Widerlicher Spam von verwandt.de und der OSN — Online Social Networking GmbH

TalkingUnser Kontaktformular hat durchaus seine guten Seiten. So kommen ab und zu sehr feine Linktipps hinein, andere Tipps oder Hinweise, so auch heute zum Beispiel – Patrick von der Schreiblogade hat uns noch einen Hint zum neuen Design gegeben. Der Regelfall jedoch ist das genaue Gegenteil: Unverschämtheiten hat es schon gegeben, manch eine Beleidigung oder schlicht die unmissverständliche Forderung nach einer Lösung zu einem TrueCrypt-Problem. Auch mussten wir das Kontaktformular bereits nach kurzer Zeit gegen Spam absichern, Viagra, Poker und all die feinen Sachen schneiten hier im Minutentakt hinein. Die typischen Probleme halt, die jeder Publizist kennt – oder die, die einfach nur die E-Mail zur Kommunikation benutzen. Es ist für die meisten schon zum Alltag geworden. Richtig dreist jedoch wird es, wenn solch ein Kontaktformular nicht von Spammern, Bots und Crawlern ausgenutzt wird, sondern von (deutschen) Startups. Alice im Wunderland ist nichts gegen das, was manchmal über das Kontaktformular bei uns ankommt. Heute hat es verwandt.de versucht, besser das Unternehmen OSN — Online Social Networking GmbH. Ich hab ja fast ONS gelesen – aber selbst für einmal drüber huschen ist verwandt.de nicht zu gebrauchen.

Per Kontaktformular fanden uns folgende Worte:

Hallo Herr S,

die Redaktion von verwandt.de ist ein großer Fan Ihres Blogs. Nun wollten wir fragen, ob Sie schon Ihren eigenen Stammbaum bei uns angelegt haben? Wir schenken nämlich unseren Lieblingsbloggern einen professionellen Ausdruck des eigenen Stammbaumes.

Um ein Stammbaum-Poster zu bekommen, legen Sie einfach hier [Edit] Link zur widerlichen Spam-Seite [/Edit] Ihren Stammbaum an. Schicken uns anschließend eine kurze Mail und wir senden Ihnen das Poster per Post zu.

Kurz zu uns:

Unsere Webseite […] ist mit über 60 Millionen Profilen und 6 Millionen aktiven Familien, Europas größtes Familiennetzwerk für Online-Stammbäume und Hobby-Ahnenforschung. Der Service ist, abgesehen von der Poster-Bestellung, komplett kostenlos.

Für weitere Fragen stehe ich jederzeit zur Verfügung.

Viele Grüße,

Tanja-Anja

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Redaktion/Content
Tanja-Anja
OSN — Online Social Networking GmbH

1. Als Fans unserer Webseite wissen Sie doch sicherlich, dass wir F!XMBR aus gutem Grund unsere private Publikation – und nicht Blog — nennen? Sie können doch mit Sicherheit sagen, welches Haustier Oliver jeden Abend um Futter bettelnd treu-doof anschaut? Auch dürfte Ihnen nicht entgangen sein, dass ich selbst nicht der Pferdeflüsterer bin – doch was für ein Flüsterer bin ich? Ich bin sicher, diese Fragen sind für Sie und Ihre Redaktion sehr leicht zu beantworten. Seien Sie nicht so schüchtern. Sagen Sie schon. Na los.

2. Ich kenne meine Familie, meine Familie kennt mich. Sie ist jederzeit für mich da, ich bin jederzeit für sie da. Und schon gar nicht geht es ein Unternehmen an, mit wem ich über wie viele Ecken verwandt bin. Auch sollte Ihnen als Fans dieser privaten Publikation Folgendes nicht entgangen sein: Unsere Schwesterpublikationen. Eine davon, na, wie heißt hieß sie doch gleich, befasste sich mit den Themen Datenschutz, Privatsphäre und allem was dazu gehört. Sicherlich war der Satz ironisch gemeint, ich solle doch meinen Stammbaum bei Ihnen veröffentlichen, oder täusche ich mich da? In Ihrer Redaktion, da tümmeln sich schon ein paar Schlawiner. Mensch, fast wäre ich darauf hineingefallen. Fast hätten Sie mich gehabt. Sie Schlingel, Sie.

3. Ich liebe Schwanzvergleiche. Unserer private Publikation ist mit ein paar Tausend Unique IPs pro Tag ein kleiner Hühnerschiss gegen Ihre Webseite. Das muss ich leider zugeben. Ihrer ist ganz schon lang. Den müssen sie ja fast ums Knie binden. Da müssen sich Facebook, mit fast verbrannten 500 Mio. Dollar im letzten Jahr, Digg.com mit knapp 3 Mio. verbrannten Dollar im letzten Jahr, StudiVZ mit unglaublichen 10 Mio. verbrannten Euro im letzten Jahr oder auch Twitter, die pro Tag 5-stellige Dollarnoten verbrennen, ganz warm anziehen. Ich bin beeindruckt. Echt jetzt. Und europaweit. Whoa.

4. Ihre Webseite ist nicht kostenlos. Jeder unnötige Besuch kostet mich Zeit meiner sowieso schon viel zu begrenzten Lebenszeit. Ich wäre Ihnen also zutiefst verbunden, wenn Sie es unterlassen würden, mich per Mail mit Ihrem Spam zu belästigen. Ich weiß nicht, ob es bis zu verwandt.de oder der OSN — Online Social Networking GmbH vorgedrungen ist, aber Spam-Mails sind mittlerweile eine Ordnungswidrigkeit. Vorschlag: Ich lasse die Sache auf sich beruhen und sie spenden eine angemessene Summe an die Creative Commons? Einmal im Leben das richtige tun. Na los, geben Sie sich einen Ruck. Es ist gar nicht so schwer. Und bevor die Blase platzt, landen wenigstens ein paar Euro mal bei der richtigen Adresse.

5. Da Sie ja alle so große Fans von F!XMBR und den Autoren sind, haben Sie doch sicherlich mit dieser Reaktion gerechnet, oder? Die Frage ist nun, was folgt von Ihrer Seite? Ein Flamewar, ein Blogeintrag? Oder das, was immer passiert, wenn einem lächerlichen Startup die Hosen runtergezogen wurden: Schweigen, die totale Stille. Hallo, ich höre nichts. Sind Sie noch da?

P.S. Fast hätte ich Ihre freundliche Mail gar nicht bekommen, Thunderbird hat sie ohne mein Zutun in den Junkordner verfrachtet…

Bild: Wikipedia

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14 Antworten zu “Widerlicher Spam von verwandt.de und der OSN — Online Social Networking GmbH”

  1. actro sagt:

    Noja..Ich würde das volle Programm fahren, einfach weils mir Spaß macht..
    Einen T5F mit angetackerter Unterlassungserklärung schicken.. Vielleicht klingelts ja doch mal in der Kasse 😉
    Davon mal ab interessiert sich sicherlich auch der LSDB in Hamburg für die nette Firma 😉

    Btw., eine gute Ecke, um solche Dinger zu veröffentlichen und anzuprangern ist die Kategorie 2.5 Weblog-, Guestbook– , Wiki– und Forenspam beim Antispam e.V. im Forum. Das Google-Ranking sorgt meist innerhalb weniger Stunden dafür, daß genau das richtige Ergebnis an erster Stelle steht..

  2. Chris sagt:

    Hast ja richtig viel Werbung für Antispam.de gemacht. 😀

    Und über Google-Juice mache ich mir keine Gedanken…

  3. actro sagt:

    Als Dank für die Werbung helfen wir Dir gerne, wenn das Lösch«gesuch» bei Dir aufschlägt..

  4. Chris sagt:

    Ach, da bin ich ganz entspannt…

  5. mareike26 sagt:

    Hallo,

    ich habe Deinen Blogeintrag mit einem großen Schmunzeln gelesen. Drei Dinge hätte ich anzumerken: Den Klarnamen der Dame solltest Du vielleicht löschen. Die Nennung personenbezogener Daten ohne Einwilligung des Betroffenen kann in diesem Fall Ärger in Form einer Abmahnung bedeuten. Zweitens: Im Falle eines Löschgesuch ist es gut, folgendes Urteil zu kennen: LG Frankfurt mit Urteil v. 20.03.2006, Az. 2/03 O 661/05: Wahre Aussagen müssen «in der Regel hingenommen werden, selbst wenn sie […] für den Betroffenen nachteilig sind» [vgl. etwa BVerfG NJW RR 2001,411; NJW 1999, 1322]. Will heissen, dass das Argument der Geschäftsschädigung, mit dem Löschgesuche oft begründet werden, hier nicht zieht. Drittens bleibt anzumerken, dass die Mail aus Textbausteinen zu bestehen scheint. Eine geistige Schöpfungshöhe in Bezug auf geschäftliche Korrespondenz ist dann nicht gegeben — wir haben mit diesem Argument schon das eine oder andere Löschgesuch abgeschmettert.
    Mit freundlichem Gruß
    mareike26

  6. Chris sagt:

    Den Namen habe ich anonymisiert — aus Gründen der Fairness. Wir setzen uns ja auch für den Datenschutz und die Privatsphäre ein. Rechtlich wäre ich dazu sicherlich nicht verpflichtet gewesen.

    Ansonsten könnt Ihr vielleicht mal nen Gang runterfahren. Nichts ist passiert, gar nichts.

    Ich habe mich bereits mit einem Dialer-Freund und einem der Herausgeber der FAZ auseinandersetzen müssen. Alles ist gut. 😉

  7. Sebastian sagt:

    Ihre Webseite ist nicht kostenlos. Jeder unnötige Besuch kostet mich Zeit meiner sowieso schon viel zu begrenzten Lebenszeit.

    Danke! DANKE!
    Das ist das Lustigste was ich seit Ewigkeiten gelesen habe!

    CC-AN … Hmmm. Darf ich das dem nächsten Online-Marketing Blödel an den Kopf werfen ohne Dich zu nennen?

    Danke nochmals!

  8. phoibos sagt:

    60 millionen profile und nur 6 millionen nutzer? da wird vor lauter fake-accounts wohl selbst die blasevz blass. oder haben sie die kostenfrei zugängliche ahnendatenbank der mormonen angezapft? diese ist nämlich, obwohl von einer religiösen veranstaltung betrieben und reichlich suspekt, frei. ich hab etwas länger mit mir gerungen, den link hier zu publizieren, da ich den mormonen sehr skeptisch gegenüberstehe (siehe die seiten ehemaliger mormonen), doch finde ich jenseits der ideologie es gut, zensus-daten verganger jahrhunderte zu veröffentlichen: FamilySearch.org

    ciao
    phoibos

  9. mareike26 sagt:

    Hallo Chris,

    das war weder als Panikmache noch als Einmischung gemeint. Wenn das so rüberkam, tut es mir sehr leid, das war nicht beabsichtigt.
    Mit freundlichem Gruß
    mareike26

  10. […] Dienst im Internet hinzuweisen, dass man sich nur fragt, warum er noch nie vermisst wurde. Die ganze Geschichte gibt es weidlich kommentiert bei F!XMBR, hier nur die eine Richtigstellung des beflissenen Blahs, die mir am meisten aus der Seele […]

  11. Florian sagt:

    Das ist die passende Antwort dazu! Sauber. So macht man Firmen schmerzhat darauf aufmerksam mit welchen schlechten Methoden die angestellte PR Firma arbeitet. Tanja-Anja ist doch kein Name, den man in der PR verwendet…

  12. kobalt sagt:

    +1 für die Idee mit der Spende an Creative Commons.

  13. Chris sagt:

    Hallo Tanja-Anja,

    Sie wollten mir als Fan meiner privaten Publikation doch sicherlich noch eine Stellungnahme zu Ihrer Mail und meinem Artikel zusenden. Oder täusche ich mich da?

    Mit freundlichen Grüßen

    Chris

  14. […] Schluss noch: Wenige Wochen später las ich mit einem breiten Schmunzeln auf F!XMBR einen Artikel, wie verwandt.de um sich werben muss. […]

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