werbetreibende Verbalakrobaten

sam.pngIhr könnt die Sprache verdrehen wie ihr wollt, ihr könnt mit Statistiken wedeln und diese nach Lust und Laune interpretieren, ihr könnt euer Gefasel von Podium zu Podium reichen, ihr könnt die Leute, die Konsequenz und Rückgrat zeigen, verbal durch den Fleischwolf drehen, ihr könnt mit Worthülsen eure wirtschaftliche Blogwelt erklären, kurzum ihr dürft gerne in eurer Scheinwelt leben. Der Knackpunkt ist: fabuliert nicht von dem Blogger, markiert nicht den Prototyp des Bloggers. Stellt euch einfach in die Werbeecke und laßt die Blogger, Blogger sein — es gibt bestimmt auch ein Buzzword aus dem Bereich der Werbetreibenden das dazu besser gereicht.

Ich sage Werbung ist allgemein scheiße und wenn ich dieses, höflich ausgedrückt, Werben beobachte und wie man nach Strohhalmen greift um sich zu verteidigen, um sich schwammig durchs Netz zu winden bzw. wie ein Blob alles zu durchzusetzen und Blogs zu asymilieren, dann lasse ich mich auch gerne als Blogfundamentalist bezeichen und stelle mich bewußt auf die andere Seite. Auf die Seite eben die noch weiß was Rückgrat bedeutet, die weiß das keiner Werbung mag und man diese vice versa ebenso anderen nicht zumutet, die weiß das Werbung ein Luftschloß darstellt, das von allen Konsumenten letztendlich teuer bezahlt wird. Die Seite eben, die letztendlich nicht versucht oberflächliche Ideale mit schnödem Mammon zu vergüten.
Wir können nichts dafür das ihr das nicht versteht, lieber bin ich zu blöde für BWL und bleibe jedoch eine ehrliche Haut. Dann dürft ihr Werbetreibenden überall auch gerne uns Dummköpfen den Stempel der Ahnungslosigkeit aufdrücken, vice versa gibts den Stempel der Heuchelei zurück. Die arme Kirchenmaus kann des Morgens wenigstens noch selbstbewußt in den Spiegel blicken, die anderen brauchen den Spiegel nicht mehr … die Gefolgschaft umgarnt sie stattdessen und stimmt permanent eine Lobhudelei an ob des schnöden Mammons.

Mich z.B interessiert diese Blogwerbemaschinerie nicht im geringsten, ob da einer einer Zunft beitritt oder Google Adsense draufpappt bzw. gar selbst aktiv um Werbepartner feilscht — es kommt drauf an was man macht und in welchem Umfang bzw. wie man sich gibt. Vom Paulus zum Saulus ist immer eine gar schlechte Wandlung, sich zum selbsternannten Prototyp des Bloggers aufzuschwingen und gleichzeitig die Communitysau durchs Dorf zu treiben ruft auch immer Kritik auf den Plan — Kritik weil eben ein Zerrbild von dieser sogenannten Blogosphäre entsteht. Eine Minderheit definiert die Blogwelt und das ist eben falsch.

So aber wie hier für Werbung geworben wird ist es nur allzu leicht sich konsequent auf die andere Seite zu stellen und eine hohe Mauer zu errichten.

14 Antworten zu “werbetreibende Verbalakrobaten”

  1. Chris sagt:

    Ich unterschreibe mal und — danke Oli. :)

  2. EuRo sagt:

    Mal abgesehen davon, dass ich viel zu klein bin um Geld für Werbung einzuheimsen, hätt ich auch keinen Spaß dran, mich in Abhängigkeit oder mindestens Interressenkonflikte zu begeben. Nö. Den Link auf das Miners in GT habe ich unentgeltlich gesetzt, weil ich’s geil finde. Wenn die mir deshalb mal einen Cappuccino austun, würd’ ich den glatt annehmen — mir aber trotzdem vorbehalten, den Link jederzeit zu löschen.
    Die andere «Werbung» betrifft meine Kumpels und wirft auch nichts ab.
    Wenn aber jemand glaubt, mit dieser Art des Hobbyjournalismus Geld verdienen zu wollen, ja mein Gott! Wenn jemand so doof ist, dafür zu bezahlen einerseits und wenn jemand glaubt, er behält auf Dauer seine Leser wenn er tendenziös berichtet, andererseits, dann wird man sehen.
    Ich find Aufrichtigkeit am besten. Soll heißen: Wenn einer schon wirbt, soll er klar dazu stehen. Und wenn einer das nicht mag — es gibt keine Zwangslinks.
    Wenn die Leserzahl abnimmt, nehmen automatisch auch die Werbeaufträge ab. Und wenn Scheiße Fliegen anlockt, ist es auch gut — ich bin keine.
    Ist jetzt mal meine Meinung, die keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit hat…

  3. Oliver sagt:

    >Und wenn einer das nicht mag — es gibt keine Zwangslinks.

    Leider nur eine Vermülling. Aber darum gehts auch gar nicht, es geht darum das die sogennante Blog-Community und irgendwelche noblen Ziele allgemein herhalten muß um last not least monetären Interessen zu genügen. Und diese selbst ernannten Vertreter, die überall a la «wir Blogger» gastieren, werden dabei kritisiert.

    Wer sich sonst noch den Schuh anzieht, um diesen Vorgang zu verstehen, hat eh verloren. Mitunter versuchen auch diese selbsternannten Vertreter die Kritik derart zu verdrehen so sie allgemein kommunistisch angehaucht rüberkommt, sprich wir sind gegen das Geldverdienen allgemein. Wir kritisieren Heuchelei, mehr nicht. Und ich will den ersten sehen, der sich freiwillig Werbung antut und auch dieser ab und an Folge leistet, damit der oft zitierten Wirtschaftlichkeit genüge getan wird. Kein Mensch gibt sich freiwillig diesem nonsense hin. So und wer bezahlt dann diese sogenannten «Kreativen» oder die die im Auftrag Werben? Genau, der Konsument … und man muß schon recht hohl daherkommen und geflissentlich drüber hinwegsehen a la «jeder halt wie er mag». Der Konsument finanziert die Luftschlösser dieser Leute.

  4. Don Alphonso sagt:

    Sorry, aber relativ betrachtet fällt Adical zwar auf, ist aber wenn überhaupt das kleinste Übel. Die schleichende Vermüllung durch die Hitflips dieser Welt und die Idioten, die begeistert für die Chance auf 200 Euro versteckte Werbung laufen, sind das eigentliche Problem. Bei Adical wissen sie wenigstens, dass es irgendwo Grenzen gibt. Gerade vielen kleinen Blogs ist das aber scheissegal, auch wenn es nur ein paar Aufkleber gibt.

  5. Oliver sagt:

    Die Schraube bei «euch» ist, das ihr immer meint wir schreiben hier in Personalunion. Allgemein ist mir Adical recht schnuppe und auch der Blafasel der Werbewunderwelt, den Schuh kann sich jeder anziehen, der meint eine Scheinwelt rethorisch vertreten zu müssen.

  6. Chris sagt:

    Das kleinste Übel ist und bleibt ein Übel Don. Und ich hoffe, dass es «nur» ein kleines Übel wird. Die Abhängigkeit der werbenden Schreiber ist ab sofort gegeben, das steht ausser Frage (Beispiel: Wer nimmt netzpolitik.org denn jetzt noch Kritik an The Great Firewall of China ab?) — die Frage ist auch, wie sehr adical den Werbedreck normalisiert, nach dem Motto, ach, wenn die das machen, sprich den Werbedreck als Selbstverständlichkeit in die Blogosphäre trägt.

    Es ist nunmal so, auch wir haben ganz am Anfang die «Großen» verlinkt, dass die beteiligten Blogs ein Vorbildfunktion haben — ich befürchte, dass wir hier Zeuge vom Sterben einer unabhängigen, teils «anarchistischen» Kultur sind. Schuld daran sind die, die sich auf Podien schwingen und ihre Reden mit Wir Blogger beginnen…

    Mal völlig weg von jeglicher Polemik finde ich das sehr grausam — in Zukunft wird man öfter zu hören bekommen, ach, die Blogger, nichts besser als die Journalisten

  7. Julius H. sagt:

    > Und ich will den ersten sehen, der sich freiwillig Werbung antut und auch dieser ab und an Folge leistet, damit der oft zitierten Wirtschaftlichkeit genüge getan wird. Kein Mensch gibt sich freiwillig diesem nonsense hin.

    Das dachte ich auch mal, bevor ich hier und da zu dem Thema kommentiert und diskutiert habe. Ich versteh’ es nicht und werde es wohl nie verstehen, daß sich die Werbeindustrie nicht nur als notwendiges Übel, sondern auch als begrüßte ‘Information’ in Kultur, Bildung und Forschung drängt. Irrsinn!
    Aber ich bin halt ewig gestrig und unheimlich ‘Underground’.

  8. Prospero sagt:

    Tja, beim Thema Werbung bin ich immer etwas zwiegespalten — einerseits habe ich ein Partnerprogramm bei mir Blog, dass allerdings zumindest bei den Covern nicht mir zugute kommt — was allerdings auch klar definiert ist. Andererseits ist das NGC mit Google-Ad-Sense und Amazon-Werbung vollgepflastert.
    Was aber für mich und für die Leser offenbar nie ein Problem war — das ist deutlich als Werbung erkennbar. Da kommt auch nicht viel bei rum, allerdings macht mir das NGC eine Menge Spaß und ich glaube, dass merken auch die Leser. Und wenn man von der Szene an sich ernstgenommen wird und die einen liest ist das schon viel wert bei SF-Fans, die Blogs, Podcasts und RSS-Feeds noch immer für seltsames neues Körnerbrot halten… *g*
    Sieht man mal von der Tatsache ab, das ich das Medienrauschennetzwerk an sich mag und die Blogs nicht so übel sind, auch wenn Don das teilweise anders sieht. 😉
    Insofern wohnen da ein wenig zwei Seelen in meiner Brust. Klar ist allerdings dass sowas wie Hitflip.de oder gekaufte Beiträge den Ruf, den man sich erarbeitet hat in der Blogosphäre sehr leicht einreißen können. Bei mir ist es ein «fairer Deal»: Da sind die Anzeigen, klickt drauf wenn ihr wollt, aber ihr müsst das nicht tun. Ich vermute solange es klare Grenzen gibt, sollte auch das mit der Werbung kein Problem sein.
    Insofern: Ja, auch ich bin Kommerzblogger. Nachdem ich jetzt Jehova gesagt habe könnt ihr gerne die kleinen Säckchen Kies rauskramen…
    Ad Astra

  9. Oliver sagt:

    >Insofern: Ja, auch ich bin Kommerzblogger.

    Prospero, gerade bei dir haette ich gedacht das du es verstanden haettest.
    Es geht mitnichten darum ob du da irgendwo Adsense oder sonst etwas benutzt, ich schau ohnehin nur auf diesen einen Link von dir der da hier verlinkt ist ;), viel mehr dreht es sich um diese absolute Minderheit. Letztere meint auf Podien, in den alten Medien etc. das Wort fuer *alle* Blogger ergreifen zu muessen. «Wir» Blogger etc.
    Blogs sind gerade mal eben so ein wenig in die breite Oeffentlichkeit gerueckt, abseits vom gebashe der alten Medien, sprich man berichtet ab und zu auch mal positiv darueber. Und was passiert? Man reitet auf der Community-Welle nachoben, schwafelt von Buergerjournalismus und treibt dabei initial die Kommerzsau durch die Blogosphaere. Das ist auch der erste und letzte Eindruck den die breite Oeffentlichkeit erhaelt, schau, die sind auch nicht besser und da die, das sind doch die Blogger der ersten Stunde und selbst die machen es.

    Genau darum gehts, ich lese auch diverse US Blogs, die klotzen nur so mit Inhalt und haben Adsense dabei, ja ich mags nicht — aber der Inhalt zieht mich dennoch dahin. Andererseits rennen diese auch nicht gackernd durch die Gegend und fabulieren von einer Gewinnchance, gute Blogs muessen etwas abwerfen, wir sind die Blogger etc.
    Es ist mir schon klar das diese Blogelite hier keine muede Mark verdient, wuerde sie denn nicht in den Medien umherlaufen und sich als Prototyp der Blogger ausgeben. Und genau das kritisieren wir eben uns ist es doch vollkommen egal was Blog xy macht.
    Viele der grossen da lese ich doch ueberhaupt nicht, haben null Inhalt, aber deswegen wuerde ich nie etwas drueber schreiben. Nur geben diese sich inzwischen als Sprachrohr fuer jeden Blogger aus.
    Den einzigen der grossen da den ich noch lese, der bietet tagtaeglich eine geniale Linkssammlung, da muss man einfach hinschauen — trotz der massiven Werbung dort.

  10. Don Alphonso sagt:

    OK, die Blogs, namentlich diese Blogs sind einen weiten Weg gegangen. Und mitunter sitzen heute Leute auf Podien, von denen man sich das vor 5 Jahren nicht hätte vorstellen können. Weniger adical, manche haben ja was geleistet, aber die Ecks dieser Welt. Dagegen machen kann man viel: Weiterhin so sein, wie man ist, und ihnen ins Maul geben, wenn sie es wagen, für alle zu sprechen. Dann vergeht denen schon die Lust, sich als Speerspitze der Entwicklung zu geben. Und ich sage; Aufs Maul geben, weil andere Formen angesichts des totalitären Anspruches der Lobos dieser Welt zu spät, viel zu spät sind.

  11. […] wollte niemand, weder Publikum noch Podium, gegen Werbung reden. Vielleicht sind die Fundis einfach nicht zur re:publica gekommen. Im Folgenden versuche ich den Gründen […]

  12. […] die harmloseren Varianten, die man zu hören bekam. Nicht umsonst sind bei uns z. B. dieser und dieser Artikel entstanden. Man hat lieber versucht, auf der re:publica über die Kritiker dumme Witze […]

  13. Ich habe viel gegrübelt ob ich mir das gönne.. bin aber jetzt froh das ich Distanz bewahrt habe..Die Diskussion am Rande wird es aber sicher viele bestärkt haben genau so weiter zu machen wie bisher.

    xxlkillababe.wordpress.com

  14. […] Master Boot Record f!mbr nennt das ganze werbetreibende-verbalakrobaten Zitat: Ich sage Werbung ist allgemein scheiße und wenn ich dieses, höflich ausgedrückt, Werben […]

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