Warum keinen Stern?

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ein Mainzer Nahverkehrsunternehmen möchte 1 Euro-Jobber einstellen, um einen verbesserten Service zu bieten:

Diese freundlichen Helfer sollen, so die MVG, als Ein Euro-Jobber vor allem älteren und behinderten Kunden, Fahrgästen mit Kinderwagen, Koffern oder schweren Taschen mehr Service bieten und auch für kleinere Anfragen zur Verfügung stehen.

So weit, so gut. Um die Diskussion, 1 Euro-Jobber = Zwangsarbeiter soll es hier nicht gehen, oder vielleicht doch? Wenn man nämlich liest, was diese armen Menschen zu tragen haben:

In der Tatsache, daß die neuen Servicekräfte der MVG auch noch eine gelbe Mütze und ein Namensschild tragen sollen, sieht er eine Diskriminierung der Betroffenen, die sich ohnehin in einer Notlage befänden und dann noch gezwungen seien, sich entsprechend öffentlich als Hartz-IV-Opfer zu »outen«.

Welcher hirnverfickte (sorry) Idiot hat sich denn sowas ausgedacht, warum nicht gleich nen Stern ans Revers, die Farbe passt ja schon. Manchmal regt man sich auf, manchmal schüttelt man mit dem Kopf, manchmal dreht man lachend ab, manchmal ist man wütend — in diesem Fall kommt alles zusammen.

Ein Zitat aus dem selben Artikel, der hoffen lässt? Nicht wirklich, aber er soll nicht verschwiegen werden:

In vielen Gesprächen mit Betroffenen sei ihm klargeworden, wie »menschenverachtend« mit der Notlage von Langzeitarbeitslosen umgegangen werde und wie Betroffene unter Zwang in Bereiche gedrängt würden, die nicht ihrer Erfahrung oder Qualifikation entsprächen.

junge Welt — Mützen auf und durch

(via semmel)

5 Antworten zu “Warum keinen Stern?”

  1. Oli sagt:

    Du bist nur ein guter Bürger solange du arbeitest, nie krank wirst und bitte schön vor dem Antritt der Rente den Löffel abgibst. Jugendwahn inklusive, diejenigen vergessen teils das sie in 2–5 Jahren die «Alten» von Morgen sind.
    Dumm gelaufen der Deutsche taugt nur was bis 25, danach ist er schwer vermittelbar. Ganz ohne Arbeit, na ja siehe oben … da viele Politiker ohnehin inzwischen im rechten Fuhrwasser zu finden sind, wundert das alles wirklich nicht mehr.

  2. Ronni sagt:

    Hmmm — das mit der gelben Mütze ist natürlich ein Ding! Ich denke aber die haben sich da nichts Böses bei gedacht. Als Hilfebedürftiger erkenne ich so die Hilfeleistenden einfach besser.
    Diese 1 Euro Jobs finde ich im Grunde auch gar nicht schlecht. Solange sie wirklich zusätzliche Arbeiten sind. Es ist fakt, dass mit diesen Jobs zu viel Schindluder getrieben wird. In einer Nachbarstadt mussten diese Leute zum Beispiel Malerarbeiten verrichten, was ja im eigentlichen Sinne den ortsansässigen Fachbetrieben zusteht. Das diese durch die wegfallenden Aufträge wiederum Leute entlassen müssen, die dann auch irgendwann 1 Euro Jobs bekommen — das scheint niemanden zu interessieren. Die Malerinnung hat da aber Alarm geschlagen und die Geschichte öffentlich gemacht. Warum werden nicht mal 1 Euro Jobs vergeben um bei Anforderung der «billigen Arbeitskräfte» die Grundkriterien zu prüfen? Das wäre zusätzlich — und zugleich sehr sinnvoll!

  3. Oli sagt:

    Bei uns gabs die Aktion Schienengleise blank schruppen …

  4. phoibos sagt:

    moin,

    ein gelber hut war ja im mittelalter beliebter als der stern in der nazi-zeit… sensibilität kann ich wohl nicht mehr bei politikern erwarten. wobei ich kein problem damit habe, dass geldvomstaatempfänger für selbiges arbeiten. dieser winter war der erste, in dem ich recht sorgenfrei an dem park (der mittlerweile immer müllbefreit ist) vorbeigehen konnte, da die wege vom schnee/eis geräumt waren. und das hab ich den drei ein-euro-jobbern zu verdanken, die sich für «ihren» park zuständig fühlen. das sind ältere herren jenseits der fünfzig, die froh sind, wieder einen produktiven anteil an der gesellschaft zu haben. nur dürfte die ämter solche arbeiten nicht zur pflicht machen, doch warum sollen arbeitswillige menschen nicht für ihre unterstützung arbeiten dürfen? gerade die pflege öffentlicher grünanlagen ist auf anderem wege für kommunen nicht mehr finanzierbar.

    ciao
    phoibos

  5. Oli sagt:

    …na spitze Hüte nahmen sie ja Gott-sei-Dank noch nicht 😉

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