Warum mich Frau Dr. Eva Schweitzer sprach– und fassungslos macht

blogger_moechtegern

Es kommt ja selten vor, dass ich fassungslos bin, aber heute ist wieder so ein Tag. Es geht natürlich um Frau Dr. Eva Schweitzer, die einen Blogger hat abmahnen lassen. Hier die vier wichtigsten Links:

Journalistin lässt Blog abmahnen, fordert 1.200 Euro Schadensersatz für Textzitate
Empire Strikes Back
Stellungnahme von Eva Schweitzer zur Blog-Abmahnung
A New Hope

Dabei interessiert gar nicht, ob die Abmahnung gerechtfertigt war, ich bin der Meinung, dass eine Leseempfehlung niemals eine solche Abmahnung rechtfertigen kann, das aber werden selbst Juristen unterschiedlich sehen. Eher die meines Erachtens unfassbar arrogante Reaktion seitens der guten Frau Dr. Schweitzer macht mich sprachlos.

Frau Dr. Schweitzer scheint einen schier unglaublichen Hass auf Deutsche, Blogger und andere Dinge in sich zu tragen. Anders kann ich mir ihre Texte nicht erklären. Allein der Satz, sie wolle Phillip vom Haken lassen, zeugt von einer Anmaßung, die Jack Wolfskin, Jako und wie sie alle heißen, nicht gezeigt haben. Die Gelder, die im Raum stehen, können die Existenz eines Menschen ruinieren, und es wird von einem Haken gesprochen, von dem man, großmütig, wie man ist, einen Menschen lassen möchte. Dagegen wäre Der weiße Hai eine Dokumentation für den Kinderkanal am Nachmittag.

Frau Dr. Schweitzer ist meiner Meinung nach nicht nur nicht im Recht, die gute Journalistin hat insbesondere moralisch und menschlich versagt, sie hält sich selbst wohl für den Nabel der Welt. Und hier kommen wir auch zu dem Punkt, der die beißenden Kommentare und Twitter-Meldungen nach sich zieht. Die Geschichte rund um die Abmahnung und deren Rücknahme, oder auch wieder nicht (?), ist schnell erzählt — Kommentatoren und Twitterer echauffieren sich eher um das Verhalten danach, als den ursprünglichen Streit. So streitbar Blogger und Twitterer sind, so oft sie sich selbst zerfleischen, sie haben trotzdem ein gutes Gespür dafür, was richtig und falsch ist, insbesondere wenn David von Goliath angegriffen wird und Goliath dann auch noch arrogant und beleidigend wirkt. Die Welle ist dann kaum noch aufzuhalten und wird immer größer.

Ich frage mich außerdem, wie die ZEIT und die taz zukünftig verfahren, was eine Zusammenarbeit mit Frau Dr. Schweitzer angeht. Will man als angesehene Zeitung — auch mit gutem Ruf innerhalb der Blogosphäre — Schweitzer nach diesem Vorfall für die eigene Zeitung weiter schreiben lassen? Das Melodram, welches derzeit aufführt wird, fällt eben auch auf die ZEIT und insbesondere auf die taz zurück. Erscheint ein guter Artikel in der ZEIT oder der taz, wird er durch das Netz getragen, einfach nur als Link oder oftmals mit Teaser und ein, zwei Absätze werden zitiert. Das bringt Besucher und in der Folge Werbeerlöse für die verlinkten Medien. Sollte man sich dies in Zukunft bei der ZEIT und der taz sparen? Der Multiplikator Internet kann Server zum Aufgeben bringen — und dementsprechend für Einnahmen, Resonanz und Folgeaufträge sorgen, auch und gerade bei freien Journalisten. Blogger, Twitterer und Journalisten sind keine Gegner — im Gegenteil.

Der Barbara-Streisand-Effekt schlägt bei der guten Frau Dr. Schweitzer voll durch — an ihrer Stelle würde ich mir den Stress schenken, in den nächsten Monaten Google aufzurufen. Selbst schuld, trifft es in diesem Fall wohl — denn das Verhalten nach der Abmahnung spricht schlicht und ergreifend Bände. Nicht (nur) die Abmahnung, die jetzt hoffentlich zurückgenommen wurde, ist das Problem — auf der Welle hätte man, indem man gemeinsam eine Lösung gefunden hätte, ganz einfach an den Strand surfen können. Das begleitende Verhalten hat einen Tsunami ausgelöst. Und wie Tsunamis so sind, hinterlässt auch dieser eine Spur der Verwüstung. Schade, sehr schade. Wieder einmal.

Und da dieser Text für Facebook zu lang war, weitere Links:

Eva Schweitzer und die Hodenlosigkeit deutscher Blogger
Der hat abgeschrieben, die Sau!

Full disclosure: Ich habe vor dieser Kritik die gute Frau Dr. Schweitzer nicht kontaktiert. Das, was ich gelesen habe, hat mir, um meine eigenen Meinung zu bilden, voll ausgereicht.

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17 Antworten zu “Warum mich Frau Dr. Eva Schweitzer sprach– und fassungslos macht”

  1. a-saft sagt:

    wie kann sich so ein blogger nur erdreisten einen ihrer artikel zu zitier.. verzeihung, zu kannabalisieren?

  2. Dennis sagt:

    Tja, ehemals Unterstützerin der Hausbesetzerszene, heute setzt sie «Schleppnetzfahndung» (Rasterfahndung?) gegen Online-Kopierer ein. Manche Linke haben eine erstaunliche Wandlung im Laufe der Zeit erfahren. Und manche merken es dabei nicht einmal…

  3. Sebastian Salzgeber sagt:

    Ich finde du übertreibst Maßlos, Chris.

  4. T.S. sagt:

    Das Philipp etwas unglücklich zitiert hat ist nicht zwingend strittig. Die Reaktion von Frau Dr. Eva C. Schweitzer hingegen ist in meinen Augen nicht nur arrogant und ignorant sondern ganz einfach menschenverachtend. Ich kann mir vorstellen das Frau Dr. Eva C. Schweitzer tief verletzt ist aufgrund der Reaktion. Dennoch stelle ich mir die Frage wie Menschen, wie ich mit mehr oder weniger gesundem Menschenverstand, derartig unreflektierte Dinge von sich geben können. Sie und ihre Fans stellen es als intellektuelle Ironie dar und jeder der andere Meinungen vertritt gehört zum «Digitalen Proletariat». Ich werde darauf verzichten auf meinen Webseiten davon zu berichten. Den Absonderungen von Frau Eva C. Schreiber stehe ich fassungslos gegenüber. Eines hat mich der Vorfall gelehrt. Verlinke nie auf Medien für die diese «Journalistin» geschrieben hat. Zitiere nie wieder Beiträge die diese «Kolumnistin» verfasst hat.

  5. Oliver sagt:

    Okay Zitieren will auch gelernt sein, das Gros der Blogger hingegen vermeint gemäß dem eigenen Gusto aggieren zu dürfen. Selbst Schuld eigentlich und ich hätte sicherlich auch nichts erwähnt, wäre da nicht die äußerst absurde Reaktion der Gegenseite. Das ganze riecht eher nach einer unbestimmten Wut gegen jene, die es da wagen im eigenen Revier zu wildern.

  6. […] nächsten Scoop gibt. Allerdings scheint der Plot für die Blogosphäre eher irrelevant zu sein. Nachdem die Zeit und die taz ja demnächst keine Artikel mehr unter ihrem Namen veröffentlichen wer…, könnte der Stern großes Interesse haben an: ‘einem Sexskandal [der] in der Bloggospäre […]

  7. Chat Atkins sagt:

    Du hast Frau Schweitzer vor diesem Text nicht kontaktiert? Hör mal, das ist doch nach der ‘Lex Schweitzer’ streng verboten!

  8. saibot sagt:

    das mit dem Nabel der Welt hab ich mir beim Lesen auch sofort gedacht… Dieser Hochmut ist erstaunlich …

  9. Sebastian sagt:

    Verstehe nicht ganz, warum unter einer solchen Stellungnahme wie der hier kommentarlos Malte Welding verlinkt wird. Ich gebe zu, sein Text ist einer, den man siebenmal lesen muss, um ihn dann immer noch nicht wirklich zu verstehen, aber er scheint die Bloggerbeschimpfung und das Inschutznehmen Eva Schweitzers durchaus ernst zu meinen. Das heißt natürlich nicht, dass man’s nicht verlinken darf, aber es passt irgendwie nicht zum Beitrag oben, so unvermittelt.

  10. Oliver sagt:

    @Sebastian: es genügt wenn man diesen einmal liest, um ihn zu verstehen. Quellen etwaig gegenteiliger Meinung passen also nicht zu einer eigenen Meinung? Wo steht das Geschrieben? Im Blogger-Almanach?

    Wer die Abmahnung der Kommunikation vorzieht hat ohnehin schon verloren und im Nachhinein mit Arroganz gekleidet etwas von dieser zu fabulieren ist auch nicht so das Wahre. Dem gegenüber steht natürlich eine bissige Meute, die einen Feldzug gegen das weibliche Geschlecht initiiert, sahen wir just auch bei den Piraten und so etwas muß wirklich nicht sein. So ein paar infantile Hampel wollen auch nichts bewirken, sondern einfach ihrem Testosteron freien Lauf geben.

  11. Wolf-Dieter sagt:

    Habs auch verfolgt, und meiner Meinung nach geschah dies:

    1) Frau Schweitzer, die von IT so viel Ahnung hat wie ein Baumstamm, beauftragt einen Schleppnetzfahnder nach professionellen Abzockern ihrer Texte.

    2) Der Schleppnetzfahnder, der vom Bloggen so viel Ahnung hat wie ein Baumstamm, erkennt nicht den «Beifang» (Blogger) als solchen und mahnt ab.

    3) Frau Schweitzer ahnt, dass ein Steisand-Effekt droht, gerät unter Stress und unter selbigem schreibt sie hektisch und ohne nachzudenken an die Öffentlichkeit.

    Vielleicht hat sie ja was draus gelernt.

    – Anmerkung: selbst renommierte Verlage zocken ab, insofern ist Schweitzers ursprüngliches Motiv menschlich verständlich. Ansonsten: Dummheit induziert den natürlichen Ausleseprozess (Darwin lässt grüßen).

  12. Chris sagt:

    @Sebastian Salzgeber: Ich finde nicht.

    @Chat Atkins: Tschuldigung. :)

    @Sebastian: Wen ich wann und wo verlinke, musst Du wohl mir überlassen. Danke.

    Btw, heute Morgen habe ich son Verschwörungsquatsch à la Klimalüge aus der rechten Ecke gelöscht (habe den Link aber auch nicht verfolgt, aus der Ecke PI und Co. kommt es aber typischerweise). Ich wäre Euch sehr verbunden, wenn Ihr Euch verpissen würdet. Danke. :)

  13. Sebastian sagt:

    @Oliver Ich kenne keinen Blogger-Almanach und habe auch keinen Bedarf nach einem. Dass entgegengesetzte Meinungen nicht zusammen passen, braucht nirgends geschrieben zu stehen, das ist einfach logisch. Wenn sie zusammen passten, wären sie nicht entgegengesetzt.

    Wenn man um der Meinungsvielfalt willen oder warum auch immer einen Text empfiehlt, dessen Standpunkt man logischerweise eigentlich ablehnen müsste, und sich dabei aber nicht mit dem Gegenstandpunkt auseinandersetzt oder ihn kommentiert, dann wäre es für Leser hilfreich, kurz darauf hinzuweisen, dass hier (um der Meinungsvielfalt willen oder warum auch immer) auf eine Quelle verwiesen wird, die das Gegenteil behauptet. Einfach deshalb, weil man das nicht unbedingt erwartet.

    Ist aber auch nicht schlimm, dass ich an der Stelle gestolpert bin. Ich wollte nur darauf hingewiesen haben, dass mir das so nicht stimmig erscheint. Didn’t expect a kind of spanish inquisition. Und so leid es mir tut — auch wenn ich jetzt weiß, dass es die objektive Wahrheit ist, dass es genügt, Weldings Beitrag einmal zu lesen, finde ich ihn immer noch kryptisch.

    Vielleicht brauche ich doch einen Blogger-Almanach.

  14. Stefan sagt:

    Ich habe den Streit kaum verfolgt, aber Frau Schweitzers Kommentare sind offensichtlich das Ergebnis eines stark angegriffenen Egos, ansonsten hätte Sie es ja nicht nötig, so diffamierend (Stichwort: schlafanzugtragende, pickelige Nerds, die keine Frau abbekommen…) zu kommentieren.

    Wenn Frau Schweitzer (wie ich z.B.) mit Forendiskussionen sozialisiert worden wäre, dann wüßte Sie, dass niemand in einer Disskussion den Arroganten mag. 😉

  15. Oliver sagt:

    >mit Forendiskussionen sozialisiert worden

    Sozialisiert wurde ich Gott-sei-Dank auf vernünftige Art und Weise, aber dennoch kenne ich diese Welt seit Mailbox-Zeiten.

    >offensichtlich das Ergebnis eines stark angegriffenen Egos

    Ohne jetzt eine Lanze für diese Frau brechen zu wollen, aber Frau hat mehr Probleme in der Gesellschaft und oft genug ist Mann ursächlich beteiligt, insbesondere im Netz. Mitunter hat sie eine Menge Erfahrung hinter sich, auch negativer Natur — kann man ihr dies zum Vorwurf machen? Ich erlebte die Hatz auf Frauen die ihre Meinung äußern erst vor kurzem wiedereinmal und auch meine Frau hält sich im Netz mehr anonym, obwohl sie schon online war als an viele «Nerds» nicht einmal zu denken war.

    Arroganz? Erfahrung … Und auch in diesem Fall schlug die Infantilität massiv zu und torpedierte nebenher angebrachte Kritik. Ich habe keinerlei Verständnis für Abmahner, vice versa jedoch fehlt mir jegliches Verständis gegenüber Vollhonks mit Testosteronüberschuß, die wieder einmal Morgenluft wittern.

  16. Stefan sagt:

    @Oliver

    Keine Angst, ich bin viel zu alt, um nicht auch vernünftig sozialisiert worden zu sein. :-) Ich wollte lediglich sagen, dass ich solche ausartenden Diskussionen ebenfalls seit meine Amiga-Mailbox-Zeit kenne und die verlaufen immer nach demselben Muster.

    Irgendwie fällt es mit schwer da so eine Frauen/Männer-Sache draus zu machen. Frau Schweitzer reagiert in meinen Augen schon ziemlich «angepikt» (andere Teilnehmer dieses Streits natürlich auch). Mit Männer und Frauen hat das, glaube ich, weniger zu tun.

    Wenn Frau Schweitzer auf den erstern Blogeintrag auf Spreeblick sachlich und cool reagiert hätte, wäre sie vermutlich als moralische Siegerin als dem Streit hervorgegangen, aber sie hat sich für Polemik und rhetorische Arroganz entschieden. Wäre sie ruhig geblieben, wäre der «Angriff» von Spreeblick an ihr abgeprallt und Johnny (Spreeblick) stände wirklich als jemand da, der testosterongeschwängert auf alles draufhaut, was nach Abhmahung riecht.

    Frau Schweitzer arrogabte Antwort war der Anfang von Ende und danach war keine sachliche Diskussion mehr möglich und sie steht jetzt als «arrogante Möchtegern-Ami-Zicke, die ein Problem mit männlichen Computernutzern (aka ‘Nerds’) hat» da.

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