weniger Raubkopierer

Wir führen das auf den massiven rechtlichen Druck im letzten Jahr zurück.

… so ein Vertreter der Musikindustrie.

Ist dem tatsächlich so? Man rasselt im Prinzip ebenso mit dem Säbel wie die RIAA in den Staaten, Angst und Unwissenheit erzeugen diesen Druck, denn die tatsächlichen Erfolge der Industrie sind eher marginal zu nennen. Wie dem auch sei, eine andere Möglichkeit ist, falls denn die Aussage überhaupt korrekt ist, daß der Markt gesättigt ist. Sprich man erkannte den Irrsinn sich mit Konservenmusik zu versorgen und dafür eventuell noch in Konflikt mit geltendem Recht zu geraten. Eine andere Möglichkeit wäre beispielsweise das die zuvor genannten Zahlen immer übertrieben wurden, um der Berliner Lobby-Arbeit förderlich zu sein. Nachdem man nun allerhand antidemokratische Dinge durchboxte war es eben an der Zeit die Realität zu offenbaren. So oder so, die Industrie hier wie dort ist kaum eine veritable Quelle, man wird also immer im trüben fischen, wenn man sich mit dieser en Detail beschäftigen möchte.

13 Antworten zu “weniger Raubkopierer”

  1. Olaf sagt:

    Naja ich glaube jetzt machst Du es Dir doch zu einfach. Man kann ja sagen was man will, aber natürlich haben die Kampagnen und Berichte irgendwo schon eine Wirkung und das nicht erst seit 2006.

    Hinzu kommt außerdem, dass es mittlerweile eine Reihe von legalen Online-Kaufdiensten gibt, bei der sich doch eine ganze Reihe von Leuten eindecken.

    Nicht zuletzt gibts es mit Sicherheit auch den Trend, dass man CD’s von Künstlern, die man unterstützen möchte durchaus auch aus diesem Grund erworben werden. Hier dürfte also schon ein gewisses Umdenken auch bei den «Konsumenten» geschehen sein.

    Wenn die «Industrie» jetzt noch merkt (und umsetzt) dass man Künstler, also Menschen, nicht wir Brötchen verkaufen kann, wird das sicher die Umsätze auch verbessern.

  2. Oliver sagt:

    >Naja ich glaube jetzt machst Du es Dir doch zu einfach.

    Gewiß nicht, da die entsprechende Industrie jährlich ihre «Erfolge» feiert und die «Gegenseite» von trotzdem ansteigenden Zahlen redet. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und mögliche Ansätze lieferte ich am Schluß.

    >Nicht zuletzt gibts es mit Sicherheit auch den Trend, dass man CD’s von Künstlern, die man unterstützen möchte durchaus auch aus diesem Grund erworben werden.

    Meine Frage war, ob dies nicht schon immer der Fall war. Selbst 1% Raubkopierer würde die Industrie stören und meine These gründet sich auf der Tatsache, daß man schon anno tobak mit Einführung des Videorekorders diesen verbieten wollte. Aber erst das heutige digitale Umfeld gab der Industrie einigermaßen Mittel in die Hand, um einen «Schutz» zu etablieren. In «analogen» Zeiten waren die einzelnen Mechanismen allenfalls als Störung zu beobachten und wurde auch als ebensolche behandelt. Raubkopien verursachen einen Schaden, das ist eine Tatsache — aber ich bezweifle seit Jahren das dies der Grund für die Verluste ist. Und das sich nun mitunter einiges ändert liegt vielleicht mehr auch in der Tatsache begründet, das es nun erstmals auf breiter Front probate Angebote gibt. Sprich nicht Angst und Schrecken verursachte den möglichen Trend, sondern ein mitunter ernstzunehmendes *Angebot*.

    Derjenige der nur kopieren möchte wird es auch weiterhin tun, Filesharing legte gewaltig zu trotz der generierten Angstkulisse.

  3. Olaf sagt:

    @Oliver:
    > «Gewiß nicht, da die entsprechende Industrie jährlich ihre “Erfolge” feiert und die “Gegenseite” von trotzdem ansteigenden Zahlen redet. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen…»

    Das muss und wird sicher kein Widerspruch sein und man kann die «Abwehrschlacht» der Musikindustrie sicherlich als teilweise erfolgreich bezeichnen. Immerhin ist ein doch entsprechender Anteil an Nutzer von den Drohgebärden (die Einschläge kommen näher) beeindruckt worden, die dann selbst vielleicht nicht mehr saugen und eventuell sogar zu legalen Angeboten wechseln. Andere Nutzer haben eventuell schon immer auf legale Angebote gewartet und sind auch aufgrund schlechten Gewissens usw. dahin gewechselt. Da wird dann nicht jede CD gekauft, aber eben genügend, um das eigenen Gewissen rein zu halten.

    Wenn man sich die Entwicklung der Tauschbörsen, allen voran Napster anschaut, dann sieht man, dass Musik mit Auftreten der Tauschbörsen auf einmal wenig bis keinen Wert mehr hatte — zumindest nicht die CD’s. Das gabs umme und das hat man sich geholt — dazu wars ja da. Das viele Angebote der Musikindustrie dieses Gefühl mit einem Haufen mittelmäßiger Angebote ungewollt weiter genährt haben ist sicher auch ein Fakt.

    Nach den Abmahnungen usw. bleibt immer mehr das Gefühl übrig, dass dort ein alter Verein seine Systeme verteidigt und das fast um jeden Preis. Irgendwo dazwischen ist aber auch vielen Nutzern aufgegangen, dass Künstler unter dem massenweise kostenlosen Saugen auch leiden. Und so verhalten sich viele Leute eben so, dass sie sich die CD kaufen — ob als Download oder als Scheibe und trotzdem dann die gesaugten Versionen aus dem Netz benutzen, da die freier Abzuspielen sind.

    Sicherlich finden immer noch genug Downloads über die Tauschbörsen statt, da ja auch immer weitere Kreise dies entdecken und nutzen. Daher wird die Anzahl dieser Downloads auch sicher weiter steigen, aber eben nicht mehr ganz so stark. Und daran haben die oben genannten Punkte (Drohkulisse aber auch Umdenken zur Unterstützung von Künstlern) geführt.

    Insofern ist Deine Aussage «Erfolge» und «ansteigende Zahlen» wären widersprüchlich nicht richtig. Das ist sehr wohl möglich und sogar sehr wahrscheinlich.

    > «Derjenige der nur kopieren möchte wird es auch weiterhin tun, Filesharing legte gewaltig zu trotz der generierten Angstkulisse.»

    Richtig und das bestreitet auch niemand — im Gegenteil, genau dass sagen sie ja. Du darfst aber nicht vergessen, dass die Umsätze der legalen Onlineshops aber auch weiter steigen. Das wird sich mit Sicherheit nicht ausgleichen, aber es ist trotzdem als Trend zu akzeptieren.

  4. Oliver sagt:

    >Irgendwo dazwischen ist aber auch vielen Nutzern aufgegangen, dass Künstler unter dem massenweise kostenlosen Saugen auch leiden.

    Wenn diesen dieser Gedanke kam so muß man sie eben leider enttäuschen, denn der Künster leidet so oder so, reich wird die Industrie, wirklich ärmer wurde sie bisher auch nicht. Ich empfehle dazu mal die Lektüre von Falks Blog, der sich damit höchst prof. tagtäglich beschäftigt und seinen Teil zum tatsächlichen Vorteil für die *Künstler* beiträgt.

    http://falkmerten.info/

    >dass die Umsätze der legalen Onlineshops aber auch weiter steigen.

    Da ist aber imho kein Zeichen ob der Einschüchterung, sondern ein Zeichen das die Qualität dieser Shops (Preis, Angebot, wenig bis gar kein DRM) zulegte. Und dieser Umstand wurde vor kurzem verstärkt, da einige große Labels DRM entsagten.

    Es geht mir auch nicht darum einen Trend wegzureden, nur stimme ich überhaupt nicht mit der Argumentation der Industrie überein und glaube auch nicht dran, daß die Einbußen selbst zu Zeiten Napsters (da gabs auch weitaus weniger Breitbandanschlüsse bzw. Computer per se) eben ob des Advents der Downloads für lau gewaltig nachließen. Das die Industrie derartig zeterte hatte einen Grund, sie witterten die Chance den Markt tatsächlich zu kontrollieren. Und zumindest einem ist dies auch recht gut gelungen, ja geradezu eine Abnhängigkeit konnte dieser schaffen: Apple mit iTunes. Der digitale Markt offeriert natürlich immense Gefahren, die sich aber erst seit einigen Jahren massiv herauskristallisieren, andererseits offeriert dieser auch völlig neue Geschäftsmodelle eben mittels dieser Kontrolle.

    Vielleicht werden wir in Zukunft nur noch Musik/Filme mieten, Bücher vielleicht ebenso. Daraufhin zielt das Zetern, es ist Lobbyismus. Denn das Modell, eine Ware zu bezahlen und diese dann für immer und ewig zu besitzen, ist kein gutes für diese Industrie.

    Last not least kopiert wurde immer massiv, ob das Netz mit seiner noch nicht derart massiven Verbreitung innerhalb der Bevölkerung mehr dazu beitrug wage ich zu bezweifeln. Zwar kann mehr auf der Platte des üblichen Jäger und Sammlers, aber auch gleichzeit erhöhte sich der mediale Overkill. «Hurra ich habe es», «Mist, ich habe keine Zeit mehr alles zu hören und zu sehen». Ich denke da liegt ein gewaltiger Denkfehler, heruntergeladene Kopien sind kein wirkliches Indiz für entgangene Verkäufe. Zwar kann man ein wenig hochrechnen, jedoch immer auf der Basis alter zahlen.

    Die Formel ist recht einfach, heruntergelade Kopien in Massen sind erst einmal nur heruntergeladene Dinge die auf der heimischen Platte lagern. Geschieht dies in Massen, so erübrigt sich die Frage nach dem nutzen und desweiteren ist es recht lächerlich anzunehmen derjenige würde z.B. 10 heruntergeladene Alben kaufen. Vielleicht würde derjenige 5 Songs davon insgesamt erwerben, wenn alle weiteren Parameter wie Preis, Vielfalt, vielfältige Bezahlmöglichkeiten etc. stimmen würden.

    Kurzes Beispiel, schon C64er Zeiten herrschte in den 80ern ein reger «Handel» mit Kopien auf dem Schulhof, ebenso bei LPs etc. Kaufen konnte der nette Jugendliche allenfalls einen Bruchteil davon, viel wurde kopiert und verstaubte daheim. Tatsächlicher Verlust für die Industrie also minimal. Trotz all dieser bösen Jungs konnten Firmen wie EA dennoch größer werden und heute gar den Markt beherrschen. Kurzum, ist man also an tatsächlicher Ursachenforschung interessiert, so ist der böse Filesharer immer noch böse, aber einer unter zahllosen kleineren Faktoren und keineswegs die Nemesis der Industrie wie seit Jahren dargestellt.

  5. Falk sagt:

    Jedes Argument pro oder kontra Filesharing und ob die selten dümmlichen Drohungen seitens einer Industrie nun erfolgreich waren oder nicht, verkennen im Grunde eins: Der Mensch ist keine Masse, sondern ein individuelles Geschöpf. Und da hat jeder seine Vorlieben, Bedürfnisse und Interessen. Dem einen reichen piepsige MP3 auf seinem Handy, der Nächste braucht eine Anlage der Preisklasse Mittelklassewagen und legt noch säuberlich entstaubtes Vinyl auf. Die Leute über einen Kamm zu scheren war und ist meiner Meinung nach der größte Fehler. Und wer meint, mit Musik reich werden zu können, soll am Besten gar nicht erst anfangen, welche zu machen oder dabei zu helfen, sie zu verbreiten…

  6. Grainger sagt:

    Es kommt aber auch noch eine gewisse Marktsättigung hinzu. Denn Leute meiner Generation, die den Umstieg von (teilweise großen) Vinyl-Sammlungen auf CD mitmachten, haben natürlich für doppelte Einnahmen gesorgt.

    Die haben inzwischen langsam aber sicher alles nachgekauft, dieser zusätzliche Umsatz ist weg und kommt so schnell auch nicht wieder.
    Denn selbst bei einem erneuten Wechsel auf DVD-Audio (mit bis zu 192 kHz) oder SACD (beides Formate, die sich ohnehin nie so richtig durchgesetzt haben und es wohl auch zukünftig nicht werden) ist es zweifelhaft, ob dieser Kundenkreis seine Audiosammlungen schon wieder für teueres Geld umstellt.

    Aber der Wechsel von Vinyl auf CD brachte imho die Rechteinhaber erst so richtig auf die Idee, das jeder Wechsel des Mediums bzw. Formates vom Kunden extra zu honorieren sei, und das zum Vollpreis.
    Von Rabatten für Eigentümer des alten Formates habe ich noch nie gehört, obwohl das eine geradzu geniale Marketingidee wäre: bei Kauf der CD erhält man 33% Preisnachlass, wenn man die LP abgibt.
    Alternativ: Tausch einer CD gegen DVD-Audio.

    Das es illegal sei, wenn ich von meinen als Original im Schrank stehenden CDs MP3s für mein Autoradio bzw. meinen MP3-Player erstelle, kann man mir beim besten Willen nicht einreden.
    Selbst dann nicht, wenn ich dazu einen Kopierschutz umgehen müsste.

  7. Robert B. sagt:

    Weniger Raubkopierer? Ja. Auf Grund massiven rechtlichen Drucks? Nein. Wieso soll ich denn Popstars-Müll raubkopieren, wenn ich um die Ecke freie Musik bekommen kann – ohne Kopierschutz, ohne DRM und bei Bestellung der CD sogar die MP3s für lau? Ich höre kein Kommerzradio, im Fernsehen gibts keine Musiksender mehr (MTV killed the video star) der Plattenladen um die Ecke hat immer noch ein unfreies Schätzchen im Regal.

    Die M.A.F.I.A. hat das Kunststück geschafft, ehrliche Kunden zu kriminalisieren, herzlichen Glückwunsch, während sich „Raubkopierer“ nicht mit Kopierschutz, DRM und blöden Vorspanns (Vorspännen?) herumschlagen müssen.

  8. oliver sagt:

    Welche Möglichkeit hätte ich, wenn mein Bezahlshop das Album, das ich jetzt downloaden möchte, einfach nicht führt — der illegale Download aber jetzt und hier erreichbar ist? Und warum hatten diese russischen Shops mit MP3s in CD-Qualität und humanen Preisen denn überhaupt Erfolg?

    Ich denke, dass die Zahl von illegalen Downloads erst dann signifikant sinkt, wenn Auswahl, maximale Nutzbarkeit (ohne DRM), Qualität der files und Preis stimmen.

    PS.: Vor einigen Jahren wurden doch vielen Musikmagazinen haufenweise Gratis-CDs beigeklebt. Ob das dem Wert der «Ware» Musik nicht mehr geschadet hat, als geholfen, bleibt die Frage.

  9. Robert B. sagt:

    Welche Möglichkeit hätte ich, wenn mein Bezahlshop das Album, das ich jetzt downloaden möchte, einfach nicht führt

    Ins Geschäft gehen und dir es auf CD mit Kopierschutz besorgen 😉

    Die Einschätzung, dass die Zahl der „illegalen Downloads“ bei einem entsprechenden legalen Angebot zurückgeht, teile ich auch, und vielleicht ist ja der oben angesprochene Rückgang darauf zurückzuführen. Die Begründung der M.A.F.I.A., die ich gerne noch einmal zitiere,

    Wir führen das auf den massiven rechtlichen Druck im letzten Jahr zurück

    offenbart doch ein etwas Merkwürdiges Verständnis vom Business, oder? Die Aussage klingt, als ginge es nicht um Musik/Kunst, sondern Verbrechensbekämpfung. Verkaufen die Platten oder Sicherheit? Könnte es sein, dass sich der Kunde nicht Kriminalisieren lassen möchte? Mich interessiert nicht, wieviele Jahre es auf Raubkopieren gibt, sondern ob ich die Musik überall hören kann.

  10. Oliver sagt:

    Die noch unveröffentlichte Brennerstudie, aus der der Spiegel zitiert, geht weiter davon aus, dass jeder zweite Deutsche regelmäßig CDs oder DVDs brennt.

    golem

    Nun wissen wir auch wie man diesen «Trend» ermittelt, anhand der verkauften brennbaren Medien. Anhand solcher haltlosen Daten werden Drohkulissen generiert, man geht einfach von einem Volk illegaler Kopierer aus.

  11. Robert B. sagt:

    Ohja, die ganze freie Musik für meine Radiosendung, alles illegal (weil keine Plattenmultis drin hängen), die ganzen Backups alle illegal. Wieso verbietet man nicht den Verkauf von Rohlingen um dem Problem Herr zu werden?

  12. Oliver sagt:

    Ich weiß ja nicht Platten als große Backup-Medien sind heute schon fast praktischer und vor allem gigantisch günstig 😀

  13. Robert B. sagt:

    Kommt auf die Menge der Daten an und was man mit ihnen vorhat.

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