Wie F!XMBR einmal vor Gericht gegen den FOCUS verwendet wurde

Liebe Leserinnen und Leser, dies ist eine schier unglaubliche Geschichte — mitten aus dem wunderbaren Rechtsstaat Deutschland. Es begann im Jahre 2008 nach dem Herrn: unser tolles Land hatte zwei Jahre zuvor die Fußball-Weltmeisterschaft gefeiert – die Welt war zu Gast bei Freunden. Ein Sommermärchen, von dem heute noch viele Menschen schwärmen. Zwei Jahre später feierten unsere Nachbarn in Österreich und der Schweiz die EM 2008. Und Deutschland feierte mit. Ganz Deutschland? Nein. Ein unbeugsamer Karikaturist, Bulo ward er genannt, begehrte auf. Insbesondere die EM-Fähnchen an all den Fortbewegungsmitteln der Bundesbürger, am VW, am Mercedes, am BMW, am Dreirad ließen sein humoristisches und satirisches Talent aufhorchen. Und so er begann zu zeichnen – und er erschuf, wie immer, eine grandiose Karikatur:

EM-Fahne

So könnte die Geschichte enden. Könnte. Denn plötzlich stürmten die Menschen herbei, luden die Grafik von linksradikalen Seiten wie F!XMBR herunter, und machten sich an ihr teuflisches Werk. Bald waren im gesamten Bundesgebiet alle EM-Fahnen ausverkauft. Gerüchten zufolge haben damals die Heimwerkermärkte in den Kindertagesstätten Chinas Neubestellungen geordert. Doch liebe Leserinnen und Leser – hier beginnt unsere Reise erst. Max, ein Mitglied der fast stalinistischen und leninischen Linksjugend in München, wurde auf die Karikatur aufmerksam. Er übernahm sie gleich auf seine Webseite und forderte seine Genossinnen und Genossen auf, die Karikatur zu verwenden. Doch auch hier findet unsere Geschichte nicht ihr Ende. Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei – und unsere Geschichte noch viel mehr.

Die Qualitätszeitschrift FOCUS recherchierte knallhart und kam zu einem beängstigenden Ergebnis: Nacht für Nacht ist eine radikale Minderheit von Spaßbremsen unterwegs, die nicht nur in der Hauptstadt die schwarz-rot-goldenen Fähnchen von den Fahrzeugen reißt. Vor dem EM-Finale waren die Fahnenjäger besonders aktiv. Organisiert werden die Aktionen im Internet. Hier trommeln Mitglieder der Linksjugend Solid für das Flaggensammeln. Von Hamsterkäufen besorgter Fähnchenträger ist die Rede – ein Kampf gegen Schwarz-Gold hatte Deutschland zwei Jahre nach dem Sommermärchen 2006 erfasst. In der Printausgabe des FOCUS wurde der Artikel wie folgt bebildert – die brutalstmögliche Aufklärung der Leserinnen und Leser des FOCUS:

Em-Fahne Focus

Wer würde nur diesen Kampf, der mit allen Mitteln geführt wurde, gewinnen? Der FOCUS nicht, so erschien kurze Zeit später auf einer kleinen, unbekannten Publikation ein Artikel, der diesen, man muss fast genauso sagen, deutschen Bürgerkrieg in unglaublicher Art und Weise relativierte – es fehlte fast nur noch der berühmt-berüchtigte Hitlervergleich. Der Nichtsnutz von Autor schrieb damals: Okay, wer gerade trinkt oder isst, sollte nun innehalten. Es könnte sonst passieren, dass Getränk oder Speise quer über den Monitor und die Peripherie verteilt wird. Tastaturen nehmen das sehr übel. Und bitte – nicht so laut lachen. Habt ein Einsehen mit Euren Nachbarn. Doch auch an dieser Stelle findet unsere Geschichte kein Ende. Qualitätsjournalismus vs. Privatpublikation? Nein, diesmal nicht.

Ein treuer Staatsdiener aus der Landeshauptstadt Niedersachsens, der Expo-Stadt Hannover, hatte den FOCUS gelesen – und er tat genau das, was Staatsanwälte tun sollten, wenn sie Rechtsverletzungen beobachten: er leitete eine Untersuchung ein. Nicht gegen unseren Karikaturisten, auch nicht gegen F!XMBR – nein, Ziel seiner Untersuchungen war vielmehr das Mitglied der bolschewistischen Linksjugend, dessen Aufruf, die Zeichnung zu verteilen, er nicht länger tatenlos zuschauen wollte. Und es kam, wie es kommen musste. Unser Staatsanwalt übergab die Geschichte an seine Kollegen in München, diese wurden ebenso aktiv.

Ob es 12.00 Uhr Mittags war, kann der Autor dieser Zeilen nicht genau sagen – aber man traf sich zum Showdown, 1,5 Jahren nach der Europameisterschaft, im eiskalten Winter des Jahres 2009 nach dem Herrn. Auf der einen Seite die Staatsanwaltschaft München, Hand in Hand mit dem knallhart recherchierenden FOCUS-Redakteur als Zeuge der Anklage, auf der anderen Seite Max und sein Anwalt – in der Mitte nur getrennt durch einen ehrenvollen und weisen Richter am Amtsgericht München. Da standen sie nun, die Spannung war mit Händen zu greifen, im Publikum soll viel gelacht worden sein. Und dann kam Max – und wie es vor Gericht üblich ist, zitierte er F!XMBR: Bulo ist ein Vandale? Bulo ist linksradikal? Bulo ist Antideutscher? FOCUS-Redakteure lesen Bulo? FOCUS ist ein seriöses Magazin? FOCUS-Redakteure holen ihr Know-how aus der Google-Suche? Der Google-Journalismus ist in Deutschland noch weiter gediegen, als man angenommen hat?

Nein Max, so geht das doch nicht, würde man ihm am liebsten zurufen – doch die Jugend von heute lässt sich auf ihrem Weg auf die dunkle Seite der Macht durch nichts mehr abbringen. F!XMBR als letzte Verteidigungslinie vor Gericht, Max, der wegen Anstiftung zu Straftaten angeklagt war, zog seinen letzten Trumpf: F!XMBR. Kurze Zeit später war die Sensation perfekt: Der vorsitzende Richter schlug vor, das Verfahren gegen eine Zahlung von 50,- Euro einzustellen. Diesem Vergleich stimmten letztlich beide Parteien zu, der Showdown endete, wie er begonnen hatte – Staatsanwaltschaft, wie auch Max und sein Anwalt verließen Seite an Seite unbeschadet das Gerichtsgebäude. Und das liebe Leserinnen und Leser ist nun wirklich das Ende.

Und die Moral von der Geschicht’:
Wann immer Du vor Gericht bist, halte F!XMBR bereit…

Karikatur: Bulo, Ausriss: FOCUS 27/2008

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7 Antworten zu “Wie F!XMBR einmal vor Gericht gegen den FOCUS verwendet wurde”

  1. GeStaPo sagt:

    Ja, ja bei Schwarz-Rot-Gold hört wohl der Spaß auf. Ein Dank an F!XMBR als letzte Verteidigungslinie.

  2. Anonymous sagt:

    selbst die 50€ + Anwaltskosten sind noch zu viel…

    Als Jurastudent frag ich mich manchmal, ob erfahrene Juristen die gleichen Gesetze haben wie ich, oder ob diese einen 80 Jahre alten Scönfelder benutzen… (wobei auch da die strafbare handlung nicht leicht zu finden wäre…)

  3. Anonymous sagt:

    Irgendetwas stimmt hier nicht. Du wirfst die WM 2006 (die in Deutschland) und die EM 2008 (in der Schweiz/Österreich) durcheinander.
    Die Fahnen kamen zwar zu WM 2006 in Mode, der Fall spielte sich, aber während der EM 2008 ab.

  4. Chris sagt:

    Args, Du hast recht. WM und EM verwechselt. Korrigiert. Danke für den Hinweis.

  5. Udo sagt:

    Null Niveau beim Anfangsverdacht erreicht, wie es aussieht.

  6. Bugscout sagt:

    Da sieht man es mal wieder, im Internet die linken Vandalen und Schmierfinken, die auch vor dem Eigentum des kleinen Mannes nicht Halt machen, und im Gegenzug der deutsche Qualitätsjournalismus, der die freiheitlich demokratische Grundordnung durch das Aufdecken dieser Machenschaften schützt.

    Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen, die aber Persönlichkeitsrechte verletzen, sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit halten.

    keine Schmierfinken »

    Der Fokus der Journalisten ist nämlich auf Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit gerichtet. Was können die Lohnschreiber dafür, dass sich diese Werte gerade im Enddarm der Mächtigen so konzentriert lokalisieren lassen.

    Angenehme Woche

  7. flohbeutel sagt:

    Paßt zu dem, was mir während der EM passierte. Taxifahrer überholt in Schlangenlinien. Vor mir einscherend ist es ihm dann wohl doch zu heiß geworden und er öffnet die elektrischen Fensterchen und vergißt seine geliebten Fähnchen. Nach einem Blonk an meinen Scheinwerfen habe ich die Dinger überrollt und kam gerade noch hinter dem Taxi zu stehen. Der schwarzgoldige Fahrer hatte nämlich eine Vollbremsung zur Rettung unschuldiger EM-Fähnchen eingeleitet. Seine ganze Wut über mein grobfahrlässiges Verhalten und meine ‘böse Absicht’ hat er mir dann laut brüllend und gestikulierend zum geöffneten Fenster ins Ohr geblasen. Erst der Griff zum Mobiltelefon konnten ihm wohl Zweifel an seiner eigenen Unschuld aufkommen lassen. Aber ich habe jetzt nicht mehr den geringsten Zweifel, daß eure Karikatur und meine linksradikale Gesinnung für diesen Vorfall verantwortlich sind. Danke Fokus.

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