Wie der Hamburgische Führer Ole von Beust die Bevölkerung auf den Arm nimmt

Ich habe in den letzten Jahren mehrere Stromerhöhungen ins Haus bekommen. Mittlerweile überweise ich nicht wenig Geld an meinen Lieferanten Vattenfall. Ob diese Stromerhöhungen notwendig sind und waren, kann ich natürlich nicht sagen — ein Unternehmen wie Vattenfall will (und muss) nunmal Geld verdienen. Was ich aber sagen kann, dass die Politik in Hamburg an diesem Preisen maßgeblich eine Mitschuld trägt. Die Hamburgischen Elecricitäts-Werke (HEW) gehörten nämlich mal der Stadt — bis, ja bis die Politik auf die famose Idee gekommen ist, die HEW an Vattenfall zu verkaufen, in mehreren Schritten von 1999 bis 2002. Angefangen von Rot-Grün, abgeschlossen vom CDU-geführten Senat.

Nun stellt sich unser erster Bürgermeister doch glatt vor die Presse und bedauert den Verkauf (Disclosure: Der SPIEGEL beruft sich auf die BILD, man sollte also die Nachricht mit entsprechender Vorsicht geniessen.). Der SPIEGEL schreibt: Ein staatliches Monopol sei durch ein Quasi-Monopol auf privater Seite ersetzt worden, sagte von Beust. Tja, und was passiert, wenn ein Unternehmen ein Monopol inne hat, ist wohl jedem klar. Ich kann mir das so richtig vorstellen, Ole setzte seinen Hundeblick auf um seinen Bürgern zuzurufen, Ihr seid nicht allein, ich bin bei Euch. Fehlt nur noch ein Wahlversprechen à la, wir kaufen die HEW zurück.

Glaubwürdig? Nicht wirklich, vom selben Tag eine Meldung aus dem Hamburger Abendblatt: Die Behörde für Wirtschaft und Arbeit hat gestern die Stromlieferung für sämtliche öffentlichen Einrichtungen Hamburgs neu abgeschlossen. Vattenfall hat den Zuschlag für rund 90 Prozent der Stromversorgung erhalten. Die restlichen zehn Prozent der Versorgung übernimmt E.on Hanse. Der Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren und kann um zwei Jahre verlängert werden. Der Auftragswert beläuft sich auf rund 48 Millionen Euro pro Jahr, bei jährlich etwa 340 Millionen Kilowattstunden Strom für rund 4600 Abnahmestellen. Ihr lest richtig, an ein und dem selben Tag bedauert Ole von Beust den Verkauf der HEW an Vattenfall und es wird bekannt, dass der Stromlieferant der Stadt, Vattenfall, sich mindestens die nächsten 3 Jahre auf weitere 48 Mio. Euro pro Jahr freuen kann. Das glaubt kein Mensch.

Ole von Beust und Glaubwürdigkeit, das ist das gleich wie ich und stricken. Das passt nicht wirklich zusammen. Der erste Bürgermeister der wunderbaren Hansestadt Hamburg verarscht offensichtlich die Bürger nach Strich und Faden — aber: Er kann mit Wiederwahl rechnen, lieben die Hamburger doch ihren Ole. Naja, es finden sich ja auch noch Wähler für CDU und SPD allgemein… 😉

4 Antworten zu “Wie der Hamburgische Führer Ole von Beust die Bevölkerung auf den Arm nimmt”

  1. […] oder anderswo auch nur einen deut besser wäre… so ist es ja nun auch nicht! Update: Gerade hier gefunden: Auf der einen Seite jammert uns Ole über Vattenfall, auf der anderen Seite schliesst die […]

  2. Oliver sagt:

    Die Stromerhöhungen in derart kamen durch die hinverbrannte Ökosteuer, Mehrwerteuererhöhung und last not least das mehr oder weniger Monopol der Anbieter zustande. Kungeleien wie jetzt unterstreichen das ganze nur noch.

    In einem tatsächlich freien Markt, wäre wohl einiges gerechtfertigt, aber auch transparenter, so aber kommt man sich nur verarscht vor — in jedem Bundesland.

  3. Grainger sagt:

    Es gibt so einiges, was dem Bundeskartellamt scheinbar niemals auffällt.

    Die Strompreise z.B. unterscheiden sich nur marginal, der eine Anbieter hat eine höhere Grundgebühr, dafür ein paar Cent weniger Verbrauchskosten, beim anderen Anbieter ist es umgekehrt.

    Unterm Strich bleibt es sich für einen Durchschnittshaushalt fast gleich.

    Oder bei der Bahn wird gestreikt und unverzüglich steigt bei allen Tankstellen Deutschlands nahezu zeitgleich der Benzinpreis um 7–8 Cent/Liter.

    Falls sich aber zwei Dorfmetzger beim Preis für die Leberwurst absprächen würde das Bundeskartellamt sicherlich unverzüglich einschreiten. 😉

    Es wird echt immer lächerlicher.

  4. Andreas sagt:

    Vieles Elementare gehört meiner Meinung nach nicht in private Hände sondern sollte staatlich bleiben. Dazu gehört IMHO Strom, Wasser, Straßen, einige Postdienstleistungen, Bahnnetz und Müll. Alles ist für _jeden_ wichtig und sollte in jedem Fall funktionieren. Und bei diesem Dingen kann es keinen _wirklichen_ Markt geben…

    Das hier aufgeführte Beispiel ist ja traurigerweise bei weitem nicht das Einzige. Monitor hat vor einiger Zeit mal einen netten Beitrag über die Müllentsorgung gebracht:
    Die orangene Revolution — Städte holen die Müllabfuhr von Privaten zurück
    (als RealStream und PDF verfügbar) Für mich ein perfektes Beispiel wie es nicht laufen sollte, es aber immer wieder läuft.

    Gewinnorientierung (=zu einem gewissen Grad notwendige unternehmerische Haltung) ist in vielen Sektoren nicht das wahre. Und billiger ist der Wahnsinn auch nicht immer, das gehört genau analisiert — das spart man sich aber wohl vor der Privatisierung. Selbst Grundlegendes wie «kann es überhaupt einen funktionierenden Markt nach der Privitisierung geben?» wird nicht beantwortet.
    Da ist Herr von Beust leider nicht alleine — er macht es nur so schlecht wie alle anderen auch *grmpf*. Und weil das ja niemand zugeben kann folgt eben das alltägliche politische Trauerspiel.

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