Walt Disney Lustiges Taschenbuch Nr. 118 — Donald, der Weltenbummler aus dem Jahr 1987

DonaldDies ist ein Gastbeitrag von F!XMBR-Leser Arvid, der mich per Mail erreichte.

Vor etwa 20 Jahren, als das Internet, die digitale Kommunikation und der elektronische Datenschutz noch Fremdwörter waren, habe ich in einem Donald-Duck-Comic eine Geschichte gelesen, die aus damaliger Sicht etwa so futuristisch war, wie die Geschichten von Jules Verne zu dessen Zeit.

Walt Disney Lustiges Taschenbuch Nr. 118
Die elektronische Revolution, Seiten 152–205
Donald, der Weltenbummler
1987

Durch ein vorbeirasendes Feuerwehrauto werden Donald und seine drei Neffen Tick, Trick und Track auf ein Feuer in Onkel Dagoberts Geldspeicher aufmerksam. Die vier eilen dorthin, die Feuerwehr löscht den Brand und es wird schnell klar, was der Grund für das Feuer war: Eine alte kohlebetriebene Dampfrechenmaschine hat einen Berg aus Briefen, Formularen und Akten in Brand gesetzt. Onkel Dagobert schimpft über den immer schlimmer werdenden Papierkrieg und die ausufernden Bürokratie, die für ihn einen immensen finanziellen und personellen Mehraufwand bedeutet und ein extremes Hemmnis bei der Durchführung seiner Geschäfte ist.

Zufällig kommt Onkel Dagobert in den Besitz eines Heimcomputers, und da er und Donald keine Ahnung haben, um was es sich hierbei handelt, beginnen die drei Neffen, den beiden die Funktionsweise und Anwendung eines Heimcomputer zu erklären. Es werden die Hardwareelemente aufgezählt und dass ein Heimcomputer in kürzester Zeit die Arbeit von mehreren Angestellten vollbringen kann. Onkel Dagobert und Donald sind völlig fassungslos und können dies alles gar nicht glauben. Als die Neffen erklären, dass man für die Benutzung des PCs Software und hierfür wiederum eine eigene Sprache benötigt, macht sich Donald darüber lustig und bezeichnet dies alles als ziemlichen Unsinn.

Onkel Dagobert dagegen lächelt verschmitzt und in seinen Gedanken erscheinen die ersten Taler-Zeichen…

Eine Woche später eröffnet Onkel Dagobert Donald und den drei Neffen strahlend, dass bei ihm die elektronische Revolution begonnen und er alles auf Computer umgestellt habe. Somit seien auch die ganzen Papierarchive jetzt überflüssig. Er führt die vier in seiner neuen Verwaltung herum und zeigt ihnen die Veränderungen: Das Hauptarchiv ist in ein hochmodernes Rechenzentrum mit dem Zentralcomputer Computax 5001 umgewandelt worden. Alle Daten werden jetzt auf Disketten und Magnetbändern gespeichert. Die Verwaltung ist jetzt ein Großraumbüro mit Computerarbeitsplätzen, welche alle untereinander und zusätzlich mit dem Computax verbunden sind. Onkel Dagoberts gesamte Kommunikation mit all seinen Firmen kann er jetzt bequem von seinem Computer erledigen, ohne auch nur den Sessel verlassen zu müssen. Onkel Dagoberts Angestellte werden umgeschult und sind von der neuen Technik begeistert, da die umständlichen Ablagen weggefallen sind und man sich jetzt per Bildschirm mit anderen Mitarbeitern unterhalten kann. Es wird mehr geleistet und trotzdem werden weniger Fehler gemacht, was zu mehr Freizeit führt.

Und Onkel Dagoberts Geldspeicher füllt sich immer schneller, da, wie ihm ein Mitarbeiter berichtet, durch die Rationalisierung bereits Milliarden eingenommen wurden und Dank der elektronischen Inventur mehr Fabriken in seinem Besitz gefunden wurden, als bisher angenommen. Durch den gestiegenen Wohlstand und die Konsumfreude der Bürger kann die industrielle Produktion nicht mehr die überall gestiegene Nachfrage nach diversen Gütern befriedigen. Deshalb nimmt Onkel Dagobert den Industrieroboter Ducky 001 in Betrieb, der ab sofort die industrielle Produktion übernimmt. Die Produktivität explodiert, da dieser Roboter überall und zu jeder Tageszeit eingesetzt werden kann und auch keine Urlaub benötigt. Die menschlichen Arbeiter übernehmen nur noch die Bildschirmüberwachung der Roboter.

Ein Angestellter Onkel Dagoberts schlägt vor, da er doch sowieso an einem Bildschirm arbeite, könne er dies ja auch von zuhause aus machen und somit eine Menge Zeit sparen. Onkel Dagobert ist hellauf begeistert: Und so werden in der ganzen Stadt neue (überirdische) Kabel verlegt und schon bald hat jeder einen Rechner zuhause, die natürlich auch alle mit dem Computax verbunden sind. Die Überwachung der industriellen Produktion und Reparatur der Fertigungsroboter wird nun per Fernwartung erledigt. Nach und nach wird der Heimcomputer von den Bürgern auch für immer mehr private Dinge genutzt: Supermarkteinkauf, Bildschirmtelefon, Teilnahme an der Schach-WM, TV-Übertragung des Schulunterrichts auf den Rechner der Kinder, Speicherung von Kochrezepten, Erledigung der Heizkostenabrechnung.

Doch die drei Neffen äußern erste Bedenken. Sie bezweifeln, ob dies ewig so weitergehen werde und bemerken, dass es schon die ersten nachteiligen Berichte gäbe. Und in der Tat: Der Bürgermeister erscheint und fordert Onkel Dagobert wütend auf, keine weiteren Datenverarbeitungsanlagen zu bauen. Dies begründet der Bürgermeister mit folgenden Punkten:

  • da kein Bürger mehr das Haus verläßt, steht der ÖPNV, Hotels, Restaurants und Kinos vor dem Ruin
  • niemand kann wegen des Lärms nachts mehr schlafen, da die Roboter Tag und Nacht produzieren
  • durch den Bewegungsmangel werden die Leute immer dicker, selbst die Kinder hätten schon deutliches Übergewicht
  • da sie in fast allen Dingen vom PC abhängig sind, denken die Bürger nicht mehr selber nach, und so würde ein Volk von Dummköpfen und Fachidioten entstehen; keiner würde mehr selbstständige Entscheidungen treffen

Onkel Dagobert weigert sich, diese Entwicklung zu stoppen. Die Einführung des Computax hätten für ihn, Dank der guten Geschäfte mit den Heimcomputern, nur Vorteile gebracht.

Ortswechsel:

Auch die Panzerknacker haben die elektronische Revolution nicht verschlafen und haben sich fortgebildet, indem sie im Stadtgefängnis einen Kurs zum Hacken von Computer belegt haben. Am Abend setzen die Panzerknacker ihren Plan um und brechen in das Zentralarchiv von Onkel Dagobert ein, um dort Rechner und Daten zu stehlen. Die automatischen Videokameras, die das Zentralarchiv bewachen sollen, werden mit einer Plakatwand überlistet, auf welcher Form und Farbe der Außenmauer des Archivs aufgebracht ist. Hinter dieser Plakatwand können die Panzerknacker unbeobachtet und ungestört in das Archiv eindringen.

Am nächsten Morgen ruft Onkel Dagobert an seinem Computer die neuesten Geschäftsdaten ab, auf dem Bildschirm erscheinen aber Geheiminformationen:

  • Daten von Onkel Dagoberts Geheimkonto
  • Bestandteile von Onkel Dagoberts neuen Schmieröls
  • persönliche Finanzdaten von Bürgern Entenhausens
  • weitere persönliche Daten der Bürger aus unterschiedlichsten Bereichen

Die veröffentlichten Informationen sorgen für heftige Reaktionen bei den Bürgern: Aha. Der Müller spekuliert auf meinen Posten. Sehr interessant. Schau an. Der Schuhmacher trägt ein Toupet und behauptet, er hätte noch kein graues Haar. Allerhand. Das stimmt nicht, Liebling. Ich war auf einer Geschäftsreise.

Onkel Donald und die drei Neffen kommen in Onkel Dagoberts Büro gestürmt. Dieser kann sich nicht erklären, wie die Veröffentlichung privatester Daten passieren konnte und er weiß auch nicht, wie diese zu stoppen ist. Plötzlich erscheinen die Panzerknacker und eröffnen Onkel Dagobert, dass sie hinter der Veröffentlichung der Geheimdaten stehen und gegen Zahlung von 4 Milliarden Taler von weiteren Veröffentlichungen absehen werden: So kann’s einem gehen, wenn man so hinterhältig ist und eine Menge vertraulicher Informationen über die Entenhausener Bürger und ihre Gewohnheiten speichert! Wer nicht gerade auf den Kopf gefallen ist, schafft es nämlich mit links, in die elektronische Vernetzung reinzukommen und diese Informationen jederzeit und überall abzurufen. Onkel Dagobert versucht sich zu verteidigen: Aber der Computax 5001 war doch extra auf Geheimstufe eins programmiert. Was Sie da tun, ist eine Datenschutzverletzung. Die Panzerknacker wiederholen ihre Geldforderung und die Drohung, weitere Daten zu veröffentlichen. Dann verabschieden sie sich und lassen einen völlig verzweifelter Onkel Dagobert zurück.

Donald und die drei Neffen beraten sich, was nun zu tun ist. Donald schlägt vor, den Computax zu diesem Problem zu befragen, und, nachdem dieser das Pro und Contra zum Problem Erpressung durch die Panzerknacker abgewogen hat, seinem Lösungsvorschlag zu folgen. Onkel Dagobert ist von dieser Idee begeistert und gibt daraufhin sämtliche Daten zu der Erpressung in den Computax ein: Soll er entscheiden, wie ich da wieder rauskomme. In Sekundenbruchteilen erreichen die Daten den Zentralcomputer und dieser beginnt, nach einer Lösung zu suchen. Die Folge: Der Computax explodiert und mit ihm alle an ihn angeschlossenen Rechner und somit auch der Rechner der Panzerknacker. Das gesamte Netzwerk bricht zusammen.

Die Bürger erkennen ihre totale Abhängigkeit von der neuen Technik, gehen wütend auf die Straße und beginnen mit der Zerstörung der gerade erst neu verlegten Computax-Datenkabel: Der Computax 5001 ist an allem schuld. Wir hätten ihm nicht trauen dürfen. In Entenhausen kehrt das alte Leben zurück, die Arbeiter strömen wieder in die Fabriken, die Angestellten wieder in die Büros, die Kinder wieder in die Schule. Mit Blick vom Balkon von Onkel Dagoberts Geldspeicher auf das wiedererwachte Entenhausen ziehen Onkel Dagobert, Donald und die drei Neffen ein Fazit der elektronischen Revolution: Track: Der Fortschritt hat uns praktisch überrollt. Das konnte ja nicht gutgehen. Onkel Dagobert: Unsinn. Die Elektronik ist völlig in Ordnung. Die kann nichts für die Probleme. Die Menschheit ist noch nicht reif genug, den Fortschritt zu bewältigen. Das ist der springende Punkt. Sie muss sich selber geistig fortentwickeln, um mit der Technik Schritt zu halten.

Man kommt zu der Erkenntnis, dass seine eigene Zerstörung und die aller anderen Rechner vielleicht vom Zentralcomputer sogar gewollt war, weil es die einzige Möglichkeit war, das Problem Erpressung durch die Panzerknacker zu lösen. Das abschließende Bild der Geschichte zeigt einen völlig demolierten Rechner auf einer Müllhalde, auf dessen Bildschirm die letzte Meldung des Zentralcomputers zu lesen ist:

TEST ENDE

Wenn einer der F!XMBR noch rein zufällig das Lustige Taschenbuch Nr. 118 — Donald, der Weltenbummler — über hat und mir vielleicht überlassen könnte, wäre ich sehr verbunden und sehr dankbar. :)

Foto: caniswolfie unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend.

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6 Antworten zu “Walt Disney Lustiges Taschenbuch Nr. 118 — Donald, der Weltenbummler aus dem Jahr 1987”

  1. Oliver sagt:

    >Taschenbuch Nr. 118

    Pfft ich rück keine raus 😀

  2. blue sagt:

    ja ich habs auch aber tut mir leid
    ich rücks auch nich raus
    ich empfehl dir mal bei ebay zu schauen, da kommt man oft billig an die ran

  3. Casi sagt:

    Schließe mich blue an — habs gerade für 1,50 per Sofortkauf ergattert bei ebay — plus 1,10 für Porto war mir der Spaß wert 😉

  4. […] Walt Disney Lustiges Taschenbuch Nr. 118 — Donald, der Weltenbummler aus dem Jahr 1987 | F!XMBR Ich bin mir sicher 118 gibts noch in den Beständen von etlichen Bibliotheken. (tags: owl-content) […]

  5. yasar sagt:

    Ich habe das auch noch in meine vielen Kartons, aber rausrücken tu ichs trotzdem nicht.

    Aber Ehapa hat vor einiger zeit die ganzen LTB von 1 bis ca 200 neu aufgelegt. Da sollten noch welche zu ergattern sein.

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