Was Michael Spreng und Kai Diekmann nicht gemeinsam haben

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Screenshot: sprengsatz.de

Dass ich Michael Sprengs Politik-Blog, Sprengsatz, für das vielleicht beste deutsche Politik-Blog halte, habe ich bereits mehrfach erwähnt. Trotz — oder vielleicht gerade — Sprengs Lebenslauf. Michael Spreng war unter anderem Chefredakteur der BILD am Sonntag sowie Wahlkampfmanager der CSU und Edmund Stoiber im Wahlkampf 2002. Wären Sprengsatz und F!XMBR zwei Länder, könnte man meinen, dass man auf unterschiedlichen Kontinenten leben würde. Könnte — Michael Spreng hat seinen Erfolg redlich verdient.

Die politischen Kommentare Michael Sprengs erweitern den Horizont, regen zum Nachdenken an, und selbst wenn ich völlig konträrer Meinung bin, habe ich Freude am Lesen. Die Anekdoten aus seiner politischen und journalistischen Karriere lassen mich immer Schmunzeln, dabei schafft Michael Spreng bei diesen Geschichten etwas Besonderes: Immer mit einem Augenzwinkern erzählt, stellt er niemals die Person bloß, über die er berichtet. Das schaffen nur die Wenigsten, Michael Spreng wählt immer die richtigen Worte.

Sprengsatz ist damit das Gegenteil zu Kai Diekmanns neuem Blog.

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Screenshot: kaidiekmann.de

Die Medienwelt ist in heilloser Aufregung — nicht etwa, weil Deutschland die nächsten vier Jahre von einer Schwarz-Gelben Koalition regiert wird, nein, ein viel größeres Ereignis, etwas wirklich Weltbewegendes, hat stattgefunden: Der Chefredakteur der BILD, Kai Diekmann, ist angeblich unter die Blogger gegangen.

Wenn ich im Falle Michael Spreng davon geschrieben habe, dass er niemals seinen Gegenüber bloß stellt, so macht Kai Diekmann genau das Gegenteil: Inka Bause kann davon ein Lied singen.1

Genau an diesem Punkt krankt die Publikation Kai Diekmanns — man ist versucht anzumerken, was will man auch Anderes erwarten? Es wird deutlich, dass Diekmann mit zugespitzter Ironie, auch einem gewissen Augenzwinkern, meinetwegen auch mit Polemik seine Gegner ausstechen kann. Dabei hat man den öfter Eindruck, als hätte die Form dieser Abrechnung — der Bloßstellung — seiner Gegner, gar nicht nötig. Wie hilflos seine Gegenüber argumentieren und reagieren, zeigt beispielsweise die mehr als trostlose Reaktion des BILDblogs. In diesem Fall ist Kai Diekmann der einzige Bildblogger, den es lohnt, zu lesen.

Die Zeilen Kai Diekmanns machen an der einen oder anderen Stelle durchaus Spaß — doch fehlt es am entscheidenden Kriterium: Glaubwürdigkeit. Wir sprechen hier immerhin vom Chefredakteur der Springer-Postille BILD — und glaubt jemand allen ernstes, er füllt dieses Blog alleine? [Nachtrag: Im Interview mit Sputnik sagt Diekmann, dass selbstverständlich das Team bloggt.] Wäre dem wirklich so, sollte sich der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, ernsthaft die Gedanken machen, die ihm von der taz angetragen wurden.

Ich glaube schon, dass ein Boulevard-Blog Spaß machen würde — Kai Diekmann und sein Team zeigen gute Ansätze — doch wirkt das Blog zuweilen wie ein Kunstprodukt, noch nicht einmal wie ein journalistisches Erzeugnis. Von der Authentizität eines Blogs ganz zu schweigen. 100 Tage will sich das Blog selbst geben — schau m’er mal, würde Kaiser Franz nun sagen. Vielleicht sollte sich Kai Diekmann einmal mit Michael Spreng auf ein Bierchen treffen. Auch BILD-Chefredakteure können noch lernen. Eine BILD-Außenstelle braucht kein Mensch, lieber Herr Diekmann — auch nicht, wenn dabei Blog-Software genutzt wird. 😉

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  1. Dabei überlege ich gerade, wie das mit dem Urheberrecht und dem Foto Bauses ist? Naja, ohne Beschriftung ist wohl davon auszugehen, dass Diekmann es selbst geschossen hat. 😉 []

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2 Antworten zu “Was Michael Spreng und Kai Diekmann nicht gemeinsam haben”

  1. DocJott sagt:

    Ich bin ganz Deiner Meinung, Chris.

    Eines verstehe ich aber trotzdem nicht: warum wird diesem Typen Aufmerksamkeit geschenkt, indem er in vielen vielgelesenen deutschen Blogs verlinkt wird?

  2. Chris sagt:

    So funktioniert das Internet, also das mit den Links…

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