Was Laconica mit 18.446.744.073.709.551.615 Reiskörnern gemein hat

lallus.netDie Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse — genauso wie der Beginn von lallus.net und Oliver und mir. Wie die meisten von Euch wissen, lief neben .get privacy auch noch ein Jabber/Xmpp-Server. Über ein Jahr lief dieser auf einem völlig überdimensionierten vServer — die gut 200 Nutzer hat er locker abgefangen. Eine kleine Insel im weltweitem Web. Als dann die Entscheidung pro lallus.net gefallen war, dachten wir in unserem jugendlichen Leichtsinn, dass auch diesmal ein vServer reichen würde — eine Nummer größer und wir sollten im sicheren Bereich liegen. Das war wohl ein typischer Fall von denkste. Die ersten Zweifel gab es schon in der Betaphase, als Oliver und ich noch alleine am Schrauben waren. Schon da trieb es die Ressourcen ab und an in den roten Bereich. Um sicher zu sein, dass nach dem Gang in die Öffentlichkeit dann alles okay sein würde, stellte unser Hoster — host-4-you — noch ein wenig RAM zur Verfügung. Freudig stellten wir lallus.net der Öffentlichkeit vor — um gleich ins Debakel zu rennen: Die Ressourcen liefen über, der Jabber/Xmpp-Server musste deaktiviert werden.

Und wieder sprang — host-4-you — ein, wieder wurde unserem vServer mehr RAM spendiert. Mittlerweile sind es für einen Jabber/Xmpp-Server und ein kleines Projekt wie lallus.net 500 MB garantiert — max. 768 MB, wenn andere Kunden diesen nicht benötigen. Das ist nicht wenig — im Gegenteil, das ist schon eine Hausnummer, wenn man bedenkt, dass seit Start lächerliche 3.800 Dings veröffentlicht wurden, eine geringe Anzahl von Usern sich registriert hat. Oliver schrieb es hier direkt — das ist für uns als kleines Privatprojekt eine Nummer zu groß. Um auch in Zukunft Luft zu haben, lallus.net mit allen vorhandenen Daemons fahren zu können, würde es wohl einen Root-Server mit 2 GB RAM und Dualcore-CPU benötigen. Wir haben schon sehr viel aus reinen Spaß investiert, versuchen immer viel von dem zurückzugeben, was das Internet uns gegeben hat. Was aber zu viel ist, ist zu viel. Selbst bei unserem Hoster kommen wir nun an die Grenzen der Ressourcen — da wäre nun ein dedizierter Server der nächsthöhere Schritt. Die Erfahrung zeigt aber, dass selbst dies nicht ausreichen würde. Wir mussten uns dann für einen Kompromiss entscheiden: Der Jabber/Xmpp-Server läuft neben dem Microblogging-Dienst von lallus.net — gemeinsam ist es aber ein absolutes No-Go. Wenn mir morgen Hoster XYZ nicht rein zufällig das Angebot macht, er stellt uns einen Root-Server zur Verfügung, dafür will er ein Banner, etc. pp. auf den angeschlossenen Funkhäusern, dann wird das auch in Zukunft so bleiben. Davon ist aber eher nicht auszugehen. 😉

Das große Problem sind die Queues, die die Nachrichten auch speichern, wenn ein User nicht online ist, Nachrichten mehrfach speichern. Oliver hatte es bereits erwähnt. Mich erinnert Laconica in der derzeitigen Form an die Fabel der Reiskörner, wahlweise auch Weizenkörner, die auf einem Schachbrett aufsteigend verteilt werden sollen. 1 Reiskorn auf Feld 1. 2 Reiskörner auf Feld 2. 4 Reiskörner auf Feld 3. Auf Feld 64 angekommen macht das dann 18.446.744.073.709.551.615 Reiskörner. Nicht nur der König hat dies unterschätzt — auch Oliver und mich hat diese Entwicklung ein wenig überrannt. Obwohl nur für kurze Zeit im Einsatz, hatten sich in der Queue des Jabber/Xmpp-Bots von update@lallus.net über 55.000 Nachrichten angesammelt. Ein großes Problem ist derzeit (noch): Oliver und ich hören zum Beispiel Cem zu. Cem schreibt 5 Nachrichten — diese landen in der Queue. Leider aber nicht einmal — um dann an Oliver und mich verteilt zu werden, sondern zweimal. Das lässt eine Queue exponentiell unheimlich schnell anwachsen. Cem hat derzeit 264 Zuhörer, da werden aus 5 Nachrichten mal eben 1320 Nachrichten — und ja, natürlich nutzen nicht alle Jabber/Xmpp, nur zur Veranschaulichung.1 Ich hatte ein paar Tage meinen Jabber/Xmpp-Account nicht genutzt — die Folge waren knapp 7.400 Nachrichten, die auf mich gewartet haben. Noch einen Tag nachdem der Xmpp-Daemon deaktiviert wurde, verteilte der Bot update@lallus.net die Nachrichten unter den Nutzern. Für einen kleinen vServer ist das einfach zu viel.

Hier muss (auch) dringend dran gearbeitet werden. Wenn eine Nachricht geschrieben wird, darf diese nur einmal in der Queue aufgenommen werden — sonst wird die Software Laconica schwerlich den Weg in den Massenmarkt finden. Sie kann dann niemals eine ernsthafte Alternative zu Twitter werden. Vielleicht wird sie sich als zweite Monokultur etablieren. Twitter und seine Fanboys auf der einen Seite, Identi.ca mit einer Hosting-Lösung à la WordPress auf der anderen. Kleine Privatlösungen, die auch regelmäßig genützt werden, wird es kurzfristig schwerlich geben. Es bleibt die Lösung, dass Unternehmen einen Server aufsetzen, vielleicht ein junges Startup. bleeper.de macht es zum Beispiel vor. Meine Befürchtung: Bei mehreren Unternehmen kochen alle ihr eigenes Süppchen. So sehr ich bleeper.de hier nochmal für die Hilfe an der einen oder anderen Stelle danken will, habe ich bei den Kollegen zwischen den Zeilen immer dieses Konkurrenzdenken gespürt. Doch wo bleibt da noch die dezentrale Lösung, die Laconica mal werden will? Es muss also mittelfristig eine Lösung her, die auch von Privatleuten ohne Probleme aufgesetzt und betrieben werden kann. Von dem Ziel ist Evan noch weit entfernt, man kann nur das beste hoffen — im Moment läuft lallus.net zwar, leider nur mit den bekannten Einschränkungen.

Wer also 18.446.744.073.709.551.615 Reiskörner nicht verarbeiten kann, wird auf ähnliche Probleme stoßen, wie wir die letzten Tage. Das Ziel, welches Evan mit Laconica vor Augen hat, ist großartig und richtig — er hat bisher grandiose Arbeit geleistet und ist mit ganzem Herzen dabei. Ich würde ihn diesbezüglich fast als Visionär bezeichnen. Danke dafür. Aber es liegt noch viel Arbeit, viel Schweiß und auch jede Menge Flüche vor uns. Doch es macht Spaß — das ganze Drumherum ist faszinierend, so leicht lassen wir uns nicht unterkriegen. Dann leben wir halt bis zu einer Lösung mit wenigen Einschränkungen. Wir können damit leben — auch wenn es im ersten Moment immer schmerzt, einen Daemon, einen Dienst abzuschalten. Man will ja eigentlich doch das große Ganze nutzen. Wir bleiben aber am Ball. Please hold the line. 😉

  1. Das haben wir allerdings noch nicht zu 100% eruiert — anders lassen sich die vorhandenen Zahlen aber nicht erklären. []

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2 Antworten zu “Was Laconica mit 18.446.744.073.709.551.615 Reiskörnern gemein hat”

  1. phoibos sagt:

    vielen dank für eure mühen! und danke, dass ihr jabber leben lasst :-)

  2. […] Prinzipiell ist das Thema laconi.ca sehr spannend, allerdings gibt es wohl noch die eine oder andere Schwachstelle, die einen Einsatz für Lischen Müller unmöglich bis unpraktikabel machen. Chris und Oliver, die beiden Jungs von F!XMBR berichten in der Kategorie “lallus” davon, wie spannend, aber auch wie anstrengend der Wirkbetrieb eines Laconi.ca-Servers sein kann. Interessant — und ein wohl wirkliches Argument gegen eine Servereinrichtung für einen Wirkbetrieb bei beschränkten Ressourcen findet man im Artikel “Was Laconica mit 18.446.744.073.709.551.615 Reiskörnern gemein hat“. […]

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