Web 2.0 — Der Film

Ich hatte wirklich vor etwas Positives zu schreiben. Doch es geht nicht. Belanglose, aneinandergereihte Interviews und Statements — von den gleichen Leuten, die man schon zig mal gesehen, gehört und gelesen hat. Völlig unkritisch einfach den Leuten, gewiss professioneller als auf einem Barcamp oder der re:publica, die Kamera vor die Nase gehalten und sie reden lassen. Keine Gegenfrage, keine Gegenmeinung, das Wetter ist klasse, am Abend vielleicht ein reinigendes Gewitter, morgen ist aber alles wieder gut. Ich akzeptiere die Meinung dieser Leute. Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht — aber nicht eine einzige kritische Gegenstimme, das hat meiner Meinung schon etwas von Jubelpersertum. Es ist wirklich kein Wunder, warum das Web 2.0, die Blogs in Deutschland diese Außenwirkung haben — Langeweile pur. Der ein oder andere Blogger ist ein besserer PR’ler wie mancher Journalist.

Kommunikation, Diskussion, Netzwerken — die wichtigsten Punkte, die von deutschen Bloggern als Vorteil, des Web 2.0 genannt wurden. Nur ist das mittlerweile zur Dampfplauderei ausgeartet — ich habe früher schon die Visitenkarten gehasst. Es wiederholt sich alles, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat. Eine Bauchnabelschau der immer und immer wieder gleichen Gruppe — und ich sehe jetzt schon die großen Schlagzeilen: Toller Film — der Titel beinhaltet immerhin Web 2.0 und außerdem wird übers Bloggen gesprochen. Belanglose Dampfplauderei — zu der selbst Tim O’Reilly beigetragen hat. Wo ist die gesellschaftliche und politische Relevanz in Deutschland? Sie ist schlicht und ergreifend nicht vorhanden. Zu dem Film passt hervorragend ein Kommentar des Deutschlandfunks:

Während man noch vor zwei, drei Jahren die Blogger und ihre Blogs in Deutschland als neue Gegenöffentlichkeit zum klassischen Journalismus zelebrierte, hat sich der Hype um die neue digitale Elite — so sehen sich Deutschlands Blogger gerne, sie sind es aber wohl nicht — längst wieder gelegt. In den USA haben sich Blogs etabliert. In Deutschland nicht. Man fragt sich, woran das liegen mag? Vielleicht weil der gemeine Blogger allzu gerne über sich selbst spricht — eine Art selbst referentielles Perpetuum-Mobile?

Q. e. d. Ich musste mich wirklich zwingen, diesen Film bis zum Ende zu schauen — und als dann zum Schluss auch noch The Great Firewall of China, Cisco, als Sponsor angepriesen wurde, da wurde dann aus dem Kopfschütteln wieder ein Lächeln. Die, die wirklich vom Web 2.0 leben können, leben nach dem AAL-Prinzip — traurig, aber wahr. Da ist nichts Außergewöhnliches dran — allein schon das sollte man den Gründern entgegen werfen, wenn sie sich wie im Film gesehen gegenseitig in den Himmel jubeln, weil sie etwas Besonderes sind, etwas haben, was andere eben nicht haben. Aber, ich bin ja ein feiner Kerl — deswegen zum Schluss dann doch etwas Positives: Die Kameraführung, die Schwarz-Weiß-Einblendungen, das hatte was. Hab ich etwas Wichtiges, Relevantes vergessen?

3 Antworten zu “Web 2.0 — Der Film”

  1. KlausS sagt:

    Du hast bis zum Ende durchgehalten? Kompliment! Für mich war nach ca. 15 Minuten Feierabend, dieses ewig gleiche Geseiere … grausam. Die Lobotomie scheint bei den meisten zu wirken, in beiden denkbaren Richtungen des Wortes. 😀

  2. ori sagt:

    also bei mir, in der new economy 5.0 Buisness edition samt Web 7.0 Ultimate Service Pack 1 hatts 4 minuten gedauert.

    respekt, ich hab den unfug nicht durchgehalten.

  3. David sagt:

    Das Schlimmste daran ist wohl, dass die Leute das auch noch ernst meinen.

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