Was der Zeit die Bildung wert ist …

Nun sicherlich zum einen eine gepflegte Neiddebatte, so a la der Mär von der «alles zahlenden Frisöse», die zwar sicherlich entsprechende Beiträge zur Sozialversicherung entrichtet, aber so richtig und wahrhaftig niemanden finanziert. In dem Artikel wird auch sogleich von den Gebühren für Kindergärten fabuliert und wie diese den Studiengebühren gegenüber stehen, wobei letztere, gemäß dem Autor, die Republik bewegen und erstere mit einem Schulterzucken abgetan werden.

Ja, die Welt ist grausam und die Medien sind ein Spiegel dieser Grausamkeiten. So zumindest in der Theorie, in der Realität hingegen sind «83€» pro Monat eine stattliche Summe für einen Studenten. Natürlich nicht für jemanden, der in den Staaten studierte und dort die teils horrenden Gebühren, inkl. Aufenthalt, entrichtete. Ich denke hier fehlt dem Autor schlicht die Erfahrung oder sagen wir, der Bezug zur Materie. Was sind denn diese Gebühren? Nun der Autor ging von diesen «500€» pro Semester aus und verteilte diese auf das Jahr. In der Praxis übersehen wir dabei geflissentlich die Gebühren für Asta, Ticket, etc. pp., diese rangieren durch die Republik von 140–250€ extra. Klar, so ein Semesterticket ist recht nett, läßt es sich doch nur selten ausnutzen und muß zudem .u.U. auch finanziert werden, wenn kaum eine Verbindung mit dem öffentlichen Personennahverkehr möglich ist.

Diese Details wurden wohl übersehen? Schwamm drüber, das Studium des Herrn ist ja auch schon ein paar Jahre her und Münschen bzw. USA sind da in der Regel in vielerlei Belangen als Idealzustand anzusehen. Da werden dann auch mal nebenher Studenten zitiert, die ob Studiengebühren eine Qualitätssteigerung verspüren. Wie dieser Vergleich bei jenen jedoch zustande kommt, dies bleibt uns der Autor schuldig. Tatsache ist aber auch, daß man in den USA vermehrt die hohen Gebühren in der Kritik sieht. Die «sagenumwobene Betreuung» hat dort teils auch schon den Ruf eines «Studiums um jeden Preis», schließlich muß «Kunde Student» zufrieden gestellt werden. Nein, die «Servicewüste» ist dort sicherlich fehl am Platz, die Qualität des Studiums hingegen ist vermehrt mit einem dicken Fragezeichen zu versehen.

Who cares? Akademiker fahren später ohnehin alle opulente Gehälter ein, insofern lohnt sich die Investition während dem Studium. Logisch, wenn man denn überhaupt erst zu diesem kommt bzw. später das Glück hat bei der Zeit arbeiten zu dürfen. Denn dort gibt es anscheinend noch mehr Netto vom Brutto. Akademiker die ihr Gehalt aufstocken, Akademiker/Abiturienten in ALGII-Gefilden? Ausnahmen? Hirngespinste? Nein, vermehrt die Regel, dazu Beschäftigung auf Zeit mit einer äußerst vagen Perspektive. «Junge, Medizin und Jura hättest du studieren sollen …» Klar, um sich als «abmahnender Advokat» über Wasser zu halten bzw. sich in der Klinik oder in der Landpraxis für einen kleinen Obolus aufreiben zu lassen. Es existieren Zeitgenossen, die hatten schlicht Glück, eine Gesetzmäßigkeit läßt sich daraus jedoch nicht ableiten. Warum also überhaupt ein Studium anstreben? Gute Frage, wieviel gibt denn ein regulärer Job her? In der Provinz darf man da beispielsweise alternierend einem Handwerk oder der kaufmännischen Tätigkeit nachgehen, inklusive einer «lukrativen» ALGII-Zukunft.

Man dreht sich wohl im Kreis, aber die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt und letztendlich ist eine gute Bildung immer von Vorteil, auch wenn sich diese nur noch eher selten in klingender Münze auszahlt. Legionen von Abiturienten in regulären Berufen möchte schließlich auch keiner sehen, oder?

Fazit: viel Dampf, wenig Substanz. Bildung muß frei sein und dazu gehört selbstredend auch der Kindergarten. Bildung ist eine Investition in die Zukunft, wer dies nicht verstanden hat, der träumt wohl auch von stetig sinkenden Arbeitslosenzahlen, sowie Vollbeschäftigung und glaubt an eine Zukunft der Medien bzw. innerhalb dieser. Der armen Mutti hingegen nutzt diese Debatte nichts, diese liest auch wohl kaum die Zeit und weiß ihr Geld anderswo sinnvoller zu investieren.

 

 

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5 Antworten zu “Was der Zeit die Bildung wert ist …”

  1. Anonymous sagt:

    Milchmädchenrechnung: Zweitstudium mit zweitem Studienfach in RLP: 800€ Studiengebühren pro Semester (ja, CDU-Länder sind dagegen billig), in HiWi-Stunden also min. 2 Arbeitstage pro Woche. Bei einer 6-Tage-Woche Dauer des Studiums 1/3 länger, also 12 statt (Regelstudienzeit) 9 Semester. 12x800€ = 9600€.
    Oder anders: 133€/Monat, das sind mehr als freiwillig versichert bei der Krankenkasse, das ist mehr als Strom, Heizung und fließend Wasser zusammen.
    Also nur, wenn man unbedingt und seltsamer Weise in Zahlen ausdrucken möchte, was Bildung «wert» ist.

  2. Hix sagt:

    Um zu zeigen was Bildung bei uns in Österreich wert ist:
    Die Armutsgrenze ist in Österreich gesetzlich mit 951 Euro monatlich festgesetzt. In Österreich haben wir Mindestsicherung und zwar in Höhe von 750 Euro monatlich. Laut Studienfördergesetz hat ein Student mit mehr als 650 Euro Einkommen pro Monat kein Recht auf Studienbeihilfe. Um das in Relation zu setzen: Meine 40m² 1-Zimmer Wohnung in Wien kostet exklusive Strom und Gas 430€ pro Monat. Anspruch auf Mindestsicherung haben Studenten auch nicht. Ab Juni wird auch die Familienbeihilfe in Höhe von 150€ monatlich für Studenten gestrichen. Seit letzten Winter haben Studenten in Wien auch keinen Anspruch auf Heizkostenzuschuss mehr.

  3. Robert B. sagt:

    Ach, Deutschland und Bildung, zwei Gegensätze. Als Akademiker habe ich keine Probleme, bei entsprechendem Gehalt (was nach marktliberal-konservativer Leermeinung gegeben sein soll) den Unis wieder etwas zurück zu geben. Und in der Tat wird/sollte das doch durch die Einkommenssteuer erfasst (werden). Ich vermute, es geht vielmehr darum, dem «Pöbel» den Zugang zur Bildung zu verwehren. Ein weiterer Beleg dafür ist der lächerliche Betrag von 1,39 €, der im ALG2 für Bildung vorgesehen ist. Und das nennen dann so manche «Chancengleichheit» und betonen den Wert von Bildung. Wenn es sich unsere Volkswirtschaft leisten kann, Talente auf Grund des «Löffels im Mund» zu vergeuden, scheint es uns doch noch sehr gut zu gehen.

  4. der wanderer sagt:

    Hm, München, Idealbedingungen? Darf ich da wiedersprechen?

    In München gibt es kein Semesterticket, d.h. je nach Lage der Uni/Wohnung kann man schon mit 70–80€/Monat für die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln rechnen.
    Verhandlungen mit dem MVV zum Semesterticket scheitern seit mehreren Jahren an der etwas kruden Verhandlungsweise des MVV (Muster: viel Geld fordern -> Geld wird zugesagt -> mehr Geld fordern -> Verhandlung scheitert -> nächstes Jahr von vorne). Das ganze ist leider mehr als lächerlich…

    Von den Mietpreisen brauchen wir jetzt gar nicht zu reden, auf dem freien Markt sind sie unbezahlbar (es sei denn man hat wirklich viel Glück). Es gibt glücklicherweise doch eine große Anzahl an Studentenheimen (immerhin 15qm á 250–300€ warm), da darf man dann aber auch nur 6 Semester bleiben, danach muss man ausziehen und darf auf dem freien Markt suchen (wird lustig, ich darf dann im G8/G9 Doppeljahrgang auf die Suche gehen).

    Was die Studiengebühren angeht: Ich wäre sehr dafür das ganze gestaffelt zu machen: Wer Bafög bekommt sollte befreit werden, danach 250€ und wer aus reichem Hause stammt 750€.
    Gut, das wäre dann wahrscheinlich ein Paradies für Steuerberater, wenn wieder versucht wird, wie beim Bafög, alles möglich abzuziehen. Aber vielleicht wäre es ein erreichbarer Kompromiss.

  5. Selbst das betrachte ich noch als ideal im Vergleich zu anderswo. Geradezu fürstlich …

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