Wahre Worte von Günter Wallraff

WallraffIch halte Günter Wallraff für einen der besten, mutigsten und intelligentesten Journalisten dieses Landes. Günter Wallraff verdient meiner Meinung nach diese Berufsbezeichnung wie kaum ein Kollege. Zudem hat er Eines nie vergessen: Das Menschsein. Hier hatte ich schon ein Gespräch zwischen ihm und Heinrich Kalbfuß entsprechend gewürdigt — zeitlos, auch heute noch Tipp des Tages. Günter Wallraff hat der SZ ein Interview gegeben. Wie man es von ihm schon fast gewohnt ist, findet man dort wahre, fast große Worte. Nicht nur zur SPD findet sich dort manche Stilblüte, auch zu seiner Person hat Günter Wallraff den einen oder anderen Satz parat. Zu Innenminister Schäuble und den immer ausufernden Überwachungsplänen sagt Wallraff: Innenminister Wolfgang Schäuble ist nicht korrupt, sondern meint, aus inbrünstiger Überzeugung, dem Staatswesen zu dienen — aber während der Inquisition war der Klerus genauso überzeugt, er würde dem göttlichen Recht zum Durchbruch verhelfen.

Natürlich ist ein geschichtlicher Vergleich immer problematisch — jedoch steckt in diesem Absatz auch des Pudels Kern. Ich glaube ebenso wie Wallraff, dass Schäuble, Wiefelspütz & Co. überzeugt sind, dass es richtig und notwendig ist, was sie tun. Es liegt an der Gesellschaft, die Herren vom Gegenteil zu überzeugen, von diesem Irrweg abzubringen. Doch das wird meiner Meinung nach nicht gelingen. Meinungsstärke bedeutet in den hohen politischen Gefilden Meinungsmonopol — selbst die Nachrichten in den etablierten Medien werden dem Herrn Schäuble zum Beispiel gefiltert vorgelegt. Ich bin davon überzeugt, dass Wolfgang Schäuble nicht den Grundrechteabbau sieht, der für gar nicht vorhanden ist, sondern dass er davon überzeugt ist, unser Land zu schützen und Unschuldige Unschuldige sein zu lassen. Da wird es kein Blogeintrag bis auf den Schreibtisch des Innenministers schaffen, der ihn vielleicht vom Gegenteil überzeugen könnte. Jeder einzelne da draußen muss beim Nachbarn, beim Familienmitglied, beim Arbeitskollegen anfangen — dumm nur, dass das keine Verlinkungen gibt. Aber das würde jetzt zu weit gehen — Wallraff ist das Thema, nicht Berliner Blog– und Medien-Awareness.

Nachfolgender Satz könnte auch aus meiner Feder stamm — kurz und knackig sagt Wallraff zur SPD: Die SPD ist Konkursmasse. Schröder, Clement und Schily haben diese Partei in den Bankrott geführt. Und sie erwecken den Eindruck, dass Politiker allgemein käuflich sind — was ja nicht stimmt. Die drei sind die Totengräber der Sozialdemokratie. Sie haben hohe Werte, die die SPD ausmachten, verraten. Besser kann man es kaum ausdrücken. Weitestgehend schreiben viele unverbesserliche sogenannte Journalisten zwar immer noch, als wären sie im Auftrag der INSM und des Konvents für Deutschland unterwegs. Die Totengräber der SPD und unseres Landes werden zur letzten Rettung hochsterilisiert — Kurt Beck ist mittlerweile ein Linker, auf Seiten der Andrea Nahles. So ein wirres Zeug liest man noch allzu häufig — da bleibt einem nur ein Kopfschütteln. Doch die wenigen Stimmen, wie die von Günter Wallraff gibt es noch. Bei Wallraff darf man durchaus annehmen, dass er mittlerweile völlig unabhängig arbeiten und sich unabhängig äußern kann. Bei der Journaille dieses Landes ist das Gegenteil der Fall.

Auch zu Kurt Beck äußert sich Wallraff: Jemand, der von einer Meute gehetzt wird und zum Abschuss freigegeben ist, weil er angeblich für das Dilemma der SPD hauptverantwortlich ist, den muss ich geradezu in Schutz nehmen. Mir ist Beck, was seine sozialen Vorstellungen betrifft, allemal sympathischer als derjenige, der von Wirtschaftskreisen protegiert wird und denen als Kanzlerkandidat allemal willfähriger ist. Dazu muss man eigentlich kaum noch etwas sagen. Bei aller notwendigen Kritik an manchem Verhalten des Kurt Beck — das von Wallraff beschriebene Verhalten ist auch hier auf F!XMBR zu beobachten. Kurt Beck hat am wenigsten Schuld an der derzeitigen SPD-Misere. Schröder, Müntefering, Steinmeier, Steinbrück, Schily & Co. — dazu die Seeheimer, die Netzwerker und man hat eine schärfere Kopie der FDP. Diese Personen haben (gewählt und abgesegnet von der Basis, das sollte man auch niemals vergessen) die Sozialdemokratie zerstört.

Auch zu dem Begriff Reform, und wozu dieser in heutiger Zeit missbraucht wird, findet sich auf F!XMBR der eine oder andere Artikel. Wallraff sagt: Wieder so ein Beispiel, wie ehemals positiv besetzte Begriffe entwertet werden. Reform bedeutete ursprünglich — soweit ich mich erinnere — etwas Fortschrittliches im Sinne von sozialer Verbesserung und ist nun als wohlfeile Floskel für gewaltigen sozialen Rückschritt inflationär missbraucht. […] Ansonsten sehe ich Merkel als Vertreterin einer offensiv wirtschaftsliberalen Haltung, die selbst die schüchternen, aber notwendigen und für jedermann nachvollziehbaren sozialen Vorschläge ihres Parteifreundes Rüttgers diffamiert und abkanzelt. Wallraff hat das große Talent, schwierige Sachverhalte einfach, klar und strukturiert rüberzubringen. Es gibt Kollegen, die schreiben seitenlange Artikel, schaffen es aber nicht, einen Sachverhalt einfach und klar, verständlich dem Leser näher zu bringen.

Wenn auch im Hinblick auf die Parteien, so lässt sich nachfolgender Satz Wallraffs sicherlich auf unsere Gesellschaft übertragen: Die austauschbaren und angepassten Parteisoldaten und Funktionäre sind doch inzwischen vorherrschend. Unsere Gesellschaft besteht nur noch aus angepassten, stromlinienförmigen Menschen, die nur noch ein Ziel kennen: Wie kommt das Geld aus der einen Tasche in die meinige. Wie schlage ich mich möglichst ertragreich und ohne aufzufallen durchs Leben. Das geht sogar so weit, dass angeblich kritische Bewegungen vom linken Neoliberalismus schwafeln. Dabei ist auch nichts anderes gemeint, als purer Egoismus, der Vorteil Weniger zum Nachteil der großen Mehrheit. Die Parteien sind auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Wenn die Parteien dem Neoliberalismus huldigen, so ist das auch vom Volk gewollt. Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber. Aber — es gibt immer wieder Hoffnung. Das Volk mag zwar blind sein — es kann aber im Dunkeln sehen. immer mehr Menschen schalten das Licht zu Hause ein — trotz der horrenden Energiepreise. Zum Abschluss sollten die Worte Wallraffs zum Journalismus stehen. Was die heutigen Journalisten treiben ist Beschränkt-Sein, ist Angepasst-Sein. Nicht nur die Zitate sind es wert, gelesen zu werden — in dem Interview erfährt man auch viel über den Menschen Wallraff. (via from hades)

Bild: Wikipedia

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2 Antworten zu “Wahre Worte von Günter Wallraff”

  1. Pollux sagt:

    Ich stimme Walraff zu. In Bezug auf die SPD auf Bundesebene. In den Ländern, Kommunen und im Ort ist die SPD oft quicklebendig.

    Da kommen verkopfte Ex-DKPler von der Linkspartei, breitarschige CDUler oder die Sparkassenjungs von der FDP oft nicht hinterher, was von der SPD mitunter vor Ort an Initiativen gestartet wird.

    Laßt die SPD auf Bundesebene ruhig auf 25% abkrachen — wir kommen wieder, keine Frage.

  2. Oliver sagt:

    >In den Ländern, Kommunen und im Ort ist die SPD oft quicklebendig.

    Das hat einen einfachen Grund, auf den Dörfern jucken die großen Themen kaum, grob gesagt ist da der Lärm der Kühe morgens doch von größerer Relevanz oder ob wer den neuen Brunnen einweihen darf. Kurzum, auf dem Land wählt man denjenigen vor Ort der auch etwas leisten kann und das kann gar die CDU sein. Aber leider Gottes marschieren auch dort die Parteisoldaten, die wählen zur Tradition machten und Hirn gegen Parteibuch tauschten.

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