Wenn Politik auf den Axel-Springer-Konzern trifft

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Foto: F!XMBR

Erinnert sich noch Wer an Karl-Theodor zu Guttenberg? Er war der Shootingstar der deutschen Politik, die Menschen vergötterten ihn, die Medien liebten ihn, insbesondere die Bild-Zeitung aus dem Axel-Springer-Konzern. Während der Plagiatsaffäre, als es langsam aber sicher zu Ende ging, traf sich zu Guttenberg, Gerüchte sprechen von täglich, mit einem journalistischem (PR-) Beraterteam. Bild-Chefredakteur Diekmann gehörte zu diesem Team. Dann fiel zu Guttenberg.

Lange vor Fukushima tobte in Hessen der Wahlkampf zur Landtagswahl 2008. Andrea Ypsilanti kämpfte gegen den Amtsinhaber Roland Koch. Ypsilanti und die hessische SPD sprachen sich gegen Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke aus, der ehemalige selbsternannte Superminister Wolfgang Clement aus dem Kabinett Schröder forderte daraufhin in einem Gastartikel in der Welt auf, Andrea Ypsilanti und die hessische SPD nicht zu wählen. Seinem Parteiausschluss aus der SPD entging Clement nur mit einem freiwilligen Abschied.

Vor wenigen Tagen sorgte ein Interview Günther Oettingers mit der Bild-Zeitung für Furore. Er forderte tatsächlich, die Flaggen von sogenannten Eurosündern vor dem EU-Parlament in Brüssel auf Halbmast zu setzen. Mit einer sachorientierten oder auch politischen Problemlösung hat ein derartiger Vorschlag rein gar nichts zu tun. Es ging nur darum, die Bild und deren Populismus zu befrieden. Leider kann Oettinger nicht mehr tiefer fallen — er wurde bereits vor längerer nach Brüssel abgeschoben.

Am 11.02.2010 veröffentlichte Guido Westerwelle einen Gastartikel in der Welt, indem er über spätrömische Dekadenz von Hartz-IV-Empfängern fabulierte. Es war der Anfang vom Ende des ehemaligen Superstars der FDP. Schon früher hatten die Menschen Probleme, Westerwelle ernst zu nehmen — seit diesem geistigen und populistischem Ausfall schütteln selbst Liberale und Konservative über Westerwelle nur noch mit dem Kopf. Als FDP-Vorsitzender ist Westerwelle bereits zurückgetreten — als Außenminister darf er weiter Deutschlands Ansehen in der Welt beschädigen.

Seit wenigen Tagen nun, wandelt Jugend-forscht-Minister Wirtschaftsminister Philipp Rösler auf den Spuren vieler bekannter Vorgänger, obige Liste ließe sich beliebig fortsetzen. In einem Gastbeitrag für die Welt dachte er laut über die Insolvenz Griechenlands nach. Die Finanzmärkte gerieten daraufhin ins Strudeln, der DAX stürzte ein. Egal, wie man zu Angela Merkel steht, die subtile Art, wie sie Rösler zu Recht gewiesen hat, sorgte doch für ein Lachen: Die SZ schreibt: «Was sie da sagt, klingt wie eine Nachhilfestunde in den Grundlagen der Volksökonomie: […] «Und deshalb sollte jeder auch seine Worte sehr vorsichtig wägen. Was wir nicht brauchen können, ist Unruhe auf den Finanzmärkten.» Denn: Wirtschafts– und Finanzpolitik sei zur Hälfte immer auch Psychologie.»

Der Axel-Springer-Konzern ist nicht gerade für seriösen Journalismus bekannt. Selbst die sich selbst journalistisch nennende Welt ist in meinen Augen nur die Zweitverwertungsanlage der Bild. Doch eines muss man den Stammtischbrüdern unserer Republik lassen: Sie sind für Schlagzeilen gut — und die restlichen Medien folgen wie die tumbe Schafherde ihrem Hirten. Das verführt Politiker immer wieder, sich in die Arme des Axel-Springer-Konzerns zu begeben. Unvergessen ist der Ausspruch des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, dass er zum Regieren nur «Bild, BamS und Glotze» benötigen würde.

Nach dem kurzzeitigen medialem Erfolg folgt aber in aller Regelmäßigkeit der Absturz. Entweder der Axel-Springer-Konzern lässt die eigenen gezüchteten Politiker bei der kleinsten Verfehlung fallen — oder die Menschen nehmen nach kurzer Zeit angewidert Abstand.

Die Menschen mögen blind sein, doch sie können im Dunkeln sehen.

Immer wieder wird in öffentlichen Diskussionen auf die Macht des Axel-Springer-Konzerns verwiesen. Der erbärmliche Auftritt von Springer-Vorstand Mathias Döpfner am Sonntag bei Günther Jauch spiegelt das Niveau, die intellektuelle Tiefe des Axel-Springer-Konzerns wieder. Der Konzern spielt mit Auflagen und seiner angeblichen Macht. Doch nicht nur die obigen Beispiele zeigen, dass im Hause der Döpfners und Diekmanns offensichtlich nur mit Katzengold gehandelt wird. Ich erinnere mich an keine erfolgreiche Kampagne der letzten Jahre. Neben obigen Beispielen kommen mir gerade Dieter Althaus oder Berlin-Tempelhof in den Sinn.

Die Macht des Axel-Springer-Konzerns ist keine, schon gar nicht betreibt der Konzern in meinen Augen ein journalistisches Angebot, ob es sich nun um den Verlag selbst handelt, die angeschlossenen Funkhäuser, Magazine, Zeitschriften oder Zeitungen. Wer mit der Welt, der Bild oder anderen Erzeugnissen ins Bett steigt, muss sich nicht wundern, wenn er mit einer Geschlechtskrankheit aufwacht. Solche Krankheiten bleiben in der Regel Privatsache, eine Angelegenheit zwischen Arzt und Patienten, vielleicht noch dem Partner. Ist der Axel-Springer-Konzern involviert, ist nicht die Frage, ob, sondern wann die Menschen in Deutschland über Filzläuse und andere unangenehme Dinge diskutieren.

Wer sich mit dem Axel-Springer-Konzern einlässt, ist verlassen.
Von allen guten Geistern. Und mehr.

Disclosure: Ich werde in Zukunft, den einen oder anderen Text von Google+ crossposten, weil mich ein paar Mails erreicht haben, man lese hier, von Google+ aber die Finger lassen würde.

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3 Antworten zu “Wenn Politik auf den Axel-Springer-Konzern trifft”

  1. vera sagt:

    Für einen Teil der Bevölkerung mag das zutreffen, der andere BLÖDet sich weiterhin seine Meinung. Klinsmanns Exkurs über ‘den Amerikaner’l lässt sich auch hier anwenden.

    Gute Idee, das mit dem hier posten. Thomas Wiegold fasst das so zusammen:

    [..] ich bin ja der Meinung, dass das im Blog sinnvoller ist, um die ganze Debatte an einer Stelle zu haben [..]

  2. Antikraut sagt:

    «Doch nicht nur die obigen Beispiele zeigen, dass im Hause der Döpfners und Diekmanns offensichtlich nur mit Katzengold gehandelt wird. Ich erinnere mich an keine erfolgreiche Kampagne der letzten Jahre.»

    Na ja, die gegen die Hamburger Schulreform dürfte doch als erfolgreich durchgehen.

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