Was der Journalist Hans Peter Schütz mit den Hitler-Tagebüchern gemein hat

VerräterDas satirische Wochenmagazin Stern hat mal wieder zugeschlagen. Nach dem grandiosen Erfolg der Hitler-Tagebücher folgte lange Zeit nichts, dann ein feudalistischer Wahlkampf für Schwarz-Gelb 2005, der Hans-Ulrich Jörges leider nicht zum Regierungssprecher gemacht hat. Er musste beim Stern bleiben. Und immer, wenn man glaubt, da kann niemand tiefer sinken, als derzeit Roland Koch oder auch Wolfgang Clement, kommt doch noch ein Stern-Redakteur daher und versüßt mir das Wochenende. Hans Peter Schütz rafft sich heute auf um die verlorene Ehre der Kat des Wolfgang Clement zu retten. Wolfgang Clement hat Recht titelt er — und man kann schon ahnen, wohin die Reise geht. Schon beim Lesen der Headline konnte  ich mir ein Lachen nicht verkneifen. Und wie soll es auch anders sein — der Stern enttäuscht auch diesmal nicht. Er bleibt seiner Linie treu, ernst nehmen sollte man diese kleine Satire-Postille wohl nicht mehr. Man muss es wohl auch mal so klar ausdrücken — aber vielleicht finde ich die journalistischen Glanzleistungen, den investigativen Journalismus nicht. Kann ja alles sein. Bitte korrigiert mich.

Gehen wir mal weg von der Diskussion, die dem Clement-Eklat zugrunde liegt. Ich denke, da kann man durchaus streiten, ob man die Sicherheit, die Zukunft, die Natur dieses Planeten, dieses Landes unserer Kinder im Auge hat und auf erneuerbare Energien setzt — oder ob man so sicherere Atommeiler wie Biblis A & B weiter am Netz halten will. Andrea Ypsilanti möchte erneuerbare Energien fördern, der RWE-Mann Wolfgang Clement strahlt gerne in die Kameras, während er Atomstrom empfiehlt. RWE im Übrigen ist Betreiber von Biblis A & B. Wie wir aber später erfahren, hat das alles nichts miteinander zu tun. Schauen wir uns aber mal die Argumentation des Hans Peter Schütz an.

Der Kommentar beginnt mit einer Beleidigung — in Richtung Peter Struck. Ich bin wahrlich kein Freund der SPD und dessen Fraktionsvorsitzenden. Aber wenn eine Postille wie der Stern diesem wegen seiner Forderung, Wolfgang Clement aus der SPD zu werfen, gesundheitliche Probleme unterstellt, dann gesellt sich hier der nette Herr Schütz vom Niveau her in ein Boot mit dem Rechtspopulisten Roland Koch. Ich hab ja immer noch das das Bild der Vierten Gewalt von unseren Medien im Auge. Doch immer, wenn ich den Stern lese, zweifele ich da erheblich dran. Sowas gehört sich schlicht und ergreifend nicht. Das ist unredlich, würde meine Großmutter sagen.

Und in diesem Niveau geht es dann auch weiter. Clement hat sich um die SPD verdient gemacht. Tschuldigung. Wo? So kann meiner Meinung nach nur wer daherschreiben, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Man sollte dem Herrn vielleicht empfehlen, zur BILD und der dortigen Klatsch-Abteilung zu wechseln — mit der Politik, das wird wohl nichts, Herr Schütz. Wolfgang Clement ist maßgeblich für den Untergang der SPD mitverantwortlich. Unter seiner Verantwortung als Ministerpräsident und späterer sogenannter Superminister gab es allein in NRW gut 40% Parteiaustritte. Die SPD wurde Wahl für Wahl vom Wähler in den Staub getreten. Die Politik der Herren Schröder und Clement hat dazu geführt, dass eine Bundesregierung mit Pauken und Trompeten vorzeitig aus dem Amt gejagt wurde.

Das Wirken Wolfgang Clements hat ebenso dazu geführt, dass sich mit sozialdmokratischer Themen eine neue Partei etablieren konnte. In Teilen der neuen Bundesländer ist die SPD so gut wie gar nicht mehr existent und muss um zweistellige Wahlergebnisse bangen. Vom gesellschaftlichen Super-Gau, den der Herr Clement mit zu verantworten hat, mal abgesehen. Da habe ich hier schon unzählige Beispiele genannt, aktuell sei vielleicht die Kinderarmut erwähnt. 2,5 Mio. Kinder hungern wieder in diesem Land. Der neueste OECD-Bericht zur Altersarmut wurde hier noch gar nicht besprochen. Wolfgang Clement hat sich nicht um die SPD, geschweige denn um dieses Land verdient gemacht. Im Gegenteil. Er war mal Chefredakteur hier in unserer wunderschönen Hansestadt — beim Boulevard-Blatt Hamburger Morgenpost. Es hat den Anschein, als wäre er auf diesem Boulevard-Niveau stehen geblieben und hätte auf diesem Level das Land mit in den Abgrund gerissen.

Jeder weiß, dass ich Parteidisziplin verurteile. Gerade, wenn es im Bundestag um Entscheidungen geht, müssen meiner Meinung nach Abgeordnete ihrem Gewissen folgen und nicht dem Fraktionsvorsitzenden. Dass dies heutzutage nicht mehr geschieht, ist schlimm genug. Wenn aber Hans Peter Schütz von Kadavergehorsam redet, die die SPD aktuell von Wolfgang Clement fordert, dann muss man wirklich mal den Rat geben, einen Realitätscheck bei sich durchzuführen. Obwohl Kadaver und SPD — passt dann irgendwie doch. Ein Politiker, der nicht mehr im Amt ist, schädigt eine Woche vor einer bedeutenden Wahl seine Partei massiv — das kann man nun wirklich nicht mit Kadavergehorsam umschreiben, wenn er es nicht getan hätte. Es wäre seine verdammte Pflicht gewesen zumindest den Mund zu halten oder bis nach der Wahl zu warten. Wenn der nette Herr Schütz sich ähnlich gegenüber dem Stern verhalten hätte, würde er schneller rausfliegen, als er solche Kommentare schreiben kann. Und dass angeblich innerhalb der SPD Zehntausende wie der Herr Clement denken, beweist nur wie verkommen diese Partei mittlerweile ist, wie sehr die Herren Schröder, Clement & Co. sie an den Abgrund herangeführt haben.

So richtig lächerlich wird es, wenn Herr Schütz darüber schreibt, dass es ehrenabschneidend ist, Clement vorzuhalten, er würde bei RWE arbeiten und sich deshalb so äussern. Das ist sowas von peinlich, da fällt mir kaum noch etwas zu ein. Über welche Ehre sprechen wir bei Herrn Clement? Die Ehre der wirklich Schwächsten unserer Gesellschaft, die er als Minister in einer Pressekonferenz offiziell als Parasiten tituliert hat? Oder die Ehre der Menschen, die er durch die Agenda 2010 und die Entschärfung der Leiharbeitsgesetze in die moderne Sklavenarbeit getrieben hat — wo er nach seinem Ministeramt postwendend anheuerte und so nachträglich (?) sein Wirken vergoldet hat? Das größte Krebsgeschwür des modernen Arbeitsmarktes ist heutzutage die Leiharbeit — auch das wird immer mehr, nach und nach offenbar. Wolfgang Clement ist vielleicht neben Friedrich Merz und Otto Schily einer der größten Lobbyisten dieses Landes. Da gibt es nichts zu diskutieren. Es muss sogar vermutet werden, dass er diesbezüglich schon gehandelt hat, als er noch in Amt und Würden war. Ich glaube, dass sich kaum ein Journalist in den letzten Monaten so lächerlich gemacht hat, wie Hans Peter Schütz heute mit seiner Ehrenerklärung für Wolfgang Clement. Wolfgang Clement jubelt wie die NPD und die Republikanern Roland Koch zu. Hans Peter Schütz jubelt Wolfgang Clement zu. Noch Fragen Hauser?

, , ,

4 Antworten zu “Was der Journalist Hans Peter Schütz mit den Hitler-Tagebüchern gemein hat”

  1. derhans sagt:

    Ja, bei dem Absatz, dass man Clement keinen Lobbyismus vorwerfen kann, musste ich auch ein wenig schmunzeln. Ich glaube es ist höchstens verdammt schwierig Herrn Clement glaubwürdig vom Lobbyismus freizusprechen, das ist so offensichtlich, dass sich Clement selbst mit seiner Aussage eigentlich nur lächerlich gemacht hat.

    Da brauchte es dann auch keinen Stern mehr dazu…

  2. Lothar Sawall sagt:

    Lang, lang ist es her als man den Stern noch lesen konnte, heute mit Leuten wie diesen Herrn Hans Jürgen Schütz oder gar den Alles– und Besserwisser Hans-Ulrich Jörges, der in jeder Talkshow seine unqualifizierten Kommentare zum besten gibt, da kann man den Stern nur noch einfach mit der Springer Presse vergleichen oder mit dem dummen Geschwafel von RTL, NTV und ProsiebenSat1 und N24. Schade um jeden Pfennig (besser Cent) welchen man für dieses Schmierenblatt ausgibt.

  3. Jak sagt:

    Herr Hans Peter Schütz, ich denke dass sie entlich un den Ruhestand gehen sollten.

    Sie verstehen die menschen mit denen sie reden nicht mehr.

    Sie haben sich schon Tausend mal blamiert… Ich denke dass es STERN nicht verdient hat, dass sie in seinen Namen so viel Schei.e reden.

    Es ist grauenvoll wie beschränkt ein Mensch sein kann.

  4. samsam1899 sagt:

    Was ist dieser Hans Peter Schütz bitte für ein unfähiger Autor?

    Erst dieser völlig überflüssige und belanglose Artikel über Konrad Rufus Müller und das «Beamtengesicht» von Frank-Walter Steinmeier. Das der sich nicht schämt. Und jetzt dieser Mist über Sarrazin: «Als langjähriger Finanzsenator…mitverantwortlich für Berliner Migrationspolitik». Das soll mir bitte mal jemand den Zusammenhang erklären. Würde Hernri Nannen noch leben, wäre der Schütz schon dreimal gefeuert worden! Der «Stern» sollte sich mal Gedanken darüber machen, ob dieser Mann noch tragbar ist.


RSS-Feed abonnieren