Wie (nicht nur) Golem seine Leser zu Werbeträgern macht

Kennt jemand dieses meiner Meinung nach supernervige IntelliTXT? IntelliTXT ist ein Werbeprogramm für Webseitenbetreiber. Per Keyword werden bestimmten Wörtern Links automatisch hinterlegt. Diese führen dann zum Onlineshop, wenn man mit der Maus drüberhuscht , poppt ein nerviges Fenster auf. Das ganze wird per Javascript realisiert. Wer also NoScript unter Firefox einsetzt oder auch Proxomitron allgemein, sieht diesen Mist nicht. Eine genauere Beschreibung ist hier zu finden. Es ist eine Sache, die eigenen redaktionellen Inhalte mit diesem Dreck zu verunstalten — eine andere aber die Kommentare der Leser, User ebenso. Sprich: Ich kommentiere und nachträglich werden Links in meinem Kommentar eingefügt, auf die ich keinen Einfluß habe. Schauen wir uns das mal an:

Nehmen wir diesen Artikel und kommentieren irgendwas mit Festplatte (und eröffnen gleich nen Browserwar — der erste ist während des Tippens schon darauf eingestiegen *fg*):

Golem

Und das Ergebnis — fein auf die Keywords geachtet. Und nein, ich weise nun nicht darauf hin, dass die Artikel selbstverständlich mit Buzzwords gefüllt werden — weder bei Golem, noch bei gulli oder bei der Gamestar. 😉

Golem

Und wenn wir mit der Maus drüberfahren:

Golem

Da bleibt natürlich eine spannende Frage: In einer Zeit, wo immer mehr Publikationen dazu übergehen, das Risiko auf den User abzuwälzen — wie verhält es sich, wenn nachträglich der Kommentar verändert wurde? Als kleine Leitlinie hatte ich damals den Moderatoren unseres Forums mit auf den Weg gegeben (Text aus dem Jahr 2002, zusätzliche Info: IP-Logging war deaktiviert):

Kommen wir mal zu Urheberrecht: Das neue Recht ist ganz frisch, und es wird einige Zeit dauern, bis ein Grundsatzurteil zu erwarten ist. Für mich, und ich spreche jetzt bewusst von mir als Webmaster ist die Situation nicht einfach. Grundsätzlich ist es so:

Der Betreiber eines Forums ist prinzipiell dafür verantwortlich, was in seinem Forum passiert. Seien es nun Urheberrechtsverletzungen oder andere Dinge, die zivil– oder strafrechtliche Folgen nach sich ziehen könnten. Allerdings ist der Betreiber erst dann haftbar, wenn er von den rechtswidrigen Inhalten in seinem Forum wusste und er ist nicht (!) verpflichtet, sein Forum rund um die Uhr zu überwachen. Er ist lediglich dazu verpflichtet, sich regelmäßig um sein Forum zu kümmern.

Sobald er von Inhalten weiß, die rechtswidrig sind, dann muss er handeln, weil er sonst tatsächlich voll und ganz haftbar wird. Er kann dann nur versuchen, Ansprüche gegen den eigentlichen Verursacher, den User seines Forums, geltend zu machen — normalerweise hat man aber nicht viel mehr als eine IP– und/oder Email-Adresse. Deren Auflösung zu einer realen Adresse ist nicht immer einfach und die Beweisführung ist üblicherweise äußerst schwierig. Daher sollte ein Betreiber von vorneherein versuchen, sich aus derartigen Schwierigkeiten rauszuhalten.

[…]

Wird ein Beitrag von einem Moderator bearbeitet, dann gilt dieser Moderator künftig als Mit-Autor dieses Beitrages und ist für dessen Inhalt ebenfalls persönlich haftbar.

Das heisst für Euch: Lieber den kpl. Beitrag ins Interne schieben, als dass Ihr etwas editiert. Zu Eurer eigenen Sicherheit. Ich bin mir durchaus bewusst, dass auf dem Desert Inn wahrscheinlich so ein Fall so gut wie nie eintreten wird, aber: Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Ja, schon damals haben wir intern die Ansicht vertreten, wie sie dann auch Heise offenbart hat. Manche machen es intern, und bereiten sich auf alle Eventualitäten vor — andere öffnen die Büchse der Pandora. 😉

Heise: Forenbetreiber haftet für seine Moderatoren

Heise Zeitschriftenverlag bestätigt Haftung der Forenbetreiber für das Handeln der eigenen Moderatoren

Ja, wir kritisieren nicht nur Blogger, bei uns gibt es auch andere Inhalte — auch wenn ich damit jetzt die eine oder andere Welt zerstöre… 😉

Das ganze heißt für mich als juristischem Laien natürlich, Kommentar hinterher editiert — der Betreiber ist voll und ganz haftbar. Der Nutzer kann hinterher zwar immer noch als Mitstörer in Haftung genommen werden — aber der Betreiber ist dran . Aber auch da wird es wahrscheinlich irgendwann ein Urteil geben. Abmahnungen lassen ja nicht lange auf sich warten, wenn Anwälte eine neue Spielwiese entdecken.

Zum Schluß sei fairneßhalber gesagt, dass Golem natürlich nicht die einzigen sind, die auf IntelliTXT setzen

Und als kleines Goodie sei nochmal darauf hingewiesen, dass den Golem-Redakteuren allem Anschein nach die eigene Werbung auch auf die Nerven geht… 😀

(via Jörg-Olaf Schäfers)

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5 Antworten zu “Wie (nicht nur) Golem seine Leser zu Werbeträgern macht”

  1. Falk sagt:

    Ich staun ja immer wieder, was ich alles so verpasse, weil ich mit NoScript und AdBlockPlus unterwegs bin im Netz. Schützt mich allerdings auch verdammt gut, solche Werbung (zu versuchen) einzusetzen.

  2. Chris sagt:

    Ich muss auch immer darauf hingewiesen werden. Ich glaube, wäre z. B. adical nicht als Marktschreier gestartet — ich hätte es nicht mitbekommen. 😉

  3. Oliver sagt:

    IntelliTXT ist ein einziger Schmerz im Arsch. Und den Müll tut Konsument noch querfinanzieren.

  4. timaba sagt:

    Dabei könnte man die Technik an sich, wie so oft, sinnvoll einsetzen. Eine andere große Computerseite mit «N» am Anfang und «les» am Ende setzt es für Glossarverweise sein.

  5. Grainger sagt:

    Wer mit Opera im Internet unterwegs ist kann IntelliTXT auch mit Bordmitteln blocken (mal wieder).

    Ich glaube, ich habe das eine oder andere Mal schon auf die urlfilter.ini hingewiesen. 😉

    Die ist auch hier mal wieder der Schlüssel zum Erfolg, einfach wie folgt ergänzen (Opera sollte zu diesem Zeitpunkt nicht im Hintergrund laufen):

    [exclude]
    http://*intellitxt.com*

    Und schon ist man IntelliTXT los.

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