Wie wollen wir die Kreativen im Netz bezahlen?

In der Diskussion rund um die Piratenpartei stellt sich die immer wiederkehrende Frage des Verwertungsrechts und des Urheberrechts. Verkürzt gesagt, suchen Verlage, Journalisten und Kreative nun seit Anbeginn des Internets nach Möglichkeiten, Ihr kreatives Tun zu vergolden. Der kürzlich veröffentlichte Heidelberger Appell ist dabei nur die Spitze des Eisberges: Die Unterzeichner appellieren nachdrücklich an die Bundesregierung und die Regierungen der Länder, das bestehende Urheberrecht, die Publikationsfreiheit und die Freiheit von Forschung und Lehre entschlossen und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen. Allein mit diesem Schlusssatz zeigt sich, dass die Unterzeichner und Besitzstandswahrer schon verloren haben, auf ganzer Linie — wenn man es denn so ausdrücken will.

Viele Journalisten verwenden nahezu eine Kriegsrhetorik, wenn es um das Internet geht. Da wird tatsächlich in Artikeln darüber philosophiert, dass es im Netz eine Hatz auf Intellektuelle gibt, immer wieder fällt der Satz, das Internet sei kein rechtsfreier Raum — was ähnlich sinnvoll ist, wie zu behaupten, das Telefon sei kein rechtsfreier Raum. Es gibt sogar Journalisten, die vertreten tatsächlich den Standpunkt, das Internet sei keine Demokratie. Ich behaupte das Gegenteil: Das Internet ist selbstverständlich Demokratie, fast in seiner Urform. Wenn ich — gerade in den letzten Wochen — erlebe, wie stark sich insbesondere die junge Generation politisch engagiert, wie aus dem Internet heraus versucht wird, unsere Politik, unserer Gesellschaft zu gestalten, dann erleben wir hier eine neue Zeitenrechnung. Wir sollten auch nicht den Fehler machen, uns selbst, unser Engagement zu klein reden, auf reine Nullen und Einsen zu reduzieren — dieses Internet verändert gerade die Welt. Es ist mehr als eine Kopierstation, es ist mehr als eine Kommunikationsplattform. Es ist etwas ganz Großes, dass in all seiner Bandbreite kaum in Worte zu fassen ist.

Und dieses Internet ist weitestgehend kostenlos. Der Wert einer Information geht gegen Null, es sei denn, sie verspricht Exklusivität. Ebenso verhallt es sich mit Software — zu fast jedem kommerziellen Produkt gibt es eine Opensource-Alternative. Und wenn dies nicht der Fall ist, gibt es das kommerzielle Produkt an der nächsten Straßenecke kostenlos, sprich auf der nächsten Webseite. Den Musikern geht es ähnlich — es gibt grandiose freie Musik, und wenn ich denn dringend die aktuellen Charts hören möchte, sind diese auch nur einen Mausklick entfernt. Das kann man kritisieren, das kann man verteufeln — es ändert aber nichts an der Tatsache. Es ist ganz einfach Fakt und niemand, auch keine noch so rigide Regierung, wird dagegen etwas unternehmen können. Das Internet, der gesellschaftliche Umgang mit dem Internet, ist so gewachsen und hat sich in den letzten Jahrzehnten so verfestigt. Es ist eine neue Kultur entstanden.

Diese Kultur entstammt direkt aus unserer gesellschaftlichen Mitte — das Internet ist ein Spiegelbild unseres Miteinanders. Es ist aus den Menschen heraus gewachsen. Was ich damit sagen möchte: Die Gesellschaft, die Menschen selbst, haben bereits diesen Krieg der Kulturen entschieden. Und das sogar weltweit. Das Internet ist und bleibt kostenlos, bis auf wenige exklusive Angebote. Wer Zugang zum World Wide Web bekommt, hat freien Zugang zu Informationen, Software, Musik und allem, was elektronisch vertrieben werden kann. Es ist an der Zeit, sich dieser Realität zu stellen. Wenn nun die Politik panikhaft neue Urheberrechtsgesetze erlässt — um Verlage und andere Besitzstandswahrer zu schützen — dann werden diese Probleme nur in die ganz nahe Zukunft verschoben. Kein Problem wird damit gelöst. Zudem stellt sich die Politik und die Wirtschaft damit gegen die Gesellschaft und gegen die Menschen. Diese haben mit ihrem gesamten Tun und Handeln bereits eine Entscheidung getroffen. Man kann politisch nicht Grenzen ziehen, wo keine sind. Man kann über unsere Gesellschaft keine künstliche Kuppel stülpen, wenn diese in eine andere Richtung marschiert. Die Menschen haben entschieden, es lässt sich nicht mehr rückgängig machen, weil die Menschen, die Gesellschaft es eben genauso will. Es ist an der Zeit, dass die Politik eben genau diesem Willen der Menschen Rechnung trägt und diesen respektiert.

Stellt sich die Frage, wie wir in naher Zukunft unsere Kreativen im Internet bezahlen wollen. Die Antwort ist so simpel, so sehr sie vielen Menschen weh tun wird: Vorerst gar nicht. Bis auf ein wenig Werbung wird sich im Internet kaum bis gar kein Geld verdienen lassen. Das Internet bietet die Chance, für Kreative, bekannt zu werden, die eigenen Werke zu bewerben. Blogger und Journalisten finden im Web die neuen Leser ihrer Bücher, Musiker finden im Netz die nächsten Konzertbesucher. Es wird sich in Zukunft aber kaum jemand im Netz finden lassen, der für Informationen und auch für Software und Musik bezahlen wird. Es sei denn, es wird eine gewisse Exklusivität angeboten. Das wird aber die Ausnahme bleiben. Darum sind Diskussionen um Micropayment-Systeme auch hanebüchen — ebenso sehe ich die neue Zwangs-GEMA, die Kulturflatrate, als unsinnig an. Die schlichte Erkenntnis lautet: Die Gesellschaft hat sich für einen anderen Weg entschieden.

Liebe Kreative, es ist an der Zeit, dass Ihr diese Tatsachen akzeptiert. Die Gesellschaft — die Menschheit in ihrer großen Mehrheit — hat sich für den freien Zugang zu Informationen und anderer elektronisch hergestellter Produkte entschieden. Das schließt Software und Musik ebenso ein, wie auch Bücher. Direkt gesagt: Google Books und YouTube sind ein Geschenk an die Menschheit und sollten zum Weltkulturerbe erklärt werden. Allein diese beiden Plattformen stellen einen unglaublichen Fundus an Wissen und Kultur bereit. Liebe Kreative, es ist an der Zeit, dass ihr wieder mit der Gesellschaft gemeinsam marschiert, und nicht gegen sie. Und ich bin mir sicher, dass sich dann gemeinsam ein Erlösmodell finden lässt — ein Modell, woran heute vielleicht noch keiner denkt. Denn eines ist auch klar: Wenn Ihr Kreative aussterben würdet, wäre damit niemandem geholfen, es wäre ein kultureller GAU — und Google Books und YouTube würden in Zukunft nur noch Klassiker anbieten. Es geht also nur gemeinsam. Der nächste Schritt muss aber von Euch kommen, seid Ihr es doch gewesen, die das Internet und seine Nutzer verteufelt und kriminalisiert haben. Lasst uns gemeinsam diese neue Epoche gestalten, nicht gegeneinander. Gegen das Internet könnt Ihr nicht gewinnen.

Bild: Wikipedia

Nachtrag: Vielleicht sollte ich noch einmal erwähnen, dass ich hier über die Gesellschaft als abstraktes Gebilde philosophiere und obige Zeilen nicht differenziert meine Meinung widerspiegeln. Wie ich persönlich die Sache sehe, hat Oliver hier anschaulich beschrieben.

, , , , , , , , , , , , , , ,

58 Antworten zu “Wie wollen wir die Kreativen im Netz bezahlen?”

  1. Cartagena sagt:

    Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit bis die Anderen es kapieren.

    Momentan bin ich noch überzeugt davon, dass wir noch längst nicht den letzten Heidelberger Appell gelesen haben, der sowieso nur in Schutzrechte für die Verlage ausufern wird, dass wir schon das letzte Mal blödsinnig kriminalisiert wurden, völlig egal für was, und dass wir bis jetzt nicht das letzte Mal, vllt trotz oder gerade wegen der «traurigen» Gewissheit bei den Anderen nur müde für unsere Forderungen bzw. Ideen milde belächelt werden.

    Was aber geradezu fantastisch ist und die Antwort auf die Frage gibt: wir sind ausdauernd! :-)

  2. Lars sagt:

    So sehr ich mit der Piratenpartei sympathisiere: Bei dem ganzen Bereich des Urheberrechts habe ich noch gewaltige Zweifel. Ich gebe klar zu, dass das bisherige System nichts mehr taugt und habe selbst auch keine Patentlösung für das Problem. Das Problem ist aber, dass ohne Geld einige Produktionen einfach nicht möglich sind. Dies betrifft in meinen Augen vor allem Kinofilme, bei denen derzeit einfach große Summen für eine entsprechende Umsetzung nötig sind (und selbst der kleine Independent-Film hat immer noch Ausgaben, die irgendwie finanziert werden müssen). Romane kann man in der Freizeit schreiben und man muss in keine finanziellen Vorleistungen treten. Bei Musik ist der Aufwand schon größer, aber auch hier ist die Produktion während der Freizeit möglich. Bei Filmen ist der Aufwand dann noch ein paar Ecken größer und ich kenne persönlich keinen Abendfüllenden Spielfilm, der vom Netz fürs Netz gemacht wurde. Das höchste der Gefühle sind ein paar Kurzfilme. Hier jetzt einfach zu sagen «Sorry, Pech gehabt» erscheint mir zu kurz gegriffen.

    Und noch eine Anmerkung: Auf der einen Seite sagst du, dass für Inhalte bezahlt wird, sofern eine gewisse Exklusivität sichergestellt ist, allerdings geht aus dem Artikel auch hervor, dass — sofern ein Kulturgut digital verfügbar gemacht werden kann — dies auch kostenlos verfügbar ist. Wenn Urheberrechte nicht geschützt werden, kann es aber im Netz nie Exklusivität geben und die ganze Argumentation bricht in sich zusammen.

    Ich persönlich bin ja für eine Herabsetzung der Schutzdauer von Musik, Büchern und Filmen auf 5–10 Jahre, da in dieser Zeit derzeit das meiste Geld erwirtschaftet wird. Figuren könnten urheberrechtlich länger geschützt bleiben, so dass z.B. Fortsetzungen mit den gleichen Figuren ohne Probleme möglich sind und nur der Erfinder der Figur mit dieser neue Werke erzeugen darf.

  3. […] Wie wollen wir die Kreativen im Netz bezahlen? (F!XMBR) — 24/06/2009 — Chris macht sich Gedanken darüber, wie Kulturmenschen mit Kultur im Netz künftig Geld verdienen sollen. Seine Antwort: Zunächst gar nicht. […]

  4. Oliver sagt:

    >Ich persönlich bin ja für eine Herabsetzung der Schutzdauer von Musik, Büchern und Filmen auf 5–10 Jahre, da in dieser Zeit derzeit das meiste Geld erwirtschaftet wird. Figuren könnten urheberrechtlich länger geschützt bleiben, so dass z.B. Fortsetzungen mit den gleichen Figuren ohne Probleme möglich sind und nur der Erfinder der Figur mit dieser neue Werke erzeugen darf.

    Derart war ursprünglich auch das Urheberrecht gedacht. Wer nach dieser Schutzzeit für seinen kreativen Remix nichts mehr leistet hat eben Pech gehabt. Fünf bis 10 Jahre sind durchaus eine gute Zeit, um Geld für ein weiteres Produkt zu erwirtschaften, auf Grundlage einer Idee mit einer Firma durchzustarten etc. pp. Quasi eine Art Starthilfe. Legitim, oder? Wer Kultur als mehr versteht als denn nur die Hand aufzuhalten, wird gegenüber diesem Ansatz überhaupt nichts einzuwenden haben. Fünf Jahre für «trivialere» Dinge, 10 Jahre für «bahnbrechende» Dinge. Auch ein kreativer Remix ist eine Leistung die entlohnt werden will — ein gerechtes Mittel gilt es zu finden und nicht Mitnahmequalitäten zu fördern.

    Gemeinsam für ein Mehr an Kultur bedeutet auch alle geben etwas — der eine Kreativität, der andere monetären Support. Allein der erwähnte Ansatz wäre schon revolutionär — die einen wollen lieber nehmen statt etwas von sich geben, die anderen möchten mit einer Idee auf Basis der allgegenwärtigen Kultur ihr Leben finanzieren, das ihrer Nachkommen und jenes der Industrie. Absurd, nicht wahr? Aber es existieren immer zwei Seiten, Kultur per se kommt bisher überall zu kurz.

  5. Falk sagt:

    Der nächste Schritt muss aber von Euch kommen

    Nein, nein und nochmals nein. Solang diese (Internet-)Gesellschaft nicht bereit ist, kreative Werke als solche anzuerkennen und immer wieder nur zu sagen «Ist halt so…», genau so lange wird sich an der momentanen Hatz der Rechteinhaber und –verwerter nichts ändern. Oder hab ich übersehen, daß sich wer wirklich dafür engagiert, ein Verwertungssystem abseits des bestehenden zu etablieren oder aufzubauen?

    Und genauso sollte auch akzeptiert werden, daß Künstler auch von irgendwas leben müssen und eben _nicht_ mal eben so neben einem Job für lau eine Musik– oder Filmproduktion vom Stapel lassen können. Das ich persönlich akzeptiere, daß im Netz der Wert von digitalen Gütern gegen Null tendiert und dies auch für mich ausnutze, heißt nicht, daß ich die Mitnahmementalität gutheiße.

    Und solange noch genügend Schmarotzer am Werke sind (auf beiden Seiten), muss der Schritt, der hier getan werden müsste, auch von allen Beteiligten ausgehen…

  6. Helge sagt:

    Ich kann absolut nicht verstehen, wie Ihr diese Meinung ernsthaft vertreten könnt. Nein, die Menschen oder die Gesellschaft haben sich nicht dafür entschieden. Das ist lächerlich. Macht mal eine Umfrage, ob Schriftsteller und Autoren wissenschaftlicher Literatur etwas verdienen sollen oder ob es erlaubt werden soll, alle Bücher einfach beliebig oft zu kopieren. NIE IM LEBEN bekommt ihr dafür eine Mehrheit. Nicht mal ansatzweise.
    Mit solchen Forderungen macht ihr Euch in meinen Augen nur unwählbar. Ich z.B. könnte mir ernsthaft vorstellen, die Piratenpartei zu wählen. Ich habe gegen die Internetzensur gekämpft und Bürgerrechte sind mir extrem wichtig. Hey, und ich lese diese Seite (normalerweise gerne).
    Ich bin übrigens auch absolut dagegen, das Urheberrecht immer weiter zu verschärfen, schwachsinnige Gesetze einzuführen, die das Umgehen eines Kopierschutzes trotz bestehendem Recht auf Privatkopie unter Strafe stellen etc.
    Ihr habt auch völlig recht damit, daß das Internet es nun einmal ermöglicht, Musik und Literatur ganz einfach zu kopieren, Urheberrecht hin oder her. Das verhindern zu wollen, ist ein Kampf gegen Windmühlen. Entweder bestraft man die zahlende Kundschaft (DRM), was aber auch nichts nützt, alle anderen bekommen die Werke trotzdem und ohne nervigen Kopierschutz, oder man versucht, einzelne Raubkopierer zur Abschreckung drakonisch zu bestrafen, was völlig unfair ist, denn wenn man jedem ein Gerät zur Verfügung stellt, mit dem man ganz einfach Musik laden kann, und es außerdem in (einem Teil) der Gesellschaft üblich ist, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen, dann kann man nicht anschließend hingehen und irgendeinen mehr oder weniger zufällig ausgewählten Nutzer wie einen Vergewaltiger bestrafen.
    Sinnvoll wäre also, anzuerkennen, daß das bisherige System nicht mehr aufrechterhalten werden kann (hier versagen Musikindustrie und Verlage), gleichzeitig aber anzuerkennen, daß es nicht die Lösung sein kann, Kreative einfach gar nicht mehr zu bezahlen (hier versagen ganz offenbar die Piraten).
    Die sogenannte Kulturflatrate könnte eine Lösung sein — aber auch hier sind viele Fragen offen. Bei Popmusik könnte man vielleicht nach Downloadzahlen gehen. Aber wie verfährt man bei Büchern? Ein wissenschaftliches Buch, das so speziell ist, daß es vermutlich nur von 1000 Leuten gelesen werden wird, kostet meist deutlich über 100 Euro, damit der Autor trotzdem angemessen vergütet werden kann. Bei einer Abrechnung nach Downloadzahlen, bei der jeder Download für einen Konsalik genauso vergütet wird, hätte der Wissenschafter Pech gehabt.
    Aber auf jeden Fall sollten die Piraten mit ihrem Sachverstand in Internet-Fragen dabei helfen, entsprechende Modelle zu entwickeln, anstatt sich hier hinzustellen und den Kreativen im Prinzip nur zu sagen: HAAAAHAAAA!
    Dann muß man sich nämlich nicht wundern, wenn die versuchen, mit Internetsperren zurückzuschlagen.

  7. Chris sagt:

    @Falk: Sorry, aber die Schlacht ist entschieden. Tochter lädt sich Britney Spears runter, Vadder holt sich auf YouTube und YouPorn seinen Stoff und Mama wartet auf das neuste Harry-Potter-E-Book. Das hat gar nichts direkt mit meiner oder Deiner Einstellung und unserem Tun zutun — die Gesellschaft hat bereits entschieden. Es passiert einfach. Egal, welche Gesetze auch erlassen werden — es bleibt dabei. Es werden nur immer weiter Schulhöfe kriminalisiert und das Internet dämonisiert.

    @Helge: Erstmal wurde der Text von einer einzelnen Person verfasst. Diese Person, nämlich meine Wenigkeit, ist zudem parteilos. Es fehlt bei Dir also schon das Grundverständnis für die Pulikation, auf der Du kommentiert hast. Somit ist Dein gesamter Kommentar hinfällig. #fail

  8. Oliver sagt:

    >Sorry, aber die Schlacht ist entschieden.

    @Chris die Schlacht mag entschieden sein, da gebe ich dir recht. Aber die Verlierer sind letztendlich dennoch die vermeintlichen Gewinner, da über kurz oder lang kreative Köpfe Mangelware werden. Und damit meine ich gewiß nicht jene die mit einem Glückstreffer ihre Leben im Luxus und jenes ihrer Mangager finanzieren, sondern diese echten kreativen _Hungerleider_. Vielen Kreativen geht es nicht einmal um Millionen, sondern mehr um existentielle Dinge. Ein legitimer Anspruch — die vermeintlichen Gewinner sollten also schleunigst eines realisieren, ohne Support jedweder Natur läuft nichts. Um es mal überspitzt zu formulieren: was tut die Masse für diese freie Kultur, außer jene fortwährend einzufordern. Gerade bei vielen die diese einfordern stoße ich oft genug auf Barrieren geht es denn um eigenen Erzeugnisse — paradox, oder? Ich weiß das wir das gleiche wollen — aber ich bedenke eben alle Seiten, abseits Content-Mafia und «haste mal nen Euro»-Fraktion 😉

  9. Chris sagt:

    @Oliver: Ich gehe da ansonsten mir Dir und Falk vollkommen konform. Das ist nicht die Frage. Die Frage ist, inwieweit wir uns den Realitäten stellen müssen. Seien wir mal ehrlich: Wir haben oft genug gesagt, dass wir mit F!XMBR auch den einen oder anderen Euro verdienen könnten (ch zähle uns also auch zu den Kreativen). Auch wenn unsere Zahlen durch die Decke schießen, haben wir da auch übertrieben. Unzählige andere Beispiele beweisen das Gegenteil. Das können wir verfluchen, wir beide haben uns bewusst auch für diesen Weg entschieden — aber es geht nicht um uns, um Falk und sein Netlabel, nicht um Opensource oder Creative Commons — es geht um mittlerweile Selbstverständlichkeiten, die diese Gesellschaft entwickelt hat.

    Wollen wir diese nicht einfach mal als gegeben annehmen und dann gemeinsam überlegen, wie es weitergeht?

  10. Falk sagt:

    Wollen wir diese nicht einfach mal als gegeben annehmen und dann gemeinsam überlegen, wie es weitergeht?

    Ich wäre froh, wenn diese ganze Diskussion tatsächlich mal an dem Punkt beginnen würde. Deswegen sprach ich ja von einer _alternativen_ Verwertungskette — wie auch immer die aussehen könnte. Und dabei würde ich bspw. VG Wort, GEMA, IFPI und andere schlicht und ergreifend ausblenden. Aber ich hab auch den Eindruck, daß viele Angst vor genau dieser Diskussion hätten, weil sie das bestehende System _grundlegend_ in Frage stellt. Und solang sich da nichts ändert, kann ich dieses «Ist halt so…» nicht wirklich gutheißen.

  11. der wanderer sagt:

    Ich denke wir werden einfach damit leben müssen, dass Werke kopiert werden. Was möglich ist, wird einfach auch gemacht und das Kopieren war noch nie so einfach wie jetzt. Natürlich kann man mit DRM und Trusted Computing versuchen, dagegen anzukämpfen. Am Ende wird das aber nur dazu führen, dass wir sogar noch WENIGER Rechte haben, als vor dem Durchbruch der Tauschbörsen.

    Kein Zitierrecht (wie will man z.B. ein Bildzitat von einem DRM geschützten Film machen?), keine Erstellung von Privatkopien (wofür zahlen wir dann noch Schutzgebühren?) und unsere Computer werden geschützte abgeschlossene Blackboxen sein, über die wir keine Kontrolle mehr haben.

    Man muss sich nur ansehen, wie krass der Kopierschutz bei der BluRay-Disc ist. Eine eigene VM die unkontrolliert Programm ausführt. Die gewollte Abschaffung analoger Ausgänge bis 2012 (ohne Rücksicht auf die Kunden). Oder der VEIL Kopierschutz, der in Zukunft in Kameras integriert wird: Dabei wird ein Chip in alle zukünftigen Kameras integriert, der überwacht ob sich in der aktuellen Aufnahme ein Wasserzeichen befindet. Wenn ja, löscht die Kamera die Aufnahme. Wir Konsumenten unter der totalen Kontrolle der Verwerter. Wollen wir das?

    Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass es irgendwie logisch war, dass das Pendel jetzt zur anderen extremen Seite ausschlägt. Wir hatten in den letzten Jahren einfach zu wenig Respekt vor dem geschaffenen Werk der Künstler. Klar, die Content-Mafia gehört bekämpft und das Urheberrecht reformiert. Und ich sag auch nichts gegen Leute, die sich Musik/Filme zuerst mal illegal ziehen, aber später die Bands und die Filme unterstützen, die ihnen gefallen, indem sie sich die CDs/DVDs später kaufen. Ist für mich OK.

    Was für mich nicht OK ist, sind die Kiddies, die nichts anderes als DLS 2000 gewöhnt sind und bei nem DSL light Anschluss schon Ellipsie anfälle bekommen. (Ok, böse Vorurteile jetzt) Halt genau der Typ von Menschen, die einen mit großen Augen anstarren und sagen: «Wie du hast die CD gekauft, ja spinnst du? Die kannst du doch auch im Internet runterladen.» Teilweise haben die nicht mal das Verständnis, dass das illegal ist. Wenn ich sowas mache, dann muss ich mir doch im klaren sein dass ich nicht anonym bin, das ganze illegal ist und ich auch den Künstler selbst schädige. Ich kann doch nicht in nen Laden gehen und einfach ne CD klauen wenn keiner hinsieht.

    Also Fazit: Für mich ist es OK, wenn jemand Piraterie betreibt, solange er nen gewissen Codex hat und den Künstlern auch wieder etwas zurück gibt. Gleichzeitig muss den Leuten klargemacht werden, dass das Urheberrecht auch durchaus seinen Sinn hat. Es müsste halt nur mal dringend reformiert werden, also, z.B. Verfall des Copyrights 5 Jahre nach dem Tod eines Künstlers (was hat ein Künstler denn dann noch von seinem Werk?)

    Vielleicht ist auch eine «Kulturflatrate» doch keine so schlechte Idee. So wie die Schutzgebühr auf CDs. Damit könnte vielleicht etwas Druck aus dem System gelassen werden. Dafür müssten aber die GEMA reformiert werden und die Verteilung geändert werden, damit das Geld mehr kleineren Künstlern zu gute kommt und nicht Künstlern mit hohen Verkäufen die eigentlich nicht mehr darauf angewiesen sein sollten.

  12. […] deshalb verstehe ich viele Diskussionen wie zum Beispiel diesenicht, geführt von Mitmenschen, deren Meinung ich an sich schätze. Aber an diesem Punkt nicht […]

  13. Anonymous sagt:

    eine dokumentation die genau dieses thema behandelt und noch sehr viel weiter vertieft!

    Steal this film II

  14. Noir sagt:

    Zunächst sollte man doch einmal hervorheben, dass kreative schon immer ein Refinanzierungsproblem hatten. Theater und klassische Orchester existieren hier in diesem Umfang nur dank massiver Subventionen. Das gleiche gilt für die deutsche Filmbranche und die Filförderung. Und wieviele Jobs es im Fernseh/Rundfunkbereich ohne den teuersten öffentlichen Rundfunk der Welt gäbe würde mich auch interessieren.

    Seit Erfindung von Rundfunk und Bild/Tonaufzeichnung hat zumindest in Deutschland höchstens ein kleiner Kreis von Musikern und beim Privatfernsehen beschäftigte gut gelebt. Der Rest hat zu kämpfen oder ist von Umverteilung abhängig. (Mir ist bewußt das das vor allem in den USA anders ist)

    In der Buchbranche gilt doch ähnliches. Ich habe vor einigen Jahren ein Interview mit Martin Walser gelesen in dem er (sinngemäß) aussagte, dass er wenn er zu diesem späteren Zeitpunkt erst starke Auflagen erreicht hätte sich kein Haus hätte leisten können. Wir reden hier von einem Autor der wirklich keine Kleinstauflage veröffentlicht. Was glaubt ihr wo der gefühlte Trend zu immer mehr Lesungen herkommt.

    Was die wissenschaftlichen Veröffentlichungen angeht, kann ich nur von meinem Fachbereich (Jura) ausgehen. Die Auflagen sind hier klein und teuer, die Autoren kämpfen um neu Auflagen (Ausnahme sind die einfach gestrickten Lehrbücher und auf die Praxis zugeschnittene Werke) Aber dies wird wohl vor allem als Hebel genutzt um an Gutachen heranzukommen. Mit diesen kann man offenbar (gerüchteweise) ganz gut verdienen.

    Dei Zeitungen haben schon in den 90ern unter nachlassendem Interesse vor allem bei jungen gelitten. Warum soll das eigentlich heute anders sein? Außerdem haben sie ihr Anzeigengeschäft ans Internet verloren. Anzeigen waren aber das Hauptfinanzierungsinstrument. Sofern wir nicht das Web abschalten werden die Zeitungen das nicht zurückbekommen. Gerade bei Zeitungen dürfte das angedachte neue Leistungsschutzrecht nur zu lasten der Mitarbeiter, vor allem der Freien gehen, wirklich helfen wird es der Zeitung höchstens auf der Lohnkostenseite.

    Ja wir brauchen ein neues System, eines das die Interessen von Nutzern und Kreativen neu ausgleicht und die Macht der Verlage/Vertriebe bricht. Ich glaube keiner hat eine Idee wie das künftig funktioniert. So lange werden wir wohl auf staatliche Umverteilung und Mäzennatentum (für die Kreativen nichts neues) zurückfallen.

  15. Oliver sagt:

    Dieser Film ist ein Ansatz, imho jedoch zu oberflächlich und zudem hinlänglich bekannt. Ich glaube in den Untiefen dieser Publikation wurden schon um den Faktor 100 mehr Ansätze breit diskutiert …

  16. Cartagena sagt:

    Ja, aber genau das ist ja das Problem, das «angebliche» Gemeinsam.

    Mit den gewissen Leuten, die momentan in gewissen Positionen sitzen, erreichst Du momentan keine gemeinsame Basis. Aber das brauch ich im Prinzip auch niemanden zu erklären.

    Das andere Problem ist, denke ich, das worauf die anderen Kommentatoren auch hinaus wollen, wenn ich es richtig interpretiere: es muss sich definitiv auch was gesellschaftlich ändern. Da sind wir ja mit Deinem Artikel eigentlich gar nicht mal so weit weg, der gesellschaftliche Kontext steht.

    Und diese Gruppe, also im Prinzip wir alle, müssen den Weg finden von der Zwangsabgabe zu einer freiwilligen Abgabe. Also wir können geben, wenn wir wollen. Diesen grundsätzlichen Willen sehe ich momentan ehrlich gesagt auch noch nicht wirklich flächendeckend vorhanden.
    Ja, einen geschmeidigen Übergang, nach dem Schalter-Prinzip, wird es da nicht wirklich geben. Genauso denke ich mir, dass da auch was gedanklich bei den Leuten umschalten muss, wolle man etwas freiwillig für etwas geben. Denn eine freiwillige Abgabe würde mit Sicherheit bei den meisten bedeuten, eine Art Wiedergutmachung zu leisten, dafür dass man vorher etwas «illegal» konsumiert hat. Und dann wäre es wieder eine Zwangsabgabe (in den Köpfen) und alles wäre wieder hinfällig.

    Aber prinzipiell stimme ich mit Dir überein. So wie das Internet ist, und so wie wir es alle lieben oder halt eben hassen, sollten wir auch alle(!) es akzeptieren und auf dieser Basis weiterarbeiten. Denn sonst keine Basis und wir werden die momentane Konfrontation ewig begleiten dürfen.

  17. Chris sagt:

    Es wird sich gesellschaftlich nichts ändern. Da wirst Du gegen eine Wand rennen. Ich glaube, damit müssen wir leben. Und eine freiwillige Abgabe wird sich, gerade in Deutschland, niemals durchsetzen. Und Zwangsabgabe wird den Verlegern in den Hals geschmissen…

  18. Helge sagt:

    @Helge: Erstmal wurde der Text von einer einzelnen Person verfasst. Diese Person, nämlich meine Wenigkeit, ist zudem parteilos. Es fehlt bei Dir also schon das Grundverständnis für die Pulikation, auf der Du kommentiert hast. Somit ist Dein gesamter Kommentar hinfällig. #fail

    @Chris: Ok, ich hätte besser trennen müssen zwischen Dir und «den Piraten», und ich hätte auch nicht einfach voraussetzen dürfen, daß Du Dich dieser Gruppe irgendwie zugehörig fühlst. Das Grundverständnis für die Pulikation [sic] fehlt mir sicherlich nicht. Und hinfällig ist mein Kommentar deswegen noch lange nicht (mit Ausnahme des «Ihr macht Euch damit unwählbar»).

    Deine Umgangsformen (Arroganz, «#fail») lassen sehr zu wünschen übrig. Selbst wenn ich jetzt eine total hohle Pfeife wäre, die wirklich gar nichts verstanden hätte, die es aber offenbar gut meint und kein Arschloch ist, wäre Höflichkeit immer noch geboten.

  19. Cartagena sagt:

    Unter der Prämisse bin ich dann davon überzeugt, dass der von mir letzte Satz eintreten wird.

    Aber gut, ist ja nicht so, als hätten wir diese Konfrontation erst seit dem Internet…

  20. Chris sagt:

    #fail ist als Internetausdruck sicherlich kein Ausdruck von Arroganz. Hätte auch böser Patzer mit Smilie hintersetzen können. 😉

    Trotzdem schön, Dich auf dieser Publikation2 zu sehen. 😉

  21. Paul sagt:

    Hm, anfangs war ich doch schon recht überzeugt was hier im Blog geschrieben wurde. Vor allem zu den Internetsperren. Aber leider sehe ich auch auf der Seite derer mit denen ich sympathisiere das typisch menschliche Problem des «übers Ziel hinaus schießens».

    Wenn ich ein Buch schreibe, dann gehört das was ich erschaffen habe mir, dem Autor (nein, ich bin keiner ;o) ). Wenn ich das mithilfe eines Verlages verkaufe ist es meine Sache und mein Recht. Niemand, kein Leser hat ein Anrecht darauf die von mir erstellte «Kunst» umsonst zu bekommen, außer ich will das so.
    Das ich für ein Buch, einen Film oder für Musik etwas bezahlen muss lässt sich in unserem Wirtschaftsmodell nicht anders handhaben. Außer der Künstler verlangt keine Bezahlung.
    Natürlich kann ich Bücher verleihen oder Filmabende veranstalten. Das wird aber sicherlich kein Autor, Komponist oder Verleger in Frage stellen. Sofern er Verstand hat! Was bei uns Menschen leider nicht so oft der Fall ist.

    Künstler sind schließlich auch nur Menschen. Und Menschen haben Bedürfnisse, Träume und vor allem ein Leben. Aber ein Leben lässt sich nur mit Geld finanzieren. Sofern der Künstler sein Wirken zu seiner Arbeit macht, dann soll er damit auch Geld verdienen können. Dem Konsumenten jedenfalls steht es nicht zu das Kunstwerk zum Allgemeingut zu erklären.

    Es ist falsch zu sagen das die Mehrheit es so will. Nur weil die Masse eine Entscheidung getroffen hat heisst das nicht das diese Entscheidung auch gut ist.

    Das Problem wird nämlich schon angesprochen. Irgendwann würde der Künstler aussterben. Aber wieso liegt der nächste Schritt dies zu verhindern an den Künstlern?? Das ist schließlich nicht ihr Spiel. Wenn man sich das von mir Erschaffene einfach nimmt ohne zu bezahlen, nun. Dann gibt es halt keine Kunst mehr. Macht gefälligst selber Musik und schreibt Bücher. Nur werdet ihr irgendwann merken das man von guten Kritiken und weiter Streuung nicht leben kann.

    Das Problem dieses Kommunismus ist eben das die meisten Menschen da nicht mitmachen würden. Mein Haus gehört mir, meine Büchersammlung auch und wenn ich ein Lied schreibe und es als CD verkaufe, nun, dann ist es so.

    Beide Seiten sollten damit aufhören ins Extrem umzuschlagen. Die Gängelung der Kunden mit rigorosen Kopierschutzmethoden geht genauso zu weit wie die plötzliche Forderung nach Allgemeingut.

  22. Chris sagt:

    Vielleicht sollte ich noch einmal erwähnen, dass ich hier über die Gesellschaft als abstraktes Gebilde philosophiere und obige Zeilen nicht differenziert meine Meinung widerspiegeln. Wie ich persönlich die Sache sehe, hat Oliver hier anschaulich beschrieben.

  23. Cartagena sagt:

    @Helge: Was im Übrigen das angebliche Haha der Piraten angeht, schau einfach mal ins Wiki. Es sind durchaus Leute daran interessiert an alternativen Konzepten zu arbeiten.

  24. Anonymous sagt:

    Ein sehr klarsichtiger Kommentar auf der EmbassyOfPiracy-Website spricht mir diesbezüglich aus der Seele:

    «I feel genuinely sorry for people who can’t imagine any motivation to create except money. Do they really think that the best music, art, literature, film, etc., came from someone’s greed? These things come from people who would be driven to create whether or not they’d be getting paid; people with talent and passion are tough to stop. Think about the things that get made because someone just wants to make a buck — are they really “quality”? Would the world really be such an awful place without reality TV, bland ro-coms and bro-coms, and autotuned pop albums?»

    Dem ist nicht viel hinzuzufügen…

  25. Anonymous sagt:

    @Paul Wenn ich ein Buch schreibe, dann gehört das was ich erschaffen habe mir, dem Autor
    Die Frage ist doch, ob Du derjenige bist, der dann mit dem Buch auch Geld verdienen kann. Oder ob nicht doch ganz andere das Geld damit verdienen, die es zwar nicht «geschaffen» haben, aber die es z.B. «verwerten» oder «vermarkten». Schau z.B. mal hier, letzter Absatz.

  26. Tim sagt:

    Ich möchte da schnell noch den halbwegs beachteten Text von Kristian Koehntopp in den Raum stellen:

    Falscher Planet, falsches Jahrtausend

    Und ich mein, er hat doch einfach nur recht, das Wesen der IT ist das Kopieren. Von Festplatten in Speicher, von Rechner zu Rechner über Netze, selbst sowas, was man «Streaming» nennt und so tut als sei das was anderes, ist kopieren (inklusive Zwischenspeichern in RAM und auf Festplatte). Es ist technisch außer DRM tatsächlich nichts denkbar, was das verhindern könnte, und auch wenn das noch nicht vollständig gescheitert ist (die Filmfreunde versuchen da ja noch immer die absolut geschlossene HD-Kette), es sieht doch auch eher zweifelhaft aus.

    Und bis dahin IST DAS EBEN MAL EINFACH SO. Man kann dazu stehen wie man will, man kann Kulturflatrates gut oder scheiße finden, aber es wird kopiert. Der gemeine Tauschbörsler ist auch eine ähnlich abgehärtete Spezies wie der Raucher, der sich die Zigarette an sein Loch im Kehlkopf hält. Da kann noch so sehr geklagt werden, das wird kaum einen vom kopieren abhalten. Die Sensibilität wird vielleicht zunehmen, Leute werden von sich aus wohl eher Sachen kopieren, wo das Risiko geringer ist (und damit den ehemaligen Gatekeeper-Konzernen auch noch die Reichweite verringern). Aber das wars auch schon, der Rest ist so und wird so bleiben.

    Es gibt natürlich noch ein paar nicht-technische Ideen, vor allem halt via Gesetzgeber, was dem Gorny da so vorschwebt. Aber selbst wenn man damit das Kopieren eindämmen würde, es ist doch totaler Hirnriss zu glauben, dass die verlorenen Schäfchen dann auf einmal wieder bezahlen, als hätte es Napster nie gegeben. Seit bekannt geworden ist, dass insbesondere die lieben Pornofreunde von Serienabmahnern beglückt werden, gehen die halt zu youporn. Aber sie bestellen doch nicht auf einmal DVDs.

    Natürlich hat keiner was dagegen, wenn Künstler mit ihren Sachen Geld verdienen wollen. Aber so bequem wie bisher funktioniert das eben nicht mehr, und nochmal, es ist irrelevant, ob man das gut oder schlecht findet. Man wird neue Modelle finden müssen, und wir werden so frühe Experimente wie das von Stephen King damals frustriert abgebrochene «Riding the Bullet» alle wieder sehen. Aber in der Tat, da sind jetzt erstmal die Kreativen bzw. ihre Vermarkter am Zug.

  27. Chris sagt:

    Der Text ist bereits oben im Artikel verlinkt. Ich kann ihn auch ein stückweit nachvollziehen — ich finde es aber höchstbedenklich, wenn die eigene Sicht derart eingeschränkt ist und das eigene Leben nur aus diesem 200% Nerdtum besteht. Das Leben hat mehr zu bieten. Nur weil wir solche Texte nachvolziehen können, muss bei sowas nicht immer geklatscht werden. Solche Texte schüren Vorurteile über eine gesamte Generation.

  28. Oliver sagt:

    Man kopiert, definiert dies als ehernes Gesetz und träumt von einem fantastischen Modell für Kulturschaffende. Ein mehr als asozialer Habitus, welcher jenem der Content-Mafia in nichts nachsteht.

    Solange unsere Gesellschaft derart funktioniert, ist auch die Kopiermaschine diesem System unterworfen. Dies bedeutet in der Praxis weniger Kulturschaffende und mehr Müll, welcher mittels dieser Kopiermaschiene wiederholt verdaut wird. Man fordert «Gerechtigkeit», freie «Kultur» und bietet jenen die sich an Kultur aktiv beteiligen allenfalls einen dummen Spruch, um die Jäger– u. Sammlermentalität zu rechtfertigen. Absurd und wie man sieht findet man die Kulturschmarotzer nicht nur auf Seiten der Content-Mafia.

    Ich nenne ein weiteres Gesetz: die Kulturflatrate für alle. Hochpreisig und nicht stetig fallend wie die DSL-Preise. Entweder bekommen wir noch mehr Überwachung, sowie drakonische Strafen oder letzteres. Allgemein bemerken es jedoch auch die Nutzer der allgegenwärtigen Kopiermaschine, Arbeit verliert mehr und mehr an Wert. Nennt man dann wohl ausgleichende Gerechtigkeit. Ist eben so, die Gesellschaft ist ein asozialer Haufen.

  29. cypher sagt:

    Nunja
    mag sein das ich in meinem Denkprozess noch nicht weit genug gekommen bin aber ich finde das simple Möglichkeiten zum freiwilligen Zahlen einer «Aufwandsentschädigung» für den/die Schaffenden nicht die schlechteste Idee zu dieser Problematik sind.
    Zumindest ein Ansatz .… vielleicht auch zu romantisch gedacht … aber wenn ich ein Werk konsumiert habe, sei es ein gutes Buch/Musikstück, ein guter Text oder Film habe ich duchaus das Bedürfniss mich zu Bedanken das es diesmal kein langweiliges «Machwerk» war. Das muss schnell gehn denn ich muss gestehen dieser Moment ebbt ab. Und es soll keinem Zwischenhändler zukommen sondern eben dem Kreativen (zumindest eben zum größten Teil nicht wie bisher zu 3–4%).
    Wenn man da dann den Verlust durch diejenigen bisher des Filesharing nicht mächtigen und nun nur saugenden dem steigenden Anteil der Vergütung der so direkt beim Kreativen ankommt gegenüberhällt … sähe das wirklich so schlecht aus?

  30. Jens sagt:

    Das Beispiel von Freeware, Shareware bzw. Open Source zeigt ja in seinen Anfängen, dass es durchaus funktionieren kann mit kostenloser Software auch Geld zu verdienen. Sicherlich werden die wenigsten davon reich, weil nur ein kleiner Teil aus Dankbarkeit etwas überweisst. Die meisten User freuen sich, wenn sie etwas umsonst mitnehmen können und sehen es als Geschenk.
    Diese Einstellung wird sich mehr und mehr ändern, he mehr kostenlose Software angeboten wird…

  31. Oliver sagt:

    >Diese Einstellung wird sich mehr und mehr ändern, he mehr kostenlose Software angeboten wird

    In wie kommst du zu dieser Annahme? Der finanzielle Support ist seit Jahren rückläufig trotz einem stetig steigenden Angebot an freier Software. Brutal ausgedrückt: jener der gestern MS Office kopierte, steuert heute in der regel keinen Iota zu FOSS bei. Was anstieg ist der Support seitens der Firmen, ohne diese wäre das Gros der bekannten Projekte undenkbar. Beispiele sind Legion, Stallmans und Raymonds Träume sind auch heute nicht mehr als Schäume. Der Mainstream schmarotzt und die übrigen wenigen können nicht wirklich etwas reißen.

  32. Tag !

    weiß nicht, obs etwas zur heißspornigen Diskussion beiträgt, aber ich mochte die nüchtern-sachliche Art, wie das Thema Copyright hier aufbereitet wurde: Die Rede ist vom Film «Good Copy, Bad Copy», den die BpB für fast umme in einer klug gemachten Edition herausgibt: Good Copy Bad Copy und der nicht nur das Problem, sondern auch Lösungsansätze aufzeigt.

    [falls zu alt und bedeutungslos, Kommentar einfach löschen]

  33. Ein Mensch sagt:

    Erstmal ist es Blödsinn, dass sich Online mit kreativen Werken kein Geld verdienen lässt. Der Trick liegt wie immer im Mehrwert. iTunes ist das beste Beispiel. Die verdienen doch sehr gut, weil sie einen Mehrwert anbieten. Auch andere z.B. amazon drängen in den Markt. Die würden das nicht tun, wenn die nicht die Dollarzeichen in den Augen hätten.

    Andererseits muss man den Kritikern auch mal entgegenhalten, dass die Verwertungshoheit im Urheberrecht doch eine recht neue Erfindung ist, vielleicht ein paar hundert Jahre alt. Kreativität und Kunst aller Art gab es aber auch lange davor, und Werke sogar in einer viel höheren Qualität. Insofern bliebe abzuwarten, was passiert wenn man die Verwertungsrechte im Netz durch eine uneingeschränkt legale Privatkopie deutlich abwerten würde.

    Nicht abschaffen sollte man natürlich das Urheberpersönlichkeitsrecht, also das Recht an ein Werk seinen Namen permanent anzuheften. Da sollten wir uns auch nicht mit dem einfach veräusserbaren Copyright aus dem angelsächsischen Raum zufriedengeben.

  34. Oliver sagt:

    Was hat die Dummheit der itunes-Nutzer oder jenes Angebot per se seitens Amazon mit Kreativität zu tun? Mehrwert? Ich glaube wir reden hier von völlig verschiedenen Dingen. Amazons «Idee» beispielsweise ist die digitale Form des «Quellekatalogs». Aber wiederum auch ein völlig anderes Metier.

    > Andererseits muss man den Kritikern auch mal entgegenhalten, dass die Verwertungshoheit im Urheberrecht doch eine recht neue Erfindung ist, vielleicht ein paar hundert Jahre alt.

    Die Aussage ist natürlich Humbug derart. Zu jeder Zeit gab es derartige Bestrebungen, die zumindest national durchgesetzt werden konnten, global im begrenzten Rahmen allenfalls mit Krieg oder mit Zöllen. Bis in die griech. Antike kann man selbst Diskussionen diesbezüglich zurückverfolgen. Die ideale Gesellschaft vergangener Tage sucht man. also vergeblich. Und bis zu einer gewissen Zeit ist ein derartiger Schutz auch legitim, wie sonst sollte jemand auf einem hart umkämpften Markt überhaupt seiner Profession nachgehen können. Nur grenzenlos sollte diese nicht sein, einzig ein Schutz in der Anfangsphase. Jener sollte später fallen, um dann den kreativen Remix wieder der Gemeinschaft zuzuführen a la Public Domain.

  35. Ein Mensch sagt:

    Das magst du so sehen.

    […] Das Thema ist schon von richtigen erfahrenen Ökonomen und Spieltheoretikern (Michele Boldrin und David K. Levine) umfassend abgehandelt worden, in ihrem Buch «Against Intellectual Monopoly», das man natürlich nicht nur bei Amazon kaufen, sondern auch kostenfrei im Internet saugen kann:

    Against Intellectual Monopoly

    Das IMHO wesentliche Argument ist: Menschen haben zu allen Zeiten Musik gemacht (wir kennen Flöten aus der Steinzeit) und Geschichten erzählt, und fast nie und nirgends gab es ein Urheberrecht, um ihnen ein Monopol auf ihre Lieder oder Geschichten zu geben. Wenn ein Bedarf dafür da ist, wird das auch bezahlt, wenn über den Bedarf hinaus oder am Markt vorbei produziert wird, eher schlecht. Das gilt für Milchbauern ebenso wie für Pop-Musik. Monopole korrumpieren, und genau das erleben wir ja auch. Am deutlichsten bei Software, denn das, was Microsoft sich da leistet (mit schlechten Produkten einen riesigen Reibach machen), würde in einem freien Markt völlig unmöglich sein. […]

    (kopiert von: Piratenpartei)

  36. Falk sagt:

    Das IMHO wesentliche Argument ist:

    Wegen mir, aber dann einfach einem Künstler das Recht absprechen, von seiner Kunst existieren oder besser noch leben zu können, wird immer fein säuberlich ausgeblendet. Es ist wirklich aufregend, einer Kultur beim Niedergang zuzuschauen…

  37. Oliver sagt:

    >und fast nie und nirgends gab es ein Urheberrecht, um ihnen ein Monopol auf ihre Lieder oder Geschichten zu geben.

    Schöne Zitate Mensch, doch von Ahnungslosen verfaßt. Es gab sehr oft Arten von Gebietsschutz, Produktschutz, quer durch die Geschichte der Menschheit — und oft genug hatte dies auch desaströse Wirkung auf die Verbreitung von Informationen.

    >Das magst du so sehen.

    Im Gegensatz zu den «Nerds» beschäftige ich mich mit dieser Materie schon etwas länger und sammle nicht nur wohlfeil Zitate um meine Jäger– u. Sammlermentalität adäquat zu rechtfertigen. Im Namen einer Kultur welche jene meist nur dann gebrauchen, wenn es darum geht diese zu mißbrauchen — die andere Seite, vertreten durch die Content-Mafia, tut es ihnen gleich und argumentiert ähnlich grenzdebil.

    Kurzum ich sehe es nicht nur so, ich kann es auch als Historiker anhand diverse Quellen etc. pp. belegen — Eigentum, Abgrenzung, Schutz von Technologie usw. das alles läßt sich teils schon bis ins Neolithikum zurückverfolgen. Nur diese angestrebte goldene Mitte gefällt weder jenen mit Mitnahemqualitäten, noch jenen anderen Kontrollfreaks der Industrie — eine Ausbeutung findet so oder so statt. Das wesentliche Argument ist also gar keines, wenn auf Basis mangelnder historischer Bildung eine Annahme getroffen wird.

    >aber dann einfach einem Künstler das Recht absprechen, von seiner Kunst existieren oder besser noch leben zu können

    Und dieser Punkt, den Falk da anspricht, ist genau jener der mir zusehenst übel aufstößt. Hier wird von Kultur und Gerechtigkeit gelabert, dabei dient dieses Gefasel alleinig der Ausbeutung. Wenn es sich tatsächlich um Kultur dreht, nämlich um die Förderung, Verbreitung oder auch Schaffung von dergleichen, dann schaut man nur wenige die helfen. Beim Hand aufhalten jedoch ist man recht schnell dabei, ebenso das Ego auszuleben und somit asoziales Verhalten gegenüber anderen zu wirken.

    Oder ganz simpel für den gemeinen Nerd: Gerechtigkeit ist keine Einbahnstraße. Man kommt den Künstlern entgegen, hilft diesen bei der «Selbstverwertung» und führt somit die Industrie ad absurdum. Gleichsam übt sich die heutzutage aufkeimende Netzinfantilität in Respekt, gönnt den Kreativen eine Art «Welpenschutz» ( z.B. 5 Jahre) und genießt später Kultur in vollen Zügen — im Gegenzug freuen sich jene Kreativen und können fleißig weiter wirken. Man kann natürlich auch grenzdebil alles oder nichts fordern und dabei zusehen wie Kultur den Bach hinunter geht — denn wer möchte schon kreativ sein. Wer geht schon gerne kostenlos arbeiten?

    Ich bin also weder gegen Piraten, noch für Piraten, ich mag die Industrie auch nicht, mir geht es lediglich um die Kultur per se und den Respekt vor Kulturschaffenden. Solange dies ignoriert wird sehe ich diejenigen mit diesem grenzdebilen Standpunkt als Schmarotzer an. Ergebt euch euren Nullen und Einsen, werft die Kopiermaschine Internet an und laßt euch ebenso von der Wirtschaft und dem Staat als Nullen und Einsen behandeln. Menschen und Kultur jedenfalls findet ihr dort nicht, da wäre ein Miteinander dieses Thema Nummer Eins und nicht euer Ego.

  38. Carlos sagt:

    Interessante diskussion… ich frage mich nur gerade — diese dauer-«für lau» downloadenden Kiddies und Erwachsenen haben doch das beste Beispiel täglich vor Augen… Politiker, Manager, Prominente, die sich auf Teufel komm raus bereichern, wo es nur irgendwo geht — auf Kosten der Allgemeinheit und «nach mir die Sindflut».
    Das kriegen insbesondere Jugendliche sofort mit (Kinder und Jugendliche haben ein sehr feines Gespür dafür, wer sie anlügt…)! Und wenn man ihnen dieses ganze Volk schon als Vorbild hinstellt, dann ist es doch kein Wunder, das gesaugt wird ohne Ende, die «Vorbilder» machen es ja genau so!

  39. Oliver sagt:

    >dann ist es doch kein Wunder, das gesaugt wird ohne Ende, die “Vorbilder” machen es ja genau so!

    Das sehe ich als Tatsache an, andererseits braucht man dann jedoch auch nicht Kultur, Freiheit, Gerechtigkeit etc. heucheln, wenn man es jenen nur gleichtun möchte. Einfache Sache, oder? Man sagt einfach her damit, wir wollen es haben und entgeht somit auch der Gefahr sich auf argumentatives Glatteis zu begeben und sich der Lächerlichkeit Preis zugeben. Und irgendwo bezweifle ich, dass alle Jugendlichen heutzutage Zombies gleichen und hirntot alles fressen was man ihnen vor die Füße wirft. Man müßte diese mit Informationen versorgen und zum selbstständigen Denken animieren, dieses Mitlaufen in einer Gruppierung, welche u.U. vordenkt, kann zu einem späteren Zeitpunkt immer noch statt finden.

  40. Carlos sagt:

    Ich weiß nicht, ob das relevant ist, aber ich denke es ist auch eine frage des Preises… wenn ich überlege, das ich «damals» für eine Langspielplatte ca. 16 D-Mark bezahlt habe — und ich hatte mal an die 3000 davon — und dann sehe, das ich für eine neue CD fast 30€ bezahlen soll (von denen habe ich auch so ca. 1500 — alles aus besseren eigenen Zeiten), dann frage ich mich schon, ob das nicht auch ein Anreiz ist, sich die Musik, die man mag, irgendwo aus dem Internet zu organisieren…
    Von Konzerten und deren Wucherpreisen will ich mal gar nicht erst anfangen…
    Aber klar ist wohl auch, das Internet hat so einiges verändert, und da kommt man dann auch mit den alten Methoden des Copyright so nicht mehr weiter… schwieriges Thema, würde ich mal sagen.

  41. Falk sagt:

    …zum selbstständigen Denken animieren

    Also aus Schulen wieder Bildungseinrichtungen machen — das fänd ich eine sehr symphatische Idee.

  42. Falk sagt:

    das ich für eine neue CD fast 30€ bezahlen soll

    Ich les hin und wieder solche Preise, aber mal im Ernst — ich zahl für keinen Download mehr als 10 und die letzten CDs, welche ich mir zulegte, kosteten im Schnitt 12 Euro…ich kann dieses Argument also weder nachvollziehen, noch verstehen. Und mal ehrlich — dem Durchschnittssauger ist es doch egal, ob die CD nun 20 oder nur 2 Euro kostet — er holt sich den kostenfreien Download nebenan und argumentiert dann mit den Kosten für seinen DSL-zig-trilliarden-Bytes-Anschluss. Aber kaum werfen Kreative dann die Forderung in den Raum, daß sich doch bitte Zugsangsanbieter an dem Ausgleich zu beteiligen haben, kommt aus der Richtung der Filesharer das Argument «Ich bezahl ja schon GEZ» und von seitens der Internetindustrie-Lobby ebenfalls ein riesen Geschrei. Ich hätt echt gern mal faire Argumentionen fern ab von «selber Schuld, wenn du Kunst machst» erlebt.

  43. Oliver sagt:

    Bah das ist doch nonsense, das Gros der Musik bekommt man für recht zivile Preise. Bei Filmen ist es noch drastischer, ein halbes Jahr gewartet oder gar weniger und man bekommt selbst Knaller für knapp 7–12€. Sicher existieren 20€+ CDs, aber oftmals findet man diese in zwei Varianten wieder — sinnlose Extras einerseits oder Musik-Extrakt andererseits. Es existiert natürlich vereinzelt überteuertes Zeugs, muß man aber nicht kaufen und auch nicht einfach so nehmen.

  44. Ein Mensch sagt:

    @oliver: Ich habe deinen Beitrag noch einmal gelesen. Ich glaube wir reden aneinander vorbei und meinen eigentlich dasselbe.

    > Nur diese angestrebte goldene Mitte …

    strebt die Piratenpartei doch eigentlich auch an. Die Verkürzung der Schutzfristen sehen wir doch auch als sinnvollen Kompromiss, für die kommerzielle Nutzung. Unterscheiden tun wir uns also höchstens in der uneingeschränkten Anerkennung des Rechts auf Privatkopie. Wir meinen halt, dass nur das massenhaft kopiert wird, was eh schon kommerziellen Erfolg hat. Und bei den «Kleinen» führt die private Kopie eher zu einem Werbeeffekt, der dem Künstler eher von Vorteil ist.

  45. Oliver sagt:

    Wir sprechen doch fortwährend über reale Sichtweisen, Fakten die man hinnehmen muß. Nun ein Fakt ist es ebenso, dass die private Kopie unlängst einer Kopiermaschinerie im gigantischen Stil gewichen ist. Können wir doch auch als gegeben hinnehmen, oder? Nun dann stellt sich weiterhin die Frage: wenn ich für einen gerechten Umgang mit Kultur bin, wie handhabe ich dies alles? Wir müssen nicht über die wenigen Millionäre im Business reden, die Millionen verdienen, wenn sie sich im TV zeigen. Reden wir lieber über die Millionen kleinen Kreativen, die erst einmal die Mittel benötigen um ihrer Kunst überhaupt adäquat nachkommen zu können. Laissez-faire kann nicht die Antwort sein, denn wir alle wissen, dass es ohne ein Miteinander auch keine Lösung geben kann. Und eine Lösung kann nur auf gegenseitigem Respekt basieren. Es gehört btw. mehr dazu als kleine Gruppe ein Album unter der CC zu veröffentlichen, als beispielsweise 5€ an diese zu spenden. Nur eine Idee …

  46. henteaser sagt:

    Ein Punkt, der mir (zumindest beim Querlesen hier und anderswo) viel zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass schon immer die wenigsten Künstler von ihrer Kunst leben konnten. Dieser Zustand hat sich durch die technische Entwicklung eher verschlechtert. Jeder PC hat das Potential zum Tonstudio, Schneideraum, Atelier oder Arbeitszimmer; Digitalkameras sind erschwinglich, kritische Texte bloggen und eigene Fotos hochladen alltäglich.

    Und nun sind zwar viel mehr Menschen als früher in der Lage, Kunstwerke zu schaffen, Texte zu schreiben usw. UND noch dazu ein riesiges Publikum zu erreichen. Doch sie (also wir alle) müssen, statt dass ihre Leistung unterstützt wird, für jede neugekaufte Festplatte und bald auch jede Speicherkarte an etablierte Unterhaltungsindustrielle Pauschalabgaben zahlen oder aber sich von Rechteverwertern wie Dung behandeln lassen.

    (Beispielsweise, indem dieser Menschenschlag die DVD-Fassung beliebter Fernsehserien mit Ersatz-Soundtracks ausstattet, weil die echten Musikrechte zu teuer wären. Vergleichbar ist dieses Vorgehen mit der Entfernung markenrechtlich geschützter Begriffe aus Romanen.)

    Ähm… Jedenfalls ist die Frage «Wie wollen wir die Kreativen im Netz bezahlen?» falsch gestellt. Bzw. klingt danach, dass es eine echte Grenze zwischen zahlenden Konsumenten und Denen, die kreativ und unterstützenswert sind, gibt.

    Was nicht hinhaut. Bereits jeder Blogbeitrag und jede dazugehörige Kommentarfeld-Diskussion ist eine Leistung, die es zu honorieren gilt. Die Frage sollte also eher lauten, womit wir unseren KünstlerkollegInnen Respekt zollen wollen — mit Paypalcents, Verlinkung oder was auch immer.

  47. Falk sagt:

    dass schon immer die wenigsten Künstler von ihrer Kunst leben konnten.

    Mittlerweile gibts sogar eine Menge Menschen hierzulande, die von ihrer Arbeit ebenfalls kaum oder gar nicht mehr leben können. Auch selbst schuld?

  48. Oliver sagt:

    >Bereits jeder Blogbeitrag und jede dazugehörige Kommentarfeld-Diskussion ist eine Leistung, die es zu honorieren gilt.

    Nein gilt es nicht, zumindest bei uns nicht. Wir machen es aus Spaß an der Sache, Respekt aber ist es, wenn man einsieht dass andere u.U. mit etwas Geld verdienen müssen. Nebenher werfe ich auch mal die Schöpfungshöhe in den Raum und es ist gut, dass es diese gibt.

    >Jeder PC hat das Potential zum Tonstudio, Schneideraum, Atelier oder Arbeitszimmer; Digitalkameras sind erschwinglich, kritische Texte bloggen und eigene Fotos hochladen alltäglich.

    Und dennoch partizipieren recht wenige oder bieten meist nur ihre «Werke» recht eingeschränkt feil bzw.lapidar mit © versehen. Ihr gutes Recht in dieser unserer Freiheit, aber gleichermaßen finde ich unter jenen vermehrt Gesellen die wiederum von anderen eine Art von Freigiebigkeit fordern, die sie selbst nicht einmal im Traum verwirklichen. Ausnahmen? Im Web 2 die Regel.

  49. henteaser sagt:

    @Falk: Das ist dann der Punkt, wo aus der Urheberrechte-Diskussion eine über Bürgergeld und Systemänderung werden sollte. Wir erinnern uns: Genau wie das Denken und Kunstschaffen wird Hausarbeit wird nicht wirklich belohnt und ist somit «nichts wert» dank des superduper Kapitalismus.

    @Oliver: «Und dennoch partizipieren recht wenige». — Flickr, Delicious, Wikipedia, Blogs, Jamendo, Archive.org, Flashgames und lbnl auch die Heiseforen und Abgeordnetenwatch etc. werden von recht wenigen Menschen mit unbezahlten, aber prinzipiell geldwerten Inhalten gefüttert?

    So habe ich das noch nicht gesehen.

    Und wenn ja, dann liegt das sicher nicht an den Menschen, die bisher kaum oder keine (Web-)Contentschmiede sind, sondern an der fehlenden Aufklärung.

    Die Einschätzung, «wir machen es aus Spaß an der Sache» hat nichts damit zu tun, ob das, was wir tun, honoriert werden sollte statt gemaßregelt oder als Freizeitgestaltung abgetan. Wir müssen unsere Werke ernst nehmen, sonst nehmen uns die Internetausdrucker ebensowenig ernst.

    —-

    ZEIT ONLINE: Frau von der Leyen, verstehen Sie die Enttäuschung, wenn
    Frau Heine sagt: Wir sind so viele, und niemand hört auf uns?

    von der Leyen: Ich kann das Gefühl schon nachvollziehen, aber eine
    Onlinepetition ist mit einem Klick unterschrieben …

    Heine: … das stimmt nicht!

    von der Leyen: Okay, vielleicht braucht es zwei, drei Minuten.

    Ihnen ist egal, was wir denken

  50. henteaser sagt:

    Oh, und noch was: Wer nun meint, die einzige Art, etwas zu professionalisieren sei, Traumpreisschilder draufzukleben, hat zu kurz gedacht. Denn je größer das Angebot ist, desto niedriger sind die Preise. Jetzt ratet mal, wieviel so ein Musikstück eigentlich wert ist, weil heutzutage jedermensch und seine Mutter emulierte Drumcomputer befüttern und CC-lizensierte Werke ins Internet Archive hochladen kann.

    Was wir brauchen, sind Medienkompetenz-Lehrgänge, deren Teilnehmer nicht etwa hauptsächlich erfahren, dass Raubmordkopieren teh eevil ist und wie man iTunes bedient, sondern in denen logisches Denken und ‘out-of the box’-Ideenfindung trainiert wird.

  51. Oliver sagt:

    >Wer nun meint, die einzige Art, etwas zu professionalisieren sei, Traumpreisschilder draufzukleben, hat zu kurz gedacht.

    Davon redet hier keiner.

    >Jetzt ratet mal, wieviel so ein Musikstück eigentlich wert ist

    Ich denke Falk muß da kaum raten.

    >Flickr, Delicious, Wikipedia, Blogs, Jamendo, Archive.org, Flashgames und lbnl auch die Heiseforen und Abgeordnetenwatch etc. werden von recht wenigen Menschen mit unbezahlten, aber prinzipiell geldwerten Inhalten gefüttert?

    Bei Flickr prangt beim Gros der Werke ein ©, bei diversen Weblogs ebenso. Andere lizensieren unter irgendeiner Lizenz und fordern jedoch allgemein uneingeschränktes Kopierrecht. Warum sollte ich einerseits deren CC respektieren und gleichermaßen das Recht der anderen auf ihr © mit Füßen treten bzw. deren Selbstaufgabe «im Namen der Kultur» fordern?

    >Wir müssen unsere Werke ernst nehmen

    Schau ich nehme mich ernst und mache es dennoch mit Spaß an der Sache. Ich kritisiere, übe mich jedoch nicht im Diktat.

    Um es mal etwas deutlicher auszudrücken mit den Worten Joseph Weizenbaums: Das Internet ist ein großer Misthaufen, in dem man allerdings auch kleine Schätze und Perlen finden kann.

    Ein überschätzt empfundene Wertigkeit des eigenen Tun und Handelns ist der erste Schritt hin zu einem übersteigerten Ego. Was wir brauchen sind keine Medienkompetenzlehrgänge, sondern Menschen mit einer grundlegenden Intelligenz und breitgefächertem Wissen per se, sowie der Fähigkeit auch losgelöst vom Mainstream zu agieren. Daraus folgt Kompetenz in jedwedem Bereich, bzw. der Drang sich diese anzueignen bevor man «Meinungen» z.B. im Netz der Allgemeinheit wohfeil bietet und sich letztendlich nur der Lächerlichkeit preisgibt. Fachidioten existieren schon zu genüge, im Web, unter den «Nerds», bei den ITlern usw., die vermeinen alles zu wissen und dennoch ebenso einzig ihr Medium der Wahl «kennen und lieben», aber den Rest der Welt arrogant ignorieren.

    Hier müssen sich «beide Seiten» entgegenkommen, Respekt ist das Stichwort und dieser ist vielen, wie man exemplarisch hier in diversen Kommentaren schaut, abhanden gekommen oder nie zuteil geworden.

  52. Falk sagt:

    Das ist dann der Punkt, wo aus der Urheberrechte-Diskussion eine über Bürgergeld und Systemänderung werden sollte.

    Ich kann und möchte das auch in keinster Weise trennen. So, wie mir das Wohl unserer Künstler am Herzen liegt, tut es dies auch für alle anderen Menschen, die mit ihrer Arbeit (ob nun bezahlt oder unbezahlt) zum Gemeinwohl beitragen. Es wird doch politisch nicht ohne Grund diese Art der Diskussion immer gegenüber anderen Diskussionen, die sich ebenfalls um das Ein– bzw. Auskommen einer Gesellschaft drehen, abgegrenzt und auf Inseln geführt. Damit bloß keiner merkt, daß dieser schwarz-rot-gelbe Unfug von Eigenverantwortung ganz großer Bullshit ist.

    Aber wie tief diese Denkweise schon indoktriniert wurde, sieht man allein an der Urheberrechtsdiskussion…ein Gemeinsam gibts für viele Menschen schon gar nicht mehr.

  53. henteaser sagt:

    @Oliver:

    «[Von Traumpreisschildern] redet hier keiner.» — Obwohl es darum geht, ob und wie die tewilweise arg austauschbaren* Kulturgüter in bare Münze umgesetzt werden können? (*Stichwort Jungle; ein Musikstil, basierend auf einem sechssekündigen, illegal gesampelten Drumloop.)

    Amen Break

    Preisbindung funktioniert offline verhältnismäßig einfach, sofern man auf Tour oder Lesereise geht, Portraits malt oder im Auftrag anderer Texte verfasst. Online hingegen erzeugt so gut wie jeder ‘Klick’ (auch so ein vonderLeyen-Fachbegriff) weitere Kopien.

    Ich finde es übrigens auch unlogisch, wenn einerseits über die böse Musikindustrie und ihre Weichspülprodukte gelacht und gleichzeitig wöchentlich die TopTen filegeshared wird. (Wer auch immer das macht.) Wenn schon, dann konsequent sein und die Künstlern bzw. «Künstlern», die unbedingt überbezahlt werden wollen, boykottieren.

    Wobei: Wenn «deren Selbstaufgabe ‘im Namen der Kultur’» dazu führt, dass endlich ordentliche (weil nicht im Sinne alberner Urheberrechtsregelungen veränderte) Editionen diverser Filme und Serien auf den Markt kommen oder keine Jugendlichen mehr verklagt werden, die Youtube-Vids mit Sommerhits unterlegen, spricht wenig dagegen.

    «Ein überschätzt empfundene Wertigkeit des eigenen Tun und Handelns ist der erste Schritt hin zu einem übersteigerten Ego.» — Andererseits gibt es zur Genüge Musikstücke, Filme und Kunstwerke, die nur deshalb weltberühmt sind, weil sie von Menschen mit übersteigertem Ego sowie einem pervers großen Werbeetat angepriesen wurden.

    «Menschen mit einer grundlegenden Intelligenz und breitgefächertem Wissen» — Genau meine Rede. Jeder Lernstoff wird dank der Medien verbreitet. Auch Sprache ist ein Medium. Deshalb Medienkompetenz: Informationen verstehen, verarbeiten und durchdenken lernen.

    «Fachidioten existieren schon zu genüge» — Und daran ist nichts falsch. Ich lese beispielsweise lieber Fachtexte über Erziehung von Psychologen oder Soziologen, als von Ex-Nachrichtensprecherinnen.

    «den Rest der Welt arrogant ignorieren» — Vergleichbar etwa mit Prof. Dr. Dr. Gorny, der die «three strikes»-Regelung angebracht findet bei Menschen, die z.B. eine DJ-Bobo-Diskografie ‘ins Netz stellen’? (Und Taschendiebe dürfen nie wieder mit Bargeld zahlen.)

    «Bei Flickr prangt beim Gros der Werke ein ©» — Ich schätze mal, weil das die Standardeinstellung ist.

    «Respekt» ja, aber nicht gegenüber Kulturbanausen wie Gorny und den Heidelberger Apellanten, die die Zukunft aufhalten wollen.

  54. Oliver sagt:

    >Obwohl es darum geht, ob und wie die tewilweise arg austauschbaren* Kulturgüter in bare Münze umgesetzt werden können?

    Ich tue mir den Rest nicht mehr an, da ich diese Diskussionen und die Arroganz bzw. Einfalt beider Seiten leid bin. Aber soviel noch, ich erachte «Neuschöpfungen» als kulturelle Remixe, diese basieren auf Dingen die schon dagewesen waren. Nun gut, aber auch dabei wirkt ein kreativer Prozeß. Ein Prozeß der mir persönlich(!) zwar bei Fettecken a la Beuys irgendwie verlustig geht, doch Kultur ist eben lebendig und durch Vielfalt geprägt. Was sich heute dem naiv Wertenden vielleicht nicht erschließt, kann in hundert oder mehr Jahren dem Kulturhistoriker Aufschluß bezüglich dieser vergangenen Gesellschaft geben.

    Ob all dies teils arg austauschbar ist, was Kultur so en detail hergibt, wage ich zu bezweifeln. Einfach aus diesem Grund, da viele meist nur ihren eng begrenzten Horizont diesbezüglich als Maß ansehen und die Vielfalt außer acht lassen. Bei Beuys dreht sich mir wie gesagt der Magen um, aber mitunter gab oder gibt er Anreiz zu eine kreativen Prozeß (und wenn nur ob der Antipathie ihm gegenüber) der mir gefällt(Gefallen ist etwas persönliches).

    Wie entlohnt man ergo? Nun Schmarotzer nutzen und relativieren den Wert gleichermaßen, Menschen mit Gerechtigkeitssinn und Respekt gegenüber dem kreativen Schaffen entlohnen denjenigen entsprechend ihren Möglichkeiten. «Welpenschutz» je nach Güte (Umfang etc. pp) zw. 5–10 Jahren, Zeit genug sich zu finanzieren, respektive weiter der Kunst zu fröhnen — danach Gemeingut. Utopisch sicherlich, die einen wollen halt für lau ohne Gegenleistung (aka Kulturbeutelmentalität), die anderen wollen mehr und mehr mit stetig sinkendem Gegenwert (aka Content-Mafia). In der Mitte wird man sich nicht treffen und solange keine Revolution im Anmarsch ist, wird man mehr überwachen, drakonische Strafen ersinnen und den Michel, diesen Deutschen, kriminalisieren. Kultur stirbt so oder so, oft in der Geschichte zu beobachten — damals allerdings selten ob monetärer Zwänge bzw. fehlender Einsicht.

    Diese Art von Diskussion führte ich schon bei der Mainstream-Etablierung von mp3 und sie fruchtete nicht — Mitnahmequalität war und ist die Praxis, Kultur war und ist, ebenso wie bei den Leitkulturochsen der Union, ein mißbrauchter Begriff.

    Die einen werden also weiterhin nehmen, die anderen hart drauf einschlagen, Kultur fristet weiterhin ein Schattendasein — bleibt also alles beim alten. Letztendlich verlieren beide.

  55. henteaser sagt:

    «Ich tue mir den Rest nicht mehr an» — Hoppla, was ist denn jetzt los? Du bist die Diskussionen leid und klinkst dich aus? Ja wie willst du denn neue Wege entdecken, wenn nicht durch Diskussionen?

    «Neuschöpfungen [sind] kulturelle Remixe» — Stimmt.

    «Kultur ist eben lebendig und durch Vielfalt geprägt» — Genau.

    «Ob all dies teils arg austauschbar ist, was Kultur so en detail hergibt, wage ich zu bezweifeln.» — Ich vergaß zu erwähnen, dass ich mit Jungle, Hiphop und anderer elektronischer Tanzmusik ziemlich viel anfangen kann. Aber auch mit böhmischer Blasmusik auf Schallplatten.

    «Schmarotzer nutzen und relativieren den Wert gleichermaßen» — Wie bitte? Wie kann man Kunst schmarotzen, deren Wert «sich heute dem naiv Wertenden vielleicht nicht erschließt»?

    «Menschen mit Gerechtigkeitssinn und Respekt gegenüber dem kreativen Schaffen entlohnen denjenigen entsprechend ihren Möglichkeiten» — Zum Beispiel mit Backlinks, Besprechungen und wenn mal genug Geld auf dem Konto ist mit Buchkäufen. Viel Geld/Monat geht bei mir für lebenswichtige(re) Dinge drauf. Für gesunde Nahrungsmittel beispielsweise. Deshalb nutze ich Bibliotheken, Onlinegalerien, Weblogs, Second– und Umsonsthandläden bin mir nicht zu fein, das zuzugeben.

    «Welpenschutz je nach Güte (Umfang etc. pp)» — Am Beispiel Beuys-Schmalz wird klar, dass diese Abrechnungsvariante hakt. Willst du wirklich eine ‘Best Newcomer’-Hitliste?

    «die einen wollen halt für lau ohne Gegenleistung (aka Kulturbeutelmentalität)» — Stimmt nicht. Denn auch Rezensionen, Parodien und Fanfiction sind Gegenleistungen. Nicht zu vergessen, dass jede Verfielfältigung das Werk bekannter macht und somit für spätere Generationen potentiell relevanter.

    («Spock finds an obviously Terran book, entitled Chicago Mobs of the Twenties, presumably left behind by the crew of the Horizon. This book is now viewed as a holy relic by the Iotians, who have built an entire culture around what they refer to as «The Book».» http://en.wikipedia.org/w.…._Series))

    «Kultur stirbt so oder so, oft in der Geschichte zu beobachten — damals allerdings selten ob monetärer Zwänge bzw. fehlender Einsicht.» — Godwins Gesetz?

    «Mitnahmequalität war und ist die Praxis» — Aber wenn es doch so einfach ist 😉 Hey, du hast meine Forderung nach Bürgergeld überlesen. Ich habe nämlich keine Lust, Kunst und Kultur nach Checkheft abzuliefern. Das ist nämlich bereits auf kurze Sicht innovationsfeindlich.

    «Letztendlich verlieren beide.» — Gewinner sind die lachenden Dritten, die währenddessen Mashups mixen, Collagen kleben oder unter dem Radar ungeahnte Dinge treiben.

  56. Oliver sagt:

    >Du bist die Diskussionen leid und klinkst dich aus?

    Zeitmangel, Desinteresse und ich muß mich ganz real in meinem Job um Kultur kümmern. Neues habe ich selbst bei den Diskussionspartnern in der Regel bisher noch nicht entdeckt und ehrlich, ich kam mit manchen schon weiter …

  57. henteaser sagt:

    Apropos böhmische Blasmusik auf Schallplatten: Es gibt seitens der sog. Contentmafia Bestrebungen, den Handel mit gebrauchten Datenträgern einzuschränken (vulgo: zu kriminalisieren). Andere Maßregelungen (z.B. Regionalcodes oder andere Einschränkungen die Abspielgeräte betreffend) sind bereits an der Tagesordnung. Und wären sie Erfindungen des EDV-Zeitalters, würden Biblio– bzw. Mediatheken sicherlich ebenfalls bald dank Lobbydruck verboten.

  58. […] gerade noch mal nachlesen wollen, empfehle ich diese Seite . Einen sehr guten Kommentar habe ich hier […]

RSS-Feed abonnieren