Wie das magentafarbene T die Anonymität bekämpft

T-SkandalÜber das magentafarbene T gab es in den letzen Wochen viel zu berichten. Es verging kaum ein Tag, an dem man nicht dachte, schlimmer geht’s nimmer. Bis man dann am nächsten Tag eines Besseren belehrt wurde. Es hatte den Anschein, als würde das ehemalige Staatsunternehmen mit der Privatsphäre, dem Datenschutz, der Pressefreiheit, ja unserer freiheitlichen und demokratischen Ordnung auf Kriegsfuß stehen. Wenn man nun liest, wie die Handy-Sparte des magentafarbenen T’s gegen einen Mitbewerber vorgeht, verfestigt sich dieser Eindruck. simonym.com hat bis vor kurzer Zeit anonyme SIM-Karten angeboten. Auf der Homepage ist zu lesen:

Bewahren Sie Ihre Anonymität, mit der anonymen SIM-Karte von simonym.com. Unser Produkt «Anonyme SIM Karte» ist bereits vollständig freigeschaltet und aktiviert, es erfolgt keine Registrierung auf Ihren Namen. Die Sim-Karte bzw. Rufnummer kann somit nicht Ihren persönlichen Daten zugeordnet werden.

Das ist nun nicht mehr möglich. Eine Abmahnung vom mobilen magentafarbenen T ist eingetrudelt. In der Abmahnung heißt es:

… durch die Veräußerung “anonymer SIM-Karten” missbräuchliches Verhalten, von belästigenden Telefonanrufen bis hin zur Vorbereitung terroristischer Handlungen, gefördert wird, wenn die Nutzer der SIM-Karten “anonym” bleiben.

Das nenne ich doch mal eine Begründung, wie sie sich Wolfgang Schäuble, Dieter Wiefelspütz oder George W. Bush nicht besser hätten ausdenken können. Nach dem UWG mag das magentafarbene Unternehmen evtl. Recht bekommen. Nach den Skandalen der letzten Wochen bleibt aber der Eindruck, als würde hier einmal mehr ein DAX-Unternehmen gegen die Menschen in diesem Land Amok laufen. Man mag gegen einen Mitbewerber — möglicherweise zu Recht — vorgehen. Unter dem Strich ist es meiner Meinung nach ein Angriff auf die Privatsphäre, das Recht auf Anonymität, die freiheitliche und demokratische Grundordnung dieses Landes. Das besagte Unternehmen fordert nichts anderes als ein Stop der anonymen Kommunikation (per Mobilfunktelefon). Die Skandale der letzten Wochen waren offensichtlich kein Einzelfälle — beim Konzern mit dem magentafarbenen T ist es offenbar Unternehmenskultur. (via law blog)

simonym.com

simonym.com Abmahnung

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7 Antworten zu “Wie das magentafarbene T die Anonymität bekämpft”

  1. Humpelnder sagt:

    Jetzt hilft wohl nur noch kräftig spenden, damit die sich einen Anwalt leisten können und den *****

  2. Die Begründung ist klasse. Wer anonym telefonieren möchte, muß zwangsläufig ein Terrorist oder wenigstens ein Sittenstrolch sein.

    Schade, daß der Anbieter von simonym.com als Kleinunternehmen vermutlich nicht die finanziellen Reserven haben wird, um ein gepflegtes Zivilrechts-Poker zu stemmen, obwohl er ein wirklich gutes Blatt hat.

  3. Michael sagt:

    Die Sache ist schlimm genug, aber ich sehe das für die T-Com als Schuss in beide Knien.

    Nicht das die schon genug Imageschaden am Hals haben zur Zeit, die Nummer mit Simonym trägt wohl nur noch mehr dazu bei.

    Und von Profit-Seite her gesehen zahlen ja die Nutzer (anonym oder nicht düfte wohl egal sein) der T-Com Sim-Karten für die Nutzung des Netzes.
    Das heist die Simonym Nummer ist auch noch Umsatzschädigend.

    Meine Spende hat er!

  4. Michael sagt:

    Es fehlt gesunder Menschenverstand, weltweit, aber derzeit ganz besonders in unserer Bundesrepublik.

    BITTE kann jemand mal das sTasi-Video an den Obermann ***, oder die «oberen» 10.000 in diesem Land schicken?

    Das Video ist nämlich wirklich absolut genital!
    Dafür auch vielen lieben Dank an den Ersteller!

    Ansonsten bleibt nur noch zu hoffen:
    Lieber Gott (falls es den denn wirklich gibt), wirf uns ausreichend Hirn vom Himmel. Armes Deutschland…

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