… wenn man keine Ahnung hat

Nein, es geht nicht darum, Mauern und Sperren zu errichten gegen den ungefilterten Fluss von Informationen, Ideen, Meinungen. Es drohen weder Zensur noch »chinesische Verhältnisse«. Es geht darum, die Debatte um das Internet zu entideologisieren und das Netz als einen Raum zurückzuerobern, in dem die Geltung des Rechts so selbstverständlich akzeptiert wird wie im richtigen Leben. In dem die Achtung der Menschenwürde nicht hinter der Freiheit des Stärkeren zurücktreten muss.


die Zeit

… dann wird man Journalist und versucht mittels des Anscheins von Vernunft abermals eine Tirade gen infantile Netzjünger zu schmettern. Abermals deswegen, weil schon Legionen von Quotenschreibern sich dieser Praxis ergaben, sprich dem Netz die Schuld am hausgemachten Versagen zuwiesen, von Vernunft fabulierten und tatsächlich eine Vorwärtsverteidigung gegenüber den eigenen Pfründen exerzierten. Wer, wenn nicht der großartige Journalismus, vermeint denn ansonsten in einem quasi rechtsfreien Raum zu existieren und tatsächlich jede der Quote geschuldete Niederung mit dem Schlagwort Pressefreiheit verteidigen zu müssen? Wer, wenn nicht eben dieses Meinungsmonopol, glaubt denn mittels eigens ersonnener und der Quote genehmen Regeln, verkauft als ethische Grundsätze, diese Rechtssystem fortwährend unterwandern zu können? Exakt jene Journaille, die auch mittels derartiger Artikel nur allzu deutlich die Perfidität dieses aufbrechenden Meinungsmonopols unterstreicht.

Eine teils pauschale und in den Augen so manchen Medienvertreters sicherlich infame Argumentation und doch ist es genau diese Art von Rethorik, die der Bürger fortwährend seitens der alten Medien ertragen muss. Denn Merke: der Journalist ist der primus inter pares, dieser steht über der Freiheit, über dem Staat und registriert den Bürger allenfalls innerhalb eines willfährigen Mobs, der mittels oberflächlich dargereichtem und teils kaum vorhandem Wissen geben bare Münze bedient wird. Die Definitionshoheit bricht auf, die alten Medien — man möge mir diese Polemik verzeihen — sind tatsächlich auf einem Feldzug gegen die Meinungsfreiheit. Denn eine echte Meinungsfreiheit, inkl. aller Risiken und Nebenwirkungen, kommuniziert im Medium Internet, kostet die ohnehin schon dahinsiechenden Meinungsmonopolisten echtes Geld und den Journalisten u.U. seinen Job.

Wenn also der Autor da schreibt, Finanziers verachteten die kleinkarierten Politiker und fühlten sich über das Recht erhaben, so meint dieser wohlweislich das eigene Metier und diverse Kampagnen grosser Tagesblätter die schon beinahe unmenschlicher Hetze gleichkamen1 oder Investigativjournalismus a la Gladbeck — die Beispiele sind Legion, ebenso wie die Tiraden gegen den Emanzipationsversuch eines Volks. Es heißt nicht Nerds, Freaks oder Geeks Vs Staat, es muss lauten Bürger für einen lebenswerten Staat, für ein Plus an Freiheit und Demokratie und gegen eine selbsternannte Vierte Gewalt, die zunehmend missbräuchlich ihre zumindest in der noblen Theorie demokratiestützende Funktion ad absurdum führt.

Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety.

–Benjamin Franklin

Wenn man im Glashaus sitzt sollte man nicht mit Steinen werfen, ich erinnere mich an zahllose Aktionen bei denen Bürger für Pressefreiheit einstand, bei denen Netcitizens das Wort erhoben pro Freiheit aller Medien gegenüber der Allmachtsfantasien seitens der Politik. Ich frage mich warum? Warum hilft man jenen die die freiheitliche Gesinnung aus Eigennutz unterwandern, der Quote unterliegen, quasi einer Art Schreibtischtätertum im Namen der Aufklärung frönen? Man unterstützt jene, weil man eben weiß, dass auch der Missbrauch bis zu einem gewissen Maß zu eben dieser Freiheit gehört. Weil man Demokratie und Freiheit leben, nicht parodieren möchte. Wenn die Netcitizens ihr Medium der Wahl nutzen um auf Missstände aufmerksam zu machen, so gilt dies alleinig dieser Problematik und nicht dem unterstellten Versuch einer Art Persilschein, wie ihn die alten Medien fortwährend für teils unlauteres Treiben fordern. Aber wir können auch mit diesem Missbrauch leben, solange sicher gestellt ist, dass man diesen Missbrauch auch entsprechend öffentlich zu tadeln vermag.

Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können: Das macht den Journalisten.

Karl Kraus

  1. siehe 68er, siehe auch Alice Schwarzer und die Frauenbewegung etc. pp. []

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3 Antworten zu “… wenn man keine Ahnung hat”

  1. Martin sagt:

    Wollte mal danke sagen für diese Klarstellung ;-)

  2. […] Schöner rant dazu bei F!XMBR — … wenn man keine Ahnung hat. […]


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