Wie konnte es damals nur so weit kommen?

Die Frage wird man sich hoffentlich in ein paar Jahrzehnten auch über unsere Zeit stellen.

Freunde warnen mich immer wieder davor, einen Vergleich mit der Nazizeit anzustellen, weil dies einen von vornherein diskriminiert. Aber was ist, wenn die Parallelen erdrückend sind? Was ist, wenn genauso professionell gelogen wird und die Meinungsmache gleichgeschaltet ist? Darf man dann immer noch nicht darauf hinweisen, wie sich die Bilder und die Methoden gleichen? Wir haben unsere Väter gefragt, warum sie der durchschaubaren Propaganda glaubten. Wenn sie klug waren, verwiesen sie auf die teuflischen Methoden und die gleich lautenden Stimmen. Meist waren sie aber nur hilflos. So wie wir heute, wenn über uns eine Armada von Propagandisten herfällt wie jetzt bei der Verbreitung der Botschaften: Der Aufschwung ist da! Wir verdanken ihn den Reformen! Die Reformdividende nicht verspielen! Weitermachen mit den Reformen! — Das Gutachten des Sachverständigenrates, seine Präsentation und die Begleitpropaganda — mustergültig in Spiegel Online — sind ein eindrucksvolles Anschauungsmaterial für diese Beobachtung.

Der so genannte Sachverständigenrat ist nur noch eine Maschinerie der Meinungsmache

Ich glaube, kein Bild trifft das derzeitige Deutschland besser, wie dieses hier:

Rürup Versicherungen

Es ist eine Werbebroschüre zugunsten der sogenannten Riester-Rente, eine weitere Demontage der gesetzlichen Rente, im Auftrag des Finanzdienstleisters AWD und der Kooperationspartner SuperIllu und FocusMoney. Frage: Würde man diesen Versicherungsvertretern die Tür aufhalten, ins Haus bitten und einen Kaffee anbieten oder würde man diese Herrschaften mit einem Tritt aus dem Haus befördern? Nun, ich weiß, was ich tun würde — unsere Kanzlerin, die Politik allgemein auch: Sie legt das Wohl unseres Landes in die Hände dieser Leute — siehe Bild oben links. Das ist Bert Rürup, sogenannter Wirtschaftsweiser, Profiteur seiner eigenen Ratschläge, die er schon Gerhard Schröder und Co. ins Ohr geflüstert hat. Man kann also zu dem Schluß kommen, dass ein profaner Versicherungsvertreter im Hintergrund die (wirtschaftlichen) Geschicke unseres Landes leitet. Ist es da ein Wunder, dass immer mehr die Riester-Rente gefordert wird, sogar vorgeschlagen wird, diese für die Bürger gesetzlich verordnet zur Pflicht zu machen? Da geht es ja auch nur um Milliardenbeträge. Es ist im Übrigen bezeichnend, wenn bei einer Google-Recherche nach Bert Rürup auf der ersten Seite die Springer’schen Hetzblätter und der FOCUS ins Auge springen.

Wollt Ihr mehr über Walter Riester, Bert Rürup und Carsten Maschmeyer, dem Chef von AWD, wissen? Oder ist alles gut, der Aufschwung ist da und die Herrschaften wollen ja nur unser Bestes? Anfang des Jahres waren die Herrschaften gemeinsam [sic!] auf Roadshow für den Finanzdienstleister AWD — ja, Ihr lest richtig, die Herren, die ach so unabhängig, uneigennützig unseren Politikern Ratschläge geben, fahren gemeinsam auf Tour für die Versicherungsbranche. Sie sehen schon zufrieden aus, die Herren, kein Wunder, wenn man bedenkt, mit wieviel Geld sie in den letzten Jahren zugeschissen worden sind. Und für die Rürup-Rente wird dann auch ganz nebenbei geworben — im hauseigenen Video. Ist das Leben nicht wunderbar, wenn man so ein paar Euro untereinander verteilen kann? Das PDF-File zur Roadshow (Vorsicht, Experten am Werk, eine Seite PDF — 2,8 MB Größe) liegt im Übrigen auf dem Server vom FOCUS, die sind ebenso mit von der Partie — ja, das sind schon alle unabhängige Sachverständige. Weitere Infos zu der Roadshow: NachDenkSeiten — Die Propaganda für Privatvorsorge wird immer dreister — und Politik und Wissenschaft immer schamloser.

Und diese sogenannten Sachverständigen machen dann folgende Vorschläge, flankiert vom neoliberalen Kampfblatt Spiegel, der mittlerweile jenseits von Gut und Böse, jenseits jeglichem journalistischen Anspruch, angekommen ist:

  1. Die Verlängerung von Arbeitslosengeld I für ältere Arbeitslose wird selbstverständlich abgelehnt. Welch Wunder, kommen diese Profiteure des Systems doch nie in Verlegenheit, einmal Arbeitslosengeld zu beziehen. Im Gegenteil - das Geld, was der Staat auf der Seite der Schwachen einspart, kann er ihnen in die Hand drücken. Dass dies passiert, sollte wohl offensichtlich sein.
  2. Und natürlich wird auch aus den gleichen Gründen eine Erhöhung des Arbeitslosengelds II abgelehnt. Kein Wort darüber, dass Menschen nichts zu Essen haben, dass Kinderarmut Monat für Monat zunimmt, dass in unserem Land wieder für Essen gestohlen wird - alles wird den offenbar wirtschaftsfaschistischen Gedankengängen dieser Herrschaften unterworfen.
  3. Natürlich sind unsere Versicherungsvertreter auch gegen Ausnahmen bei der Rente mit 67. Altersarmut kommt in deren Wortschatz nicht vor, die bevorstehende Zwangsverrentung einer halben Million Menschen im nächsten Jahr auch nicht. Diese Profiteure des eigenen kranken Systems fordern nun weiter die Altersarmut zu erhöhen - pervers ist das schon irgendwie.
  4. Natürlich darf auch das böse Zauberwort Mindestlohn nicht fehlen. Was in fast allen anderen europäischen Ländern usus ist, würde Deutschland ruinieren. Dumpinglöhne sind kein Problem für die Weisheit dieses Landes - kein Wunder, kann ja sein, dass die Aufraggeber dieser Herrschaften dann mal ein paar Euro weniger Honorar überweisen.
  5. Ich habe es am Montag in einem Gespräch gesagt: Ich halte die Leiharbeit für das größte Krebsgeschwür am Arbeitsmarkt. Und wenn die SPD stolz darauf ist, diese aus der Schmuddelecke geholt zu haben - den Rest des Satzes zitiere ich hier, könnte Ärger geben. Natürlich sind unsere unabhängigen Experten dagegen, dieses Krebsgeschwür wieder ein Stück zu bekämpfen, wieder zurückzudrängen - kann man mit der Leiharbeit mit der Ware Mensch viel besser handeln. Wie sollte es anders sein.
  6. Last but not Least halten es unsere Sachverständige für unbegründet, Angst davor zu haben, dass ausländische Investoren unsere Unternehmen übernehmen. Natürlich wird das nie passieren - Gazprom leistet sich den Herrn Schröder ja auch nur, weil er so ein bezauberndes Lächeln hat. Wie, Rürup und Schröder haben mal eng zusammengearbeitet? Haben? Ach, was ist das Leben schön.

Dieser ganz Mist, diese ganze faschistisch-ähnliche Propaganda ist nur noch mit Sarkasmus und Zynismus zu ertragen. Unser politisches System ist gekauft, nicht mehr und nicht weniger. Einflußreiche Kräfte arbeiten daran, die Armutsschicht immer größer und ärmer werden zu lassen, damit diese Gelder in die eigene Tasche fließen. Die Politik spielt mit, teils unfähig, meist aber weil sie selbst nach und auch während ihrer Karriere davon profitieren.

Weitere Informationen:

Die gesetzliche Rente wird drastisch gekürzt. Um die Verluste auszugleichen, fördert der Staat die private Vorsorgemodelle. Davon profitieren Reiche am meisten Professor Bert Rürup hat viel um die Ohren: Der Multi-Sachverständige berät nicht nur die Bundesregierung, etwa als Chef der fünf «Wirtschaftsweisen», sondern auch Bürger. Vorzugsweise Akademiker mit Spitzenverdienst, die ihr Geld dem börsennotierten Finanzvertrieb MLP anvertrauen. Freitag — Wer hat, der bekommt.

Ja, als Sachverständiger hat man schon sehr viel Streß, nur mein Mitleid hält sich da in Grenzen…

Kürzlich warnte der Präsident der Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, dass die Rente für die jüngeren Arbeitnehmer zum Verlustgeschäft werden könnte. Der Grund: Sie zahlen mehr Beiträge in die Rentenversicherung ein, als sie am Schluss herausbekommen. Das könnte zum Verfassungsproblem werden. Doch der Wirtschaftsweise Bert Rürup widerspricht dieser Behauptung. Stern — Was von der Rente übrig bleibt.

Dieser, ähm, Artikel des Stern wird nur verlinkt, um lachen zu können — wenn zwei unabhängige Experten wie Bert Rürup und Meinhard Miegel von der INSM unterschiedliche wirtschaftliche Interessen vertreten, dann kann man nur noch lachen…

Und noch zwei Verweise zu zwei weiteren Weisen unserer Gesellschaft:

Hartz IV war ein Schritt in die richtige Richtung. Die Reform ging allerdings nicht weit genug. […] Ein großer Unterschied ist der Kündigungsschutz, der dort [Anm.: In der Schweiz] wesentlich schwächer ausgeprägt ist und so mehr Anreize für Unternehmen schafft, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen. Handelsblatt — Wir haben Angst vor Neuem.

In diesem Interview findet sich alles von der Hatz auf Arbeitslose, die kein Geld bekommen sollten, wenn sie dafür nicht arbeiten bis hin zum Plädoyer zur Abschaffung des Kündigungsschutzes. Ganz übler Dreck.

Wenn es um neue Arbeitsplätze geht, scheint jedes Mittel recht: Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz hat sich für Stundenlöhne unter drei Euro ausgesprochen. Das sei das beste Mittel, um Jobs zu schaffen. Spiegel — Wirtschaftsweiser will Stundenlöhne unter drei Euro.

Dazu dann kein Kommentar mehr. Was war das in den letzten Tagen ein mediales Feuerwerk, welches unsere abhängigen Medien in Verbindung mit der Politik gezündet haben. Da braucht es dann keine Militärparaden mehr, wo zig Tausend Menschen in Uniform Heil schreien und den Arm zum Gruß heben…

Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten – wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit. (George Orwell, 1984)

Was für ein Haufen illustrer Zeitgesellen — aber: Das Volk bekommt die Regierung, die sie verdient. Schauen wir mal, wann der Widerstand größer wird. Im Moment sehe ich ihn an keiner Stelle, man will ja nicht auffallen und auch etwas vom Kuchen abhaben, nicht wahr…

Bild: NachDenkSeiten.de

17 Antworten zu “Wie konnte es damals nur so weit kommen?”

  1. Philipp sagt:

    Eigentlich ist es schade, wenn mensch sagen muss, dass das Volk sich diesen Haufen verdient hat, aber dem ist auch imho so. Jedoch ist es nicht wirklich verwunderlich, dass es in diesem Stile abläuft, war es doch immer, damals wie auch heute die Wirtschaft, die fördernd, regelnd die Zügel hielt. Daran hat sich doch real seit 45 nichts geändert.

  2. Oliver sagt:

    Professionelle Lügen sind der gemeinsame Nenner der Politik seit der Antike und diese wurden auch dort schon mit scharfer Zunge getadelt. Die Zeit des Nationalsozialismus markierte en detail, und der Teufel steckt nun mal eben in diesen Details, teils völlig andere Dinge. Dinge die nach und nach beinahe schon «beschönigt» werden, gleiches geschieht im Moment auch mit der DDR und der Stalinismus in der ehemaligen Sowjetunion war auch nicht so wirklich schlimm. Jetzt hat die Schule in diesem Bereich eh schon viel ruiniert, Knoppsche Journalismus-Attacken als historische Verlautbarung getarnt gaben beinahe den Rest und das Internet setzt das unsägliche i-Tüpfelchen darauf. Besser wirds dadurch aber auch nicht. Im Grunde genommen ist es also tatsächlich egal, das Desaster ist schon angerichtet. Sicherlich ist das Mittel der Polemik ein formidables Stilmittel, um auf bestehende Umstände und deren vermeintlich desaströse Richtung (rechtzeitig) aufmerksam zu machen. Stehen diese jedoch als Mittel zum Zweck bereit für nahezu jedes heutige Unding so gereichen diese nur zu einem medialen Overkill, der im Netz eine Vervielfachung erfährt. Eine Vervielfachung, die die Vergangenheit schwammig erscheinen läßt und Geschichte letztendlich (noch mehr) verfälscht.

    Wir sind heute, dank des Netzes und der restlichen Medien, in einer Zeit angelangt in welcher der Gebrauch gewisser Stilmittel schnell zur Normalität gereichen kann, eine scheinbare Normalität jedoch, die sich auch die Kritik der vermeintlichen Unwahrheit gefallen lassen muß. Die Quantität der Polemik in allen Medien hat schon unlängst jegliches vertretbare Limit überschritten. Die stärkste Polemik wird man wohl bei politisch/historisch Ungebildeten vertreten müssen, das schwächste Mittel bzw. der Verzicht wird dem Rest gereichen. Allerdings muß man sich dann auch darüber im klaren sein, das eben die stärkste Polemik beim politisch/historisch Ungebildeten auch das größtmögliche Desaster bei jenem anrichten wird, da dieser einfach nicht in der Lage ist Polemik als Mittel der Aufmerksamkeit vom eigentlichen Inhalt zu separieren.

    Ack zum Rest, man sieht aber, bei sparsamer Einsetzung oder gar völligem Verzicht des Vergleiches mit jener Zeit, auch so wer die persona non grata mimt, respektive die personae non gratae. Natürlich existieren filigrane Strukturen, die durchaus einem probaten Vergleich damals/heute standhalten, aber diese wiederum sind eher unpassend für das Mittel eben jener Polemik. Nur meine Meinung zu der Thematik, die politischen Unsäglichkeiten sind nicht wirklich neu oder gar überraschend für mich, aber diese Traktate mit teils oberflächlicher Vermengung historisch relevanter Strukturen, mal losgelöst vom hier besprochenen und nur auf den einleitenden Satz bezogen, stoßen mir teils mehr und mehr übel auf in der Medienlandschaft. Vereinzelt gar nicht so übel, in dieser Quantität jedoch ein Massenphänomen. Dem Mediziner wirds auch übel aufstoßen, wenn man Praktiken eines Metzgers mit seiner Profession vermengt. Your mileage may vary, aber zur Natur einer jedweden Kritik gehört nun mal auch ein zünftiger Diskurs 😉

  3. tante sagt:

    Toller Artikel, großartig recherchiert, gut geschrieben. Dafür danke.

    Dass ich als normaler Mensch völlig zustimme, ist ja offensichtlich.

  4. Chris sagt:

    Normaler Mensch tante… Manchmal denke ich, ich gehöre zur aussterbenden Rasse… 😀

  5. tante sagt:

    Was denn? Ich finde, wenn einem das Wohl aller Menschen am Herzen liegt, ist man normal, alles andere ist für mich … «unnormal» ist ein zu vermeidendes Wort, aber ich würde sagen zumindest mal moralisch anfechtbar.

  6. Chris sagt:

    Klar, aber schau mal nach draußen… 😉

  7. […] Nicht, dass da jetzt viel Neues drinstünde, wie sollte auch — aber Chris hat sich mal ein wenig Zeit genommen und den ganzen Kram aus den Nachdenkseiten und anderen wirklich wichtigen Informationsquellen aufs Wesentliche reduziert und zusammengeschrieben […]

  8. king balance sagt:

    Zitat: Kürzlich warnte der Präsident der Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, dass die Rente für die jüngeren Arbeitnehmer zum Verlustgeschäft werden könnte.

    Da hat er Recht mit den Verlustgeschäft — lest mal bei bohrwurm.net wer da in die Rentenkasse greift. Sogenannte «Versicherungsfremde Leistungen«
    ist Tarnbezeichnung für 700-Milliarden-Veruntreuung
    Rentnerbetrug seit 1957. Entnommen der «Informationsschrift für Arbeitnehmer zur Rentenpolitik versicherungsfremde Leistungen in der Angestelltenversicherung.

  9. Juzam sagt:

    @Tante: Wenn wir schon dabei sind, wie wärs mit entartet?

    Auch von mir vielen Dank für den Artikel, man weiß ja gar nicht mehr, was man heute noch lesen darf.
    Wirklich aus den Socken kippen tue ich beim Stundenlohn unter 3 € — Selbst wenn man damit Arbeitsplätze schaffen kann, ist ja der Sinn der Arbeitsplätze nicht mehr erfüllt (Ich sehe den Sinn von Arbeitsplätzeschaffen nicht darin, schönere Statistiken für eine Wiederwahl vorweisen zu können).

  10. Peterle sagt:

    Ist euch schonmal aufgefallen, dass irgendwie in den ganzen Internetblogs zum Rententhema alle das gleiche sagen?
    Die Nachricht ist in etwa:

    INSM = Referenz für Propagandaprofis
    Versicherungsbranche = Notorische Lügner mit starkem politischen Einfluss, aber nur auf den eigenen Profit bedacht.

    Der starke Gegensatz der vereinten Stimme des Netzes zur vereinten Stimme der sonstigen Medien zwingt den Wähler sich selbst Gedanken zu machen.
    Daher: Sehr schön, weitermachen so.

    Die Sitte der berühmten Aufmärsche und Demos der NS Zeit kommt übrigens noch aus der Weihmarer Zeit und war auch bei allen anderen Parteien üblich. Ich vermute dass er in den heute kaum noch praktizierten Kirchenaufmärschen seine Wurzeln hat.

    Man darf nicht vergessen das es die «Medien» im heutigen Sinne damals noch gar nicht gegeben hat und man den Wähler auf der Strasse auf sich aufmerksam machen musste. Anstatt zu zeigen dass schöne/kluge/attraktive Menschen eine gewisse Ansicht vertreten, konnte man nur zeigen das VIELE Menschen eine gewisse Ansicht haben.

  11. Man sollte generell misstrauisch werden, wenn irgendjemand (Mensch/Wissenschaftler/Organisation…) daherkommt, die Glaskugel auspackt und über Dinge >10 Jahre in der Zukunft spekuliert.

    Da werden praktisch immer Dinge als unabwendbare Tatsachen verkauft, die einfach nur bedingt Tatsachen sind. Aber Angst wirkt, und ist politisch allzuleicht zu missbrauchen. Daher werden negative Zukunftsprognosen jedweder Art so gerne gepusht, solange sie in nicht im Widerspruch zu diversen, aktuellen Motiven politischer und/oder wirtschaftlicher Natur stehen.

  12. Oliver sagt:

    >Man darf nicht vergessen das es die “Medien” im heutigen Sinne damals noch gar nicht gegeben hat und man den Wähler auf der Strasse auf sich aufmerksam machen musste.

    Auch die Arbeiter waren sich schon zu der damaligen Zeit bewußt, das sie in der etablierten Presse kaum eine Chance haben, ergo entstand die sogenannte «Arbeiterpresse». Dieser Umstand erklärt auch die heutige enge und massive Verstrickung der SPD mit diversen Verlagshäusern. Man wußte auch damals um den Umstand sich diverser «Medien» zu bedienen, die Aufmärsche waren das eine Mittel, gedruckte Werke die anderen. Da es ja sehr desolat in dieser Zeit war in puncto Arbeit, erreichte man das Gros der Bevölkerung natürlich mittels Kundgebungen, die anderen die glücklich waren Arbeit zu besitzen und ihre 12h+ vollzogen, erreichte man mit Print-Material. Beide Traditionen überlebten übrigens auch bis heute und sind immer noch ein probates Mittel, Aufmärsche/Kundgebungen plus Partei-Zeitungen/Flugblätter. Die Konditionierung der sogenannten Basis heutzutage erfolgt mit eben diesen Mitteln, nicht mittels der Charade in den Massenmedien, diese ist nur für den profanen Wähler. Vom Gehalt her sind all jene Mittel natürlich nicht mehr als Propaganda, die zu jeder Zeit usus war.

    Der Kampf um den Wähler damals war natürlich im wahrsten Sinne des Wortes ein Kampf, Schlägereien, auch gewaltätige Aufmärsche, diffamierende Wahlpropaganda der übelsten Art, all das war usus bei nahezu jeder Partei. Die Nazis trieben dies natürlich noch auf die Spitze, indem sie sich uniformierten. Man rieb gezielt die Versammlungen anderer auf, die Uniform blieb bei diesem brutalen Vorgehen natürlich in Erinnerung, besser als regulär gekleidete Schläger. So konnte später die bloße Anwesenheit als Druckmittel genutzt werden. Das Propgandamaterial der Nazis wurde zudem mit pseudo-wissenschaftlichen Theorien gespickt, auch hier geschickt an die jeweilige Klientel angepaßt, dort der markante Spruch, anderswo theoretisches Gefasel usw. Diese Parallelen kann man natürlich heute auch ausmachen, die Kumpel im Pott werden anders bedient, als z.B. die Wähler in einer mehr von Beamten/Angestellten geprägten Gegend. Auch sieht man sehr gut wo in den 50ern diverse Stilmittel ihren Ursprung hatten, Mimik, Gestik, der gesamte Auftritt. Diese Stilmittel waren mehr oder weniger natürlich schon immer irgendwo präsent, jedoch nie in dieser Professionalität. Und eben diese widerliche Professionalität des Demagogentums hatte zumindest in Deutschland ihren Höhepunkt in dieser unsäglichen Zeit. Perfide natürlich das man sich auch später, bis heute, dieser Mittel bediente bzw. bedient. Direkte Parallelen zu diversen Verlautbarungen hatten wir in «jüngster Zeit» auch schon desöfteren, was ein besonders abscheuliches Unterfangen darstellt in Anbetracht unserer Geschichte.

  13. […] Chris hat mir mal wieder aus der Seele gesprochen geschrieben. Danke Chris […]

  14. […] fünf Weisen von Absurdistan In Ergänzung hierzu — der Spiegelfechter zu den […]

  15. Paul Juergens sagt:

    das ist ja wohl einer der am schlechtesten recherchierten, polemistischsten und subjektivsten Artikel, der derzeit in der mondialen medienwelt zu lesen ist!
    entschuldige, wenn ich deine arbeit und mühe in den dreck ziehen, aber eine schlimmere anhäufung von lügen und selbsterweiterten fakten habe ich zuletzt in der DDR gelesen.
    ich möchte mich, bevor sie über mich urteilen, nur selber mitte-rechts positionieren, damit sie den grund meiner meinung wissen und mich nicht direkt abstempeln.
    Als Soziologe habe ich grund zur annahme, dass ihre falsche faktenerweiterung und ihre «erkenntnisse» auf einen streng radikalen hintergrund zu führen sind.
    Dies bereitet mir sorge und ich frage mich ernsthaft, ob wir überhaupt einen staat konstruieren können, der auf sicherheit, soziales wohl, sozialen reichtum und innere kompetenzverteilung achten kann, und sie (und ihre interessen) dabei einschließen können. stellen sie sich selbst die frage nach einen perfekt konstruierten staat und urteilen sie dann über die macht sogenannter «neoliberalistischer kampfblätter» in der Bundesrepublik Deutschland.

    Mit freundlichen Grüßen

    Prof.Dr. Paul Juergens
    Universität Heidelsberg
    Fach Soziologie und Politik

  16. Chris sagt:

    Polemisch? Herzlich Willkommen auf F!XMBR. :)

    Subjektiv? Herzlich Willkommen auf einem Weblog. :)

    Schlecht recherchiert? Du bist schon den Links gefolgt und hast Dich z. B. über unsere Wirtschaftsweisen erkundigt — welche wirtschaftlichen Interessen und Verbindungen da bestehen?

    Mitte-rechts? Was heute alles als Mitte bezeichnet wird — oha. Die Positionen hat früher ein Schönhuber vertreten.

    Prof. Dr. — Universität Heidelsberg? Gott bewahre… Du hast wirklich einen Lehrauftrag? Aber gut — Deine Kollegen ja auch. Kein Wunder, dass es unserem Land so schlecht geht und Generationen «versaut» wurden und werden…

    Ich bin weiß Gott nicht radikal, diese Unterstellung verbitte ich mir — ich erinnere nur immer daran, dass wir in einem laut GG Sozialstaat leben, dass wir alle Menschen sind. Die vorherrschende neoliberale Lehre will den Sozialstaat abschaffen, am Ende des Weges steht wieder der Feudalstaat, zudem ist es das Werkzeug des neoliberalen Weges, die verschiedenen Bevölkerungsschichten gegeneinander aufzuhetzen.

    Dagegen kämpfe ich — mit Leib und Seele…

    Und wenn in einem oder anderen Artikel vielleicht ein Absatz nicht passen, einfach mal weiter lesen, heute würde ich so einen Artikel wie oben z. B. nicht mehr mit dem Vergleich mit dem Dritten Reich beginnen. Ich war damals nur mal wieder sprachlos ob dieser Dreistigkeit des Rates, wie er an die Öffentlichkeit gegangen ist und wie sogar Tante Merkel den Blödsinn papageienartig nachgeplappert hat — zu der Grundaussage der Versicherungsvertreter stehe ich aber…

    Einfach mal hier ein wenig lesen oder auch in dieser Kategorie

    Kinder hungern wieder in diesem Land — einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass dies die direkte Folge des neoliberalen Mitte-Rechts-Weges ist — Danke. :)

  17. Oliver sagt:

    Helfen sie mir mal auf die Sprünge. Schon Emeritus oder nur Gastleser bzw. Professor in spe? Ich finde dort jetzt auf die schnelle niemand dieses Namens und habe in meiner Not auch angrenzende Fakultäten durchstöbert.

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