Wenige Monate noch müssen wir ihn ertragen — Stefan Aust beim Spiegel von den eigenen Mitarbeitern geschasst

Rudolf Augstein hat bei seinem Spiegel mit der Mitarbeiter KG eine wunderbare Form der Mitbestimmung geschaffen, die dem interessierten Beobachter immer wieder  etwas zu lachen gibt. Heute war es mal wieder so weit. Auf Drängen der Mitarbeiter KG wird der Vertrag von Chefredakteur Stefan Aus nicht verlängert, obwohl man eine Option bis Ende 2010 hatte und es allgemein erwartet wurde, dass diese gezogen wird. Somit ist für den Mann, unter dem der Spiegel zum neoliberalen Kampfblatt mutierte, spätestens am 31. Dezember 2008 an der Brandstwiete Schluss. Nachdem Gabor Steingart nach Washington abgeschoben worden ist, ein weiterer wichtiger Schritt des Spiegels — man mag den Kollegen nur den dringenden Rat geben, nicht den einen durch den anderen zu ersetzen. Ihr wart mal das Sturmgeschütz der Demokratie. Ihr habt jetzt die Chance, nutzt sie oder geht unter. Es ist Eure Zukunft.

SZ — Spiegel-Chef Aust muss gehen

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18 Antworten zu “Wenige Monate noch müssen wir ihn ertragen — Stefan Aust beim Spiegel von den eigenen Mitarbeitern geschasst”

  1. […] Bei F!XMBR und in anderen Blogs wird die Ankündigung des Abgangs von Stefan Aust einhellig mit Freude und Zuversicht zur Kenntnis genommen. Mein Parteibuch hingegen bedauert den Rauswurf, weil es so viel weniger Spaß macht, sich mit dem Themenkomplex der Zusammenhänge zwischen der “neuen Linken“, der Ford Foundation und der CIA zu beschäftigen und Stefan Aust’s Paradewerk “Der Baader Meinhof Komplex” als Märchenbuch der Strategie der Spannung zu entlarven. Naja, man kann eben nicht immer alles haben. […]

  2. Dr. Dean sagt:

    Ich vermute wegen der Mehrheitsverhältnisse beim SPIEGEL, dass die Mitarbeiter-KG zusammen mit den Gesellschaftern von Gruner & Jahr gekungelt hat. Tja, und nachdem die Übernahme der Financial Times abgeblockt wurde, saß der Stachel bei Mario Frank bzw. G & J extrem tief. Der autoritäre Aust, der sich gegenüber seinen Mitarbeitern mit Mario-Frank-Mobbing (so könnte man es nennen) beliebt zu machen versucht hat, sind seine Machtspiele nicht gut bekommen. Allerdings droht eine Nachfolge in Gestalt von Thomas Kleine-Brockhoff, ein «prowestlich» linientreuer Neoliberaler.

    Manueller Trackback

  3. Chris sagt:

    Ich vermute auch, dass sich da nicht viel ändern wird, dafür sind in den letzten 2 Jahrzehnten zu sehr grunsätzliche Dinge verändert worden. Der Spiegel wird am Ende untergehen.

  4. isularossa sagt:

    Doch, es wird sich etwas ändern, die MSM dürfen wie beim Parteitag der SPD von einem neuen Linksruck erzählen.
    Rudolf Augstein würde sich im Grab umdrehen wenn er sehen würde was aus dem Journalismus und seinem SPIEGEL gworden ist.
    Dieser Wechsel passt irgendwie in das Puzzle. Westerwelle warnt vor dem Sozialismus, die SPD steht vor einem angeblichen Linksruck, die GDL zerstört unsere Wirtschaft und der SPIEGEL wieder auf alter Linie?
    Jetzt haben wir aber wirklich alle Angst und wählen bei möglichen Neuwahlen schnell die FDP und die CDU, BILD und FOCUS bringen das Ganze dann unters Volk
    Ups. da passt der Abgang von Müntefering ja auch gut ins Programm.

  5. Stephan sagt:

    Da überlegt man, ob das Abo verlängert wird… natürlich wirds verlängert, schliesslich ist der Spiegel Meinungsbilder und Meinungsmacher. Die Nähe zu links wird bleiben und damit ist und bleibt der SPIEGEL für mich Pflichtlektüre…
    Da laufen mehr Prozesse und Entwicklungen, als der Austausch des Chefredakteur wettmachen kann.

  6. isularossa sagt:

    @Stephan

    welche Prozesse laufen denn da?

    wenn Du eine Alternative zum SPIEGEL suchst und ihn nicht nur brauchst um im Zug oder auf der Arbeit Eindruck zu erwecken, dann sei Dir die NachDenkSeiten als Pflichtlektüre ans Herz gelegt.
    Das geniale am SPIEGEL ist, dass er im «linken» Gewand die Meinung der Neocons unters Volk bringt. Viele Gute Berichte darüber findest Du wie gesagt auf o.g. Internetseite.

  7. Chris sagt:

    *gröööhl*

    Ymmd — genau, der Spiegel ist links, die Erde ist eine Scheibe. Man, man, man, überlegen die Leute auch mal, bevor sie lostippen? Der Spiegel ist heute genauso links, wie die FDP…

    Aus den Kommentaren der SZ:

    Unter Aust wurde der Spiegel zur Bildzeitung für Leute, die glauben Intellektuelle zu sein.

    Ein neoliberales Schundblatt, nicht mehr und nicht weniger…

  8. Chris sagt:

    Achja, und meine Meinung kann ich mir alleine bilden — wer einen Meinungsmacher braucht, der sollte mal nen Realitätscheck bei sich durchführen… 😉

  9. Stephan sagt:

    @Chris:
    zu überlegen hab ich mir abgewöhnt, als ich mit der Bloggerei anfing 😛

    «Links» ist nicht gleich PDS, KPD, Marx oder sonst was und SPD ist nicht gleich neocon.

    Und wer sich als Elite sieht, sollte die «dumme Masse» nicht verunglimpfen, sondern drüberstehen.

    Gute Nacht.

  10. Chris sagt:

    Träum süss…

    … vom linken Spiegel … *gröööhl*

  11. Dr. Dean sagt:

    So weit würde ich nicht gehen. Es finden sich durchaus noch enige gute Stories und Berichte im Spiegel. Es gibt auch gute Spiegel-Journalisten wie Nils Klawitter. Ähm, neben zahlreichen Unerträglichkeiten sowie einer unter Aust zielstrebig betriebenen Praxis, linke Journalisten rauszumobben.

    Andererseits: Das Zeitalter des Neoliberalismus neigt dem Ende zu. Diese Ideologie hat ihre Strahlkraft verloren — man dar gespannt sein, was folgt. Und, man mag es kaum glauben, entscheidend waren für Austs Ende zu einem Gutteil sein FDP-Kampagnenjournalismus sowie die diverse Fälle, wo er begabte wirtschaftskritische Journalisten rauswarf bzw. rausekelte.

    Der Wunsch nach «Auffrischung» — auch alter kritischer Tugenden stand hinter dem Rauswurf von Aust. Er hat tatsächlich die Rechnung präsentiert bekommen, die auch wir ständig stellen. Nunja, und dazu kommt das zerrüttete Verhältnlis von Aust zu G & J.

  12. Oliver sagt:

    >noch enige gute Stories und Berichte im Spiegel.

    Woran erkennt man diese?

  13. Dr. Dean sagt:

    @Oliver
    Wenn man sie liest?

    Ich meine, dass kritischer Wirtschaftsjournalismus (sehr lesenswerte PDF) in unserem Land zu selten geworden ist. Flächendeckend. Leider. Aber unter den wenigen Glanzlichtern, die es hier gibt, finden sich — mitunter — auch Berichte des SPIEGEL.

    Wenngleich selten und schwer zu entdecken unter einer Unmenge von Dreck z.B. aus der Tastatur von Mohr, Malzahn und Dreyer.

    Dass Christian Stöcker heute diesen Bericht auf SpOn veröffentlicht, dürfte — auch in der Tonlage — recht stark mit dem Abgang von von Aust zusammenhängen. Für viele Journalisten im Haus SPIEGEL ist der Abgang von Aust ein Befreiungsschlag.

    (Falls ich mich nicht täusche: Sie haben Aust bereits gestern aus dem Impressum geworfen…)

  14. alex sagt:

    > Der Wunsch nach “Auffrischung” — auch alter kritischer Tugenden stand hinter dem Rauswurf von Aust.

    Der Wunsch nach Auffrischung steht garantiert dahinter. Bei alten kritischen Tugenden bin ich mir allerdings nicht so sicher wenn ich an Mario Frank denke.
    Wart nur… Am Ende wird es Steingart..

  15. Sophie sagt:

    Für diese BILD am Montag würde heute jedenfalls niemand mehr auf die Straße gehen …

  16. Chris sagt:

    Oh Gott, oh Gott, oh Gott…

    Wer hat dieses Titelbild denn verbrochen???

    *sprachlos*

  17. Oliver sagt:

    Na ja mal abgesehen von der Mona Lisa Parodie, die wirklich nicht paßt, ist der röhrende Hirsch, das Signum der deutschen Wohlstandskonservative der 50er/60er, doch durchaus passend 😀 Allerdings wirkts wiederum ironisch im Spiegel selbst.

  18. Über den unfreiwilligen Abgang von Stefan Aust beim Spiegel hatte ich hier schon ein paar Worte geschrieben. Seit zwei Tagen wartet nun alles in der Medienlandschaft auf eine Nachricht beim Spiegel selbst — mal völlig abgesehen von den knappen PR-Meldungen. […]

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