Wer sich auf den SPIEGEL verlässt, ist verlassen

SPIEGEL

Das neoliberale Kampfblatt haben wir hier schon oft erwähnt. Vor wenigen Tagen empörte ein Artikel über ein paar angebliche Hinterbänkler des Deutschen Bundestages die Runde. Neger gesucht — provokanter hätte man es kaum ausdrücken können. Die Aufregung war groß — auch auf den Blogs wurde geschrieben und diskutiert. Auch Holtzbrincks Chefblogger — Thomas vom Handelsblatt — erfüllte seine Chronistenpflicht. Denn Möchtegern-Volksvertreter, die sich so benehmen, gegen die sind betrunkene Touristen in Gefängniszellen eine Zierde für Deutschland. Nicht jeder Kommentator mochte Thomas zustimmen — ein Update, wie auf Blogs eigentlich üblich, blieb bisher aus. Dabei gibt es durchaus interessante Entwicklungen zu berichten.

Dietmar hat die Bundestagsabgeordnete Annette Widmann-Mauz auf Abgeordnetenwatch.de um eine Stellungnahme gebeten — diese kam auch prompt. Erste Zweifel kamen auf. Daraufhin hat Dietmar die SPIEGEL-Autorin Petra Bornhöft um eine Stellungnahme zu den Worten der Bundestagsabgeordneten gebeten. Mein derzeitiger Lieblingsspruch, Nachts ist es kälter als draußen, hat ähnlichen inhaltlichen Gehalt, wie die Worte der SPIEGEL-Autorin. Später dann hat sich ein weiterer Teilnehmer der Reise, Hubert Hüppe, auf Abgeordnetenwatch.de zu Wort gemeldet. Auch wenn es ein CDU-Abgeordneter ist, so sollte man die Stellungnahme lesen — da sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Gesundheitsblogger strappato wirft noch einmal einen Blick auf den Anlass und die Termine — Lesebefehl:

Ein Ziel war das California Institute for Regenerative Medicine. Die vom Staat Kalifornien ins Leben gerufene und mit 3 Milliarden Dollar für 10 Jahre ausgestatte Einrichtung ist der weltweit grösste Einzelförderer für Stammzellenforschung. Das dort verfolgte Förderkonzept hat grossen Einfluss auf zukünftige Entwicklung der Stammzellenforschung und Ansätze zur Heilung von Krankheiten.

[…]

Wenn es Gelegenheit gibt, dass sich Fachpolitiker mit den international führenden Wissenschaftlern und Wissenschaftsmanagern auf dem Gebiet austauschen, ist dies meiner Meinung bei einem so wichtigen und umstrittenen Thema zu begrüssen.

Wenn man sich auf den SPIEGEL verlässt, ist man verlassen. Ich würde mir wünschen, dass solche Geschichten die unrühmlichen Ausnahme sind — nur sie sind es nicht. Doch auch wenn der SPIEGEL das eine oder andere Mal noch als initiale Informationsbeschaffung dient — mittlerweile sollte jeder SPIEGEL-Leser daran denken, eine alternative Quelle zum Thema zu suchen. Der SPIEGEL betreibt meiner Meinung nach keinen seriösen Journalismus mehr — es geht um pure Meinungsmache, Meinungsmacht. Der SPIEGEL berichtet nicht über Politik — er macht Politik. Der SPIEGEL berichtet nicht über die Wirtschaft — er ist ein Teil dessen. Der SPIEGEL gehört meiner Meinung nach zu den Verrätern des seriösen Journalismus.

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4 Antworten zu “Wer sich auf den SPIEGEL verlässt, ist verlassen”

  1. micha sagt:

    Also auf wenn man die fragen auf abgeornetenwatch und die (meist) ausgebliebenen Antworten sich durchliest, tendiere ich eher dem spiegel zu glauben.

    die gute dame hat sich zur sache null und gar nicht geäußert.

  2. Robin sagt:

    Ich hab den Artikel im SPIEGEL auch gelesen. Das klang schon damals etwas naja überzogen. Aber gut, es hätte sein können.
    Nur wenn man sich die Erklärungen des Abgeordneten auf Abgeordnetenwatch.de durchliest, dann staunt man schon, wie viele «Auslassungen» sich der SPIEGEL geleistet hat. Ich würde mal sagen, da sollte um den Ausspruch «Neger» noch ein ausführlicher Artikel gebastelt werden und da hat man eben alles genommen was ging.

    Erfreulich ist diese Rechercheleistung jedenfalls nicht.

  3. […] Wer sich auf den SPIEGEL verlässt, ist verlassen Ack. (tags: johournaille) […]

  4. Phil sagt:

    Spiegel -> Gruner und Jahr -> Bertelsmann.

    Ich verweise bei Bertelsmann auf einen Artikel bei Nachdenkseiten -> Ein Kaffekränzchen regiert unser Land

    Die Initiatoren, die still und heimlich unsere Politiker derart stark beeinflusst haben, dass sie zufrieden und mit reinem Gewissen die Grundfesten unseres Staates auf den Markt werfen, sind klar zu nennen: es handelt sich um Liz und Reinhard Mohn, unterstützt von ihrer Freundin Frieda Springer.

    Sie haben diese Namen fast noch nie gelesen, sie halten sich weitestgehend aus den Medien heraus und doch werde ich Ihnen erklären, dass es nahezu niemand anderes ist, der das deutsche Gesundheitssystem zur Ernte für Investoren vorbereitet hat. Das Ehepaar Mohn besitzt, als reiner Familienbetrieb, sowohl die Bertelsmann AG, als auch die Bertelsmann Stiftung, ein geniales Steuersparmodell, denn die Stiftung ist derzeit immer noch als gemeinnützig anerkannt, obwohl sie zu 75% Besitzer der Aktien der AG ist, 25% der Aktien befinden sich in direktem Familienbesitz. Durch die Gemeinnützigkeit muss die Stiftung die Dividendenausschüttung erheblich begünstigter versteuern, als es die Familie Mohn müsste, wenn sie als privater Eigner Steuern zahlen würde. Die Einsparungen liegen in Milliardenhöhe, denn beispielsweise im Jahr 2006 kursiert ein Gewinn der Bertelsmann AG von 9,7 Mrd. Euro und der Umsatz des Konzerns war 2005 mit 16,8 Milliarden Euro so hoch wie der der nächsten zehn Medienkonzerne zusammen.

    Ein „global player“, der insgesamt in über 60 Ländern vertreten ist und sich vor allem über die Vermarktung von Kommunikation im weitesten Sinne finanziert. Unter anderem gehört der Bertelsmann AG sowohl die RTL Group, als auch der Gruner + Jahr Verlag, aber auch die, auf breiter internationaler Ebene agierende Arvato, die sich auf alle Kommunikationsplattformen zwischen Bürger und Staat spezialisiert hat. Insgesamt gehört dieser unglaublich mächtige Konzern einer einzigen Familie, der Familie Mohn. Frieda Springer, die Witwe von Axel Springer besitzt die Hauptanteile des Springerkonzerns und die beiden Damen sitzen häufig bei einem Plausch bei ihrer Freundin Angela Merkel. Ob sich unsere Kanzlerin diese Freundschaft allerdings frei wählen konnte, ist angesichts der Medienallmacht von Liz Mohn und Frieda Springer, die übrigens einen ausgesprochen sympathischen Eindruck machen, mehr als fraglich. Ein Kaffeekränzchen regiert unser Land.

    http://www.nachdenkseiten.…./?p=2965 (bisschen scrollen)

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