Werbung, was geht, was geht gar nicht?

Da Falk stellt hier bei der ganzen emtionsgeladenen Debatte nicht ganz unberechtigt die Frage:

Wo genau beginnt denn eigentlich Werbung im Sinne von ?scheiss Werbung? oder anders gefragt — was wäre denn noch okay?

Okay, mal generell — ohne irgendwelche Vermarktungsagenturen direkt anzusprechen:

Für mich ist Werbung der letzte Dreck, ich als Konsument bezahle es teuer und es nervt schlicht und einfach. Ich kann mir echt Schöneres vorstellen, als die ganze Zeit ausschließlich mit Proxomitron zu surfen, d. h. Webseiten werden auch manchmal zu sehr gefiltert. Ich würde gerne ungefiltert surfen. Ich zensiere mich selbst, um diesem Dreck zu entgehen. Das ist grausam sowas, ehrlich.

Unter gewissen Voraussetzungen habe ich mit Werbung aber kein Problem. Wie bei Dir z. B., wenn nur Leute die über Google kommen, auch Werbung angezeigt bekommen — die Hinweise auf Deine Bands beispielsweise, die ihre Musik auch per CC-Lizenz veröffentlichen, ist bestimmt keine Werbung, das sind wirkliche greifbare Tipps. Auch die Hermann der User-Sachen von IT&W, die Zippo-Sache damals, die angeleiert wurde — also praktisch Fansachen, wo der Leser etwas von Wert hat, wenn er denn möchte. Das können T-Shirts sein, die Toni Mahoni-CD, whatever. Das ist teilweise grandios, da wird im Vorfeld etwas geleistet, da hat man etwas von Wert, zum Anfassen, von Dauer. Inwieweit dann sowas durch einen überdimensionalen großen Banner beworben werden muss, wie die Zippo-Geschichte, muss man sehen, und da kann man sich etwas anderes einfallen lassen. Das sind Sachen, da kann man sich mit identifizieren als Leser.

Was gar nicht mehr geht, profane 0815-Werbung, womöglich noch als Flash, Popup oder Overlay-Banner, also generell wo sich etwas bewegt, aufpappt, auf das ich keinen Einfluss habe. Sogar YouTube-Videos starten nur, wenn ich es möchte. Ich entscheide, ob sich etwas öffnet, etwas abgespielt wird, niemand anderes. Auch nervt Werbung innerhalb der redaktionellen Texte oder auch zwischen Text und Kommentare, wie z. B. bei Heise oder den Warezfuzzis von gulli. Das geht gar nicht, wenn ich ein Stück runterscrollen muss, um den Text weiter zu lesen, dann schalte ich schon ab.

Werbung ist generell aufdringlich, manipulitiv, ist einfach crap. Von Datenschutzgeschichten ganz zu schweigen. Ich will gar nicht wissen, wieviele Adserver Daten über uns sammeln, wenn wir ungeschützt surfen, wieviele Cookies da hinterlassen werden — sprich bei Werbung haben wir zusätzlich auch ein großes Sicherheitsproblem.

Nicht zuletzt ist es dann natürlich auch eine Frage, wer da wirbt. Wenn da irgendwelche Unterstützer von mörderischen Regimes werben, geht mir die Hutschnur hoch, die Werbeerlöse sind nichts Weiteres als Blutgeld.

Einfach jetzt mal ohne große Sortierung (der Gedanken) runtergetippt.

Zum Thema bereits von Oliver: werbetreibende Verbalakrobaten

5 Antworten zu “Werbung, was geht, was geht gar nicht?”

  1. Weddige sagt:

    Ich habe kein prinzipielles Problem mit Werbung, aber im Internet (nicht nur da) wird leider immer mehr übertrieben. Darum habe ich mich vor einiger Zeit auch schon mit dem Thema befasst und ein paar Anforderungen an Werbung zusammengestellt:

    Humane Werbung

    Leider wird der ganze Müll immer Schlimmer: Am meisten nervt mich dieser neue Overlaybanner (Proxomitron ausschalten und etwas in der Gegend rumsurfen), bei dem ein Klick auf das Kreuzchen die Werbung öffnet. Jedes mal wenn ich den sehe könnte ich ausrasten.

    Konstantin

  2. Falk sagt:

    Also so eine umfangreiche Antwort und dann gleich im ersten Kommentar noch ein feiner Link dazu. Erstmal danke dafür.

    Okay, der Chris weiss ja, dass ich mir da recht viel Gedanken drum mache und im Zweifel lieber einmal mehr nachfrage, als ungefragt irgendwas auszuprobieren, um «Werbung» zu machen. Denn letzten Endes ist das mit der Musik bei mir schön und gut, aber ohne ein «Auf-sich-aufmerksam-machen» gehts halt dann auch nicht. Ich denke auch das wohl größte Problem für heutige Werber ist ein Markt, der in sich nicht mehr homogen ist (und eigentlich nie wirklich war). Es gibt nicht *den* Konsumenten, *die* Hausfrau oder *den* Musikliebhaber, sondern einfach nur Individuen. Manche mögen eben lieber selbst entdecken, andere wiederum am besten noch den Popo vom Werber persönlich mit dem beworbenen Papier geputzt haben. Und ich denke auch, dass an diesem Punkt die meisten gescheitert sind und wir derzeit einen Offenbarungseid des Scheiterns klassischer PR/Werbung vor uns sehen. Und dies eben nochmal kanalisiert im Netz, was draussen bei den Fernsehzuschauern noch einigermaßem geht, wird hier sofort abgebügelt.

  3. Grainger sagt:

    Also ich sage es mal so:

    wenn ich auf eine kommerzielle Seite gehe (ich zähle jetzt Falks Seite mal dazu, aber man könte auch — um es noch eindeutiger zu machen — Amazon als Beispiel nennen) muss ich zumindest mit einer gewissen Eigenwerbung rechnen.

    Dagegen habe ich auch grundsätzlich eigentlich nichts, wenn es mit dieser Eigenwerbung nicht übertrieben wird und das nicht zu aufdringlich ist kann ich damit gut leben.

    Klappern gehört zum Handwerk und schon die Marktschreier auf den mittelalterlichen Marktplätzen haben ihre Waren angepriesen.

    Wenn ich allerdings auf einer (vorgeblich) nichtkommerziellen Seite bin (evtl. eines engagierten Hobbyisten, irgendein Open Source-/Freeware-Projekt, private Blogs, usw.) erwarte ich eigentlich keine Werbung, schon gar nicht Fremdwerbung von irgendwelchen Drittanbietern.

    Und das oft gehörte Argument das man ja irgendwie die Kosten für seine Internetpräsenz wieder reinholen müsste kann ich auch nicht mehr hören.

    Dann sollen die Leute sich eben Hobbys suchen die sie sich finanziell erlauben können, ich habe ja auch keine Oldtimer-Sammlung (obwohl ich gerne eine hätte :D).

  4. Franz Kummer sagt:

    @Chris:
    »… die Zippo-Sache damals, die angeleiert wurde — also praktisch Fansachen, wo der Leser etwas von Wert hat, wenn er denn möchte …» & «… Inwieweit dann sowas durch einen überdimensionalen großen Banner beworben werden muss, wie die Zippo-Geschichte, muss man sehen …«
    Danke für die Blumen. Als Urheber der Aktion möchte ich nur hinzufügen, dass wir die Pflicht zur Bannerwerbung schon während der heissen Phase der Aktion wieder gecancelt haben und uns mit von den teilnehmenden Blogs selbst gestalteten Bannern bzw. einem einfachen Verweis in einem als Werbung klar erkenntlichen Posting begnügt haben.
    »… , und da kann man sich etwas anderes einfallen lassen …«
    Da wäre ich sehr gespannt drauf. ich freu mich immer über Vorschläge, Meinungen, Kommentare, wie man so etwas noch transparenter, blogverträglicher und besser machen könnte.

  5. […] Werbung, was geht, was geht gar nicht? Nochmal für die Selbsthilfegruppe F!XMBR-Geschädigter… (tags: blogging werung) […]

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