Wenn vermeintlicher Erfolg den Charakter verdirbt — Mozilla will den Thunderbird abschieben

Über den Firefox haben wir schon das eine oder andere Mal gesprochen. Nichtsdestotrotz ist der Browser im Mainstream angekommen — was die Verbreitung angeht, wie auch der Umgang mit Sicherheitslücken. Muss wohl so sein, wenn Erfolg da ist.

Problem nicht behoben: Firefox macht den gleichen Fehler wie IE

Wurde zunächst dem Internet Explorer vorgeworfen, bestimmte Aufrufe ungeprüft an andere Anwendungen weiterzuleiten, hat sich inzwischen herausgestellt, dass dies auch auf Firefox zutrifft.

Darum soll es aber hier nicht gehen — Mozilla-Chefin Mitchell Baker hat auf ihrem Weblog über die Zukunft des eMail-Clients Thunderbird gesprochen. Im Hause Mozilla will man sich wohl voll und ganz auf den Firefox konzentrieren und die Entwicklung des Thunderbirds abgeben. 3 Optionen stehen zur Diskussion.

  1. Create a new non-profit organization analogous to the Mozilla Foundation — a Thunderbird foundation.
  2. Create a new subsidiary of the Mozilla Foundation for Thunderbird.
  3. Thunderbird is released as a community project much like SeaMonkey.

Geld (jaja, non-profit…) verdirbt den Charakter — Erfolg in vielen Fällen ebenso. Wenn man sich die Wortwahl von Baker anschaut, lese zumindest ich zwischen den Zeilen, dass der Firefox das über alles geliebte Kind ist, und der Thunderbird das Stiefkind, welches man nun loswerden möchte. Aschenputtel kommt mir da gerade in den Sinn.

Vielleicht sollte man sich im Hause Mozialla mal wieder an die Anfänge zurückerinnern, sich darüber Gedanken machen, wie man groß geworden ist. Die Mozilla-Community besteht nicht nur aus Firefox — im Gegenteil. Viele User haben schon mit Schrecken von diesem Browser Abstand genommen — man denke zum Beispiel an manchen Deal der Vergangenheit. Dass nun der Thunderbird abgeschoben werden soll, entspricht dem Charakter — jedenfalls dem, der immer wieder in den letzten Jahren zu beobachten war.

Was evtl. für viele Thunderbird-Fans ein Schock sein könnte, kann natürlich auch eine riesige Chance darstellen. Es muss nicht unbedingt schlecht sein, wenn sich die Thunderbird-Entwicklung auf eigene Beine stellt. Ich sehe darin — erst recht, wenn man sieht, wie die Damen und Herren behandelt werden — eine große Chance. Besser, als weiterhin unter dem Mozilladach beheimatet zu sein, ist es nach diesem Blogeintrag auf alle Fälle. Die Chance sollte man nutzen und froh sein. Mozilla indes wird irgendwann in (naher) Zukunft nur noch unter ferner liefen laufen.

26 Antworten zu “Wenn vermeintlicher Erfolg den Charakter verdirbt — Mozilla will den Thunderbird abschieben”

  1. Bernd sagt:

    Ich denke auch, dass der TB nur davon profitieren kann. Mal ehrlich, was kann das Ding schon, ausser auf mehreren Betriebssystemen laufen? Nichts kanns. Weder kann es gut mit IMAP umgehen, noch ist das Adressbuch zu gebrauchen, von vcf reden wir erst gar nicht. Gleiches gilt für Sunbird. Die angesprochenen Programme sind hoffnungslos — wie soll ich sagen — underdressed und wenn was geändert wird, dann nur Humbug, was wirklich niemand braucht. Gefeiert wird wie ein Weltmeister, wenn man eine Sache einigermaßen zu bringt — andere feiern nicht und sind schon Meilen weiter. Ich nutze zwar noch FF und TB, werde aber immer mehr und mehr von deren Produkten enttäuscht. Wie Du schon sagtest — wenn Erfolg den Charakter verdirbt.

  2. Oliver sagt:

    Nun ja war doch nur eine Frage der Zeit, die haben sich übernommen. TB in anderen Händen da kann Großes bei raus kommen oder aber es gerät in Vergessenheit. Ehrlich gesagt am Anfang waren beide mal gute Programme. Heute jedoch ist FF ein Ressourcenmonster und TB nicht wirklich zuverlässig.
    Aber mehr als Sylpheed oder Mutt brauche ich eh nicht, meine Mailinglisten und anderen Mail, pro Tag 200–300, packen die locker und das sicher :)

  3. avision sagt:

    TB ist schon seit langer Zeit einfach nur enttäschend. An wem es liegen mag will ich nicht beurteilen.

    Version für Version haben sich wichtige Dinge nicht durchgesetzt/geändert — mag das am Dach Mozilla liegen? Wenn ich die Maillinglist so durchlese mag das ein Grund sein… Aber nur einer unter vielen.

    Grüsse,
    avision

  4. Andreas sagt:

    TB enttäuschend? Also ich finde den Mailer nach wie vor Klasse.
    – Läuft praktisch auf jedem System (Um das *allein* auszugleichen muss schon viel passieren)
    – Ist IMHO komfortabel zu bedienen und alles, nur nicht träge
    – Nachvollziehbare Datenorganisation auf dem Filesystem -> Leichtes Backup, und ebenfalls leichte Extrahierung von *einzelnen* Bestandteilen des Profils.
    – das MBOX-Format sagt mir ebenfalls zu, jedenfalls viel mehr als jede unnötige Eigenentwicklung
    – Enigmail: GnuPG mit wenigen Klicks integriert.
    – Gute Dokumentation im Web, z.B. http://thunderbird-mail.d.….e
    – Das Adressbuch versteht sich wunderbar mit LDIF. Es ist ein leichtes, Daten für einen perfekten LDIF-Import als auch Export aufzubereiten. Mozilla spezifische Daten sind sauber markiert, super nachvollziehbar. Meine Adressen etc. speichere ich schon lange in einer selbstgestrickten Applikation. Hin und wieder exportiere ich die Daten in LDIF und importiere sie in TB (und das eben *ohne* Probleme)
    – Und dann auch noch für Umme…

    Ich habe Thunderbird lange auf *ix eingesetzt, wegen etwaiger Software und aus Mobilitätsgründen habe ich aber meinen Laptop auf Windows und mittlerweile TB dort laufen. Mir ist TB dabei noch niemals, wirklich niemals abgeschiert. Zeitweise hatte das Progrämmchen dabei enorme Mailmassen mit einem 350MB großen Profil zu verwalten (die Millionengrenze wurde locker gesprengt!).

    Kritik am FF: Teilweise berechtigt. Kommt einfach langsam mehr wie ein Betriebssystem rüber als ein Browser. Wird irgendwie zu fett. Ebenso wird die Mozilla Found. ein wenig unsympatischer. Übertreiben muss man es aber nicht.

    Dennoch: TB entspricht voll und ganz meinen Wünschen. Welcher Mailclient ist denn bitteschön besser, gleich schnell und läuft _richtig_ auf *ix und Windows? Noch dazu ohne Probleme synchronisierbar? News etc. sind mir Schnuppe. Die Kernkompetenz — das Mailen — ist wunderbar umgesetzt.

    Jungs, lasst die Kirche mal im Dorf…

    PS: IMAP nutze ich nicht, ich hab ungerne unverschlüsselte Mails auf Servern meines Providers archiviert… und die meisten nutzen leider keine Verschlüsselung, d.h. nur ein Bruchteil ist wirklich sicher. Mag sein, das dort Schwächen sind, dazu kann ich nix sagen. Ich brauchs nicht…

  5. anty sagt:

    Ich benutze schon seit einer kleinen Ewigkeit FF und TB und bin sehr zufrieden damit.

    Das TB abgeschoben werden soll kann ich nicht verstehen: Die Mozillafoundation weiß nicht wohin mit dem Geld und anstatt ein Paar fähige Programmierer an TB und Sunbird zu setzen wollen sie sich davon distanzieren.
    Wenn Mozilla mehr Arbeit in seine anderen Projekte neben FF stecken würde, dann hätten wir sicher zwei weitere super Produkte.
    Ich benutze bereits jetzt den Bugverseuchten und umständlichen Sunbird als Terminkalender. Allerdings hat auch dieses Programm großes Potential und es wurde auch mit dem richtigen Fokus begonnen: Einen Cross-Plattform Terminkalender zu erstellen.

    Hoffentlich findet Mozilla die richtige Lösung für Thunderbird. Wie auch immer diese aussehen mag.

  6. Oliver sagt:

    @andreas, ich finde ihn nicht nur enttäuschend, eher gar hundsmiserabel. Ein Mailer der bei den einen «viele» Mails bewältigt und bei vielen anderen, erwiesenermaßen, für massive Probleme sorgt, ist alles andere als zuverlässig.

    Und ich habe mich mal knapp fünf Jahre lang auf http://www.efb.nu intensiv mit Freeware aller Art für Windows beschäftigt, ebenso wie seit knapp 10–11 Jahren für Opensource im Bereich Linux/BSD anderswo und das mache ich auch heute noch. An hochqualitativen Mailern gabs da nur zwei, PegasusMail und Sylpheed bzw. Sylpheed Claws. Letztere auch interoperabel und synchronisierbar bzw. keine Ressourcenfresser. Mein rundum-glücklich Mailer ist übrigens Mutt, Sylpheed wird den Leuten angeraten die eine GUI benötigen.

    Alles was seit Phoenix 0.8 aus dem Hause Mozilla kommt ist mehr oder weniger Dreck wert, mit Ausnahme vielleicht noch von Seamonkey.

    Ich mein, wenn mit dem Zeugs jemand glücklich wird — okay, aber Mozilla Erzeugnisse gereichen heute nicht mehr *irgendeinem* qualitativen Anspruch.

    Mbox nutze ich auch, hat aber auch bei sehr *vielen* Mails seine Nachteile gegenüber maildir, aber das nur nebenbei.

  7. Teuchtlurm sagt:

    Ich nutze seit längerer Zeit die portable Version vom TB. Läuft vor allem herrlich einfach zusammen mit GPG. Wäre schön, wenn eine zufriedenstellende Lösung gefunden würde, vielleicht nähme der TB ja eine gute Entwicklung. Allerdings muss ich auch gestehen dass Opera eine Komplettalternative wäre. Allerdings nur, wenn es endlich eine Möglichkeit gibt, GPG einzubinden.

  8. Oliver sagt:

    >Läuft vor allem herrlich einfach zusammen mit GPG.

    Was wohl anscheinend eher eine Wissenslücke in puncto Opensource, denn ein Kunststück darstellt.

  9. Bernd sagt:

    Ich nutze seit längerer Zeit die portable Version vom TB. Läuft vor allem herrlich einfach zusammen mit GPG..

    Jaja ganz herrlich. Als ich vor Monaten den TB hier installiert habe, habe ich noch gar nicht an Enigmail gedacht. Ich wollte dann — ein für mich lange Zeit — vor Wochen eine verschlüsselte Mail schicken — also Enigmail herunter geladen und:

    Dieses Plugin ka**t auf Dein OS! Du hast Pech! Prima! Zwei Tage danach gabs Enigmail dann auch für FreeBSD. Hätte ich in der Zeit mehrere verschlüsselte Mails versenden wollen… ja *Thumbsup* eben.

    Aber lassen wir das, zählen wir mal nicht auf, was TB nicht kann und denken wir nicht darüber nach, was er schon längst können sollte — erfreuen wir uns, dass das einigermaßen funktioniert, was die Mozillas denken, was der User braucht und v.a. in welchem Maßstab er es benötigt. Feiern wir die Tatsache, dass man mit TB auch Mails verschicken kann 😀

  10. Teuchtlurm sagt:

    Feiern wir die Tatsache, dass man mit TB auch Mails verschicken kann

    Naja, ich habe einige Clients getestet — und der TB kommt meinen Wünschen mit Abstand am nächsten.

  11. michfrm sagt:

    Bin bin Thunderbird User seit 0.x, war zwischenzeitlich bei GMail und bin nun wieder bei Thunderbird. Seit kurzem hab ich 2.0 (ich war immer, bis PortableApps.com ne neue Version hat) und bin enttäuscht, wie wenig sich getan hat. Eine wirkliche Revoltion vermiss ich, wenn ich mir so anschau wie gut Outlook 2007 mit IMAP umgeht (merkt sich z.B. was man löschen will und macht alles beim nächsten Sync, ist wesentlich schneller), könnte man fast neidisch werden.

    Firefox benutz ich nie, Opera braucht nur Bruchteile von Arbeitsspeicher und arbeitet auch wesentlich stabiler.

    Ich begrüße es, dass Mozilla sich vom Thunderbird trennt, vielleicht kommt dann endlich eine Revolution :)

  12. Andreas sagt:

    @oliver: Naja, gut ok. Sylpheed nutzt aber GTK+… und sieht dementsprechend aus 😉 Zudem sagt mir das MH-Format nicht zu. *Darüber* lässt sich aber streiten, denn das ist mehr oder weniger Geschmackssache.

    Was mir aber negativ auffällt Im ganzen Thread hier bist du der einzige, der *zwei* Programme genannt hat, wovon eins für *ix-Konsolenmenschen ist. Outlook lass ich nicht gelten (kostet Unsummen und wer FF als fett bezeichnet darf Outlook nichtmal ansehen…).

    Alle lästern über TB, aber irgendwie kommt keiner mit Programmen daher, die wirklich besser sind. Das einzige, das in der gleichen Liga der Leistungsdaten spielt ist Sylpheed — OK, akzeptiert.
    Und jepp: ich will ne GUI auf nem Client. Konsolen hab ich schon genug… und Schick ist TB allemal. Skinnable dazu auch noch.

    Ich will ja gar nicht TB in den Himmel loben, klar gibt es noch Dinge die man verbessern kann. Das Programm als Schei*e darzustellen finde ich dennoch nicht richtig, zumal gleichwertige oder gar bessere Programme nicht gerade auf der Straße liegen. Daher sind auch Aussagen wie «grottenschlecht» irgendwie unangebracht — wenn Phoenix 0.8 gut gewesen ist, warum sind die stetig verbesserten Nachfolgeversionen auf einmal «grottenschlecht»?

    Mozilla-Bashing scheint chic zu werden?!

  13. Oliver sagt:

    >Mozilla-Bashing scheint chic zu werden?!

    Seit 1.0 bei mir auf jeden Fall, ja.

    >wenn Phoenix 0.8 gut gewesen ist, warum sind die stetig verbesserten Nachfolgeversionen auf einmal ?grottenschlecht??

    Weil ich keine Verbesserung sehe, sondern eine Verschlechterung und außer 2,3 Extensions kam ohnehin nie etwas bei mir rein. Das Speicherverhalten z.B. wurde nie verändert.

    Für dich muß der Browser vielleicht die eierlegende Wollmilchsau sein, für mich der *Browser*. Ebenso wie Mail halt Mail ist und nicht Feedreader, HTML Anzeiger usw.

    Das meine Präferenz bei BSD liegt dürfte klar sein, Windows hat für mich nur eine untergeordnete Rolle und ist in der Regel davon geprägt, das ich dort ein paar ältere Rollenspiele wie Baldurs Gate gut spielen kann 😀

  14. Andreas sagt:

    Na denn 😉 Ich bin auch auf dem BSD-Trip, beim Browser mag ich dir ebenfalls zustimmen, mir gefällt nur die Art und Weise der Kritik nicht so ganz. Zwischen «ist mir zu fett / Verschlechterung» und «grottenschlecht» liegt doch ein gewisser Unterschied. Ersteres ist legitim da u. a. Geschmacksache und ja auch begründet — aber Letzteres stimmt IMHO einfach nicht.
    TB ist nicht grottenschlecht. Wenn man solche Qualitätsmaßstäbe an OSS allgemein anlegen würde bliebe außerhalb das BSD-Zugs nicht mehr viel übrig, was nicht «grottenschlecht» ist. Und selbst innerhalb würde ordentlich geholzt werden 😉 Und das haben viele Projekte IMHO einfach nicht verdient, tun’ doch viele Programme ordentlich ihren Dienst — wie eben auch TB bei mir. Und da man im Internet eben nicht alleine ist, muss mein Mail-Client auch *ordentlich* HMTL darstellen können. Punkt. Aufgeblasen ist das noch nicht, es ist vielmehr angemessen. Dogmatische Haltung spar’ ich mir, ich versende selbst ordentlich Plaintext bin aber nicht der Erzieher der Welt (ich will auch mit technisch unbedarften Menschen *ordentlich* mailen können, ohne gleich die Besserwisserkeule auszupacken).

    Naja, vielleicht verenn’ ich mich auch ein wenig in der Kritik an der Kritik… ist aber nicht bös’ g’meint *g* Daher mach’ ich jetzt Schluß 😀

  15. Oliver sagt:

    > Zwischen «ist mir zu fett / Verschlechterung» und «grottenschlecht» liegt doch ein gewisser Unterschied.

    Jo mei, wenn du über die Jahre und selbst hier auf dem Weblog schon «tausend» Worte dazu verloren hast, muß auch irgendwann mal ganz selbstgefällig «ist scheiße» langen. Zudem betonten wir, in diesem Fall, auch oft genug das im Prinzip alle Browser quasi Dreck wert sind. Eine gewissen Rangfolge sehr wir dennoch.

    >Wenn man solche Qualitätsmaßstäbe an OSS allgemein anlegen würde bliebe außerhalb das BSD-Zugs nicht mehr viel übrig, was nicht ?grottenschlecht? ist.

    Exakt, behauptete ich schon mal etwas Gegenteiliges? 😀

    >Und das haben viele Projekte IMHO einfach nicht verdient

    Ja gut und ist das unser Problem? Sollen sie anstatt Featuregeilheit mal auf Qualität bauen. Ein Punkt den ich auch bei Linux predige und aber mal seit Mitte der 90er ganz cool fand.

    >Und da man im Internet eben nicht alleine ist, muss mein Mail-Client auch *ordentlich* HMTL darstellen können.

    Weißt HTML ist bei mir seit Ewigkeiten in puncto Mail ein no-go und ich erlaube mir die Arroganz ausschließliche HTML Mails ohne zu Lesen in den Müll zu kippen. Gleiches gilt für wichtige Dinge, die nicht verschlüsselt versendet werden. Auch wehre ich mich gegen ICQ. Ist eigentlich ganz einfach, ich werd jetzt auch nicht anfangen Windows und Office zu nutzen, nur weil es das Gros der Welt so macht.

    Und allgemein gesprochen, wir sind nicht Mainstream, waren es nie und werden es auch nie sein.

  16. Andreas sagt:

    > Und allgemein gesprochen, wir sind nicht Mainstream, waren es nie und werden es auch nie sein.

    Ich würde mich auch nicht als Mainstream bezeichnen… aber diese Haltung kann _ich_ nicht an den Tag legen, und wirklich richtig finde ich sie auch nicht. Mit Messengern hab’ ich nix am Hut (machen nur die Produktivität kaputt… fast so wie euer Blog *g*), aber ich kann schlecht per se alle HTML-Mails in die Tonne treten. Kunden und auch mancher Freund würden sich bedanken (und ich seh’ im Traum nicht ein, Streitereien wg. eines Mailformats anzufangen). So eine Haltung kann sich nicht jeder leisten… und ich fang auch keine Diskussionen mit der Fleischereifachverkäuferin von nebenan an, warum sie mir das Bild nun nicht in einem Word-Doc schicken soll. Das juckt die nicht… und das braucht sie auch nicht groß jucken, IT ist im Leben der meisten _höchstens_ nettes Beiwerk. Ich akzeptiere das derweil.
    Ein «ich werfe alle HTML-Mails weg» ist von der Denkweise her von hier oft kritisiertem GPL-Fetisch nicht weit weg. Finde _ich_ jedenfalls…

    Mein Weg: Ich hab mein Windows auf dem Schlepptop, dort ist auch die Mainstream-Software schön zusammengepackt und ansonsten mach’ _ich_ es einfach ordentlich. Anders geht es IMHO nicht, sofern man sich z.B. deine Haltung nicht leisten kann oder will. Ist für mich ein funktionierender Kompromiss. Und um zum Thema zurückzukommen: TB hilft mir dank seiner guten Interoperabilität dabei 😀

    Unsere Denkweise hinsichtlich Software ist — glaube ich jedenfalls — nicht so verschieden. Nur die Schlüsse, die wir daraus ziehen…

  17. syrabo sagt:

    Nun, vielleicht macht es ja wirklich Sinn, das Thunderbird sich trennt von Mozilla, wenn diese es nicht «gebacken» kriegen, ihre Resourcen ordentlich einzuteilen. Zumindest könnte man die Trennungswünsche auch als ein Eingestehen eines solchen Problems sehen. Man kümmert sich halt lieber um den «Goldesel» anstatt um den ganzen Hof.

    Als Opensource-Projekt müsste TB doch sicherlich eine Community haben, die auche eine Weiterentwicklung ermöglicht.

    Ich selbst verwende TB. Bin aber über die Entwicklung enttäuscht. Er ist in der Darstellung größerer, reiner Textmails z.B. 500 KB langsam. An sich ist die Schriftdarstellung bei unformierten Textmails in verschiedenen Schriftgrößen. Fehlende «native» Unterstützung anderer, gäniger, Postfach-Arten (MH-Mail). Doch ist TB für mich unter OSX mit häufigen Switch zu Linux die einzige gute Alternative, denn:

    Ich habe keine Lust und Zeit ewige Basteleien zu starten für:

    Sylpheed (an sich mein liebster). Gibt es nativ mit über Darwinports (jetzt Macports oder so). Doch ist es nicht ganz stimmig. Z.B. kein «@».

    Mutt: habe ich jetzt eine weile probiert, doch gibt es in der Konsole beim OS X ein Problem mit dem Umlauten. Im Mutt selbst klappt es gut (UTF-8), aber wenn ich dann im Vi einen Text schreibe, dann kann sie der Vi nicht mehr. So kann ich nicht arbeiten und eine Lösung war nicht in Sicht. Vielleicht klappt es ja beim Leopard. Doch scheint sich Apple bei ihrem OS so stark auf ihre GUI zu konzentrieren, dass die Konsole ein Stiefkind ist wie bei Mozilla der TB.

    GnuMail: Das wäre eine Alternative für den Zwitsch von OS X mit Linux oder BSD. Doch braucht die Entwicklung dort noch eine gute Zeit, um eine Alternative zu werden für mich.

    KMail: Habe ich auch schon überlegt. Doch ist KDE unter OS X immer gern zum Absturz bereit. Vielleicht mit KDE4, welches bei der jetzigen Sicht auf die Entwicklung auch «direkt», ohne X11/Xorg, seinen Platz findet in der OS X — GUI.

  18. Oliver sagt:

    @andreas

    >Kunden

    Sind wohl okay in dem Zusammenhang, interessiert mich ehrlich gesagt aber auch nicht. Wenn jemand Windows tatsächlich ob des Berufs zwingend nutzen muß ist mir das auch schnuppe. Ändert jedoch nichts an meiner Meinung gegenüber der *Sache*.

    >IT ist im Leben der meisten _höchstens_ nettes Beiwerk.

    Klar ist ir bewußt. Setzt man das auf die Straße um, wären das mind. 20 lethale Unfälle direkt vor der Haustür. Kann man registrieren, muß man jedoch nicht hinnehmen.

    >Ein ?ich werfe alle HTML-Mails weg? ist von der Denkweise her von hier oft kritisiertem GPL-Fetisch nicht weit weg. Finde _ich_ jedenfalls?

    Wie du auf dies schmale Brett kommst, einerseits Mißbrauch von Freiheit bei der GPL und andererseits soll ich mir meine Freiheit durch die Dummheit anderer beschneiden lassen? Meine Text Mails jedenfalls schränken niemanden ein und schleppen auch keinen Dreck ins virtuelle Haus.

    >Mein Weg: Ich hab mein Windows auf dem Schlepptop, dort ist auch die Mainstream-Software schön zusammengepackt und ansonsten mach? _ich_ es einfach ordentlich.

    Mal jetzt vom möglichen Job abgesehen, hieße das auch, gemäß dieser Logik, ich müßte bei mir daheim auch Raucher und irgendwelche Leute mit rechten Ansichten dulden? Wobei das jetzt nur ein paar Beispiele sind, was ich hier nicht dulde. Also meine Freiheit einschränken, nur damit andere glücklich sind, die mir respektlos gegenübertreten und etwas von *mir* wollen? Nun ehrlich gesagt da habe ich doch mit 35 Jahren und schon einen eigenen Charakter entwickelt. Ich schränke andere nicht ein, nur weil ich *meine* Meinung zu bestimmten *Dingen* postuliere.

    Ich wundere mich eigentlich über nichts mehr in D.

    @syrabo

    >Doch scheint sich Apple bei ihrem OS so stark auf ihre GUI zu konzentrieren, dass die Konsole ein Stiefkind ist wie bei Mozilla der TB.

    Um es mal arg vereinfacht auszudrücken, Apple löst in MacOS jedes Problem mit einem zusätzlichen Layer. Das mag zwar so mancher reine Desktop-User cool finden — vereinfacht es doch die «Oberflächlichkeit», mir grauts eher davor wenn ich in die Konsole gehe. UNIX ist bei Apple das schwarze Schaf der Familie, aber zur profanen PR (UNIX==sicher) gereicht es natürlich.

  19. Andreas sagt:

    > Wie du auf dies schmale Brett kommst, einerseits Mißbrauch von Freiheit bei der GPL und andererseits soll ich mir meine Freiheit durch die Dummheit anderer beschneiden lassen? Meine Text Mails jedenfalls schränken niemanden ein und schleppen auch keinen Dreck ins virtuelle Haus.

    Es ist nicht weniger schmal als der Vergleich von Toleranz unbedeutender technischer Unschönheiten wie HMTL-Mails mit dem Billigen von rechten Parolen 😉

    > Also meine Freiheit einschränken, nur damit andere glücklich sind, die mir respektlos gegenübertreten und etwas von *mir* wollen?

    Eben _nicht_. Genau _wegen_ der Freiheit halte ich mir von «extern -> ich» lieber alle Möglichkeiten offen und von «ich -> extern» halte ich es wie du: ich versuche keinen Dreck ins digitale Haus zu tragen. Ich kann aber damit leben, wenn mir hin und wieder einer mit dreckigen Schuhen durch den Hausgang latscht, das bekomm’ ich weggewischt. Aber ich fühle mich nicht gerade eingeschränkt dadurch.
    Gerade Thunderbird gibt mir doch die wunderbare Möglichkeit alle Freiheiten zu haben, und _mir_ intern keine Wege zu verbauen.
    Du schränkst dich durch die Haltung IMHO selbst ein, wo ist das denn zusätzliche Freiheit? Das meinte ich auch mit dem GPL-Fetisch-Vergleich… Freiheit durch Einschränkung ist doch keine wirkliche Freiheit. Ich halte es da — wiedermal — eher mit BSD (bzw. dessen Lizenz): Freiheit = keine einschränkenden Vorschriften (und nein, ich will im realen Leben keine Anarchie… nicht zuviel reininterpretieren bitte *g*).

    Nun gut… ich will dich (für heute) nicht weiter belästigen, zudem muss ich noch ein wenig Weiterbildung betreiben 😉 Bei Zeiten nerv ich dann wieder *g*

    Es sei aber noch angemerkt: Nicht falsch verstehen. Ich respektiere deine Haltung und F!XMBR im Allgemeinen sehr, und bin für viele Gedanken hier durchaus dankbar.

  20. Oliver sagt:

    Ich habe kein Interesse Chris Artikel weiterhin mit offtopic Gefasel zuzumüllen.

    >Du schränkst dich durch die Haltung IMHO selbst ein, wo ist das denn zusätzliche Freiheit?

    Wo ist es denn für mich eine Einschränkung? Ich bin Vegetarier, trinke kein Alkohol usw. — magst du als Einschränkung empfinden, ich nicht. Du hast leider den Begriff Freiheit nicht im Ansatz verstanden. Mein Niveau liegt in vielen Bereichen durchaus höher, um niederen Gelüsten zu entsagen ohne täglich einen Mangel zu verspüren.

    Eine HTML Mail ist keine Mail, die Leute die diese benutzen schränken die Freiheit anderer ein in dem sie sich als potentielle Gefahrenquellen betätigen und diverse Vorsichtsmaßnahmen bei jenen erforderlich machen. Indem ich diese non-Mails blocke, gewinne ich ein Stück an Freiheit mehr. Aber wie gesagt falls du mal die Logik in Philosphie verstehen solltest und insbesondere den Begriff Freiheit, so wirst du erkennen das Freiheit mehr bedeutet. Das was du machst, ist dem Druck anderer klein beigeben — aber auch das ist Freiheit, die Freiheit Fehler zu begehen, sich anderen willig zu ergeben, Freiheit aufzugeben.

    Also bitte, wenn du es nicht verstehst dann lass es bleiben. Sag von mir aus meine Meinung ist scheiße, aber verschone mich mit dieser Freiheitsparodie. Danke

  21. Andreas sagt:

    Um dem OffTopic ein Ende zu setzen und deinem Wunsch nachzukommen, werde ich nach dieser abschließenden Antwort nicht weiter rumfaseln.

    Aber: jetz bleib mal auf dem Teppich. Ich bin ebenfalls Vegetarier (und das schon immer) — und nu? Diese Vergleiche hinken… aber gewaltig. Freiheitsparodie ist was anderes, schließlich wird die gewisse Unlogik innerhalb der Schreibe nur erzeugt, wegen Vermengung von profanen Dingen wie Software und ganzen Weltanschauungen. Aber HTML-Mails in diesem Zusammenhang zu bringen ist genauso «unlogisch». Daraus aber gar eine Aussage abzuleiten wie «Du hast leider den Begriff Freiheit nicht im Ansatz verstanden.» spottet deinem Anspruch des Niveaus. Sorry, aber die Allwissenheit habt ihr auch nicht gepachtet. Hier gibt es genug Inkonsistenzen — das ist OK, aber kreuzigt nicht immer gleich diejenigen, die ebenfalls Fehler machen.

    Weil ich jetzt nicht auf Kreuzzug gehe, gebe ich Kleinbei? Glaub mir: ich gebe Druck anderer bei leibe nicht so schnell nach. Sonst würde ich gut und gerne jetzt z. B. frei nach F!XMBR-Schnauze schreiben und Mozilla bashen…

    Es geht aber um die gewisse Arroganz, die _manchmal_ in _manchen_ Texten mitschwingt… da passt eine Aussage wie «Mein Niveau liegt in vielen Bereichen durchaus höher» vollkommen rein.
    Ich sehe es keinesfalls als Fehler, anderen mit einem gewissen Maße an Respekt für deren Lebenshaltung gegenüberzutreten. Nur weil ich gegen den Strom schwimme, kann ich nicht erwarten, dass der Strom in eine andere Richtung fließt. Das zu akzeptieren, daraus aber keine Arroganz oder «Unfehlbarkeit» abzuleiten ist sicherlich nicht falsch. Falsch hingegen ist, den Strom austrocknen zu wollen… Kleinbeigeben wäre das mitschwimmen. Eine ganz andere Baustelle.

    Daher werde ich mich auch hüten zu sagen «deine Meinung ist scheiße». Deine Meinung ist nämlich erstmal nur in diversen Teilen eine andere. Daher aber noch lange nicht scheiße. Aber klar: du siehst das Ganze. Daher kannst du auch klar unterscheiden, was gut und was scheiße ist 😉

    PS: Tut mir leid eine gewisse Aggression erzeugt zu haben. War nicht so geplant. Ich halte mich in Zukunft wieder mehr zurück, versprochen… solange es nicht als «Kleinbeigeben» gewertet wird 😉

    *und nun schlachte mich dafür*

  22. Oliver sagt:

    >schließlich wird die gewisse Unlogik innerhalb der Schreibe nur erzeugt, wegen Vermengung von profanen Dingen wie Software und ganzen Weltanschauungen.

    Ich antworte darauf mal mit zwei berühmten Persönlichkeiten. Von wegen profan und Freiheit.

    Freiheit ist die Freiheit zu sagen, dass zwei plus zwei vier ist. Wenn das gewährt wird, folgt alles weitere.

    –George Orwell

    Die Fähigkeit, das Wort Nein auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit.

    –Sébastien-Roch Nicolas de Chamfort

    Das Streben nach Höherem, die eigene Aufgabe besiegeln letztendlich das Ende jedweder Freiheit. Und damit beschäftige ich mich.

    Und weil ich gerade in Zitaten schwelge,

    Die Welt hat nicht einen solchen Ekel an mir, als mein Ekel an dieser Welt ist.

    –Martin Luther

    Unser Bruder im Geiste auf F!XMBR, ich glaube er würde heute auch bloggen 😀

  23. Oliver sagt:

    Wenn man das so bei Pro-Linux liest scheint der Klient ja keine großartige Zukunft zu haben.

    Da Mozilla nur zwei bezahlte Entwickler für Thunderbird besitzt (gegenüber 35 für Firefox) und diese beiden (Scott MacGregor und David Bienvenu) eine eigene Firma favorisieren, ist die zukünftige Richtung bereits vorgezeichnet. Thunderbird sollte nach ihrer Meinung ein Gemeinschaftsprojekt wie Seamonkey werden, die Firma sollte sich um Finanzielles und Support kümmern. Mit nur zwei Personen ist die weitere Entwicklung von Thunderbird jedoch nicht zu schaffen, so dass erhebliche Beiträge aus der Gemeinschaft oder weitere Mitarbeiter nötig sein werden.

    –Pro Linux

  24. […] schon hier vor einiger Zeit bemerkt: Wenn vermeintlicher Erfolg den Charakter verdirbt — Mozilla will den Thunderbird abschieben, treten nun anscheinend die ersten Kolateralschäden auf. Mitbegründer und Chefentwickler […]

  25. […] waren damals die ersten im deutschsprachigen Raum, die das Thema aufgriffen, und in dieser direkten Weise interpretierten, nachdem Mozilla-Chefin Mitchell Baker in ihrem Weblog über die Zukunft des Thunderbirds […]

  26. […] schon von Chris in Wenn vermeintlicher Erfolg den Charakter verdirbt — Mozilla will den Thunderbird abschieben bemerkt, setzte man bei der Community an, stieg höher und höher, erblickte die […]

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