Was darf/kann Presse? Wo bleibt der Konsument?

Okay gemeinhin, gemäß Theorie und Pressfreiheit erst einmal alles. Soweit so gut, in der Realität aber ist Pressefreiheit kein unendliches Gebilde, sondern auch interpretierbar, Schranken existieren. Und das die Theorie eben nur Theorie ist, sollte allgemein bekannt sein.

Klären wir zu Beginn ein paar Dinge, die allgemein vorausgesetzt werden müssen. Zuerst die Floskeln unabhängig, überparteilich sind in der Realität nicht einmal das Papier wert, auf dem sie niedergeschrieben sind. Jeder Vertreter der Presse ist mehr oder weniger ausgeprägt parteilich und keineswegs unabhängig. Ohne hier direkt Namen zu nennen, diejenigen sind auch nicht schwer auszumachen, gibt es allgemein recht konservative bis CDU-treue Blätter oder auch SPD-treue Blätter, ganz zu schweigen von den extrem Linken Vertretern. Die Blätte mit SPD Affinität haben eine lange Geschichte hinter sich, kann man unter Arbeiterpresse nachschlagen und daher kommt auch der Umstand das einige Verlagshäuser der SPD gehören. Macht diese nicht schlimmer, der status quo wird dadurch gewahrt, das viele CDU Politiker auch in Aufsichtsräten diverser Verlagshäuser sitzen, ein Übergewicht zu der einen oder anderen Seite läßt sich jedoch nie vermeiden.
Wenns es jedoch tatsächlich an die Substanz geht, dann, ja genau dann sind die Pressevertreter überparteilich und unabhängig — jedenfalls in einem gewissen Sinn — denn dann drehts sich um die Quote. Und der schnöde Mammon war schon immer der härteste Gegner von Moral, Vernunft, Wahrheit …

Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.

Paul Sethe

und zur Theorie heißt es im GG auf Bundestag.de,

Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

und weiter heißt es,

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

GG Art 5, Absatz 2

En detail kann man damit vor dem Kadi alles ausheben und Presse kann nahezu alles machen. Die Ambivalenz muß wohl damit einhergehen und ist auch gar nicht so tragisch, wenn denn da ein status quo gewahrt bleibt. Hier aber kommt die Intelligenz des Demokratiesträgers, des Volks, zum tragen, versagt diese schauts übel aus.

Wenn man sich z.B. noch ein wenig weiter über den Unterschied Theorie und Praxis informieren möchte, bei Reporter ohne Grenzen kann man schön nachlesen wo Deutschland steht, an 11. Stelle weltweit.

Warum nun schaut alles so seltsam aus und unterscheidet sich so massiv von der Theorie? Nun das Blatt will verkauft werden, sprich hier schläg der Quotenfilter an, Politiker mit Einfluß möchten nicht bloßgestellt werden, das nennt man auch Zensur, last not least kommt noch ein wenig der Filter in puncto Moral und Verantwortlichkeit zum tragen, wird aber nicht getriggert, wenn schon Zensur oder Quote zu Beginn griffen :)
Wie greift z.B. Zensur? Nun durch Geldgeber, ein Verlag kann nicht ohne Geld arbeiten, mitunter ist ein großer Konzern um drei Ecken Sponsor und in diesem sitzt ein einflußreicher Politiker im Aufsichtsrat usw. Ich denke man kann das Schema gut erkennen, damit ist auch die Mär von der Unabhängigkeit abgehakt. Diese existiert faktisch nicht und hat auch nie existiert, die sogn. Überparteilichkeit fällt diesem Umstand ebenso mit zum Opfer q.e.d.
Wo z.B. Moral und Verantwortlichkeit der Presse vollkommen versagte, konnte man auch gut beim Geiseldrama von Gladbeck beobachten — hier blendete die zu erwartende Quote, der Ausgang ist bekannt. Beispiele kleinerer und größerer Natur, wo Presse in der Verantwortlichkeit versagte, lassen sich zu genüge ans Tageslicht zerren — mitunter markierte Gladbeck da den Höhepunkt.
Der profane Filter der Priorität triggert in der Presse ohnehin immer und überall, man kann eben nicht über alles berichten, dafür passiert zuviel. Nehmen wir mal an jemand da draußen behauptet so nebenher du ich würd ja auch gern mal ne Bombe bauen, jemand greift es auf, meldet es, die Presse bekommt Wind davon, bauscht es auf, die Panik in der Bevölkerung ist da. Insbesondere dann, wenn gewisse Politiker schon zuvor eine allgemeine Hysterie schürten. Und letzteres ist ein leichtes, da Terror oder letztens der Amokläufer und seine Trittbrettfaher nicht wirklich greifbar sind. Man kann sich davor fürchten, man kann Panik machen etc., man kann jedoch nichteinmal einen Hauch von Sicherheit schaffen, wohl aber schafft man es Ermittlungen zu torpedieren bzw. Trittbrettfahrer heraufzubeschwören bzw. Spaßvögel mit einem befremdlichen Humor.
Es ist auch müßig darüber zu philosophieren, da sich daran nichts ändern wird. Was sich aber ändern kann, ist die Aufmerksamkeit der Bevölkerung, der bewußte Umgang mit Informationen. Quellenkritik, das man nicht nur die eingängigste Information nutzt, die prägnant daherkommt, sondern sich wirklich damit beschäftigt und zwar mitunter mehrerer Quellen. Nur derart ist es gewährleistet, das man nicht irgendeiner Zensur etc. anheim fällt. Der kritische Umgang mit der Presse ist wichtiger den je, auch war es nie leichter als heute, aber dennoch ist die Ignoranz stärker als in Zeiten zuvor. Es strengt an in der Medienflut den Überblick zu bewahren, aber es lohnt sich. Nur so machen auf Dauer buzzwords wie Demokratie, Freiheit, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit usw. auf Dauer wirklich Sinn, der Rest — das sind einfach nur debile Stammtischgespräche, die auf Oberflächlichkeiten beruhen. Man kann nicht alles wissen, aber man sollte das bestmögliche tun, um sich diesem Zustand anzunähern.

Klar kann man derlei Worte hier, als übertrieben, weit hergeholt oder auch kurzsichtig abwatschen — die Quintessenz ist jedoch einfach die, einen bewußten Umgang mit Medien anzuregen. Denn vice versa wird einem keiner dieser Arbeit abnehmen und wenn man es verspricht dann nur deswegen, um eine gewünschte Richtung vorzugeben. Dieser kleine Text hier soll nicht die Presse verdammen, die Leser oder die Pressefreiheit eingehend beleuchten — einfach nur eine Motivation zum eigenständigen Denken in der medialen Flut soll dieser darstellen, der Rest liegt an euch 😉

Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit ist als unmittelbarster Ausdruck der menschlichen Persönlichkeit in der Gesellschaft eines der vornehmsten Menschenrechte überhaupt. Für eine freiheitlich-demokratische Staatsordnung ist es schlechthin konstituierend.? (BVerfGE 7, 198–230 ? Lüth).

Wikipedia Meinungsfreiheit

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9 Antworten zu “Was darf/kann Presse? Wo bleibt der Konsument?”

  1. Chris sagt:

    Grandios. :)

    Sehr wichtig in der heutigen Zeit. Im Zuge der Debatten der letzten Wochen war immer wieder zu hören, nach den SPIEGEL-Berichten, nach dem WELT-Bericht, wie sehr die Leute doch geschockt waren, dass die seriösen Medien auf einmal anfangen, zu hetzen, ein Thema der duchgeknallten Blogger aufgreifen.

    Die Steigbügelhalter der Politik mal fast ausser Acht gelassen. Was dort teilweise abgeht, dass ist gedanklich kaum zu erfassen. *Jeder* Politiker hat seine Postille, sein Werbeblatt. Ist also ein «spannendes» Thema gerade aktuell, ein Anruf, ein Exklusiv-Interview 😉 und der Herr, die Dame bringt die Werbe-, die politische Botschaft unters Volk.

    Man sollte wirklich mal untersuchen, in welchen Medien sich welche Politiker zu Wort melden. Es werden immer die gleichen Namen fallen.

    Dies zu hinterfragen, auch als Leser der jeweiligen Publikation, das sollte Ziel jeden Lesers sein. Eine Wunschvorstellung? Wahrscheinlich, aber ich bin ja nur dummer Blogger…

  2. Grainger sagt:

    He he he, gestern abend noch ein Interview mit irgendeinem Politiker im TV gesehen.

    War schon gegen Mitternacht und ich war wegen Übermüdung auch nicht mehr zu 100% aufnahmewillig.

    Jedenfalls wurde erst mal was von Counterstrike erzählt (ganz ganz pöhse dieses Counterstrike), dann kam der Herr Politiker ins Bild (dessen Name ich mir nicht gemerkt habe, ist letztendlich auch uninteressant da austauschbar) und faselte seinerseits was davon das es besonders viele Punkte gäbe wenn man seinem Gegner den Kopf absägt.

    Ich bin ja nun nicht unbedingt der CS-Profi (tatsächlich habe ich es nur 2–3 mal gezockt), aber die abgesägten Köpfe sind mir wohl entgangen.

    Vielleicht gibt es irgendwo auf der Welt ein Game bei dem man das machen kann (vielleicht Postal 2, das ist teilweise ziemlich krank), aber die Rede war ja nun mal von CS.

    Vermutlich war aber dem Herrn Politiker gar nicht bekannt (und vermutlich auch sch*ßegal) das es ja auch im Shooterbereich durchaus verschiedene Spiele gibt.

    Jedenfalls wurde dieses hochqualifizierte politische Statement unkommentiert und vor allem unkorrigiert gesendet, unter seriösem Journalismus stelle ich mir da schon was anderes vor.
    Schön wäre eine Frage des Reporters in der Art wie gewesen:

    «Haben Sie denn schon mal Counterstrike gespielt und einem Gegner den Kopf abgesägt oder plappern Sie hier nur das nach was Ihnen Ihre Pressestelle so vorgekaut hat?»

    Ein typischer politischer Dummschwätzer eben (haben wir denn überhaupt noch andere?).

    Na ja, vielleicht trabt demnächst mal wieder ein Bär über die Grenze (den kann man dann ganz real totschießen) oder vielleicht auch ein Wolf (den kann man dann ganz real totfahren), dann haben die Medien ja eine andere Sau die sie durchs Dorf treiben können und die «Killerspiel-Diskussion» wird wieder sanft entschlafen.

    Fast würde ich mir wünschen dass das möglichst bald geschieht, aber als ausgeprägter Tierfreund kann ich mich mit dem Gedanken dafür bereitwillig einen Bären, Wolf oder auch nur eine Kuh zu opfern nicht so ganz anfreunden.

    Vermutlich bin ich trotz des vielen Killerspiel spielens doch noch nicht weit genug degeneriert, muss ich noch dran arbeiten. 😉

  3. cblue sagt:

    «Es ist auch müßig darüber zu philosophieren, da sich daran nichts ändern wird. Was sich aber ändern kann, ist die Aufmerksamkeit der Bevölkerung, der bewußte Umgang mit Informationen. Quellenkritik, das man nicht nur die eingängigste Information nutzt, die prägnant daherkommt, sondern sich wirklich damit beschäftigt und zwar mitunter mehrerer Quellen.»

    Genau. Ähnliches sagte Peter Glaser dem elektrischen Reporter:
    http://www.elektrischer-r.….film/18/
    Ist allerdings nur ein winziger Teil nach Minute 15 — der Rest dürfte aber auch interessieren: Datenschutz.

    Das zerlegt allerdings Graingers Kommentar: nur eine Quelle und selbst die nicht sicher verstanden (möglicherweise ist da ein Satz gefallen wie «Es gibt da ja auch andere Spiele, da kann man…»).

  4. Grainger sagt:

    Das zerlegt allerdings Graingers Kommentar: nur eine Quelle und selbst die nicht sicher verstanden (möglicherweise ist da ein Satz gefallen wie ?Es gibt da ja auch andere Spiele, da kann man??)

    Natürlich ist das möglich, wie gesagt war ich zu dem Zeitpunkt schon ziemlich müde.

    Im Gegensatz zu dem was sich so oft als seriöser Journalismus tarnt habe ich aber von mir aus und unaufgefordert auf die mögliche Unzuverlässigkeit hingewiesen, ein imho wesentlicher Unterschied.

    Abgesehen davon bin ich auch kein Reporter, sondern hier nur als «Privatmensch» unterwegs.

    Nichts desto trotz bin ich mir ziemlich sicher das es genau so wie von mir geschildert war.

  5. cblue sagt:

    hehe, wahrscheinlich 😉

  6. […] Was darf/kann Presse? Wo bleibt der Konsument? (tags: Freiheit presse pressefreiheit) […]

  7. […] Was darf/kann Presse? Wo bleibt der Konsument? (tags: Freiheit presse pressefreiheit) […]

  8. […] Mit dieser Aktion erreicht das Gericht nun aber genau das Gegenteil von dem, was wohl gewollt war, denn dieses Urteil weckt nun erst Recht das Interesse der großen und kleinen Medien. […]

  9. Felix sagt:

    Ein sehr guter Beitrag.
    Allerdings sollte wahrscheinlich ein Großteil der Bevölkerung zunächst einmal MeinungsBILDUNG an sich lernen bevor sie die MeinungsFREIHEIT zu schätzen weiß.

    Was ich mit diesem kryptischen Satz sagen möchte, ist, dass es schön wäre wenn manche Leute überhaupt einmal eine Zeitung (BILD zählt nicht!) in die Hand nähmen, erst mal egal ob es jetzt eine zuverlässige Quelle ist oder nicht…

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