Was ist ein Desktop?

Nun Apple und Microsoft definierten da irgendetwas, das gemäß Firmen-Kredo natürlich exakt ihrem Produkt entspricht. In freien Betriebssystemen meint man gar einem der beiden nacheifern zu müssen, entweder Apple weils besser sei oder Microsoft weils ja so weit verbreitet ist, die größte Innovation in diesem Bereich als Eigenleistung war bisher 3D-Eyecandy, ansonsten kopiert man im Moment gerne bei den freien Platzhirschen das Theme von Vista, sehr originell — streitet man natürlich geflissentlich ab.

Aber ist das der Desktop? Oder überhaupt eine Alternative? Über die Bedeutung Alternative ist man sich im Opensource Bereich noch nicht so ganz klar, Unix ist alternativ und mitunter besser, die Oberflächlichkeit ist nachgeahmt und kaum innovativ und Eyecand ist hübsch aber nicht produktiv. Das aber auch nur nebenbei, denn es geht ja um diesen ominösen Begriff Desktop.

Apple begann, nachdem man die Xerox Entwicklung mit Maus und System als Vorbild nahm, ihre Art von Desktop zu kreieren und zwar simpel dem profanen Schreibtisch nachgeahmt, natürlich zusammen mit Mülleimer. Microsoft ahmte da Apple nach usw. Nebenher entwickelte sich schon etwas gänzlich anderers und zwar seit 68, genannt Unix. Nicht zu vergessen den Amiga, der den Apple dank Innovationsmangel in den 80ern bis Anfang der 90er recht alt aussehen ließ.

Also der Schreibtisch ist das Vorbild, denn man sinnigerweise mit einem verkabelten Nager abgrast. Schaut man sich bis heute die Entwicklung an, so geht diese in Richtung perfektioniertem Einheitsschreibtisch, mit Stickies etc. Das sind die gelben Zettelchen, die einige Leute die den Sinn eines Computers nie verstanden an den Bildschirm klebten 😉

Soderle, der Schreibtisch … ein Desktop, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden, tja und danach würde es weitergehen im $Lande1, wo die Schatten drohn.So schauts aus, mitunter wirds ja in den Medien als Kampf der Desktops bezeichnet. Oder besser — als der Egotrip zweier Gurus, Bill Gates und Steve Jobs.

Gegenfrage, wer hat alles daheim einen Einheitsschreibtisch, also diese realen Dinger? Ich habe hier einen Monitor, teils zwei Tastaturen, ne Maus, diverse Bücher, eine Lampe, einen Scanner, einen Haufen CDs, Papiere, ein paar archäologische Repliken etc. Bei meiner Schwester schauts wiederum anders aus, bei meiner Frau, mei so manchem meiner Bekannten … kann man endlos fortsetzen.
Jedoch am Computer soll sich einer der Desktop-Träume durchsetzen, die Einheitsvariante, die angeblich jedem gleichermaßen gefällt und mit der man nur alleinig produktiv sein kann.

Nehmen wir die Produktivität als Beispiel, wird ja auch gerne als Universargument genommen, die Produktivität liegt in der Tastatur, die Maus dient gerne graphischen Dingen, wird aber auch da von den Profis durch den profanen Griffel ersetzt … etwas das Natürlichkeit näher kommt, als dieser Klotz mit mehreren Tasten2. Man sieht, die Leute die produktiv mit ihrem Rechner arbeiten nützen gerne natürliche Eingabewerkzeuge bzw. Dinge die schnell gehen. Schaut man z.B. einem 3D Künstler zu, wird man aus dem Staunen nicht herauskommen, da wird mit Photoshop und Maya gearbeitet, nahezu alles mittels Tastatur-Kürzeln — da wüßte der Mausklicker noch nicht einmal wo er überhaupt hin muß — und natürlich dem erwähnten Griffel. Selbst die Pros, die mit Word arbeiten kennen alle Kürzel und arbeiten mit diesen.

Was bleibt also über? Die Maus und somit der reguläre Desktop, der mehr und mehr einem Designer-Schreibtisch gleichen soll sind keineswegs produktiv … Spielkram oder auch einfach nur Couture. Aber Produktivität? Lachhaft. Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen mit was man glücklich wird, die einen staunen halt über die überteuerte Kaffeemaschine auf dem Schreibtisch im Büro, die anderen habe eine ganz normale die aber guten Kaffee brüht. Man sollte sich jedoch von dem Produktivitätsargument verabschieden, wenn man davon spricht suggeriert man das man in diesem Feld prof. arbeitet und das stimmt so schlicht und ergreifend nicht. Selbst Apple verabschiedete sich aus guten Grund nie von den Kürzeln und vereinheitlichte diese sogar schon seit langem, auf das man nicht immer alles neu lernen muß.

Also reden wir von dem regulären User, der daheim sitzt, mal nen Brief tippselt, Webseiten durchstöbert, ein Spielchen wagt … und da mag das mit dem Desktop ziehen, aber ich bezweifle stark das der Einheitsdesktop zieht. In Windows bauen die Leute das teils bis zur Unendlichkeit um und auch von einigen Apple Jüngern weiß ich, das man sich sogar einiger nicht durch Apple abgesegneter Hacks bedient, um Steves Desktop den eigenen Wünschen gefügig zu machen … auch teils recht extrem, da kam bei mir schon mal der aha–Effekt 😀

Und was ist mit Opensource? Nun dort befindet man sich noch im Selbstfindungsprozeß, man eiert noch herum zwischem gutgemeinten Plagiat, ein wenig Produktivität und teils auch kindischem Spieltrieb. Wobei aus letzterem ja durchaus, manchmal jedenfalls, was Positives abzugewinnen ist.

Den Desktop gibts jedoch nicht, ich zweifle selbst an der oft propagierten Masse von diesen Leuten die mehrheitlich der Herde folgen. Gerade bei Optik, Anordnung und verwendeten Werkzeugen unterscheiden sich die Geschmäcker gewaltig. Ich finds halt süß, ist manchmal eben weitaus ehrlicher als von Produktivität zu schwafeln oder gar prof. Einsatz. Die Tastatur ist in diesen Bereichen erwiesenermaßen ungeschlagen.

Die Firmen werden es nie einsehen, außer der User beginnt umzudenken und fordert einen wirklich variablen Desktop, der mit viel Optionalität und nicht Automatismen daher kommt. Dann klappts vielleicht auch mit den bei Opensource Aufschlagenden Microsoft– oder MacUsern3, die da nicht nach diesem, einem Desktop suchen und entäuscht wieder von dannen ziehen, sondern die Optionalität eines Unix nutzen, um sich ihren eigenen Desktop zu zimmern.
Bei Windows muß Microsoft inzwischen die Zeche mit Vista bezahlen, die Leute dort sind mit der Bevormundung auf Kriegsfuß. In Apple-Gefilden beginnt eine Wanderschaft und ein gleichzeitiger Zustrom, Freaks verschwinden, Couture Fetisch zieht ein — auch das kann eine Nische werden. Das ist nicht wirklich schlimm, nur sollte man danach auch nicht mehr hineininterpretieren als da wirklich vorhanden ist, z.B. Unix usw.

Dreh– und Angelpunkt ist dieser zu PR-Zwecken mißbrauchte Desktop-Begriff, der sinnfreier nicht daherkommen kann. Die Gehirnwäsche wirkte, es ist das Schlagwort schlechthin um alles und auch nichts zu definieren und zugleich jede andere Meinung abzuwatschen. Deja vu, Web 2.0, eine ähnliche Hülse, die Heilsbringer für die Herde ist, dabei wird Kunde letztendlich doch nur gemolken, wenn er erst einmal auf der Wiese zum Grasen angelangt ist 😀

Wenn man bedenkt, ein Begriff ohne jegliche Aussage entscheidet heute über die Tauglichkeit von Linux/BSD. Danke Microsoft/Apple gut gemacht. omfg

  1. Redmond bzw. Cupertino []
  2. oder gar nur einer []
  3. ja auch diese gibts, viele verließen und verlassen den Weg, als Apple immer mehr in Richtung Couture und billigem Hype abdriftete bzw. noch driftet []

Eine Antwort zu “Was ist ein Desktop?”

  1. Juergen sagt:

    Zur «ungünstig gewählten Desktop-Metapher» gibts lesenswerte Literatur vom mittlerweile verstorbenen Interface-Guru Jef Raskin, der wiederum auch bei so manchen GUI-Entwicklungen seine Finger mit im Spiel hatte.

RSS-Feed abonnieren