Wenn Marionetten sprachlos sind — Golden Globes abgesagt

Zugegeben — manche Schauspieler sind grandios. Sie spielen emotional, glaubwürdig, manchmal kann man einfach für 2 Stunden abschalten und in eine andere Welt eintauchen. Doch wie abhängig die Schauspieler von dem sind, was ihnen von den Autoren geliefert wird, zeigt im Moment der Autorenstreik in Hollywood. Während die Schauspieler, die Late Night-Könige in Villen leben, wohnen die Autoren in den Armenviertel von Los Angeles. Und nun streiken sie gerade — die Autoren in Hollywood. Mal davon abgesehen, dass manche Schauspieler sich publikumswirksam in Szene setzen, gerät die Traumfabrik Hollywood ins Stocken. Die Late Night-Talker Conan O’Brien und David Letterman mussten für kurze Zeit ihre Sendung einstellen, es stehen Überlegungen an, Serien wie CSI in der aktuellen Staffel zu verkürzen. Da kann man überall noch mit leben, nicht etwas, was Hollywood wirtschaftlich großartig berühren würde. Nun aber der Super-GAU: Die Golden Globes wurden abgesagt.

Lustig ist das irgendwie schon: Da steht eine Riesen-Show an, die Kreativbranche Hollywoods feiert sich selbst — ein kleiner Teil davon streikt. Und der Rest ist so kreativ, ohne die Hilfe der anderen eben nicht eine abendfüllende Show auf die Beine gestellt zu bekommen. NBC kündigt dann auch kleinlaut an, dass um 19.00h Interviews mit den Nominierten folgen, um 20.00h gibt es einen Rückblick, um 21.00h folgt eine Pressekonferenz mit der Bekanntgabe der Gewinner und um 22.00h schaut man von NBC dann bei der einen oder anderen Golden Globe-Party vorbei. Die Stärke der sogenannten Kreativen in Hollywood scheint daraus zu resultieren, dass man besonders gut vom Teleprompter ablesen kann oder einen vorgefertigten Text wiedergeben kann. Muss man selber mal etwas auf die Beine stellen, scheint es dann zu viel des Guten zu sein. Im Übrigen gibt es in den USA eine breite Unterstützung für die Autoren, nicht wie in unserem neidzerfressenen Land, wo die Lokführer sich schon einiges haben anhören müssen. 😉

Da streikt eine Gruppe von Menschen, die jeden Dollar einzeln umdrehen müssen — und die Golden Globes müssen abgesagt werden. Herrlich. Wenn ich da auf unser Land schaue…

6 Antworten zu “Wenn Marionetten sprachlos sind — Golden Globes abgesagt”

  1. Marcel sagt:

    ehm, die duerfen nichts anderes auf die beine stellen, bzw «schreiben». diese filmgewerkschaften sind quasi zwangsgemeinschaften. wenn du drehbücher schreibst musst du auch in der gewerkschaft sein. das hat eher nichts mit mangelnder kreativität zu tun.

    trotzdem ist der streik unterstützenswert. eine der wenigen gewerkschaften in den usa, die tatsächlich noch genügend macht hat

  2. Chris sagt:

    Naja, wenn ne Kamera auf mich gerichtet ist, wird mir wohl kaum jemand verbieten können, etwas zu sagen. 😉

    Kreativ sein, gerade bei so einer Show — aber das wird dann auch zur Haarspalterei. Von daher ist jegliche Diskussion müssig…

  3. Chris sagt:

    Die Absage wird im Moment so verkauft, dass sich die Ldaudatoren solidarisch mit den Autoren zeigen und ihrerseits einen Auftritt abgesagt haben. So kann man es dann auch verkaufen… 😀

  4. Prospero sagt:

    Die Verkürzung von sowas wie CSI ist ja kein Drama — Handlungsbögen gibts da eh nicht — aber «Heroes» war schon hart. Oder «Pushing Daisies», da waren die erst bei Folge 9 von 22 geplanten — GRRRRRRRRRRRRRR…
    Ad Astra

  5. Laura sagt:

    Naja, das Problem besteht eher darin, dass die Autoren gedroht haben, die Verleihung selbst zu bestreiken, also mit Streikposten zu blockieren, und daraufhin viele Stars verkündet haben, sie würden auf keinen Fall so eine Kette durchbrechen.
    Wäre auch schlecht, denn die meisten Schauspieler sind ja ebenfalls in einer mit der Autorengewerkschaft befreundeten Gewerkschaft organisiert. Als Streikbrecher macht man sich sicherlich keine Freunde.
    Und zum Thema Texte für eine Preisverleihung: das ist halt der Unterschied zu hier, wo Preisverleihungen (und auch sonst viel) lieblos hingeschludert werden. Für die Golden Globes werden extra Texte geschrieben. Ich würde das eher als positiv, als Qualitätsmerkmal werten.
    Oder, um mal Oliver Kalkofe zu zitieren: «Betrachten wir einmal sachlich und unvoreingenommen das einheimische Fernsehprogramm, so stellen wir fest, dass der allergrößte Teil unserer Autoren sich bereits seit vielen Jahren im Streik befindet, es nur bislang irgendwie noch niemand wirklich gemerkt hat.«
    Aber schon witzig, dass der feuchte Traum jedes Sozialisten ausgerechnet mitten in den USA, im Herzen der «kulturimperialistischen» Unterhaltungsmaschine Hollywood verwirklicht wird…

  6. Jan sagt:

    @ Marcel:

    Also das eine Gewerkschaft, in der jeder der einen bestimmten Beruf ausüben will, mitmachen MUSS ziemlich mächtig wird, ist kein großes Kunststück und ich finde sowas auch nicht besonders unterstützenswert.
    Eine solche Gewerkschaft dürfte allerdings auch kaum Unterstützung von außerhalb nötig haben.

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