Wikileaks?

Zugegeben, ich war tatsächlich gespannt auf die neueste Veröffentlichung, obwohl ich es eigentlich hätte besser wissen müssen. Mehr oder weniger haben wir es hier mit diplomatischem Randrauschen zu tun, Dinge die wir entweder schon wußten bzw. vermuteten. Zum anderen sind es Informationen, die auf Einschätzungen vor Ort beruhen, also nicht unbedingt Wahrheiten, aber dennoch erhellend. Den einen oder anderen Historiker in diesem Metier wird diese Informationslage sicherlich erfreuen, umwälzende Fakten wird man wohl mehr im Resort «Top Secret» finden.

Keine Ahnung, wie lange Assange noch den Mythos aufrecht erhalten kann. Es ist gut, wenn Informationen jedweder Natur an die Öffentlichkeit dringen, es ist wichtig, um bestimmte Vorgänge verstehen oder auch einschätzen zu können. Aber der Pathos vor jeder Veröffentlichung, die Geheimniskrämerei, die offen zur Schau getragene Paranoia etc. hinterlassen auf Dauer nur einen Faden Beigeschmack, vor allem wenn danach nicht derart viel kommt.

Und der Spiegel? Nun, der Spiegel ist das selbstdefinierte «Sturmgeschütz der Demokratie», damals, wie auch heute. Warum? Nun, wenn ich von mir behaupte ich sei ein Genie, dann kann dies durchaus stimmen, andererseits benötige ich nur ein hochgradig grenzdebiles Publikum, welches diese Aussage fortwährend postuliert. Et voila, die selbsterfüllende Prophezeiung macht sich auf den Weg. Der Spiegel war schon immer ein Magazin, daß sich verkaufen mußte … mitunter entwickelte sich jedoch deren Publikum weiter und glaubte fortan nicht mehr die Mär vom «demokratischen Sturmgeschütz». Insofern finde ich die Kooperation zwischen Wikileaks und Spiegel durchaus passend, beide sind wie füreinander geschaffen.

In Zukunft also vielleicht weniger «Wikileaks», «Spiegel» und Co., sondern mehr der veröffentlichten Rohdaten ohne schmierigen Pathos :-)

For most of its years Wikileaks attacked journalism as untrustworthy while regularly issuing press releases and complaining of being ignored by the press, now it claims to be journalism for official protection from officials. For most of its years Wilileaks attacked spies as treacherously self-serving, now it voluminously big tweets as a public interest spy service trustworthy for faith-based investment while maintaining paranoid secrecy about its allegedly threatened operations, a spies-like-us signal to its big-brother role model which excells at marketing black magic arts and sciences.

cryptome

Addendum: Auch wenn ich grundsätzlich für jegliches Plus an Information bin, existieren immer zwei Seiten der Medaille: One day, we’ll all hate WikiLeaks. Sollte man ebenso drüber nachdenken …

Ironically, the disclosures made by WikiLeaks might promote access to information, but by doing so, reduce the information that is, in principle, accessible. It will ultimately be counter-productive. Far from making us all equal, the transparency of the internet will push the wielders of power further into the shadows of secrecy and subterfuge.

Update: Wikileaks trotz Botschaftsdepeschen tief in der Krise

Domscheit-Berg und viele weitere frühere Unterstützer planen daher eine Neugründung des Projekts, dieses Mal allerdings mit klaren Strukturen und dezentralem Aufbau. Nicht mehr nur eine Gruppe soll den Datenfluss steuern. «Diese Macht» dürfe es künftig nicht mehr geben, meint Domscheit-Berg.

Erstveröffentlichung: akephalos

Bild: Wikimedia Commons, «les petits secrets», Public Domain

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12 Antworten zu “Wikileaks?”

  1. Oliver sagt:

    Naja, ich würde das nicht einfach so abtun. Hier in Deutschland ist das alles mehr oder weniger uninteressant, weil wir ja alle unsere Politnasen kennen und von daher auch die Urteile … ich sag mal … wenig überraschend sind. In den USA sieht das schon ganz anders aus. Wenn man gesehen hat, wie aufgeregt die Journalisten auf CNN und sogar auf Fox durch die Gegend flattern, dann kann man das schon guten Gewissens als aussenpolitischen Supergau bezeichnen.

    Vor allem die Nahostprotokolle sind wenig schmeichelhaft. Ich persönlich hoffe, dass noch mehr Dokumente, vor allem aus der Ecke 90/91 und natürlich 2001 kommen. Weil da sind ja die wirklichen Katastrophenjahre der USA gewesen. Die Veröffentlichungen waren ja nur ein Teil und so wie ich das verstanden hab, wollen die das jetzt jeden Tag dieser Woche ausgiebig zelebrieren. Ich bin zumindest gespannt.

  2. Solarix sagt:

    Mich Ketzer würde vor allem mal interessieren wer das alles finanziert. Umsonst ist bekanntlich nix auf dieser Welt. Aber wie immer denke ich natuerlich nicht idealistisch genug. 😉

  3. […] Wikileaks? “Wikileaks sollte das Rampenlicht meiden“ Fefe wühlt sich auch durch […]

  4. >In den USA sieht das schon ganz anders aus.

    In den USA ist man schon an Entertainment als Nachrichten gewohnt, darüber hinaus hat dort Patriotismus einen gänzlich anderen Stellenwert als bei uns, insofern betrachtet man derlei Veröffentlichungen auch gänzlich anders.

    >Vor allem die Nahostprotokolle sind wenig schmeichelhaft.

    Aber neu? Und es sind Einschätzungen/Meinungen von Diplomaten. Interessanter wären Informationen aus den innersten Zirkeln gewesen, Dinge die mit «Top Secret» gekennzeichnet sind.

    Wie ich auch schon oben schrieb, einen gewissen Unterhaltungswert bzw. «Aha-Effekt» spreche ich diesen Daten nicht ab. Aber aufmerksame Zeitgenossen kommen auch ohne aus …

    Wenig schmeichelhaft wären auch Witzeleien zwischen Merkel & Co auf dem Heimweg.

  5. @solarix

    Da die Daten nicht «Top Secret» sind, auch nicht die Warlogs, sind die Sicherheitsmaßnahmen auch nicht derart hoch. Außerdem ist es nicht das zweite mal, sondern die Informationen wurden bzw. werden von Assange auf Raten veröffentlicht. D.h.Bradley Manning war derjenige, der die Daten allesamt von SIPRNET zu Wikileaks weitergab.

  6. Solarix sagt:

    Also ganz ernsthaft… was ich wirklich bedenklich finde ist, wie man so einen Sack voll Daten verlieren, bzw. versaubeuteln kann.
    Das finde ich das bemerkenswerteste daran und jetzt vor allem schon das zweite mal.
    Es ist ja nicht das erste mal.

  7. Marc sagt:

    Dass die Daten öffentlich wurden war eh nur eine Frage der Zeit. Entweder nach sehr vielen Jahren wie es üblich ist oder wenn durch irgendeine andere Unaufmerksamkeit oder Neugier der Mythos ‘sichere elektronische Daten’ mal wieder bröckelt.

    Verfolgt man zusätzlich die U.S Medien und Art ihrer Berichterstattung merkt man schnell dass Wikileaks hier nur Feuer mit Feuer bekämpft. Dass dies bei einer seriösen Auseinandersetzung über das Phänomen ‘Wikileaks’ ist klar aber nicht anders möglich.

    Das Argument ‘Wikileaks macht alles nur noch schlimmer’, im Sinne dass Daten und Informationen schwerer zugänglich werden, ist nur dann zutreffend wenn man von einem Versagen des Wikileak «Agendas» animmt.

    Das vorgehensweise bei den jetzigen Leaks sehe ich übrigens als ein Versuch die Masse zum umdenken über Geheimnisse in und um Regierungen zu bewegen. Euch interessiert nicht dass die USA x Tausend zivile Opfer vertuschen wollten? Vielleicht interessiert euch der neuste Tratsch über Merkel, Sarkozy und co.

    In diesem Sinne sehe ich die Art und Weise mit der Wikileaks vorgeht für akzeptabel.

  8. >Dass die Daten öffentlich wurden war eh nur eine Frage der Zeit.

    Im wahrsten Sinne des Wortes, die bis dato veröffentlichten Daten schließen, wenn ich korrekt informiert bin, 1972 ein.

    >Euch interessiert nicht dass die USA x Tausend zivile Opfer vertuschen wollten?

    Dazu habe ich eine recht simple Antwort parat.

    >Das vorgehensweise bei den jetzigen Leaks sehe ich übrigens als ein Versuch die Masse zum umdenken über Geheimnisse in und um Regierungen zu bewegen.

    Captain Obvious läßt Grüßen. Geheimnisse sind etwas anderes und jene Geheimnisse wären tatsächlich brisant und desaströs für diejenigen.

  9. thom sagt:

    Nun, wenn man Informationen publiziert, welche mit verschiedene Interessen diverser Regierungen kollidieren, ist ein moralisch sauberes Vorgehen nicht möglich, dies sollte den meisten klar sein. Wenn der Klärschlamm nach oben gewühlt wird, stinkt’s halt. Desweiteren gehört klappern zum Handwerk. Sollte Wikileaks wirklich Top Secret Informationen verbreiten wollen, ist es auf den Focus der Öffentlichkeit angewiesen. Und den bekommt man nicht durch Ehrlichkeit sondern leider nur mittels Klatsch, Tratsch, dem ein oder anderen faulen Kompromiss und dem ein oder anderen Vertrag ehemaliger Nachrichtenmagazine. Insofern ist die Vorgehensweise nachvollziehbar und logisch. Das frühere Unterstützer dies moralisch nicht mittragen können und wollen, hat auch zwei Seiten, die gefühlte Moral Ihrerseits und die abstruse, durchaus Lebensbedrohliche Realität solcher Projekte auf der anderen Seite. Denn wo viel Licht ist auch viel Schatten.

  10. >ist ein moralisch sauberes Vorgehen nicht möglich, dies sollte den meisten klar sein.

    Natürlich ist das möglich, sonst ist man keinen Deut besser. Und es ist auch notwendig, um nicht andere in Gefahr zu bringen. Also jene, die die eigentliche Arbeit leisten und die Daten liefern und sich tatsächlich der Gefahr aussetzen. Man nennt diese Leute auch Whistleblower, Assange ist keiner, er ist nur ein Zwischenhändler.

    Die Aufmerksamkeit bekommt man mittels der Daten selbst, nicht indem man an den Meistbietenden die Daten verhökert und sich «gottgleich» wähnt wie Assange. Da wandert im Moment einer in den Bau für mitunter 60 Jahre, ob Assanges Größenwahn.

    So eine Plattform muß transparent (im Sinne von Daten rein, Daten raus) arbeiten, sicher und dezentral organisiert sein, kein primus inter pares wird benötigt, sondern ein Netzwerk. Das funktioniert schon immer so und wenn sie Assange irgendwo habhaft werden, dann ist er ehrlich gesagt selbst daran schuld. Who cares? Gedanken sollte man sich lieber um Leute wie Bradley Manning machen, jener riskierte seine Arsch für das infantile Gemüt Assanges.

  11. thom sagt:

    Sorry, Oliver, schon mal in den Spiegel geschaut ? Oder findest Leben bei Dir nicht statt ? Definierst Du was Moral ist ? Hattest Du schonmal die Ehre, Dich mit Staatsgewalt und deren Hilfsmitteln auseinanderzusetzen ? Ich denke eher nicht.
    Keine Informationsplattform ist wirklich transparent und wo Menschen zusammen arbeiten, sind immer Interessen im Spiel. Demzufolge gibt es auch kein neutrales Netzwerk, geschweige ein moralisch korrektes. Die Menschen haben sich den Kapitalismus gewünscht, und in dem geht es in erster Instanz um Geld und Macht.
    In dem Sinne, angenehme Träume 😉

  12. >Sorry, Oliver, schon mal in den Spiegel geschaut ?

    Ja, im Gegensatz zu einigen Zeitgenossen kann ich das noch.

    >Oder findest Leben bei Dir nicht statt ?

    Mehr als du es dir zu träumen wagst.

    >Definierst Du was Moral ist ?

    Nein, es existiert da ein grober Konsens.

    >Hattest Du schonmal die Ehre, Dich mit Staatsgewalt und deren Hilfsmitteln auseinanderzusetzen ?

    Öfters als du es glauben magst.

    >Ich denke eher nicht.

    Das mit dem «Denken» üben wir besser noch einmal.

    >Keine Informationsplattform ist wirklich transparent

    Lesen will gelernt sein, ich schrieb exakt was ich dazu meine und in den verlinkten Artikeln finden sich auch Beispiele wie es anders geht.

    >Demzufolge gibt es auch kein neutrales Netzwerk, geschweige ein moralisch korrektes.

    Es existiert auch keine Objektivität etc. pp., aber man kann versuchen sich diesen Idealzuständen anzunähern, ohne diese jemals erreichen zu können. Meine letzte philosophische Diskussion liegt etwas zurück, aber für einen Exkurs für Laien wird es wohl dennoch genügen. Vielleicht erläutere ich demnächst mal das 1×1 in diesem Metier, dann klappt es auch bei einigen mit den Kommentaren. «Perlen vor die Säue», meiner Meinung nach. Aber vielleicht mache ich demnächst mal eine Ausnahme.

    >In dem Sinne, angenehme Träume

    Mit ideoligischer Phrasendrescherei antworten, aber Träumerei unterstellen. Kindergarten, mach demnächst erst einmal deine Hausaufgaben, bevor du dich auf das Spielfeld der Erwachsenen begibst.

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