Warum Franz Müntefering nicht zurückkehren darf

LotseAls Franz Müntefering von Bord gegangen war, war es nicht wirklich ein Verlust für die SPD. Sie hatte die Chance für einen Neuanfang — zumindest zu einer Korrektur zum bisherigen aufrechten Weg, der die Partei, insbesondere aber dieses Land in den Abgrund geführt hat. Aber schon der Parteitag in Hamburg, noch vor Müntes Abgang, hat den weiteren Weg rechts der Mitte geebnet. Ein Neuanfang hat, konnte es so nicht geben. Kurt Beck, auch hier oft sehr hart kritisiert, hatte keine Chance. Seine Stellvertreter, der Seeheimer Kreis haben ihn vor sich hergetrieben — zum großen Schaden der Partei, die nun kurz vor dem (gesellschaftlichen) Ruin steht. Frank-Walter Steinmeier wird Kanzlerkandidat werden — und die SPD selbst und die Medien werden es als großen Erfolg feiern, dass dieser die SPD 2009 als Juniorpartner in eine Große Koaliton geführt hat. So sieht die Zukunft der SPD aus: Nachdem der rechte Flügel diese Partei, dieses Land schon fast zerstört hat, geht man es in der nächsten Legislaturperiode an, das Werk zu vollenden. Nur stört Kurt Beck im Moment noch mit seinen Plänen: Angeblich will er sich um ein Bundestagsmandat bewerben — als Parteivorsitzender könnte er dann darauf bestehen, Kanzlerkandidat zu werden.

Natürlich hat der rechte Flügel auch hier eine Lösung parat: Franz Müntefering. Er musste gerade erst seine Frau beerdigen, die an Krebs verstorben ist — und per Medien wird verbreitet, dass die SPD nun nach ihrem Retter ruft. Es ist der Mann, der die Agenda 2010 auf Geheiß von Gerhard Schröder und seinen Kumpels in der Wirtschaft durch die SPD geprügelt hat. Nun soll genau dieser Mann der Retter sein. Allein dieser Fall zeigt, wie kaputt die SPD wirklich ist. Franz Müntefering wäre der letzte Sargnagel für diese ehemals stolze Partei, die irgendwann einmal die Partei der kleinen Leute war. Franz Müntefering steht für eine Politik, die schon lange nicht mehr zeitgemäß ist. Menschlich war sie noch nie — noch nicht mal nahe den Menschen war die SPD in den letzten Jahrzehnten. Franz Müntefering als Retter der SPD? Das wäre ungefähr das gleiche, als würde man Helmut Kohl in einen Techno-Schuppen auf die Tanzfläche schicken.

Wenn allein diese Gründe nicht ausreichen, sollte Franz Müntefering selbst auf ein Comeback verzichten. Aus Respekt vor seiner verstorbenen Frau Ankepetra sollte er nicht zurückkehren. Natürlich wird ein glanzvolles Comeback, ein Rücktritt Kurt Becks, Müntefering zurück auf dem Thron, der SPD einige Prozentpunkte bringen. Doch zu welchem Preis? Viele Herzen werden Franz Müntefering nur aus Mitleid zufliegen — eben wegen dem Tod seiner Frau. Franz Müntefering — wenn er denn der Familienmensch ist, wie er immer behauptet — muss von sich aus verzichten. Allein aus Pietätsgründen. Wenn er zurückkehrt, wird er den Tod seiner Frau in Wählerstimmen umwandeln. Sollte dies wirklich geschehen, habe ich den Mann noch viel zu sehr unterschätzt. Frank Müntefering darf nicht zurückkehren.

SpOn — Müntefering vor Comeback

Karikatur: Spiegelfechter unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend.

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4 Antworten zu “Warum Franz Müntefering nicht zurückkehren darf”

  1. Oliver sagt:

    Ich könnte es nicht, als was Münti da tut, aber ich kann auch nicht in die Köpfe anderer hineinschauen.

  2. Solarix sagt:

    Wer weiss woher schon woher sein Beweggrund kommt. Schwierig zu beurteilen ist es allemal, vielleicht bleibt Ihm nach dem Tod seiner Frau nicht mehr viel was er noch tun könnte und er kehrt deswegen in die Politik zurück. Der Mann hatte und hat sicher keine einfache Zeit hinter sich, von daher wie Oliver sagt, wer weiss schon was der Beweggrund ist, vielleicht ist es auch die Parteisoldatenmentalität: «Ich muss meiner Partei in der Krise helfen». Wir können nur spekulieren und Spekulation ist gegenstandslos, wir werden es erleben, ob er ueberhaupt noch den Anschluss findet, dass weiss man ja auch noch nicht.

  3. Leto sagt:

    >Franz Müntefering als Retter der SPD? Das wäre ungefähr das gleiche, als würde man Helmut Kohl in einen Techno-Schuppen auf die Tanzfläche schicken.

    Herrlich Formulierung auch wenn mir das Bild so schnell nicht mehr aus dem Kopf geht.

  4. Friedemann sagt:

    @Chris:
    Dieser Artikel ist herrlich und entspricht auch meiner Einschätzung.
    Mit Münte wird der Abgesang eingeläutet. Der hat doch seine Zukunft schon hinter sich!

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