Warum Claudia Roth zurückziehen muss

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Niederlagen gehören zu dem Berufsbild eines Politikers, mit diesen muss ein Politiker umgehen. Solange sie politisch bleiben, ist es sicherlich nicht einfach, gehört zur Demokratie aber zwingend dazu. Bei der Urwahl der Grünen hat Claudia Roth eine Niederlage erlitten, die weit über eine politische Niederlage hinausgeht.

Kein anderer Politiker repräsentiert die Grünen so sehr, wie Claudia Roth. Wer von der verrückten, sympathischen, manchmal schrillen Basis der Grünen sprach, hatte immer auch Claudia Roth im Sinn. Die taz hat in einem Artikel hervorragend beschrieben, was Roth für die Grünen bedeutet — aber auch, was die Grünen für Claudia Roth bedeuten.

Die letzten beiden Tage werden für Claudia Roth sehr schwer gewesen sein, das Ergebnis der Urwahl ist eine große Enttäuschung. Die grünen Spitzen machen den Anschein, als hätten sie selbst dieses Ergebnis nicht erwartet, die Wahl sei keine Wahl gegen Claudia Roth gewesen, sondern für Karin Göring-Eckardt, heißt es unisono.

Ich glaube, auch wenn es sehr weh tut, damit könnte Claudia Roth leben. Die Entscheidung, ob sie nun zurückzieht und nicht, wieder als Parteivorsitzende antritt, wird nicht aus dieser Enttäuschung heraus fallen. Wenn Claudi wieder im Rahmen ihrer Lieben auf dem Parteitag glänzt, werden die Tränen vergessen sein.

Das Problem liegt an anderer Stelle: oftmals heißt es, die Parteibasis sei fortschrittlicher, als die eigene Parteiführung, sei es bei gesellschaftlichen Entwicklungen oder die Zukunft der eigenen Partei. Das gilt im Übrigen nicht nur für die Grünen: Ole von Beust beispielsweise hat ein bemerkenswertes Interview der FAS gegeben.

Die Parteiführung der Grünen mag erschrocken sein, doch die Parteibasis hat den eigenen Rechtsruck vollendet, mit dem schon vor längerer Zeit begonnen wurde. Göring Eckardts erster Auftritt, als sie vehement die bürgerliche Mitte Mitte propagierte, erinnerte an Gerhard Schröder 1998. Was Frank-Walter Steinmeier innerhalb der SPD, ist Göring-Eckardt innerhalb der Grünen: Architektin der Agenda 2010. Unter ihr wäre auch eine rechts-konservativ-liberale Ampel vorstellbar.

Die Frage, die sich Claudia Roth nun stellen muss: kann sie, das letzte Original der Grünen, diese neue Partei als Vorsitzende repräsentieren? Ich denke nicht, dass sie es kann. Im Gegenteil, sie würde ihr eigenes Lebenswerk verraten. Ich mag Claudia Roth als Mensch, als Politikerin, ich habe sie einmal hier in Hamburg sehen dürfen. Ich habe in der Vergangenheit selten die Grünen gewählt, und wenn, dann wegen Claudia Roth und nicht trotz ihrer Person.

Wenn die Medienberichte stimmen, hat Claudia Roth weitestgehend ihr Privatleben für die Grünen geopfert. Ich würde ihr wünschen, dass sie die Kraft findet, loszulassen und neues Glück außerhalb der grünen Familie findet. Die Grünen, die Claudia Roth repräsentiert, gibt es nicht mehr. Die Urwahl, das Votum der Parteibasis, hat dies eindrucksvoll bewiesen.

Möchte Claudia Roth sich selbst treu bleiben, bleibt nur der Rückzug.

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Eine Antwort zu “Warum Claudia Roth zurückziehen muss”

  1. Wie wir wissen, ist es anders gekommen…

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