagt:

    Davon mal abgesehen wird in Zeiten von schnellen DSL-Verbindungen und Flatrates ein großer Teil der Tauschbörsen-Nutzer ein Opfer des eigenen (und in uns allen tief verankerten) Jäger– und Sammlertriebes geworden sein.

    Ähnlich wie beim Messie-Syndrom, nur eben virtuell und auf Musik– bzw. Videodateien bezogen, wird erst mal alles gesammelt und nie was gelöscht.

    Ob man es braucht oder nicht, es spielt dabei noch nicht mal eine Rolle ob es einem gefällt, den weitaus größten Teil der Sammlung wird er/sie sich ohnehin niemals anhören oder ansehen.

    Da kommen wahrscheinlich schnell größere Datenmengen zusammen, trotzdem entgeht der Unterhaltungsindustrie nicht 1 Cent Umsatz, auch wenn man für diverse Anti-Raubkopierer-Kampagnen gerne so tut als sei jede downgeloadete (

  18. Oli sagt:

    Ähnlich wie beim Messie-Syndrom, nur eben virtuell und auf Musik– bzw. Videodateien bezogen, wird erst mal alles gesammelt und nie was gelöscht.

    Früher — muß ich *dir* das sagen 😀 — hatten wir tonnenweise Kassetten, Disketten etc. Heute sind die Sachen größern, da haben einige halt die Wechselplatten voll — insofern, nichts neues im Westen (aber vielleicht im Osten ;)).

  19. Falk sagt:

    Umsatz entgeht schon — allerdings nicht ursächlich durch die P2P-User:

    - es fehlen ädaquate Geschäftsmodelle
    – es wurde stattdessen versucht, die Kontrolle über etwas zu erlangen, was man nicht kontrollieren kann(?!)
    – der Einzelhandel brach aufgrund des Missmanagements fast gänzlich weg (ungeachtet von weiteren Einflüssen wie Politik und allgemeine Wirtschaftslage)
    – die Kaufkraft sinkt aufgrund eines medialen Überangebotes (Klingeltöne und Casting-Schwachsinn)
    – Geiz ist geil wurde mitgetragen und medial mehr als nur penetrant den Menschen eingetrichtert (Thema: Manipulation des willigen Kauf-Viehs)

    usw. usw.

    Leidtragende sind allerdings nicht die Major-Labels, die legen sich ja grad Politik und zukünftige Käufer genüsslich zurecht. Und einen Gegenpol gibts zwar, der ist aber zu schwach. Außerdem wird das Thema oft genug nur in Schwarz-Weiss gesehen, ohne zu bedenken, das viele, die über die MI maulen keinen Dreck besser sind.

  20. Oli sagt:

    Umsatz entging zu der Zeit, wenn ich mir damals mal die Kassettensammlung von so manchem in Erinnerung rufe. Zudem würde ich sagen, damals wußten selbst nicht-technisch versierte Leute, wie sie es anstellen mußten, zudem wurde man nicht verfolgt wie ein Terrorist. Damals waren auch die Ansprüche der Industrie kleiner, da kam mehr Qualität statt Quantität. Und abgesehen von Musik, ist das das Problem in *jedem* Markt. Einzig bei DVDs schnallte man, das man mit wirklichen Billigheimern, ehemaliger Top-Filme (meist schon nach einem halben Jahr) gute Gewinne machen kann.

    Aber es ist wie im Moment auch mit dem Gammelfleisch, Angebot und Nachfrage halt. Die Popkonserven werden auch gekauft, das Fleisch in rauhen Massen — das da Schindluder mit getrieben wird, dürfte klar sein. Ob Henne oder Ei zuerst da war, ist dabei irrelevant, beide — in diesem Fall MI und Kunde — pushen sich da in neue Debilitätsregionen hoch. Die, die jammern, das sind jene wenigen, die Masse fördert aber eifrig diesen Mist. Denn wirklich schlecht ging es der Musik/Filmindustrie nie.

  21. X-O sagt:

    Tim O. lässt grüßen. Man sollte evtl. alle Seiten meiden wo dieser O. (bekannt von Tricky.at) und sein Kumpane H. ihre Finger im Spiel haben.

    Und nur weil GEZ gezahlt wird, ist es kein Persilschein um vom Radio aufgenommene Musik als MP3 so im Netz zum Download anzubieten.

  22. Chris sagt:

    Den ersten Satz hab ich mal aus rechtlichen Gründen editiert. Dem zweiten Satz stimme ich uneingeschränkt zu. :)

  23. Falk sagt:

    Vor allem hat die GEZ ja mit dem Verteilen von urheberrechtlich geschütztem Material im Netz soviel zu tun, wie der Teufel mit Weihwasser 😉

  24. Falk sagt:

    Online-Radiorecorder-Dienst macht nach GEMA-Abmahnung weiter

    Nun denn, vom Saulus zum Paulus und irgendwann wieder zurück. Hat was…


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