Wie die Tagesschau aus der bundesweiten Aktion Freiheit statt Angst Werbung für die FDP gemacht hat

Freiheit statt AngstOhne Frage gibt es sicherlich den sogenannten Gossenjournalismus in Deutschland. Ob mittlerweile auch die altehrwürdige Tagesschau, eine ehemals große Institution in diesem Land, dazu gehört, will und werde ich nicht behaupten. Das würde sicherlich meinem Geldbeutel nicht gut bekommen — da kann ich mein Geld sinnvoller anlegen. Die Mehrheit der Deutschen würde sicherlich diese Sendung in der ARD als Qualitätsmedium ansehen. Wer aus unserer Generation hat sie nicht, damals, als es noch 3 Programme gab, abends zusammen mit den Eltern geschaut? Doch schauen wir uns mal einen Ausschnitt aus der Sendung von gestern Abend an. Wie auch der Autor, waren viele Menschen auf den Straßen unterwegs um gegen den Überwachungsstaat zu demonstrieren. Ob sinnvoll oder nicht, darüber kann man diskutieren — nach den Erfahrungen des Autors dieser Zeilen wird es diesbezüglich keine Wiederholung geben. Doch was macht die Tagesschau aus der bundesweiten Aktion Freiheit statt Angst?

Der Bericht war in ein paar Sekunden abgehakt: Bundesweite Proteste heute gegen die Vorratsdatenspeicherung, etwa in Frankfurt. Es folgt die sofortige Bezugnahme auf die FDP: Der Telekom-Skandal bestärkt auch die FDP: Enge Grenzen brauche es gegen die Datensammelwut von Staat und Firmen.1 Es folgte ein Interview mit FDP-Mitglied Max Stadler: Wir brauchen eine Trendwende hin zu mehr Datenschutz, dann wird es auch wieder ein Bewusstsein dafür geben, dass solche Ereignisse wie bei der Telekom völlig unzulässig sind. Diese Überleitung war schon ein Husarenstück, für die die FDP der Tagesschau nicht genügend bezahlen kann, wenn sie es denn tun würde. Sie tut es natürlich nicht. Zur Vervollständigung, der Rest des Berichtes: Über Datenschutz will Innenminister Wolfgang Schäuble am Montag mit der Telekommunikationsbranche reden. Zahlreiche Firmen2 haben allerdings abgesagt. Reporter Christoph Hamann dann mit Bezug auf den T-Spitzel-Skandal:  Härtere Strafen und mehr Rechte für Datenschützer. Mit diesen Forderungen reagiert die Politik auf die jüngsten Bespitzelungen der Telekom. Aus gutem Grund, denn erstmals befürchten auch Abgeordnete, systematisch überwacht worden zu sein.3 Damit wären Freiheit und Unabhängigkeit ihres Mandats nachhaltig gefährdet.4 Wenn man sich die Tagesschau so anschaut, man sich denken kann, wie der Otto-Normal-Zuschauer diese aufnimmt, ich hätte nicht gedacht, mal Werbung für die FDP laufen zu dürfen. Aber diese Art der Berichterstattung ist in der ARD ja nun wirklich nichts Neues.

Ich denke, ein großes Problem von Demonstrationen ist, dass man auf einmal (auch) für Interessengruppen Spalier läuft, mit diesen in einen Topf geworfen wird, mit denen man nichts gemein hat. Das mal allgemein gesagt. Wenn ich nur darüber nachdenke, dass ich gestern neben dem Schwarzen Block gelaufen bin, abends wurden diese Demonstrationen als Opener für die FDP gefeiert — das hat nichts mehr mit dem initialen Anliegen Gegen die Vorratsdatenspeicherung, gegen den Überwachungsstaat zu tun. Traurig. Es ist umso erschreckender, dass die Teilnahme des Schwarzen Blocks beim AK VDS gefeiert wird.

Bild: AK Vorrat, FDP, Tagesschau

  1. Ob man bei der Tagesschau den Unterschied zwischen Firma und Unternehmen kennt? []
  2. Nein, sie kennen den Unterschied nicht. []
  3. Wieso muss es eigentlich erst soweit kommen? []
  4. Und bei den Bürgern ist es egal? []

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13 Antworten zu “Wie die Tagesschau aus der bundesweiten Aktion Freiheit statt Angst Werbung für die FDP gemacht hat”

  1. Sven sagt:

    wer sich für die funktionsweise des quasi regierungsamtlichen journalismus interessiert, für den habe ich 2 weiterführende links:

    zur tagesshow: Deutschlandfunk — Die Tagesshow
    zur situation in frankreich: Deutschlandfunk — Heißer Draht zum Elysée

    zu dem beitrag hier: für den uninformierten bundesbürger, für den die datenschützer alles verkappte raubkopierer und querulanten sind und für den die ganze datenschutzdebatte sowieso ein großes fragezeichen ist (weil er ja nix «zu verbergen» hat), ist es vllt gar nicht so schlecht, wenn der protest mit dem brückenschlag zur fdp einen bürgerlichen und damit vertrauenswürdigen anstrich bekommt.

    die informierten halten die 2 voneinander unabhängigen baustellen sowieso auseinander…

  2. cefeu sagt:

    Spätestens nach der (für mich auch) letzten A. Will-Sendung vom vergangenen Sonntag wundert mich dahingehend gar nichts mehr. Einerseits wurde dem 18%-FDP-Suppenkaspar ein Hass-Podium geboten, andererseits durfte sich Knobel-Ulrich im ***«stil» austoben — mit dem wesentlichen Unterschied, dass zwar auf Westerwelles nicht aber auf Knobel-Ulrichs FDP-Zugehörigkeit hingewiesen wurde.
    (Die ihrige nicht einmal eingeblendet [geschweige denn angesprochen] wurde …)
    Zynischer und hemmungsloser geht es nun wirklich nicht mehr.

    Wobei zu dieser (auch) Manipulation hinzu kommt, dass der GEZ-Zahler nicht «nur» FDP-Hetze finanziert sondern u.a. auch die «Filme» Knobel-Ulrichs (derer Auftraggeber ja die öffentlich-rechtlichen TV-Stationen sind).

    Bei derartiger Perfidität schließlich würde mich auch nicht mehr wundern, wenn der Gebührenzahler selbst Knobel-Ulrichs Reisen, Kost und Logie (ergo «ganz ganz dolle viel Fun») mindestens alimentiert …

    Warum aber nur «bewährt» sich diese *** nicht im (freilich auch von ihr in Endlosschleife propagierten) «freien Markt»? — Der «ja alles regelt»!

    Ganz sicher aus (nicht zu überbietender) großmäulige Feigheit.

    Hier übrigens ist eine Kandidatur dieser Person einzusehen:
    http://www.lkharburg.de/K.….-09a.pdf

    Und hier «ihr» (ganz persönlicher) Vorsitzender Wolfgang Knobel vom Kreisverband FDP Harburg Land:
    http://www.fdp-harburg-la.….onen.htm

  3. […] Kritik an einem Tagesschau-Bericht (einem anderen als dem oben verlinkten) bei F!XMBR — Wie die Tagesschau aus der bundesweiten Aktion Freiheit statt Angst Werbung für die FDP ge… […]

  4. […] Gehirnwäsche des Tages: Wie die Tagesschau des BRD-Staatsfernsehens ARD Millionen von Zuschauern vermittelt, dass die gestri.… Und so etwas halten immer noch die meisten Menschen für einen unabhängigen und […]

  5. cassiel sagt:

    tagess(ch)au = 13′ Polit***reklame + 2′ Spitzendoping und Wetter

  6. […] Einige weitere lesenswerte Links zum Thema: Wie die Tagesschau aus der bundesweiten Aktion Freiheit statt Angst Werbung für die FDP gemacht… und die Golem-Subline Nächstes Ziel sind 50.000 Unterschriften gegen das geplante BKA-Gesetz. […]

  7. Was ist denn nun schon wieder los? Ich habe zum Schwarzen Block überhaupt nichts gesagt. In vielen Städten haben Antifa-Gruppen mit aufgerufen, und die sind nun wirklich nicht alle über einen Kamm zu scheren. Darüber hinaus freut es mich ausdrücklich, dass wir so ein breites Spektrum an Unterstützern haben mittlerweile.

  8. Chris sagt:

    Ich hatte den Satz anders verstanden. Nachdem hier einige von den schwarz gekleideten Vollpfosten mittlerweile aufgeschlagen sind, kann man jedem nur in Zukunft raten, von derartigen Aktionen die Finger zu lassen. Kein Wunder, wenn diese «Bewegung» kaum Erwähnung findet, wenn diese ganzen Spinner da einen nicht kleinen Teil der Leute stellen.

    Wenn ich das falsch interpretiert haben, sorry. Aber wenn ich sehe, was nebenan im Artikel los ist — sorry, das hat nun wirklich nichts mir seriöser Auseinandersetzung, Aufklärung mit dem Thema zu tun.

  9. Arne sagt:

    Ich war (als bürgerlicher «Pirat» im gesetzten Alter)zunächst auch mild entsetzt über den schwarzen Block, allerdings muss ich zugeben, dass der AK Vorrat da schon etwas weitergedacht hat. Wenn ich als Grundrechteschützer den schwarzen Block zu Bürgern zweiter Klasse mache, gerate ich notwendig in Erklärungsnotstand, warum ich das darf, aber Schäuble seine Gefährder als Vollmenschen behandeln soll.

    Sorry, es muss die Unschuldsvermutung gelten, auch für den schwarzen Block. Und siehe da, in Hamburg hat niemand Steine geworfen oder sich sonstwie daneben benommen. QED.

  10. Oliver sagt:

    >Sorry, es muss die Unschuldsvermutung

    Sorry das ist ausgemachter Blödsinn, auf einer Demo kann sich natürlich anschließen wer möchte. Wer sich aber beinahe schon uniform wie diese abgrenzt, muß auch damit rechnen entsprechend behandelt zu werden. Denn mit uniformierten Aufmärschen irgendwelcher Extremer hatte man in Deutschland schon seit jeher so die liebe Not bis heute und von einem Extrem zum anderen ist es meist nur einen Steinwurf weit. Was bei diesen Leuten ohne Inhalt herauskommt sieht man z.B. bei unserem lieben Fischer: Steinwerfer und mehr und heute .…

  11. Werner sagt:

    Sorry aber jetzt wird es peinlich. Was lässt du denn schon wieder für einen geistigen Dünpfiff ab?
    Was zur Hölle ist dein Problem mit einem friedlichen schwarzen Block? Klingt ja schon fast wie Schäuble: «Grundrechte ja, aber doch nicht für alle.»

  12. Chris sagt:

    Bist Du sicher, dass Du Trottel im richtigen Artikel bist? Solltest Du zum Schwarzen Block gehören. Q.e.d.

  13. […] betätigt sich heute als Kämpfer für die Grundrechte und ist sich stante pede des Supports diverser Gegner des Überwachungswahns sicher. Stück für Stück erfolgt eine Demontage dieser Demokratie, eine Legitimation […]

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