Wie man Kultur pervertiert …

Kultur ist als erstes mal alles, tatsächlich alles. Ebenso wie Kunst weitaus mehr ist als das Bild an der Wand oder die Statue im Museeum. Ist man monetären Sachzwängen unterworfen wird man diesem Umstand nicht sofort gewahr, ist aber eben so. Im Panzerschrank Reichtümer horten und tagtäglich zählen schränkt die Sichtweise halt gehörig ein, der oftzitierte Elfenbeinturm kann da mitunter gehörig Weitblick verschaffen in diesen luftigen Höhen. Geld und Werbung sind Bestandteile auch eben dieser Kultur, selbst irgendein absolutes D-Movie, profan als Trash bezeichnet, gehört dazu. Alles Kultur, sehr sehr vieles davon eben Kunst.

Aber wie zu jeder Zeit der menschlichen Geschichte und diese markanten Punkte gab es oft, sprach man auch vom Niedergang einer Kultur, wenn bestimmte Randerscheinungen niederer Natur in dieser plötzlich Dominanz erlangten. Volk bestimmt diese Werte, manch einer kann von seinem Elfenbeinturm aus warnen, wird jedoch gegen die erdrückende Masse nie etwas ausrichten können. Das ist aber auch nicht schlimm, Kultur ist selbstreinigend, eher geht diese unter als Schrott zu glorrifizieren.
Werbung, vom manipulativen Charakter losgelöst, ist ebenso Kunst wie ein Horrorvideo, da werden einige meiner Kollegen diese Nase rümpfen — aber ich lebe auch nicht in der Spitze dieses Turmes. Selbst Geldfälscher betreiben losgelöst von ihren niederen Gelüsten ein Kunsthandwerk und das ohne jedwede Polemik.

Geld hingegen, eine Randerscheinung in der Kultur, gehört dazu, manipuliert, weckt niedere Gelüste und schafft eine Triebfeder, die eben nicht mehr von edlen1 Motiven geleisten ist, sondern von monetären Sachzwängen. Man möchte sich etwas erkaufen, es besitzen … wie gesagt nicht die Verneinung als kulturelles Phänomen ist gemeint, sondern die zersetzende Dominanz die heute andauert.

Geld ist ein notwendiges Übel, für einige nicht — dort kann es auch Lebenszweck sein, das jedoch nie Dominanz erlangen darf. Handel ist eben Handel, seit Anbeginn der Menschheit. Heute jedoch hat sich Handel vergallopiert, teils geschieht Handel ob des Handel willens. Es wird manipuliert, ja gar gelogen, für Geld würden einige alles tun. Und eben genau dieser Punkt bezeichnet den Niedergang einer Kultur.

Und es mag zwar für eingige deren Sinn– u. Lebenszweck ausmachen, nichts genaues weiß man nicht, da man keinen Einblick hat inwieweit der manipulative Charakter von Gott Mammon schon wirkte, für uns ist er es aber definitiv nicht. Notwendiges Übel halt, das der Mensch mit Geist — egal welcher couleur — bis zu einem gewissen Grad tolerieren muß. Dort wo dieser Mammon eben dem profanen Tausch gilt — mehr nicht.

Das sind eben zwei Welten, unsere ist recht bunt, schillernd — die eurige ist karg, dem Mammon untergeordnet.

Mit der Zeit legt man sich, man muß es tun, einen gewissen Schutzmantel zu. Eine Art Arroganz, man beachtet teile des Mainstreams nicht mehr und wenn, dann straft man ihn mit Verachtung. Das muß man tun, sonst verfällt man völlig dessen manipulativen Charakter und beginnt die eigene Sache nach Lust und Laune zu durchlöchern. Reiner Selbstschutz eben …

Kultur lebt von Vielfalt, fernab intoleranter Leitkulturen oder Sachzwängen irgendwelcher Krämerseelen. Bestandteil ist vieles, es darf jedoch nie Dominanz erlangen — dann, nur dann hat man eine gesunde Kultur, die jedem etwas bietet. Geld hat wiederum als Objekt der Numismatik einen kulturellen Wert, ich denke da wollten die Werber drauf hinaus, nicht wahr? 😉

  1. Edel im Sinne geistiger Ambitionen und diese wiederum völlig wertfrei betrachtet []

14 Antworten zu “Wie man Kultur pervertiert …”

  1. «ich denke da wollten die Werber drauf hinaus, nicht wahr?»

    Jep! :-)

    Übrigens absolut treffend mit dem «Selbstschutz».

    Für Geld tut man fast alles, manche gehen sogar dafür arbeiten und schenken einem Unternehmen minimum 8 Stunden am Tag ihre Lebenszeit. Das ist doch mal eine ordentliche Mammonhuldigung, oder? 😉

  2. Oliver sagt:

    Die Polemik ist absolut fehl am Platz, ich kann auch mir gefälligere Beispiele auffahren mit denen ich Werber vergleiche. Nicht jene recht harmlosen hier …

    Ich schreib ja Texte damit man sie auch vollständig liest und nicht nur überfliegt:

    >Geld ist ein notwendiges Übel, für einige nicht — dort kann es auch Lebenszweck sein, das jedoch nie Dominanz erlangen darf.

    Sollte genau diese 8h Arbeit beispielsweise erfassen. Aber polemisch kann ich auch kontern, als Dealer würde ich mich auch nicht verdingen, nur damit ich meinen Lebensunterhalt bestreiten kann :)

  3. War eher als Scherz gedacht, nicht polemisch gemeint. Ich habe deinen Beitrag gelesen und nehme ihn entsprechend ernst, wollte ihn durch die flapsige Bemerkung nicht diskreditieren.

    Also wegen mir musst du sicherlich nicht «gefällig» über unsere Zunft schreiben. Ich kenne meine Pappenheimer. 😉

  4. Ein Dealer arbeitet manchmal ehrlicher als die meisten Werber. Die befriedigen einfach nur die Nachfrage. Wir versuchen teilweise künstliche Nachfrage zu erzeugen. 😉

  5. Oliver sagt:

    Sorry, aber hier schlagen heute ja diverse Leute auf, die mich werbend für Werbung «begeistern» möchten.

  6. Dann verziehe ich mich jetzt und lasse dir deine Ruhe.

  7. Oliver sagt:

    Ächz das sorry war eine Entschuldigung und der Rest der Aussage eine Erklärung warum ich oben den Scherz nicht erkannte. Bisher kamen von dir die vernünftigsten Aussagen in puncto Werbung und das respektiere ich, auch wenn ich es nicht unbedingt einsehe.

  8. […] Endlich mal wieder ein Beitrag ?ber Geld, das eigentliche wahre ?bel unserer Zivilisation. Ein fast schon philosophischer Exkurs, wie Geldgesteuerte werbung unsere Kultur zu unterh?hlen vermag von Oliver bei Fixmbr. Click […]

  9. Tja die Text-Kommunikation ist voller Missverständnissfallstricke! :-)

    Danke für den Respekt, kann ich nur zurückgeben, auch wenn wir sicherlich in manchen Dingen völlig konträr liegen. Aber es ist mir immer wieder ein Vergnügen mich an euch zu reiben! 😉

  10. Falk sagt:

    Kultur lebt von Vielfalt

    Für mich ist dies der entscheidende Satz und ich würde den noch um ein «und der Abgrenzung untereinander» ergänzen. Denn ich versteh bei Kulturdebatten immer nicht, wie man verucht, alles in ein sinnbildlich großes Gefäß zu packen und dies dann als homogene Masse anzusehen. Genau aber das versuchen ja Werber auch — sie verstehen einen «Markt» als homgene Masse, die nach Möglichkeit groß genug nicht sein kann. Und genau dies läuft doch dem eigentlichen Kulturbegriff ziemlich zuwider. Individualismus, welcher ja Kultur erst interessant macht, bleibt dabei doch völlig auf der Strecke.

  11. Oliver sagt:

    >Denn ich versteh bei Kulturdebatten immer nicht, wie man verucht, alles in ein sinnbildlich großes Gefäß zu packen

    Weil Kultur dynamisch ist und sich grenzenlos beeinflußt. Dazu gehört auch der Werber, die Dominanz irgendeiner Sache ist das Übel, nicht die bloße Existenz irgendwo am Rande. Musik beeinflußt Kunst, vice versa ebenso, Literatur kommt mit ins Spiel, Kultur geht über Ländergrenzen hinweg, ja gar über Kontinente oder auch den zeitlichen Kontext überspringend. Es ist eine große Masse, in der sich nichts, aber auch gar nichts untereinander abgrenzt. Es ist ein gigantisches Gemenge …

    Das Problem, das Gros der Leute versucht ihre Sicht von Kultur durchzudrücken, die homogene Masse ist korrekt, jedoch nicht im Sinne von Gleichschaltung, sondern Zugehörigkeit — es ist eben alles Kultur, auch Dinge die einem nicht zusagen und es wird auch Leute hüben wie drüben geben die diesen Begriff mißbrauchen, um eine Dominanz ihrer Vorlieben zu fördern. Das machen Werber, aber auch Künstler, Historiker etc. Dagegen muß man ankämpfen.

    Aus Individualität Abgrenzungen innerhalb der Kultur herzuleiten ist völlig irrig und fördert Dominanzen die auf Dauer desaströs sind — eben diese vorgeschobene kulturelle Individualität machen sich auch die Werber zu nutze, wenn man ihnen mit dem Vorwurf der Kulturzerstörung kommt.
    Genau auch aus diesem Grund sind quasi losgelöste Bewegungen z.B. im Opensource Bereich fatal. Man schwimmt dort auf der Community-Welle, möchte sich jedoch gerne betont als Subkultur abgrenzen, aber im Fall der Fälle interessiert nur der Code. Wenn ich etwas besser machen möchte, eine gesunde Kultur fördern möchte, dann muß ich auch alles gleichermaßen fördern und auch die Zusammenhänge erkennen — Abgrenzung ist Untergang und zugleich heuchlerisch, da kein abgegrenzter Bereich innerhalb der Kultur existiert. Einzig der eigene Horizont setzt die Grenze.

  12. Falk sagt:

    Weil Kultur dynamisch ist und sich grenzenlos beeinflußt.

    Versteh ich, aber die Grenzen werden doch allzugern in solchen Debatten gezogen. Die Beeinflussung macht es ja grad aus.

    jedoch nicht im Sinne von Gleichschaltung

    Aber genau das versucht man doch. Ein homogenes Bild einer Kultur zu schaffen, der sich der Einzelne entweder unterordnen sollte oder aber sich davon distanziert.

    Aus Individualität Abgrenzungen innerhalb der Kultur herzuleiten ist völlig irrig

    Doch, Grenzen im Sinne von «Ich möchte lieber allein, kann aber nicht ohne das Ganze». Und die Summe des Ganzen macht dann die Kultur.

  13. Oliver sagt:

    Die Denkweise «etwas alleine tun zu wollen» ist schon nonsense im Bereich von Kultur, da man ein «Kind» eben dieser Kultur ist. Alleine im stillen Kämmerlein mag okay sein, sprich örtlich abgenabelt, geistig abgenabelt ist man nie.

    >Ein homogenes Bild einer Kultur zu schaffen

    Kultur ist homogen, wenn man denn Kultur als weltumspannendes Ganzes sieht — was der einzig logisch Weg ist. Dann klappts auch mit dem Nachbarn.

    >Aber genau das versucht man doch.

    Wer? Ich kann dir mind. drei bis vier verschiedene Ansätze von Leute nennen die sich damit beschäftigen, nur um ihre Art von Vorstellung unterzubringen. Und diese laufen immer darauf hinaus das irgendeine Ansicht dominiert.

    Was kann der Begriff Kultur dafür? Weltumspannend losgelöst von personellen Nichtigkeiten ist zwar auch eine Ansicht und zwar meine urgeigne, aber ich finde keine Schlechte und einschränkend ist sie schon eimal gar nicht. Begründen kann ich diese mit der Entwicklung der Menschheit.

  14. Falk sagt:

    Der Begriff kann da gar nichts dafür. Ich denke auch, wir sind uns da an sich auch einig, das Abgrenzen von Kulturen nichts bringt. Deswegen betonte ich an sich auch das Wort *eine* . Denn wo eine ist, sind auch mehrere, diese zusammen ist dann das Ganze. Und wo nimmt man dann Subkulturen her? Doch nach meiner Ansicht aus dem Versuch eines Gegenpols. Nur zu was?

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