Wenn Blinde von Farbe reden

… oder sogenannte A-Blogger mal ernste1 Themen anpacken. Oliver und ich haben auf .get privacy zur Zeit ein kleines Motivationsproblem — es interessiert niemanden, und die, die es interessiert kommen von Seiten mit ähnlichen Interessen, Informationen. Es kann also durchaus Veränderungen in der Zukunft dort geben. Supi-dupi-Witz-Videos und belangloser Kram laufen halt besser, als ernste Themen wie Aushöhlung unserer Grundrechte oder die Vorratsdatenspeicherung, um nur 2 Beispiele zu nennen. Hier schrieb ich von testenden Experten — wobei Experten natürlich ironisch gemeint war. Ähnlich ergeht es mir bei vielen Themen, bei denen ich mich dann doch auskenne, die von A-Bloggern angepackt werden. Da kann es einen nur schütteln.

Wenn man als sogenannter A-Blogger eine vermeintliche Idee satirisch aufs Korn nimmt, in der es um sprechende Kameras geht, dass sowas in England geplant sei, und schließlich mit Augenzwinkern fordert, dass unser Herr Schäuble dies übernehmen solle — der Artikel den Eindruck macht, als spreche der Autor von Star Wars, von Ideen, die eh nicht in die Tat umgesetzt werden, dann kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln und dann kann ich nur noch zurufen: Schuster, bleib bei Deinen Leisten, schreib weiter belanglosen Kleinkram, damit biste A-Blogger geworden, überlasse solche Themen aber denen, die sich darin auskennen. Geplant? Tatsache: Zeit — Big Brother ist wirklich ein Brite.

Weiteres Beispiel gefällig? Wenn Blogger dann zusätzlich noch Jounalist ist, wird es teilweise besonders witzig. Unserem Journalisten steht ob einiger Kommentare auf seinem Blog evtl. ein Rechtsstreit ins Haus. Auf die Frage danach, wie er einen Sachverhalt beweisen möchte, antwortet der gute Kollege frisch von der Leber, er habe die IP’s im Backend seines Blogs, sie seien zwar dynamisch, aber da müsse dann der Provider die Daten rausrücken — und nun haltet Euch fest, es wäre ja gelacht, wenn er nicht auch von der Vorratsdatenspeicherung profitieren würde. Ähm, Vorratsdatenspeicherung? Sagen wir ihm, dass diese noch nicht in Kraft getreten ist? Sagen wir ihm, dass er nicht nachvollziehbare, nur profane Zahlen im Backend hat, und nicht mehr?

Das sind nur zwei Beispiele von wirklich ernsten Themen, auch hier gibt es ab und zu mal ein Edit, eine Information wird aktualisiert, das bleibt nicht aus, da sind die Blogs im Ganzen weitaus tranzparenter wie der klassische Journalismus. Doch bei solchen Sachen muss man manchen Leuten dann einfach zurufen — bitte mehr Sorgfalt. Die Aushöhlung unserer Grundrechte, Grundgesetzänderungen sind einfach zu wichtig, als dass man damit Späße macht und somit Diskussionen ad absurdum führt und der normale uninformierte Leser die Thematik nicht mehr ernst nimmt.

Disclaimer: Blogs bewusst nicht genannt, sonst fließen wieder Tränen — bitte auch nicht in den Comments.

  1. wobei ernst natürlich relativ ist []

9 Antworten zu “Wenn Blinde von Farbe reden”

  1. gnokii sagt:

    ich würde bei .getprviacy nix ändern, irgendwann verstehen das noch mehr und dann tut sich da auch mehr

  2. KuS sagt:

    Hallo erstmal!

    Ich lese fixmbr erst seit ein paar Wochen und muss wirklich mal ein Lob aussprechen. Finde viele eurer Beiträge wirklich lesenswert.
    Da sich zur Zeit enorm viel ums Thema Grundrechte dreht will ich mich nun auchmal zu Wort melden.

    Du sprichst in deinem Beitrag die Vorratsdatenspeicherung an. Richtigerweise sagst du, dass das Gesetz dazu noch nicht in Kraft getreten ist. Nur sieht die Realität da leider ganz anders aus. Egal ob zu Abrechnungszwecken benötigt oder nicht. Egal welcher Internetanbieter. Die IP’s werden im Schnitt bei allen Providern um die 30 Tage (ja sogar bis 120 Tage!) gespeichert und werden binnen kurzer Zeit manchmal mit / manchmal ohne richterlichen Beschluss der Strafverfolgungsbehörde zugänglich gemacht.

    Gesetz hin und her — die Realität sieht da leider anders aus…

  3. KuS sagt:

    Danke für die Hinweise…
    Ich kenne die Urteile sehr genau — aber noch besser kenne ich die Praxis und die sieht — wie bereits gesagt: anders aus!

  4. Oliver sagt:

    Die sogenannte «Praxis» ist immer vorhanden, das wir aber noch nicht eine Bananenrepublik repräsentieren zeugt davon, das die angesprochenenen Übertretungen eben noch nicht die Regel darstellen. Vereine wie die Telekom machten diesen Schritt auch nicht aus purer Menschenfreunde, sondern wahrscheinlich aus Ressourcengründen. Auf .get privacy warnen wir vor Tendenzen und Einzelfällen, würden wir glauben das das Kind schon in den Brunnen gefallen wäre, würden wir uns nicht mehr die Mühe machen in diesem Land zu verweilen.

  5. kobalt sagt:

    Wenn ich wem etwas über Verschlüsselung und Privatsphäre erzähle, weise ich denjenigen immer auf eure Anleitungen und Links hin, sogar eure Spambremse habe ich schonmal empfohlen. .get privacy ist wichtig.

  6. Grainger sagt:

    Bei .getprivacy bin ich nur Silentreader, nicht weil mir die Problematik egal wäre, sondern weil ja etliche der Themen auch auf FIXMBR behandelt werden und ich da meinen Senf dazu gebe.

    Natürlich lassen sich mit

    Supi-dupi-Witz-Videos und belangloser Kram

    höhere Quoten erzielen als mit ernsthafterer Thematik, das ist aber überall so.

    Im TV laufen irgendwelche Comedys, Soap Operas und Witz-Video-Shows auch besser als ernsthafte Dokumentationen.

    Natürlich wird auch sehr viel mehr Mist gesendet als qualitativ wertvollere Informationen, aber ich will es mir nicht so einfach machen und behaupten die Konsumenten wollten es ja nicht anders und die Nachfrage bestimmt das Angebot.

    Blödelsendungen sind eben auch viel viel einfacher und billiger zu produzieren als Dokumentationen und Bildungsfernsehen, es macht fast gar keine Umstände (und erfordert Null Recherche) ein paar Möchtegern-Nachswuchs-Komikern auf die Schnelle eine Plattform zu bieten und ein paar Stunden Sendezeit zu schinden. Und 24 Stunden Sendezeit müssen auch irgendwie gefüllt werden (selbst wenn ab Mitrenacht überwiegend nur noch Ruf mich an *peitsch*-Werbespots, Home-Order-Televisison oder dümmliche Rätselspiele gesendet werden.

    Panem et Circensis ist aber auch ein seit rund 2000 Jahren bewährtes Konzept.

  7. Oliver sagt:

    >Panem et Circensis

    Kein Problem, schicken wir die Leser zu den Löwen 😀

  8. ph sagt:

    Blubb, ein bissl spät, aber dennoch:
    Ich hoffe doch mal stark, dass euer Motivationsproblem nur von kurzer Dauer ist. Ich lese hier und drüben zwar auch noch nicht so lange mit, aber hab eure Beiträge in der kurzen Zeit doch zu schätzen gelernt. Na gut, manchmal ist der Ton dann doch nicht so ganz meiner, aber hey — umso öfter kann ich mir hier treffende Gedanken / gute Beobachtungen / umfassende Kommentare… Naja, ihr wisst schon. Getz aber genug gelobt hier. Zack, schön weitermachen, und ich empfehl euch auch brav weiter 😉

RSS-Feed abonnieren